The Cure: Eine zeitlose Geschichte des musikalischen Ausdrucks
Die Anfänge der Transformation
Die Geschichte von The Cure begann nicht als solche, sondern unter dem Namen Malice, eine Band, die 1976 von einigen Schulfreunden in Crawley im Süden Englands gegründet wurde. Im Zentrum stand dabei stets der junge Robert Smith, der von Anfang an eine zentrale Rolle einnahm. Die erste Inkarnation der Band, zu der auch die Gründungsmitglieder Lol Tolhurst am Schlagzeug und Michael Dempsey am Bass gehörten, probte Songs von Künstlern, die sie inspirierten. Robert Smith hatte schon als Kind Klavierunterricht und entstammte einer musikalischen Familie, in der sein Vater sang und seine Mutter Klavier spielte. Früh entwickelte er eine Faszination für Musik, die weit über das Mainstream-Angebot hinausging. Ein entscheidender Moment in seiner Jugend war, als er David Bowie mit „Starman“ im Fernsehen sah. Dieses Erlebnis prägte ihn tief und weckte seine kreative Ader.
Die anfängliche Band Malice löste sich bald auf und aus ihren Überresten entstand Anfang 1977 Easy Cure. Der Name ging auf einen von Lol Tolhurst geschriebenen Song zurück. Nachdem sich die Besetzung erneut verkleinerte und der ursprüngliche Sänger die Gruppe verließ, übernahm Robert Smith notgedrungen den Gesang. Er sah sich selbst eher als verträumten Rhythmusgitarristen, der seltsame Songs schrieb, und fand die vorherigen Sänger schlichtweg nutzlos. Die Band nannte sich 1978 in The Cure um. Ein entscheidender erster Meilenstein war die Veröffentlichung ihrer Debütsingle „Killing an Arab“ im Jahr 1978. Dieser Song basierte auf dem Roman „Der Fremde“ von Albert Camus, löste aber eine Kontroverse aus, weil sein Titel als rassistisch missinterpretiert wurde. Die Band musste später Aufkleber auf Neuauflagen anbringen, um diese Missverständnisse zu klären. Dieser frühe Skandal zeigte bereits, wie stark die Band mit der Wahrnehmung ihres Publikums ringen würde.
Das Debütalbum „Three Imaginary Boys“ kam 1979 auf den Markt und präsentierte eine Sammlung von rohen, punk-beeinflussten Liedern. Zu dieser Zeit waren die Bandmitglieder noch sehr jung und versuchten, ihren Sound zu finden. Kurz darauf wurde das Album unter dem Namen „Boys Don’t Cry“ mit einigen zusätzlichen Singles für den amerikanischen Markt neu aufgelegt. Der Titelsong wurde zu einem ihrer bekanntesten Stücke und markierte den Beginn einer Reise, die die Band in eine musikalische Richtung führen sollte, die sich stetig veränderte und weiterentwickelte.
Die klassische Ära und der Höhepunkt
Die frühen 1980er Jahre waren für The Cure eine Zeit der kreativen Wandlung und der stilistischen Erforschung. Mit den Alben „Seventeen Seconds“ (1980) und „Faith“ (1981) wechselte die Band von ihrem ursprünglichen Punk-Sound zu einem düsteren und melancholischen Post-Punk. Die atmosphärischen Klänge und die introspektiven Texte zogen eine große Fangemeinde an, die sich mit der emotionalen Tiefe der Musik identifizieren konnte. Diese Periode erreichte ihren Höhepunkt mit dem 1982 erschienenen Album „Pornography“. Dieses Werk wurde von Musikkritikern oft als eines der düstersten Alben der Musikgeschichte bezeichnet und gilt als einer der grundlegenden Bausteine des Gothic Rock Genres. Die Band, insbesondere Robert Smith, befand sich während der Aufnahmen in einer Phase großer mentaler und emotionaler Belastung. Smiths intensiver Drogenkonsum zu dieser Zeit trug zur beunruhigenden und klaustrophobischen Atmosphäre des Albums bei.
