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Die B-52’s: Eine Biografie – Xenopolias.de

Die B-52’s: Eine detaillierte Biografie



Die Anfänge einer ikonischen Band

Die B-52’s, eine Band, deren Name sofort Bilder von hochgetürmten Frisuren und unkonventionellen Tanz-Rock-Hymnen heraufbeschwört, fanden ihren Ursprung im Jahr 1976 in der pulsierenden Musikszene von Athens, Georgia. Alles begann mit einer zufälligen Jam-Session nach einem Abendessen in einem chinesischen Restaurant, an der sich die Gründungsmitglieder Fred Schneider, Kate Pierson, Cindy Wilson, Ricky Wilson und Keith Strickland beteiligten. Diese spontane Zusammenkunft legte den Grundstein für eine musikalische Reise, die Genregrenzen überschreiten und weltweit Millionen von Fans begeistern sollte.

Ihre erste offizielle Vorstellung gaben sie 1977 auf einer Valentinstagsfeier für Freunde. Schon bald erregte ihre einzigartige Mischung aus New Wave, Punk-Rock-Energie und Surf-Rock-Nostalgie Aufmerksamkeit. Ihre frühen Auftritte waren geprägt von einem unverwechselbaren visuellen Stil – von den „Beehive“-Frisuren der Sängerinnen bis hin zu den kitschigen, retro-inspirierten Outfits, die ihre musikalische Exzentrizität perfekt ergänzten. Die Band distanzierte sich bewusst von der düsteren Ästhetik des damaligen Punk und schuf stattdessen eine Welt voller Freude, Tanz und surrealer Texte.

Die Debütsingle „Rock Lobster“ aus dem Jahr 1978 wurde schnell zu einem Untergrundhit und verkaufte über 20.000 Exemplare. Dieser Erfolg führte zu Plattenverträgen mit Warner Bros. Records für Amerika und Ozeanien sowie mit Island Records für Europa und Asien. Im Jahr 1979 erschien ihr selbstbetiteltes Debütalbum „The B-52’s“, das die Energie und Originalität ihrer Live-Auftritte einfing und sie als eine der aufregendsten neuen Bands der Zeit etablierte. Das Album, das oft als Klassiker des New Wave bezeichnet wird, festigte ihren Ruf und ebnete den Weg für eine bemerkenswerte Karriere.



Die außergewöhnlichen Bandmitglieder

Der Kern der B-52’s bestand aus fünf unverwechselbaren Persönlichkeiten, deren individuelle Talente und Charaktere die einzigartige Dynamik der Band prägten:



Fred Schneider

Frederick William Schneider III, geboren am 1. Juli 1951 in Newark, New Jersey, ist der charismatische Frontmann der B-52’s, bekannt für seinen einzigartigen Sprechgesang, den er aus dem Rezitieren von Poesie über Gitarrenklängen entwickelte. Vor seiner Musikkarriere absolvierte Schneider die Shore Regional High School und besuchte die University of Georgia, wo er ein Poesiebuch für ein Studienprojekt verfasste. Er arbeitete als Hausmeister und Fahrer für „Meals on Wheels“. Schneider ist ein lebenslanger Vegetarier und engagierte sich 2014 in einer PETA-Kampagne gegen den Verzehr von Hummern. Im Mai 2023 wurde ihm von der Five Towns College in Dix Hills, New York, die Ehrendoktorwürde für seine Beiträge zur Musikindustrie verliehen. Neben seiner Arbeit mit der Band veröffentlichte er Soloalben wie „Fred Schneider & the Shake Society“ (1984, neu aufgelegt 1991) und „Just Fred“ (1996).



Kate Pierson

Catherine Elizabeth Pierson, geboren am 27. April 1948 in Weehawken, New Jersey, ist eine der Hauptsängerinnen und eine der prägenden Stimmen der B-52’s. Neben ihrem Gesang ist sie bekannt für ihr Spiel an Keyboards, Orgel und Bass. Sie absolvierte ein Journalismusstudium an der Boston University und reiste in den 1970er Jahren ausgiebig durch Europa, bevor sie sich in Athens, Georgia, niederließ und als Layouterin bei einer Lokalzeitung arbeitete. Piersons Privatleben war geprägt von mehreren Beziehungen; sie war kurzzeitig mit Brian Cokayne verheiratet (von 1971 bis 1973), führte eine langjährige Beziehung mit dem Künstler Tim Rollins (von 1981 bis 1996) und heiratete am 3. August 2015 die Künstlerin und Designerin Monica Coleman. Zusammen mit Coleman betreibt sie das Kate’s Lazy Meadow Motel in Mount Tremper, New York. Ihre unverwechselbare Stimme und ihr exzentrischer Stil machten sie zu einer Ikone der New-Wave-Bewegung.



