Die Chroniken von Jane: Eine epische Reise durch den deutschen Rock
Die Wurzeln im Untergrund von Hannover
Die Saga von Jane, einer der monumentalsten und beständigsten Säulen des deutschen Kraut- und Progressive Rocks, beginnt nicht erst mit einem Paukenschlag im Jahr 1970, sondern keimt bereits in der brodelnden, von Beat und Psychedelia durchtränkten Musikszene Hannovers der späten 1960er Jahre. Der direkte Vorläufer der Band war die Formation „The J.P.s“, ein Akronym für „Justice of Peace“. Hier fanden sich bereits jene Musiker zusammen, die später das Fundament von Jane bilden sollten. Peter Panka, dessen markante Stimme und späteres Schlagzeugspiel stilprägend werden sollten, agierte als Frontsänger. Klaus Hess, der zukünftige Gitarrenhexer, zupfte den Bass, und Werner Nadolny, die künftige Seele an den Tasten, bereicherte den Sound mit seinem Saxophon. Die J.P.s waren eine hart arbeitende Band, die sich mit monatelangen Engagements in den Clubs der Region einen Ruf als exzellente Live-Formation erspielte. Ihr Repertoire bestand hauptsächlich aus den Hits der damaligen Zeit, doch hinter den Kulissen wuchs der unbändige Wunsch nach einem eigenen, unverwechselbaren musikalischen Ausdruck. Die starren Strukturen der Beatmusik fühlten sich zunehmend wie ein Korsett an. Die Musiker spürten das immense kreative Potenzial, das in ihnen schlummerte, und die Notwendigkeit, sich von den Konventionen zu befreien, um etwas völlig Neues zu schaffen. Diese kreative Gärung führte Ende 1970 konsequenterweise zur Auflösung der J.P.s. Doch dieser Schritt war kein Ende, sondern vielmehr die Initialzündung für eine musikalische Reise, die unter dem schlichten, aber kraftvollen Namen Jane die deutsche und internationale Rocklandschaft nachhaltig prägen sollte.
Die Metamorphose: Gründung und Definition eines einzigartigen Sounds (1970-1972)
Der 5. Dezember 1970 markiert den offiziellen Gründungstag von Jane in Hannover. Die Urbesetzung, bestehend aus Peter Panka, Werner Nadolny, Klaus Hess und dem Bassisten Charly Maucher, vollzog eine radikale und für die Zukunft der Band entscheidende Metamorphose. Es war nicht nur ein neuer Name, es war ein komplettes Neudenken ihrer musikalischen Rollen. Peter Panka wechselte vom Mikrofon hinter das Schlagzeug, behielt aber die Rolle des Sängers bei. Diese Kombination schuf seinen unverkennbaren, hypnotisch treibenden Stil, der zum rhythmischen Herzschlag der Band wurde. Klaus Hess legte den Bass beiseite und griff zur Leadgitarre. Mit seiner Gibson Les Paul entwickelte er einen Sound, der ebenso melodiös wie brachial sein konnte und zu einem der wichtigsten Markenzeichen von Jane avancierte. Werner Nadolny tauschte sein Saxophon gegen die Tasteninstrumente, allen voran die majestätische Hammond-Orgel. Seine Fähigkeit, dichte, sphärische Klangteppiche zu weben, wurde zur atmosphärischen Seele des Jane-Sounds. Charly Maucher komplettierte das Quartett am Bass und mit seiner kraftvollen, bluesigen Stimme. Ihre Vision war klar und ambitioniert: Sie wollten die rohe Kraft des britischen Hardrocks mit der epischen Weite und den experimentellen Strukturen des Progressive und Psychedelic Rocks verschmelzen. Das Ergebnis war ein Sound, der in der deutschen Musikszene einzigartig war: melodiöser, von der Orgel getragener Hardrock, durchzogen von einer tiefen Melancholie und einer fast kosmischen Atmosphäre. Ihre Texte, oft in einem charmant-authentischen, gebrochenen Englisch vorgetragen, verliehen der Musik eine zusätzliche emotionale Tiefe. Bei einem Nachwuchsfestival in Hannover wurde das außergewöhnliche Talent der Band von Günther Körber, dem visionären Produktmanager des neu gegründeten Labels Brain Records, erkannt. Er nahm Jane unter Vertrag und ermöglichte ihnen die Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Conny Plank. In dessen Studio entstand 1972 das Debütalbum „Together“, ein kraftvolles musikalisches Manifest, das den Grundstein für eine Dekade des Erfolgs legte und den Sound definierte, der Jane zu einer der führenden Rockbands Deutschlands machen sollte.
