Die Geburt einer Legende aus dem Exil
Die Geschichte von Gong ist keine gewöhnliche Bandbiografie. Sie ist eine kosmische Erzählung, die aus Zufall, politischem Exil und einer unbändigen kreativen Vision geboren wurde. Im Zentrum dieser Saga steht der australische Musiker Daevid Allen, dessen unfreiwilliger Aufenthalt in Frankreich 1967 den Grundstein für eine der eigenwilligsten und einflussreichsten Bands der Progressive- und Space-Rock-Geschichte legte. Nachdem ihm wegen eines abgelaufenen Visums die Wiedereinreise nach Großbritannien verwehrt wurde, endete seine Zeit bei der richtungsweisenden Canterbury-Band Soft Machine abrupt. Doch dieser Schicksalsschlag erwies sich als schöpferischer Katalysator. Gestrandet in Paris, einer Stadt, die in den späten 60er Jahren von künstlerischer und politischer Gärung brodelte, fand Allen den perfekten Nährboden für seine unkonventionellen Ideen.
Zusammen mit seiner Partnerin, der Sorbonne-Professorin Gilli Smyth, begann er, ein neues musikalisches Kollektiv zu formen. Die Band Gong war von Anfang an ein internationales, multikulturelles Projekt, das sich bewusst außerhalb der etablierten britischen Musikszene positionierte. Diese geografische und kulturelle Distanz wurde zu einem prägenden Merkmal. Sie ermöglichte eine einzigartige Fusion aus britischer Psychedelia, französischem Avantgardismus und einem Hauch kosmischer Philosophie. Die Unruhen der Pariser Studentenrevolution im Mai 1968 zwangen Allen und Smyth erneut zur Flucht. Sie fanden Zuflucht in der Künstlerkommune von Deià auf Mallorca. Hier, in einer fast mythischen Umgebung, trafen sie auf den Saxophonisten Didier Malherbe, der der Legende nach in einer Höhle auf dem Anwesen des Schriftstellers Robert Graves lebte. Solche Anekdoten sind keine bloßen Fußnoten, sondern essenzieller Bestandteil der Gong-Mythologie, die Realität und Fiktion zu einem untrennbaren Ganzen verwebt. Diese frühen Jahre des Exils und der ständigen Bewegung schufen eine Band ohne feste Heimat, eine nomadische Einheit, deren Musik die Suche nach einem metaphysischen Zuhause widerspiegelte – dem Planeten Gong.
Die Gong-Mythologie: Mehr als nur MusikWas Gong von praktisch allen anderen Bands ihrer Zeit unterschied, war die Entwicklung einer umfassenden und tiefgründigen Mythologie. Diese war keine bloße Marketing-Idee, sondern das Herzstück ihrer künstlerischen Identität. Basierend auf einer Vision, die Daevid Allen 1966 während eines LSD-Trips auf Mallorca hatte, entfaltete sich eine komplexe Saga um Charaktere wie Zero the Hero, die Pot Head Pixies und ihre fliegenden Teekannen. Diese Erzählung, die sich über mehrere Alben erstreckt, ist eine humorvolle und zugleich tiefsinnige Allegorie auf die menschliche Existenz, die Suche nach Erleuchtung und die Kritik an einer materialistischen Gesellschaft. Die Musik von Gong war der Soundtrack zu dieser Mythologie. Der Space Rock der Band, geprägt von Allens charakteristischer „Glissando“-Gitarre, Gilli Smyths ätherischen „Space Whispers“ und den jazzigen Improvisationen von Didier Malherbe, schuf eine Klanglandschaft, die das Publikum direkt in das Gong-Universum transportierte. Die Verbindung von progressivem Rock, Jazz-Fusion, Psychedelia und einer fast kindlichen Verspieltheit war einzigartig. Während andere Progressive-Rock-Bands oft in technischer Virtuosität und ernster Thematik schwelgten, brachte Gong einen Sinn für Humor, Anarchie und spirituelle Verspieltheit in das Genre ein. Diese Philosophie machte Gong nicht nur zu einer Band, sondern zu einem Kollektiv, einer „Gong Global Family“, die über Jahrzehnte hinweg unzählige Musiker inspirierte und bis heute eine treue, weltweite Anhängerschaft besitzt.