Nach „Pornography“ durchlebte The Cure eine interne Krise. Michael Dempsey hatte die Band bereits verlassen und wurde durch Simon Gallup ersetzt, der zu einem der wichtigsten und beständigsten Zusammenarbeitspartner für Robert Smith werden sollte. Simon Gallup verließ die Band jedoch 1982 nach einem Streit mit Smith während der „Pornography“-Tour. Er sollte 1984 zur Band zurückkehren und ist seither bis auf einen kurzen, vorübergehenden Austritt im Jahr 2021 ein fester Bestandteil der Besetzung. In dieser Zeit des Umbruchs wirkte Robert Smith auch als Gitarrist bei der Band Siouxsie and the Banshees mit und gründete das kurzlebige Projekt The Glove mit Steven Severin von Siouxsie and the Banshees. Diese kreativen Ausflüge brachten frische Impulse, die sich auf den folgenden Alben von The Cure widerspiegelten.
Mit Alben wie „Japanese Whispers“ (1983) und „The Head on the Door“ (1985) wandte sich The Cure einem deutlich poppigeren und zugänglicheren Sound zu. Singles wie „In Between Days“ und „Close to Me“ wurden große Erfolge und führten die Band zu einem breiteren Publikum. Der Durchbruch in den USA gelang 1987 mit dem Doppelalbum „Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me“. Dieses Album demonstrierte die Vielseitigkeit der Band und reichte von düsteren, atmosphärischen Stücken bis hin zu farbenfrohen Popsongs. Die Band tourte intensiv und ihre Konzerte wurden für ihre epische Länge und Hitdichte bekannt.
Der absolute Karrierehöhepunkt wurde 1989 mit dem Album „Disintegration“ erreicht. Smith schrieb dieses Album, als er sich seinem 30. Geburtstag näherte und mit Gefühlen der Beklemmung und der zunehmenden Berühmtheit kämpfte. „Disintegration“ kehrte zum düsteren, atmosphärischen Sound zurück, der die Band in den frühen 80er Jahren definierte. Es war ein kommerzieller Erfolg und brachte Hits wie „Lovesong“ und „Pictures of You“ hervor. Der Song „Lovesong“ war ein Hochzeitsgeschenk von Robert Smith an seine langjährige Liebe Mary Poole, die er im Jahr 1988 heiratete. Die beiden entschieden sich bewusst dafür, keine Kinder zu bekommen. Trotz der tiefgründigen, melancholischen Töne des Albums, war es ein persönliches Meisterwerk, das die Band endgültig als eine der bedeutendsten Rockbands ihrer Generation etablierte.
Hinter den Kulissen: Skandale und Schicksalsschläge
Die Karriere von The Cure war nicht ohne Turbulenzen. Lol Tolhurst, ein Gründungsmitglied und enger Freund von Robert Smith, litt zunehmend unter Alkoholproblemen, was die Band intern belastete. Während der Aufnahmen zu „Disintegration“ wurde die Situation so angespannt, dass Tolhurst die Band verließ. Es folgten rechtliche Auseinandersetzungen, die in einer Klage von Tolhurst gipfelten, in der er die Namensrechte an The Cure einforderte. Dieser Streit zog sich über Jahre hinweg und war für die Beteiligten eine schmerzhafte Erfahrung. Tolhursts Klage wurde schließlich abgewiesen, aber die tiefe Freundschaft zwischen ihm und Smith war stark beschädigt. Er kehrte jedoch für die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame im Jahr 2019 zurück, was auf eine Versöhnung hindeutet.
Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Band 2004, als die langjährige Mutter von Robert Smith verstarb. Dieser Verlust hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf seine Musik und sein Leben. Robert Smiths Eltern, Rita Mary und James Alexander Smith, hatten insgesamt vier Kinder, von denen Robert das dritte war. Er hatte einen Bruder und zwei Schwestern. Seine Schwester Janet war mit dem The Cure-Gitarristen Pearl Thompson verheiratet, eine Verbindung, die das Bandgefüge in den 90er Jahren stärkte.