Meilenstein: Together (1972)
Das von der Produzentenlegende Conny Plank betreute Debütalbum „Together“ war ein Paukenschlag in der deutschen Rockszene. Es etablierte den unverkennbaren Jane-Sound, eine Symbiose aus sphärischen Orgelklängen, bluesgetränkten Gitarrenriffs und einem hypnotischen Rhythmusfundament. Titel wie der Opener „Daytime“ oder das epische „Hangman“ wurden zu frühen Hymnen der Band und zeigten das immense kompositorische Potenzial der Gründungsmitglieder.
- Daytime
- Wind
- Try To Find
- Spain
- Together
- Hangman
Der unaufhaltsame Aufstieg zur Kultband (1973-1975)
Nach dem beachtlichen Erfolg ihres Debüts trat Jane in eine Phase unermüdlicher Produktivität und stetig wachsender Popularität ein. Die Bandgeschichte war von Anfang an von häufigen Personalwechseln geprägt, was jedoch der kreativen Kontinuität keinen Abbruch tat. Der Kern, bestehend aus den Hauptkomponisten Peter Panka und Klaus Hess, blieb die treibende Kraft. Mit dem zweiten Album „Here We Are“ (1973) verfeinerten sie ihren charakteristischen Sound. Der verstärkte Einsatz von Synthesizern erweiterte ihre Klangpalette und verlieh der Musik eine noch ausgeprägtere kosmische, sphärische Dimension, die sie näher an Bands wie Pink Floyd rückte. Ein signifikanter Einschnitt erfolgte mit dem dritten Album, das schlicht „Jane III“ (1974) betitelt wurde. Nach dem vorübergehenden Ausstieg von Werner Nadolny, dem die musikalische Ausrichtung zu rockig wurde, präsentierte sich die Band als abgespecktes Power-Trio. Der Sound wurde rauer, direkter und bluesiger. Klaus Hess‘ Gitarre trat noch stärker in den Vordergrund, und Charly Maucher übernahm den Hauptgesang, was dem Album eine erdige, kraftvolle Note verlieh. Diese Phase zeigte die Vielseitigkeit der Band, doch viele Fans vermissten die atmosphärischen Keyboard-Landschaften. Nadolny gründete in dieser Zeit sein eigenes Projekt namens „Lady“, doch die Anziehungskraft seiner alten Band war stärker. Seine Rückkehr für das Album „Lady“ (1975) wurde von der Fangemeinde gefeiert und führte Jane zurück auf ihren ureigenen musikalischen Pfad. Das Album war eine perfekte Synthese aus der Härte von „Jane III“ und den symphonischen Elementen der ersten beiden Platten. Es markierte die endgültige Etablierung ihres Stils und bereitete den Boden für den kommerziellen Durchbruch, der unmittelbar bevorstand.
Der Zenit: Die goldene „Live at Home“-Ära (1976-1977)
Die Jahre 1976 und 1977 markieren den absoluten Höhepunkt in der Karriere von Jane. Mit dem Konzeptalbum „Fire, Water, Earth & Air“ (1976) schufen sie ein Meisterwerk des Progressive Rock. Das Album war thematisch und musikalisch aus einem Guss und zeigte die Band auf dem Gipfel ihrer kompositorischen Fähigkeiten. Doch es war das darauffolgende Doppel-Live-Album „Live at Home“ (1977), das Jane endgültig in den Rock-Olymp katapultierte. Aufgenommen während eines triumphalen Konzerts in ihrer Heimatstadt Hannover, fängt dieses Album die pure Magie und die unbändige Energie ihrer Bühnenpräsenz ein. Es wurde zu einem der meistverkauften Alben der deutschen Rockgeschichte, erreichte Goldstatus – eine damals für eine deutsche Band außergewöhnliche Ehre – und erhielt von ihrer Plattenfirma das „Goldene Brain Label“. „Live at Home“ ist mehr als nur ein Konzertmitschnitt; es ist ein Zeitdokument, das die besondere Verbindung zwischen der Band und ihrem enthusiastischen Publikum dokumentiert. Epische Versionen ihrer Klassiker wie das über 20-minütige „Windows“, das melancholische „Out in the Rain“ oder das treibende „Hangman“ entfalten hier ihre volle Wirkung. Die Band experimentierte live mit einer Quadrophonie-Anlage, bei der Lautsprecher in allen vier Ecken der Konzerthallen platziert wurden, um das Publikum vollständig in ihre Klangwelten eintauchen zu lassen. Jane waren nun Superstars. Ihre ausgedehnten Tourneen führten sie durch ganz Europa und sogar bis nach Neuseeland. Ihre Konzerte waren legendär, oft ausverkauft und festigten ihren Ruf als eine der besten und intensivsten Live-Bands ihrer Zeit, ein Aushängeschild für die kreative Kraft des „Krautrock“.