Cindy Wilson

Cindy Wilson, geboren am 28. Februar 1957 in Athens, Georgia, ist eine weitere Gründungs- und Hauptsängerin der Band, deren markante Altstimme und Percussion-Spiel maßgeblich zum Sound der B-52’s beitrugen. Sie ist die jüngere Schwester des verstorbenen Gitarristen Ricky Wilson, mit dem sie gemeinsam die Band ins Leben rief. Am 21. April 1985 heiratete Cindy Keith Bennett, einen langjährigen Freund der Band und Tour-Gitarrentechniker ihres Bruders. Sie ist Mutter einer Tochter. Nach einer Auszeit von der Band in den frühen 1990er Jahren, während der sie sich ihrer Familie widmete, kehrte sie später zurück und ist bis heute ein festes Mitglied der B-52’s. Darüber hinaus hat sie eine erfolgreiche Solokarriere gestartet, mit EPs wie „Sunrise“ (2016) und „Supernatural“ (2017) sowie den Soloalben „Change“ (2017) und „Realms“ (2023).



Keith Strickland

Julian Keith Strickland, geboren am 26. Oktober 1953 in Athens, Georgia, ist ein vielseitiger Musiker und Songwriter, der ursprünglich als Schlagzeuger der B-52’s begann. Nach dem frühen Tod von Ricky Wilson übernahm er die Rolle des Gitarristen und wurde fortan zum Hauptkomponisten der Band. Strickland ist bekannt für seine Fähigkeit, alle instrumentalen Teile zu arrangieren und komplexe Kompositionen zu schaffen. Im Jahr 1992 machte er seine Homosexualität öffentlich und heiratete 1996 Mark Hayda. 2012 zog sich Strickland von den Tourneen der B-52’s zurück, bleibt der Band aber für besondere Auftritte verbunden, wobei Greg Suran ihn bei Live-Shows ersetzt. Seine musikalische Vision und sein kreativer Beitrag sind seit den Anfängen der Band unverzichtbar gewesen.



Ricky Wilson

Ricky Wilson, geboren am 19. März 1953 in Athens, Georgia, war der Original-Gitarrist und ein kreatives Genie der B-52’s. Sein unkonventioneller Gitarrenstil, der oft Akkorde zugunsten minimalistischer, aber effektiver Riffs wegließ, war ein entscheidendes Merkmal des frühen Sounds der Band. Ricky Wilson verstarb tragischerweise am 12. Oktober 1985 im Alter von nur 32 Jahren an AIDS-bedingten Komplikationen. Er hatte seine Krankheit vor den meisten Bandmitgliedern geheim gehalten, um sie nicht zu beunruhigen. Sein Tod war ein schwerer Schlag für die Band, die daraufhin eine längere Pause einlegte und das bereits fertiggestellte Album „Bouncing Off the Satellites“ ohne Tournee-Promotion veröffentlichte. Ricky Wilson ist auf dem Oconee Hill Cemetery in Athens, Georgia, beigesetzt. Sein Einfluss auf die Musikszene und sein einzigartiger Stil werden bis heute von Kritikern und Musikern gleichermaßen gewürdigt.



Karrierehöhepunkte und bedeutende Werke

Die Karriere der B-52’s ist gespickt mit kreativen Meilensteinen und kommerziellen Erfolgen, die ihren Status als eine der einflussreichsten New-Wave-Bands festigten. Nach dem Erfolg ihrer Debütsingle „Rock Lobster“ und dem gleichnamigen Album, das in den späten 70ern die Aufmerksamkeit der Kritiker und eines wachsenden Publikums auf sich zog, veröffentlichten sie 1980 ihr zweites Album, „Wild Planet“. Dieses Album erreichte Platz 20 der US-amerikanischen Albumcharts und zeigte die kontinuierliche Entwicklung ihres unverwechselbaren Sounds, der Tanzbarkeit mit künstlerischer Freiheit verband.