Das Kollektiv: Schlüsselfiguren des Gong-Universums
Daevid Allen – Der Visionär und „Dingo Virgin“Christopher David Allen (13. Januar 1938 – 13. März 2015) war mehr als nur der Gründer von Gong; er war ihr Prophet, ihr Chef-Ideologe und ihr unermüdlicher Motor. Geboren in Melbourne, Australien, zog es ihn früh nach Europa, wo er im legendären Beat Hotel in Paris landete und sich von den Schriften von William S. Burroughs und der Musik von Sun Ra inspirieren ließ. Diese Einflüsse – die nonkonformistische Haltung der Beat-Generation und die kosmische Philosophie des Free Jazz – verschmolzen in seiner künstlerischen Vision. Sein Gitarrenspiel war unkonventionell und prägend. Inspiriert von Syd Barrett von Pink Floyd, entwickelte er die „Glissando“-Technik, bei der er mit einem Metallobjekt über die Saiten glitt, um schwebende, weltraumähnliche Klänge zu erzeugen. Doch seine wahre Genialität lag in seiner Fähigkeit, komplexe philosophische Ideen in eine zugängliche, humorvolle und fantastische Mythologie zu verpacken. Die berühmten fliegenden Teekannen waren beispielsweise eine direkte Anspielung auf Bertrand Russells philosophisches Argument der „Himmelsteekanne“. Allen war ein unermüdlicher Schöpfer, der auch nach seinem ersten Ausstieg bei Gong 1975 unzählige Projekte wie Planet Gong und New York Gong ins Leben rief und die „Gong Global Family“ am Leben hielt. Er hatte vier Söhne, darunter Orlando Allen, der später selbst in der Band Schlagzeug spielte. 2014 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Nach einer kurzen Besserung kehrte die Krankheit zurück. Allen lehnte eine weitere aggressive Behandlung ab und verbrachte seine letzten Monate in seiner Heimat Australien, wo er im März 2015 im Alter von 77 Jahren verstarb. Sein Tod war kein Ende, sondern, wie er es selbst formuliert hätte, eine weitere Transformation in der kosmischen Reise.
Gilli Smyth – Die „Gute Hexe Yoni“ und ihre Space WhispersGillian Mary Smyth (1. Juni 1933 – 22. August 2016) war die weibliche Stimme und das poetische Herz von Gong. Die in London geborene Akademikerin und Dichterin traf Daevid Allen in den 60er Jahren und wurde zu seiner wichtigsten kreativen Partnerin. Ihre Rolle in der Band ging weit über die einer Sängerin hinaus. Mit ihren „Space Whispers“ – einer Technik aus geflüsterten, ekstatischen und oft außerirdisch klingenden Lauten – schuf sie eine einzigartige Klangtextur, die zu einem Markenzeichen von Gong wurde. Sie war die Verkörperung der „Guten Hexe Yoni“, einer zentralen Figur in der Gong-Mythologie. Ihre Bühnenpräsenz war theatralisch und fesselnd; sie trat oft in Kostümen auf, die ihre verschiedenen mythologischen Rollen darstellten – mal als Prostituierte, mal als kosmische Mutter. Smyth war eine starke feministische Stimme innerhalb der von Männern dominierten Progressive-Rock-Szene. 1975 verließ sie Gong, um sich mehr um ihre beiden Söhne mit Daevid Allen, Tasmyn und Orlando, zu kümmern. Doch ihre musikalische Reise war damit nicht zu Ende. Sie gründete ihre eigene Band, Mother Gong, in der sie ihre feministischen und spirituellen Themen weiter erforschte. Über die Jahre kehrte sie immer wieder für Reunion-Projekte zu Gong zurück und blieb eine zentrale Figur der „Gong Family“. Im August 2016 verstarb Gilli Smyth im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Ihr Erbe als Pionierin des Space Rock und als eine der wenigen weiblichen Ikonen des Genres lebt weiter.