Meilenstein: Live at Home (1977)
Dieses legendäre Doppel-Live-Album ist das wohl wichtigste Tondokument der Band und markiert ihren kommerziellen Höhepunkt. Es verkaufte sich über eine halbe Million Mal, erreichte Goldstatus und zementierte den Ruf von Jane als überragende Live-Band. Aufgenommen in Hannover, fängt es die elektrisierende Atmosphäre ihrer Konzerte perfekt ein. Die epischen, ausgedehnten Versionen von Songs wie „Windows“, „Out in the Rain“ oder „Hangman“ gelten als definitive Interpretationen und sind ein Paradebeispiel für die symphonische Kraft des Krautrock.
- All My Friends
- Lady
- Rest of My Life
- Expectation
- River
- Out in the Rain
- Hangman
- Fire, Water, Earth & Air
- Another Way
- Daytime
- Hightime for Crusaders
- Windows
Jahre des Umbruchs, der Experimente und der Zerreißprobe (1978-1994)
Auf dem Gipfel des Ruhms begann für Jane eine schwierige Phase der stilistischen Neuorientierung, die von internen Spannungen und kreativen Differenzen geprägt war. Das Album „Age of Madness“ (1978) zeigte eine härtere, rockigere Facette, die zwar bei Kritikern gut ankam, aber bereits erste Anzeichen einer musikalischen Kurskorrektur offenbarte. Nach diesem Album verließ Keyboarder Manfred Wieczorke, der Werner Nadolny kongenial ersetzt hatte, die Band, um sich anderen Projekten zu widmen. Für das Nachfolgealbum „Sign No. 9“ (1979) sah sich Jane auf ein Trio reduziert. Klaus Hess übernahm notgedrungen zusätzlich die Keyboard-Parts. Das Resultat war ein zwangsläufig sehr gitarrendominiertes Werk, dem die atmosphärische Tiefe und die symphonische Breite der früheren Alben fehlte. Die Band schien in einer kreativen Sackgasse gefangen, ein Gefühl, das sich auch intern breitmachte. Mit dem Album „Jane“ (1980), das von Fans oft als „Maske“ (aufgrund des Covers) bezeichnet wird, unternahmen sie einen radikalen und mutigen Versuch, aus den eigenen Konventionen auszubrechen. Sie integrierten für die damalige Zeit moderne Elemente von New Wave und sogar Punk in ihren Sound. Mit dem exzentrischen jugoslawischen Musiker Predrag „Pedja“ Jovanović holten sie zudem einen völlig neuen Sänger an Bord, dessen Gesangsstil sich stark von dem Pankas unterschied. Dieser Versuch, sich dem musikalischen Zeitgeist der frühen 80er Jahre anzupassen, war ein kommerzieller Misserfolg und spaltete die treue Fangemeinde nachhaltig. Die ohnehin schon schwelenden internen Konflikte zwischen den beiden langjährigen kreativen Köpfen, Peter Panka und Klaus Hess, brachen nun offen aus. Die musikalischen Visionen drifteten unüberbrückbar auseinander. Diese Zerreißprobe gipfelte 1982 im endgültigen Ausstieg des Gitarristen und Mitbegründers Klaus Hess. Dies markierte das Ende der klassischen und erfolgreichsten Ära von Jane. Peter Panka führte die Band zwar mit wechselnden Musikern weiter, konnte jedoch nicht mehr an die großen kommerziellen und künstlerischen Erfolge der 70er Jahre anknüpfen. Mitte der 1990er Jahre, nach einem gescheiterten Wiedervereinigungsversuch, kam es schließlich zur ultimativen Konsequenz: einem erbitterten Rechtsstreit um die Namensrechte, der die Band in zwei separate Lager spaltete.