Ein entscheidender Wendepunkt in ihrer Karriere war das Album „Cosmic Thing“ aus dem Jahr 1989. Nach einer durch den Tod von Ricky Wilson bedingten Pause kehrten die B-52’s mit diesem Werk triumphierend zurück. Es enthielt ihre größten Hits, „Love Shack“ und „Roam“, die beide Goldstatus in den USA erreichten und maßgeblich dazu beitrugen, dass das Album allein in den Vereinigten Staaten über 4 Millionen Mal verkauft wurde. „Love Shack“ wurde zu einer globalen Partyhymne und verhalf der Band zu einer neuen Welle der Popularität, die weit über ihre ursprüngliche Fanbasis hinausging. Die Songs auf „Cosmic Thing“ waren oft eine nostalgische Rückbesinnung auf unbeschwerte Zeiten in Athens und das Gemeinschaftsgefühl, das die Band in ihren Anfängen prägte.

Obwohl Cindy Wilson die Band 1990 kurzzeitig für das Album „Good Stuff“ (1992) verließ, zeigten die B-52’s ihre Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Nach einer weiteren längeren Pause veröffentlichten sie 2008 „Funplex“, ihr erstes Studioalbum seit 16 Jahren, das von Kritikern positiv aufgenommen wurde und ihren fortwährenden kreativen Antrieb demonstrierte. 2011 folgte das Live-Album „With the Wild Crowd! Live in Athens, GA“, ein Mitschnitt eines Konzertes in ihrer Heimatstadt, der ihre ungebrochene Live-Energie unterstrich. Über die Jahre hinweg bewiesen die B-52’s stets ihre Fähigkeit, sich musikalisch weiterzuentwickeln, ohne ihre charakteristische Exzentrizität und Freude an der Musik zu verlieren. Ihre Werke haben nicht nur Chart-Erfolge gefeiert, sondern auch Generationen von Musikern inspiriert und ihren Platz in der Popkultur gesichert.



Bemerkenswerte Kollaborationen und Einflüsse

Die B-52’s haben im Laufe ihrer Karriere nicht nur durch ihre eigenen Kompositionen beeindruckt, sondern auch durch bemerkenswerte Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern und durch ihren Einfluss auf nachfolgende Musikergenerationen. Ihre einzigartige musikalische Ästhetik, die Elemente aus Rock, New Wave und avantgardistischer Performance miteinander verschmolz, zog schon früh die Aufmerksamkeit etablierter Künstler auf sich.

Eine der bekanntesten Kollaborationen fand auf individueller Ebene statt: Kate Pierson lieh ihre unverwechselbare Stimme Iggy Pops Top-30-Hit „Candy“ (1990) und sang auf R.E.M.s Hits „Shiny Happy People“ und „Me in Honey“ (beide 1991 vom Album „Out of Time“). Diese Auftritte zeigten ihre Vielseitigkeit und ihre Fähigkeit, auch außerhalb des B-52’s-Kontexts zu glänzen. Kate Pierson und Cindy Wilson trugen auch Backing Vocals zu Ramones‘ Song „Chop Suey“ bei, der später als Bonustrack auf der Neuauflage des Albums „Pleasant Dreams“ erschien. Fred Schneider wiederum veröffentlichte eigene Soloalben, auf denen er seinen unverkennbaren Stil weiter erforschte.

Der Einfluss der B-52’s reicht weit über direkte Kollaborationen hinaus. Die Band wird oft als Wegbereiter für Künstler und Bands genannt, die sich von Genregrenzen lösten und ihren eigenen, exzentrischen Weg gingen. John Lennon äußerte sich begeistert über „Rock Lobster“, das ihn dazu inspirierte, nach einer musikalischen Pause wieder neue Musik zu schaffen, was zur Entstehung seines Comeback-Albums „Double Fantasy“ führte. Dies unterstreicht den weitreichenden und unerwarteten Einfluss der Band auf die Musikwelt. Auch Bands wie Le Tigre, Bis, Junior Senior und Deee-Lite wurden von der einzigartigen Mischung aus fröhlichen Harmonien, minimalistischem Party-Sound und überlebensgroßen Persönlichkeiten der B-52’s beeinflusst. Cindy Wilson und Kate Piersons „ladies-first“-Haltung ebnete zudem den Weg für weibliche Rock-Innovatoren wie Björk (Sugarcubes) und The Go-Go’s.