Didier Malherbe – Der „Bloomdido Bad de Grass“Der französische Saxophonist und Flötist Didier Malherbe (geboren am 22. Januar 1943) war das musikalische Gewissen von Gong. Während Allen die Vision und die Mythologie lieferte, verankerte Malherbe den Sound der Band mit seiner außergewöhnlichen musikalischen Virtuosität. Seine Entdeckung durch Allen und Smyth auf Mallorca ist eine der Gründungslegenden der Band. Sein Spiel, das von klassischem Jazz ebenso beeinflusst war wie von Weltmusik, verlieh der Band eine musikalische Tiefe und Vielseitigkeit, die sie von vielen rein psychedelischen Bands abhob. Seine Saxophon-Soli waren oft ekstatisch und frei, während seine Flötenmelodien, gespielt auf einer Vielzahl exotischer Instrumente, den kosmischen Klanglandschaften eine organische, erdige Qualität verliehen. Malherbe blieb auch nach dem Ausstieg von Allen und Smyth ein Kernmitglied und war maßgeblich an der Entwicklung des jazz-fusion-lastigeren Sounds auf Alben wie *Shamal* beteiligt. Nach seinem endgültigen Ausstieg gründete er mehrere eigene Projekte wie Bloom und das Hadouk Trio, mit denen er seine Leidenschaft für Weltmusik und Jazz weiterverfolgte. Er ist auch ein veröffentlichter Dichter. Malherbe ist bis heute aktiv und kehrt regelmäßig für besondere Gong-Projekte zurück, ein lebendes Bindeglied zwischen den verschiedenen Epochen der Band.
Weitere Schlüsselfiguren und ihre BeiträgeGong war immer ein fluktuierendes Kollektiv. Steve Hillage (Gitarre) stieß 1973 zur Band und wurde mit seinem virtuosen Spiel und seiner technischen Finesse zu einem entscheidenden Faktor für den Sound der „Radio Gnome Invisible“-Trilogie. Sein Einfluss brachte eine härtere, rockigere Kante in die Musik. Nach seinem Ausstieg startete er eine erfolgreiche Solokarriere und gründete später mit seiner Partnerin Miquette Giraudy das Ambient-Dance-Projekt System 7. Pierre Moerlen (Schlagzeug), ein klassisch ausgebildeter Perkussionist, übernahm nach Allens Ausstieg die Führung und transformierte die Band in Pierre Moerlen’s Gong, ein hoch angesehenes Jazz-Fusion-Ensemble. Sein präzises, komplexes Schlagzeugspiel war ein starker Kontrast zu der eher organischen Rhythmik der frühen Jahre. Mike Howlett (Bass) war der rhythmische Anker während der klassischen Trilogie-Phase und brachte einen funkigen, von Motown inspirierten Groove in die Band. Nach seiner Zeit bei Gong war er maßgeblich an der Entdeckung von The Police beteiligt. Und schließlich Kavus Torabi, der von Daevid Allen persönlich auserwählt wurde, um die Band nach seinem Tod weiterzuführen. Als Frontmann der heutigen Inkarnation von Gong ehrt er das Erbe, indem er es nicht museal bewahrt, sondern mutig in die Zukunft führt.