Die Spaltung: Peter Panka’s Jane vs. Mother Jane
Die unüberbrückbaren Differenzen zwischen den ehemaligen Bandleadern führten zu einem in der deutschen Rockgeschichte seltenen Phänomen: Fortan existierten zwei Bands, die den Namen und das Erbe von Jane für sich beanspruchten. Peter Panka, der nach dem Rechtsstreit die offiziellen Rechte am Bandnamen und dem ikonischen Logo behielt, gründete konsequenterweise „Peter Panka’s Jane“. Diese Formation verstand sich als die direkte und legitime Fortführung der Band. Zeitweise kehrten hierfür sogar die Gründungsmitglieder Werner Nadolny und Charly Maucher zurück. Peter Panka’s Jane pflegte das klassische Erbe der Band, tourte unermüdlich und veröffentlichte neue Alben wie „Resurrection“, die den Geist der 70er Jahre weitertrugen. Klaus Hess, der sich als kreativer Hauptmotor der erfolgreichsten Jahre sah, rief im Gegenzug „Mother Jane“ ins Leben. Der Name war programmatisch: Er wollte damit verdeutlichen, wer seiner Meinung nach die „Mutter“, also der Ursprung des Erfolgs, war. Mother Jane schlug musikalisch einen anderen Weg ein. Hess emanzipierte sich bewusst von dem keyboardlastigen Sound der 70er und entwickelte den Jane-Sound in eine rohe, kraftvolle und rein gitarrenorientierte Richtung, oft mit zwei Lead-Gitarristen. Beide Bands waren auf ihre Weise erfolgreich und konnten Teile der alten Fangemeinde an sich binden, doch die Spaltung blieb ein schmerzhafter Riss in der glorreichen Geschichte der Band und ein Zeugnis für die tiefen persönlichen und künstlerischen Gräben, die sich aufgetan hatten.
Das Vermächtnis: Werner Nadolnys Jane und die ewige Flamme
Nach dem tragischen Tod seines engen Freundes und langjährigen musikalischen Weggefährten Peter Panka im Jahr 2007 stand Werner Nadolny vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Angetrieben von dem Wunsch, das gemeinsame musikalische Erbe im Sinne Pankas am Leben zu erhalten, gründete er die Band „Werner Nadolny’s Jane“. Mit dieser Formation gelang es ihm auf beeindruckende Weise, den ursprünglichen Geist und den authentischen Sound der frühen Jane-Jahre wiederzubeleben. Nadolnys herausragende Kompositionen und sein unverkennbares, gefühlvolles Spiel an Hammond-Orgel und Synthesizer bildeten das Fundament für mitreißende Konzerte, bei denen die großen Klassiker wie „Hangman“, „Out in the Rain“ und „Daytime“ wieder in ihrer ganzen epischen Pracht erstrahlten. Für viele Fans war dies die wahre Fortführung des Jane-Spirits. Doch Nadolnys Leben war von einem schweren Schicksalsschlag gezeichnet. Über viele Jahre litt der Musiker an der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose. Mit bewundernswerter Kraft kämpfte er gegen die fortschreitende Erkrankung an, doch Ende 2015 zwang ihn sein Gesundheitszustand, sich endgültig von den Live-Auftritten zurückzuziehen. Am 22. Mai 2023 verstarb Werner Nadolny. Sein Tod, ebenso wie der von Panka und Maucher, markierte das Ende einer Ära. Doch sein musikalisches Vermächtnis ist unsterblich. Seine Band führt das große Erbe von Jane bis heute fort und sorgt dafür, dass die Flamme nicht erlischt. Die Musik von Jane, in all ihren Inkarnationen, bleibt ein leuchtendes Denkmal für die kreative Kraft, die emotionale Tiefe und die grenzenlose Innovationsfreude des Krautrocks und ein unauslöschliches, monumentales Kapitel der deutschen Musikgeschichte.