Ein jüngstes Beispiel für ihre anhaltende Relevanz ist die angekündigte „Cosmic De-Evolution Tour“ mit der ebenfalls ikonischen New-Wave-Band Devo im Jahr 2025. Diese erste gemeinsame Co-Headlining-Tour zweier Bands dieser Größenordnung unterstreicht ihren legendären Status und ihre Fähigkeit, auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung relevant zu bleiben und neue Fans anzuziehen. Die B-52’s haben nicht nur Musik gemacht; sie haben eine Kultur des Andersseins, der Freude und des selbstbewussten Ausdrucks geschaffen, die bis heute nachwirkt und inspiriert.



Legendäre Live-Auftritte und ihre Energie auf der Bühne

Die B-52’s sind seit jeher für ihre energiegeladenen und exzentrischen Live-Auftritte bekannt, die ihren Ruf als „World’s Greatest Party Band“ untermauern. Von ihren frühen Tagen in Athens bis hin zu ausverkauften Shows auf der ganzen Welt haben sie es verstanden, ihr Publikum mit einer einzigartigen Mischung aus musikalischem Können und theatralischer Performance in den Bann zu ziehen. Ihre Konzerte sind nicht nur musikalische Darbietungen, sondern immersive Erlebnisse, die die Grenzen zwischen Band und Publikum verschwimmen lassen und stets eine ausgelassene Atmosphäre schaffen.

Ein frühes und bedeutsames Dokument ihrer Live-Qualitäten ist der Full Concert-Mitschnitt vom 7. November 1980 im Capitol Theatre in Passaic, New Jersey. Dieser Auftritt, der kurz nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums stattfand, zeigt die Originalbesetzung in ihrer kreativen Blütezeit, wie sie Songs von ihrem Debütalbum und „Wild Planet“ mit ungebremster Energie präsentieren. Solche frühen Aufnahmen sind Zeugnisse der unkonventionellen Bühnenpräsenz der Band, die schon damals ihr Publikum zum Tanzen und Feiern brachte.



Die B-52’s waren in den 1980er und 1990er Jahren regelmäßig auf Tour und traten auf großen Festivals und in renommierten Veranstaltungsorten auf. Ihre Fähigkeit, die Energie ihrer Studioaufnahmen auf die Bühne zu übertragen, ist legendär. Die Visuals, die extravaganten Kostüme und die spielerische Interaktion zwischen den Mitgliedern, insbesondere zwischen Fred Schneider und den Sängerinnen Kate Pierson und Cindy Wilson, trugen maßgeblich dazu bei, dass jedes Konzert zu einem unvergesslichen Ereignis wurde. Ihre Hits wie „Love Shack“ und „Rock Lobster“ wurden zu unverzichtbaren Höhepunkten ihrer Shows, bei denen das Publikum begeistert mitsang und tanzte.

Auch im späteren Verlauf ihrer Karriere, selbst nach persönlichen Rückschlägen und Besetzungswechseln, blieben die B-52’s eine feste Größe in der Live-Szene. Obwohl Keith Strickland 2012 seine Tour-Tätigkeit einschränkte, ist die Band weiterhin für spezielle Auftritte aktiv und beweist, dass ihre musikalische Magie und ihre Fähigkeit, eine Party zu starten, ungebrochen sind. Aktuelle und zukünftige Tourdaten, wie die geplante „Cosmic De-Evolution Tour“ mit Devo im Jahr 2025, zeigen, dass die Nachfrage nach ihren legendären Performances ungebrochen ist. Ihre Konzerte sind mehr als nur eine Aneinanderreihung von Songs; sie sind eine Feier des Lebens, der Exzentrizität und der puren Freude an der Musik, die Generationen von Fans immer wieder aufs Neue begeistert.

Schicksalsschläge und die Bewältigung von Herausforderungen

Wie viele Bands, die über Jahrzehnte hinweg bestehen, mussten auch die B-52’s im Laufe ihrer Karriere mit tiefgreifenden persönlichen Schicksalsschlägen und Herausforderungen umgehen. Das prägendste und schmerzhafteste Ereignis war zweifellos der frühe Tod des Gitarristen Ricky Wilson. Er verstarb am 12. Oktober 1985 im Alter von nur 32 Jahren an Komplikationen, die durch AIDS verursacht wurden. Sein Tod kam für die meisten Bandmitglieder unerwartet, da Ricky seine Krankheit aus Sorge um sie geheim gehalten hatte. Dieser Verlust traf die Band zutiefst und führte zu einer Phase der Trauer und Unsicherheit.