In der Öffentlichkeit wurde Robert Smith oft als introvertierter und melancholischer Künstler wahrgenommen, der sich hinter seiner charakteristischen Frisur, dem Lippenstift und dem schwarzen Make-up versteckte. Doch auch diese Persona war nicht frei von inneren Kämpfen. Smith sprach offen über seine Ängste und seine Unsicherheit, und die Musik wurde für ihn zu einem Ventil für diese Gefühle. Seine oft nachdenklichen und düsteren Texte spiegeln seine persönlichen Auseinandersetzungen wider und machten ihn zu einer Identifikationsfigur für Millionen von Fans auf der ganzen Welt, die sich ebenfalls als Außenseiter fühlten.
Mitglieder im Detail: Das Herz der Band
Die Besetzung von The Cure war über die Jahre sehr wechselhaft, aber einige Mitglieder haben die Band und ihren Sound nachhaltig geprägt. Neben Robert Smith, geboren am 21. April 1959, ist vor allem Simon Gallup, der am 1. Juni 1960 geboren wurde, ein zentraler Pfeiler der Band. Gallup ist seit 1984 mit seiner Bassgitarre das zweite konstanteste Mitglied nach Smith. Seine markante Spielweise und sein energischer Bühnenstil sind unverwechselbar und prägen den Sound von The Cure bis heute.
Ein weiteres wichtiges Mitglied ist der Keyboarder Roger O’Donnell, der am 29. September 1955 geboren wurde. O’Donnells atmosphärische Keyboard-Arrangements sind ein wesentlicher Bestandteil des klassischen The Cure Sounds, insbesondere auf Alben wie „Disintegration“. Er verließ die Band mehrmals, kehrte aber immer wieder zurück, zuletzt im Jahr 2011. Sein Stil fügt eine Schicht von Melancholie und Tiefe hinzu, die das musikalische Spektrum der Band enorm erweitert.
Ein weiteres Gründungsmitglied, Lol Tolhurst, der am 3. Februar 1959 geboren wurde, spielte in den frühen Jahren der Band eine entscheidende Rolle am Schlagzeug und später an den Keyboards. Seine Beziehung zu Robert Smith war von großer Bedeutung für die Entstehung des anfänglichen Sounds. Obwohl seine Zeit in der Band aufgrund seiner persönlichen Probleme endete, ist sein Einfluss auf die frühen Werke unbestreitbar. Jason Cooper, der am 31. Januar 1967 geboren wurde, trat 1994 als Schlagzeuger in die Band ein und hat seitdem eine kontinuierliche Präsenz und Stabilität in der Besetzung geschaffen. Er wurde als festes Mitglied nach dem Weggang von Boris Williams aufgenommen.
Gitarrist Reeves Gabrels, geboren am 4. Juni 1956, schloss sich The Cure im Jahr 2012 an. Er war schon lange ein enger Mitarbeiter von Robert Smith und arbeitete mit ihm in verschiedenen Projekten zusammen. Seine innovative Gitarrenarbeit brachte einen neuen, experimentellen Schwung in die Band.
Kollaborationen und die weitreichenden Einflüsse
Neben The Cure war Robert Smith auch in zahlreichen anderen musikalischen Projekten aktiv, die seinen Einfluss und seine künstlerische Vielseitigkeit unterstreichen. Von 1982 bis 1984 war er offizielles Mitglied von Siouxsie and the Banshees und spielte dort Lead-Gitarre. Diese Zeit war von großer kreativer Bedeutung, da Smiths Gitarrenstil und sein Gefühl für Melodie die Musik der Banshees stark prägten. Gleichzeitig beeinflusste der dunkle und theatralische Stil von Siouxsie Sioux auch Smiths eigene musikalische Ausrichtung. Die Zusammenarbeit kulminierte in Live-Alben wie „Nocturne“ und Studioalben wie „Hyaena“.
Ein weiteres bedeutendes Seitenprojekt war The Glove, das er 1983 mit Steven Severin von Siouxsie and the Banshees gründete. Das einzige Album des Projekts, „Blue Sunshine“, war ein surrealistisches und psychedelisches Werk, das Smiths experimentelle Seite zum Vorschein brachte. Robert Smith hat auch mit vielen anderen Künstlern zusammengearbeitet, darunter Crystal Castles, für die er eine Version ihres Songs „Not in Love“ mit seinem Gesang neu aufnahm. Seine markante Stimme verlieh dem Titel eine melancholische und fesselnde Qualität, die bei den Fans sehr gut ankam.