Foto: Axel Hindemith – Werner Nadolnys Jane 2011
Der musikalische Kosmos von Jane: Eine Stilanalyse
Die Musik von Jane lässt sich nur schwer in eine einzige Schublade stecken, was ein wesentliches Merkmal ihrer Qualität ist. Im Kern waren sie eine Progressive-Rock-Band, doch ihre Musik war durchdrungen von Elementen des Hardrock, des Psychedelic Rock, des Space Rock und des Blues. Diese einzigartige Mischung hob sie von vielen anderen Bands des Krautrock-Genres ab. Das Fundament ihres Sounds bildete das hypnotische und oft schleppende, aber ungeheuer kraftvolle Schlagzeugspiel von Peter Panka, das den Songs ein fast meditatives, treibendes Moment verlieh. Darüber legte Werner Nadolny (oder später Manfred Wieczorke) majestätische, flächige Teppiche aus Hammond-Orgel- und Synthesizer-Klängen. Diese sphärischen Keyboard-Arrangements waren das Markenzeichen der Band und erzeugten jene melancholische, kosmische Atmosphäre, die oft Vergleiche mit Pink Floyd hervorrief. Den Gegenpol dazu bildete die Gitarrenarbeit von Klaus Hess. Seine Les-Paul-Gitarre lieferte mal knochentrockene, bluesige Riffs im Stile des klassischen Hardrocks, mal entfesselte sie sich in langen, melodiösen und hochemotionalen Soli, die zu den besten der deutschen Rockgeschichte zählen. Die Kombination aus der symphonischen Weite der Keyboards und der erdigen Härte der Gitarre war das zentrale Spannungsfeld, aus dem die Musik von Jane ihre Energie bezog. Die Songs waren oft lang und komplex strukturiert, mit ausgedehnten Instrumentalpassagen, Tempowechseln und dynamischen Bögen, die von leisen, fast zerbrechlichen Momenten bis zu ohrenbetäubenden Crescendos reichten. Thematisch bewegten sich ihre Texte oft im Mystischen und Philosophischen und trugen, vorgetragen in einem charmant unperfekten Englisch, zur authentischen und unverwechselbaren Aura der Band bei.
Die prägenden Mitglieder im Detail
Werner Nadolny (Keyboards, Saxophon, Flöte, Komposition)
Geboren am 3. April 1947 in Hannover, war Werner Nadolny zweifellos die musikalische Seele und der atmosphärische Architekt von Jane. Sein musikalischer Weg wurde ihm quasi in die Wiege gelegt; sein Vater, ein Berufsmusiker, erkannte früh das außergewöhnliche Talent seines Sohnes und begann bereits im Alter von fünf Jahren, ihn auf der Geige zu unterrichten. Diese klassische Ausbildung legte den Grundstein für sein tiefes musikalisches Verständnis. In seiner Jugend erweiterte er sein instrumentales Spektrum um das Saxophon, das er auch in der Vorläuferband The J.P.s spielte. Seine wahre Berufung und sein klangliches Zuhause fand er jedoch in der Welt der Tasteninstrumente. Seine Fähigkeit, der Hammond-Orgel und späteren Synthesizern Klänge von epischer Breite und sphärischer Tiefe zu entlocken, wurde zum entscheidenden Faktor für den unverkennbaren Jane-Sound. Nach dem zweiten Album „Here We Are“ verließ er die Band vorübergehend, da ihm die musikalische Entwicklung unter dem Einfluss von Klaus Hess zu eindimensional und hart wurde. In dieser Zeit gründete er die Band „Lady“, deren Name später ironischerweise von Jane für ihr nächstes Album verwendet wurde. Doch die musikalische Chemie mit seinen alten Weggefährten war zu stark, und er kehrte zurück. Nadolny war nicht nur ein brillanter Instrumentalist, sondern auch ein feinsinniger Komponist und Arrangeur. Viele der unsterblichen Jane-Melodien und harmonischen Strukturen tragen seine Handschrift. In den 1980er Jahren stellte er sein Talent auch außerhalb der Band unter Beweis, als er maßgeblich am hochgelobten und erfolgreichen Rockballett „Warlock“ von Jon Symon mitwirkte. Sein Leben war jedoch von einem schweren Schicksalsschlag geprägt. Über 30 Jahre lang kämpfte er mit bewundernswerter Stärke und Lebensmut gegen die tückische Krankheit Multiple Sklerose, die ihn schließlich zwang, die Bühne zu verlassen. Am 22. Mai 2023 verstarb er in seiner Heimatstadt Hannover. Über sein Privatleben, wie Ehen oder Kinder, hielt er sich stets bedeckt, da für ihn immer die Musik im Vordergrund stand. Sein Vermächtnis ist ein Klangkosmos, der Generationen von Musikfans berührt.