Nach Rickys Tod legten die B-52’s eine ungewisse Pause ein und entschieden sich, das bereits fertiggestellte vierte Studioalbum „Bouncing Off the Satellites“ (1986) nicht durch eine Tournee zu bewerben. Die Mitglieder zogen sich zurück, um den Verlust zu verarbeiten. Diese Phase der Inaktivität spiegelte die immensen emotionalen Auswirkungen wider, die Rickys Tod auf die Band hatte. Keith Strickland, der zuvor das Schlagzeug gespielt hatte, übernahm daraufhin die Rolle des Gitarristen, um Rickys musikalische Lücke zu füllen und den charakteristischen Sound der Band zu bewahren, was eine große Herausforderung darstellte.

Ein weiterer bedeutender Moment war der vorübergehende Ausstieg von Cindy Wilson im Jahr 1990. Sie verließ die Band vor den Aufnahmen zum Album „Good Stuff“ (1992), um sich ihrer Familie und ihrem neugeborenen Kind zu widmen. Obwohl ihr Weggang für die Band eine weitere Umstellung bedeutete, kehrte Cindy später wieder zurück, was die starke Bindung und den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe unterstreicht. Diese Rückkehr war ein Zeichen für die Resilienz der B-52’s und ihre Fähigkeit, auch nach personellen Veränderungen weiterhin gemeinsam Musik zu machen.

Abseits dieser persönlichen Tragödien gab es auch Diskussionen um die Einordnung der Band. Die B-52’s wurden manchmal fälschlicherweise als reine „Novelty Band“ abgestempelt, ein Missverständnis, das ihrer künstlerischen Tiefe und ihrem musikalischen Einfluss nicht gerecht wird. Trotz ihrer kommerziellen Erfolge mit Party-Hymnen wie „Love Shack“ war ihre Musik stets Ausdruck einer einzigartigen künstlerischen Vision, die sich bewusst von Konventionen abgrenzte. Die Bandmitglieder, von denen mehrere der LGBTQ+-Community angehören, haben sich stets für Inklusivität eingesetzt, betonten jedoch, dass sie sich eher als „queer“ im Sinne von exzentrisch verstanden, anstatt sich auf ihre sexuelle Orientierung reduzieren zu lassen. Diese Haltung, authentisch und unkonformistisch zu sein, war ein integraler Bestandteil ihrer Identität und half ihnen, Kritik und Missverständnisse zu überwinden und ihren Platz als wichtige kulturelle Ikonen zu festigen.

Einfluss und Vermächtnis

Die B-52’s haben im Laufe ihrer über vier Jahrzehnte währenden Karriere einen unauslöschlichen Stempel auf die Musikwelt gedrückt. Ihr Einfluss reicht weit über die New-Wave-Ära hinaus und prägt bis heute zahlreiche Künstler in verschiedenen Genres. Ihr Vermächtnis ist eine Feier des Andersseins, der Kreativität und der puren Freude an der musikalischen Experimentierfreude.

Der einzigartige Sound der Band, eine eklektische Mischung aus Rockabilly, Surf-Rock, Punk-Energie und avantgardistischen Elementen, war bahnbrechend. Sie schufen einen Stil, der nicht nur tanzbar war, sondern auch intellektuell anspruchsvoll, oft mit surrealen und humorvollen Texten. Diese Originalität inspirierte unzählige Musiker, die sich von den gängigen Pop- und Rock-Konventionen abheben wollten. Die B-52’s bewiesen, dass Musik sowohl experimentell als auch massentauglich sein kann, ohne ihre Integrität zu verlieren.

Besonders hervorzuheben ist ihr Einfluss auf die LGBTQ+-Community. Obwohl die Band sich selbst nicht primär als „queere Band“ definierte, sondern als „einfach queer“ im Sinne von exzentrisch, waren mehrere ihrer Mitglieder offen homosexuell oder bisexuell. Dies trug dazu bei, Sichtbarkeit und Akzeptanz in der Musikszene zu schaffen, lange bevor es Mainstream wurde. Nach Ricky Wilsons Tod engagierte sich die Band aktiv in der AIDS-Aufklärung, unter anderem durch ihre Beteiligung an der „Art Against AIDS“-Kampagne, was ihr Engagement für soziale Anliegen unterstrich.