Andere nennenswerte Kollaborationen umfassen das Lied „How Not to Drown“ mit der schottischen Band CHVRCHES, sowie die Beteiligung an Stücken von Blink-182 („All of This“) und Gorillaz („Strange Timez“). Smiths Stimme und sein musikalisches Gespür wurden von einer Vielzahl von Bands geschätzt, die in verschiedenen Genres tätig sind. Seine Bereitschaft, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten und seine kreativen Grenzen zu erweitern, hat seinen Status als einer der einflussreichsten Musiker gefestigt.
Die späten Jahre und die Rückkehr
Nach den Höhepunkten der 80er und 90er Jahre blieb The Cure eine aktive Band, die weiterhin tourte und neue Musik veröffentlichte, wenn auch in größeren Abständen. Das 1992 erschienene Album „Wish“ war ein weiterer großer Erfolg, der Hits wie „High“ und „Friday I’m in Love“ hervorbrachte. Es zeigte eine Band, die immer noch fähig war, zugängliche Popsongs zu schreiben, ohne ihre tiefere, dunkle Seite zu vernachlässigen. In den folgenden Jahren, mit Alben wie „Wild Mood Swings“ (1996) und „Bloodflowers“ (2000), experimentierte die Band weiter mit ihrem Sound und kehrte erneut zu ihren Wurzeln zurück. „Bloodflowers“ wurde von Robert Smith als Teil einer Trilogie betrachtet, die mit „Pornography“ und „Disintegration“ begann.
Die 2000er Jahre waren geprägt von weiteren Besetzungswechseln. Im Jahr 2004 veröffentlichte die Band ihr selbstbetiteltes Album „The Cure“, das einen härteren und roheren Sound präsentierte. Die Zeichnungen auf dem Album-Cover stammen von Robert Smiths Nichten und Neffen, die er bat, ihre Vorstellung von guten und bösen Träumen zu illustrieren. Nach einer längeren Pause, die die Fans verunsicherte, meldete sich die Band 2008 mit dem Album „4:13 Dream“ zurück.
Trotz der langen Pausen zwischen den Alben blieb The Cure eine lebendige Live-Band. Ihre Konzerte sind bekannt für ihre epische Länge und die emotionale Intensität. Im Jahr 2019 wurden The Cure in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, eine wohlverdiente Anerkennung für ihre langjährige und einflussreiche Karriere. Die Laudatio hielt Trent Reznor von Nine Inch Nails. Neben der aktuellen Besetzung wurden auch ehemalige Mitglieder wie Lol Tolhurst, Michael Dempsey und Perry Bamonte geehrt.
Nach 16 Jahren des Wartens verkündete Robert Smith im Jahr 2024 die Veröffentlichung eines neuen Albums mit dem Titel „Songs Of A Lost World“. Es markierte die erste neue Studioveröffentlichung der Band seit „4:13 Dream“ und wurde von vielen Fans sehnsüchtig erwartet. Die Band tourte in den letzten Jahren wieder ausgiebig, und ihre Konzerte waren schnell ausverkauft. In einem Interview im Jahr 2024 sprach Robert Smith über seine Pläne, im Jahr 2029 in den Ruhestand zu gehen, was das 50-jährige Jubiläum des ersten Cure-Albums sein wird. Dies gab den Fans Gewissheit über die Zukunft der Band, aber auch die Traurigkeit über das Ende einer Ära.
Die komplette Diskografie
- Three Imaginary Boys (1979)
- Seventeen Seconds (1980)
- Faith (1981)
- Pornography (1982)
- The Top (1984)
- The Head on the Door (1985)
- Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me (1987)
- Disintegration (1989)
- Wish (1992)
- Wild Mood Swings (1996)
- Bloodflowers (2000)
- The Cure (2004)
- 4:13 Dream (2008)
- Songs Of A Lost World (2024)
Quellen: Wikipedia (Deutsch und Englisch), Rolling Stone, Classic Pop Magazine, Fan-Biografien und Interviews mit Robert Smith.