Peter Panka (Schlagzeug, Gesang, Komposition)
Peter Panka, geboren am 3. März 1948 in Hannover, war der unermüdliche Motor, das pulsierende Herz und der Fels in der Brandung von Jane. Bereits im Alter von 18 Jahren entschied er sich für eine Karriere als Profimusiker, eine für die damalige Zeit mutige Entscheidung. Seine Laufbahn begann als charismatischer Sänger bei den J.P.s. Mit der Gründung von Jane vollzog er den entscheidenden Schritt und übernahm die anspruchsvolle Doppelrolle des Schlagzeugers und Leadsängers. Sein Drumming war einzigartig: weniger technisch-virtuos als vielmehr rhythmisch-hypnotisch. Mit seinem fast schamanischen, treibenden Beat legte er das Fundament, auf dem sich die epischen Klanglandschaften der Band entfalten konnten. Panka war das einzige Mitglied, das Jane über die gesamte, wechselvolle Geschichte die Treue hielt. Er war der Kapitän, der das Schiff durch alle Stürme, Besetzungswechsel und Krisen steuerte. Nach der schmerzhaften Spaltung war es für ihn selbstverständlich, die Band als „Peter Panka’s Jane“ weiterzuführen und das Erbe zu bewahren. Auf der Bühne war er eine beeindruckende Erscheinung, eine Naturgewalt, die das Publikum mit seiner Energie und seiner Leidenschaft mitriss. Wie Nadolny war auch Panka eine wichtige Figur beim Rockballett „Warlock“. Sein Leben endete viel zu früh. Am 28. Juni 2007 erlag er im Alter von nur 59 Jahren einem Lungenkrebsleiden. Sein Tod hinterließ eine riesige Lücke in der deutschen Rockszene. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde die Band auch nach seinem Tod weitergeführt, ein Beweis für seine unendliche Liebe zu diesem Projekt. Details über seine familiären Verhältnisse sind, wie bei seinen Bandkollegen, kaum öffentlich bekannt.
Klaus Hess (Gitarre, Gesang, Komposition)
Klaus Hess war der virtuose Gegenpol zur sphärischen Welt der Keyboards, der Meister der sechs Saiten und neben Panka und Nadolny der dritte entscheidende Songwriter der klassischen Jane-Ära. Sein Gitarrenspiel war tief im Blues und Hardrock verwurzelt, besaß aber gleichzeitig ein außergewöhnliches Gespür für große, epische Melodiebögen. Er machte den Sound der Gibson Les Paul in Deutschland populär und wurde mit seinem kraftvollen, aber stets gefühlvollen Stil zu einem der einflussreichsten deutschen Gitarristen seiner Generation. Hess war die treibende Kraft hinter der rockigen, kantigen und kompromisslosen Seite von Jane. Seine Riffs sind bis heute unverkennbar und seine ausufernden Soli waren oft die Höhepunkte der Live-Konzerte. Die über die Jahre wachsenden musikalischen und persönlichen Differenzen mit Peter Panka, insbesondere über die stilistische Ausrichtung der Band, führten 1982 zu seinem Ausstieg. Nach der Veröffentlichung seines hochgelobten Soloalbums „Sternentanz“ (1983) zog er sich für einige Jahre aus dem Musikgeschäft zurück, bevor er mit „Mother Jane“ ein beeindruckendes Comeback feierte. Mit dieser Formation setzte er seine Vision eines reinen, ehrlichen und gitarrenorientierten Rocksounds konsequent um. In Interviews nahm Hess selten ein Blatt vor den Mund und äußerte sich oft unverblümt und kritisch über die späteren Entwicklungen und die Zersplitterung der Band, was die tiefen emotionalen Wunden zeigte, die der Bruch hinterlassen hatte.