Darüber hinaus sind die B-52’s für ihre ikonische Ästhetik bekannt, die von den hochgetürmten „Beehive“-Frisuren der Sängerinnen bis zu ihren farbenfrohen, retro-futuristischen Outfits reichte. Dieser visuelle Stil wurde zu einem integralen Bestandteil ihres Gesamtkunstwerks und beeinflusste Mode und Popkultur gleichermaßen. Ihre Musikvideos waren oft so einzigartig und einprägsam wie ihre Songs und trugen dazu bei, ihren Status als visuelle Ikonen zu festigen.

Das Vermächtnis der B-52’s ist das einer Band, die sich nie scheute, anders zu sein, und die stets ihre künstlerische Integrität über kommerziellen Druck stellte. Sie haben bewiesen, dass man mit Originalität, Authentizität und einer großen Portion Spaß eine dauerhafte und bedeutsame Karriere aufbauen kann. Ihre Musik bleibt zeitlos und wirkt weiterhin inspirierend auf neue Generationen von Künstlern und Fans, die sich nach einer Flucht in eine farbenfrohe, exzentrische und lebensfrohe Welt sehnen.

Umfassende Diskografie

Die Diskografie der B-52’s umfasst eine beeindruckende Reihe von Studioalben, Kompilationen, Live-Aufnahmen und Singles, die ihren vielseitigen musikalischen Weg dokumentieren. Von ihrem bahnbrechenden Debüt bis zu ihren späteren Werken haben sie stets einen unverwechselbaren Sound bewahrt, der Generationen von Fans begeistert hat. Hier ist eine detaillierte Übersicht ihrer Veröffentlichungen:

Studioalben

Titel Veröffentlichungsdatum Label Anmerkungen / Höhepunkte
The B-52’s 6. Juli 1979 Warner Bros. Debütalbum, enthielt „Rock Lobster“ und „Planet Claire“. Oft als New Wave-Klassiker bezeichnet.
Wild Planet 27. August 1980 Warner Bros. Erreichte Platz 20 der US-Charts. Enthält „Private Idaho“.
Whammy! 27. April 1983 Warner Bros. Enthielt einen stärkeren elektronischen Einfluss.
Bouncing Off the Satellites 8. September 1986 Warner Bros. Posthum veröffentlicht nach Ricky Wilsons Tod. Keine Tour-Promotion.
Cosmic Thing 27. Juni 1989 Reprise Größter kommerzieller Erfolg. Enthielt die Hits „Love Shack“ und „Roam“.
Good Stuff 23. Juni 1992 Reprise Erstes Album ohne Cindy Wilson.
Funplex 25. März 2008 Astralwerks Erstes Studioalbum seit 16 Jahren, erhielt positive Kritiken.

Kompilationen und EPs

Titel Veröffentlichungsdatum Label Typ
Party Mix! Juli 1981 Warner Bros. Remix-Album
Mesopotamia 27. Januar 1982 Warner Bros. EP, produziert von David Byrne.
The Best of The B-52’s – Dance This Mess Around Februar 1991 Reprise Best-of-Album
Time Capsule: Songs for a Future Generation 26. Mai 1998 Reprise Kompilation, enthielt neue Songs.
Nude on the Moon: The B-52’s Anthology 15. Januar 2002 Rhino Anthologie mit zwei CDs.

Live-Alben und Box-Sets

Titel Veröffentlichungsdatum Label Typ
With the Wild Crowd! Live in Athens, GA 10. Oktober 2011 Eagle Live-Album
Live! 8-24-1979 21. April 2015 Rhino Live-Album
Live! Rock ‚N Rockets 1998 21. April 2018 Mountain Man Music Live-Album
The Warner and Reprise Years 20. Juni 2025 Rhino Box-Set (8xCD, 9xLP)

Ausgewählte Singles

Titel Veröffentlichungsdatum Zugehöriges Album
Rock Lobster 1979 The B-52’s
Private Idaho 1980 Wild Planet
Love Shack 1989 Cosmic Thing
Roam 1989 Cosmic Thing
Good Stuff 1992 Good Stuff
Funplex 2008 Funplex

© 2025 Franz Lemmler für Xenopolias.de

Im Artikel verwendete Fotos stehen unter Lizenz von:
John Begalke from Green Bay, USA, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons
Corentin LAMY, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

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