Das Opus Magnum: Die „Radio Gnome Invisible“ Trilogie
Zwischen 1973 und 1974 schuf Gong ihr unbestrittenes Meisterwerk: die „Radio Gnome Invisible“ Trilogie. Bestehend aus den Alben Flying Teapot, Angel’s Egg und You, bildet diese Werkreihe das Herzstück der Gong-Mythologie und zementierte den Status der Band als eine der originellsten Formationen des Progressive Rock. Die Trilogie ist eine klangliche und erzählerische Odyssee, die den Hörer auf eine Reise zum fiktiven Planeten Gong mitnimmt und ihn mit einer bizarren Schar von Charakteren bekannt macht, darunter die Pot Head Pixies, Zero the Hero und der Octave Doctor. Musikalisch ist die Trilogie eine Tour de Force, die Space Rock, Jazz-Fusion, Avantgarde und psychedelischen Pop zu einem nahtlosen Ganzen verbindet.
Flying Teapot (1973): Der Beginn der ReiseFlying Teapot, der erste Teil der Trilogie, fungiert als Einladung in das Gong-Universum. Das Album war Gongs Debüt bei dem neu gegründeten Label Virgin Records und wurde am selben Tag veröffentlicht wie Mike Oldfields Tubular Bells, was der Band sofort erhebliche Aufmerksamkeit verschaffte. Die Geschichte beginnt mit dem Charakter Mista T. Being, der durch einen magischen Ohrring Kontakt zum Piratensender „Radio Gnome Invisible“ aufnimmt und so von der Existenz des Planeten Gong erfährt. Gleichzeitig wird der Protagonist der Saga, Zero the Hero, in London von einer Vision heimgesucht, die ihn auf seine spirituelle Suche schickt. Musikalisch ist das Album geprägt von ausgedehnten, hypnotischen Jams und psychedelischen Klanglandschaften. Stücke wie der Titeltrack oder „The Pot Head Pixies“ sind Paradebeispiele für Gongs Fähigkeit, repetitive Grooves mit freien, improvisierten Soli zu verbinden. Steve Hillages Gitarrenarbeit tritt hier erstmals prominent in Erscheinung und verleiht dem Sound eine neue Dimension. Der Humor und die Absurdität der Texte stehen im Kontrast zur Komplexität der Musik und schaffen eine einzigartige Atmosphäre, die zugleich verspielt und tiefgründig ist.
Angel’s Egg (1973): Die OffenbarungNur wenige Monate später folgte mit Angel’s Egg der zweite Teil, der die Erzählung vertieft und die musikalische Palette der Band erweitert. Auf diesem Album reist Zero the Hero zum Planeten Gong und wird in die Geheimnisse der Pot Head Pixies eingeweiht. Ihm wird das „Angel’s Egg“ offenbart, ein mystisches Objekt, das die kollektive Seele der Oktav-Doktoren enthält und als Portal zu höherem Bewusstsein dient. Zero erhält den Auftrag, auf der Erde ein großes Fest zu organisieren, um die Menschheit zu erleuchten. Musikalisch ist Angel’s Egg fokussierter und abwechslungsreicher als sein Vorgänger. Die Songs sind kürzer und prägnanter, die Arrangements komplexer. Die Jazz-Einflüsse treten stärker in den Vordergrund, insbesondere durch das virtuose Zusammenspiel von Didier Malherbe (Saxophon, Flöte) und der Rhythmussektion aus Mike Howlett (Bass) und Pierre Moerlen (Schlagzeug). Gilli Smyths „Space Whispers“ erreichen hier einen Höhepunkt an Ausdruckskraft und tragen maßgeblich zur ätherischen Atmosphäre bei. Das Album zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens, die es meisterhaft versteht, anspruchsvolle musikalische Ideen mit einer fesselnden Geschichte zu verbinden.
You (1974): Der Höhepunkt und das Ende einer ÄraYou, der abschließende Teil der Trilogie, gilt vielen als das definitive Gong-Album. Es ist das musikalisch anspruchsvollste und klanglich dichteste Werk der klassischen Besetzung. Die Geschichte findet ihren dramatischen Höhepunkt: Zero the Hero organisiert das „Great Melting Feast of Freeks“ auf der Erde. Doch während alle anderen Anwesenden die Erleuchtung erlangen, wird Zero von irdischen Gelüsten abgelenkt und verpasst den entscheidenden Moment. Er ist dazu verdammt, auf dem Rad der Wiedergeburt zu verweilen – eine humorvolle, aber auch melancholische Wendung. Musikalisch ist You ein Meisterwerk des Space-Rock und der Jazz-Fusion. Die Stücke sind lang, komplex und instrumental dominiert. Die Band entfesselt eine unglaubliche Energie und Spielfreude. Das Zusammenspiel von Steve Hillages Glissando-Gitarre und Tim Blakes Synthesizer-Klangteppichen schafft eine dichte, kosmische Atmosphäre, während die Rhythmusgruppe um Pierre Moerlen und Mike Howlett mit komplexen Taktarten und treibenden Grooves brilliert. Stücke wie „Master Builder“ oder das epische „A Sprinkling of Clouds“ sind zeitlose Klassiker des Genres. You war nicht nur der krönende Abschluss der Trilogie, sondern auch das letzte Album der klassischen Besetzung um Daevid Allen. Es markiert den Höhepunkt einer kreativen Ära und bleibt ein Meilenstein in der Geschichte des Progressive Rock.
Metamorphosen: Die vielen Gesichter von Gong nach 1975
Das Jahr 1975 markierte einen tiefen Einschnitt in der Geschichte von Gong. Der kreative und persönliche Druck innerhalb der Band führte zum Ausstieg ihres Gründers und Visionärs Daevid Allen, dicht gefolgt von Gilli Smyth. Dieser Moment hätte das Ende der Band bedeuten können, doch stattdessen begann eine Phase der radikalen Metamorphose. Gong zerfiel nicht einfach, sondern spaltete sich auf und brachte eine Vielzahl von neuen Projekten und musikalischen Inkarnationen hervor, die gemeinsam die „Gong Global Family“ bilden. Diese Entwicklung zeigt die enorme Widerstandsfähigkeit und den unbändigen kreativen Geist, der das Kollektiv von Anfang an auszeichnete.
Pierre Moerlen’s Gong: Die Jazz-Fusion-ÄraNach dem Weggang von Allen und Smyth übernahm der Schlagzeuger Pierre Moerlen die Leitung der verbliebenen Musiker. Unter dem Namen Pierre Moerlen’s Gong schlug die Band eine völlig neue musikalische Richtung ein. Der psychedelische Space Rock mit seiner skurrilen Mythologie wich einem hochtechnischen, instrumentalen Jazz-Rock. Moerlen, ein klassisch ausgebildeter Perkussionist, legte den Fokus auf komplexe Rhythmen und virtuose Instrumental-Soli. Alben wie Gazeuse! (1976) und Expresso II (1978) präsentierten eine Band, die klanglich eher an Weather Report oder die Mahavishnu Orchestra erinnerte als an den alten Gong. Der prominente Einsatz von Vibraphon und Marimba, gespielt von Moerlen selbst und seinem Bruder Benoît, wurde zu einem Markenzeichen dieses neuen Sounds. Obwohl diese Inkarnation von Gong von Kritikern hochgelobt wurde und eine eigene Fangemeinde fand, entfremdete sie viele Anhänger der klassischen Ära, denen der Humor, die Spiritualität und die Anarchie der Allen-Jahre fehlten. Pierre Moerlen’s Gong bewies jedoch, dass der Name Gong nicht nur für eine bestimmte Besetzung stand, sondern für ein offenes Konzept musikalischer Exzellenz und Erkundung.
Die Gong Global Family: Mother Gong, Planet Gong und weitere ProjekteWährend Moerlen den Namen Gong in die Welt des Jazz-Rock trug, blieben Daevid Allen und Gilli Smyth nicht untätig. Sie hielten den ursprünglichen Geist von Gong in einer Vielzahl von Projekten am Leben. Gilli Smyth gründete Mother Gong, eine Band, die ihre feministischen und poetischen Visionen in den Vordergrund stellte. Daevid Allen rief unzählige Spin-offs ins Leben, darunter Planet Gong (eine Zusammenarbeit mit der britischen Festival-Band Here & Now) und New York Gong, bei dem er mit Musikern der aufkeimenden New-Wave-Szene experimentierte. Diese Projekte waren keine bloßen Kopien der alten Band, sondern eigenständige künstlerische Statements, die die Mythologie und die musikalischen Ideen von Gong weiterentwickelten und an neue Kontexte anpassten. Die Idee einer „Gong Global Family“ war geboren – ein dezentrales Netzwerk von Musikern auf der ganzen Welt, die durch eine gemeinsame Philosophie und eine gemeinsame Geschichte verbunden waren.
Wiedervereinigungen und die Fortführung des Erbes bis heuteAb den späten 1980er Jahren kam es immer wieder zu Wiedervereinigungen der klassischen Gong-Besetzung. Alben wie Shapeshifter (1992) und Zero to Infinity (2000) knüpften direkt an die „Radio Gnome Invisible“-Saga an und bewiesen, dass die Magie der alten Tage noch immer lebendig war. Diese Reunions waren keine nostalgischen Rückblicke, sondern kreative Weiterentwicklungen, die neue musikalische Einflüsse wie elektronische Beats und Weltmusik integrierten. Ein besonders bemerkenswertes Projekt war die Zusammenarbeit mit der japanischen Psychedelic-Band Acid Mothers Temple, die zu dem gemeinsamen Album Acid Motherhood (2004) führte. Nach dem Tod von Daevid Allen im Jahr 2015 stand die Zukunft der Band auf Messers Schneide. Doch Allen selbst hatte verfügt, dass die Band weitermachen sollte. Unter der Führung des Gitarristen und Sängers Kavus Torabi hat die aktuelle Inkarnation von Gong eine neue kreative Blütezeit erlebt. Alben wie Rejoice! I’m Dead! (2016) und The Universe Also Collapses (2019) werden von Kritikern und Fans gleichermaßen gefeiert. Sie zollen dem Erbe Respekt, ohne in der Vergangenheit zu verharren, und beweisen, dass die kosmische Odyssee von Gong noch lange nicht zu Ende ist. Die Band bleibt ein lebendiges, atmendes Wesen, das sich ständig wandelt und doch seinem Kern treu bleibt: der Suche nach neuen Klängen und neuen Welten.
Vollständige Diskografie
Die Diskografie von Gong ist ein Labyrinth aus offiziellen Studioalben, Live-Aufnahmen, Kompilationen und unzähligen Spin-off-Projekten. Die folgende Liste konzentriert sich auf die Kernalben der Hauptband und ihrer wichtigsten Inkarnationen.
Studioalben (Daevid Allen’s Gong & die klassische Ära)- Magick Brother (1970)
- Camembert Electrique (1971)
- Continental Circus (Soundtrack, 1972)
- Flying Teapot (Radio Gnome Invisible, Pt. 1) (1973)
- Angel’s Egg (Radio Gnome Invisible, Pt. 2) (1973)
- You (Radio Gnome Invisible, Pt. 3) (1974)
- Shapeshifter (1992)
- Zero to Infinity (2000)
- Acid Motherhood (2004)
- 2032 (2009)
- I See You (2014)
- Shamal (1976)
- Gazeuse! (1976)
- Expresso II (1978)
- Downwind (1979)
- Time Is the Key (1979)
- Leave It Open (1981)
- Rejoice! I’m Dead! (2016)
- The Universe Also Collapses (2019)
- Unending Ascending (2023)
- Gong est Mort, Vive Gong (Live, 1977)
- Gong Live Etc (Live, 1977)
- Live at Sheffield ’74 (Live, veröffentlicht 1990)
- The Peel Sessions (Live, veröffentlicht 1995)
- Live 2 Infinitea (Live, 2000)
- Love from the Planet Gong: The Virgin Years 1973-75 (Box-Set, 2019)