Charly Maucher (Bass, Gesang, Komposition)
Norbert „Charly“ Maucher, geboren am 6. Mai 1947 in Hannover, war das rhythmische Gewissen, das unerschütterliche Fundament und eine der charismatischsten Stimmen des Krautrocks. Als Gründungsmitglied legte er mit seinem druckvollen, melodischen Bassspiel die Basis für die komplexen Songstrukturen der Band. Seine raue, vom Blues durchdrungene Stimme kam besonders auf dem Album „Jane III“ zur Geltung, auf dem er den Großteil des Gesangs übernahm und dem Album seinen einzigartigen, erdigen Charakter verlieh. Mauchers Karriere war, ähnlich wie die von Nadolny, von mehreren Aus- und Wiedereinstiegen bei Jane geprägt. In den Pausen war er jedoch nicht untätig und an anderen hochkarätigen Projekten wie der Band Harlis beteiligt und veröffentlichte auch ein Soloalbum namens „Performance“. In den 2000er Jahren fand er seinen festen Platz in der Besetzung von „Peter Panka’s Jane“ und war bis zu seinem Tod eine Konstante in der Band. Sein Leben wurde 2017 von einer Leukämie-Diagnose überschattet. Mit unglaublicher Willenskraft kämpfte er sich zurück und stand wieder auf der Bühne. Doch die Krankheit kehrte zurück. Am 28. August 2019 verstarb Charly Maucher in seiner Wahlheimat Kanada. Sein kraftvolles Spiel und seine unverkennbare Stimme bleiben ein integraler Bestandteil des Jane-Mythos.
Vollständige Interaktive Diskografie
Jane (Original-Ära & Wiedervereinigungen)
Studioalbum: Together (1972)
- Daytime
- Wind
- Try To Find
- Spain
- Together
- Hangman
Studioalbum: Here We Are (1973)
- Redskin
- Out in the Rain
- Dandelion
- Moving
- Waterfall
- Like a Queen
- Here We Are
Studioalbum: Jane III (1974)
- Comin‘ Again
- Mother, You Don’t Know
- I Need You
- Way to Paradise
- Early in the Morning
- Jane-Session
- Rock ’n‘ Roll Star
- King of Thule
- Baby, What You’re Doin‘
Studioalbum: Lady (1975)
- Waiting For The Sunshine
- Scratches On Your Back
- Music-Machine
- Make Me Feel Better
- (Wishdream) Lady
- Lord Love
- Midnight-Mover
Studioalbum: Fire, Water, Earth & Air (1976)
- Fire, Water, Earth & Air
- The End
- Earth
- Air
- Water
- Fire
Livealbum: Live at Home (1977)
- All My Friends
- Lady
- Rest of My Life
- Expectation
- River
- Out in the Rain
- Hangman
- Fire, Water, Earth & Air
- Another Way
- Daytime
- Hightime for Crusaders
- Windows
Studioalbum: Between Heaven and Hell (1977)
- Between Heaven and Hell
- Twilight
- Voice in the Wind
- Your Circle
- The Last Time
- Let the Sunshine in
Studioalbum: Age of Madness (1978)
- Age of Madness
- Memory
- Love Song
- Get This Power
- Measure of Pleasure
- Auroville
Studioalbum: Sign No. 9 (1979)
- Sign No. 9
- That’s the Way
- Love Can’t Wait
- Henry Goes Married
- Say Hello
- Moonstone
- Love on Earth
- Letter to Mariann
- I Know One Day
Studioalbum: Jane (Maske) (1980)
- Jane
- That Sensuous Feeling
- Rockin‘ Chair
- Joker
- Some People
- S.O.S.
- It’s a Long, Long Way
Studioalbum: Germania (1982)
- Germania
- Rock and Roll Revolution
- Got No Shadows
- Cool and Collected
- Get Back to You
- No Future
- I’m So Down
Studioalbum: Beautiful Lady (1986)
- Beautiful Lady
- In My Life
- I Need You
- You’re a Star
- Imagination
- I’m a Singer
- Don’t You See I’m Alive
- The Last Time
Livealbum: Live ’89 (1990)
- Intro
- I Need You
- Medley (Try To Find/Wind/River)
- Fire, Water, Earth & Air
- Beautiful Lady
- So So Long
- Out In The Rain
- Daytime
- Hangman
Peter Panka’s Jane
Studioalbum: Resurrection (1996)
- Resurrection
- The Return
- Mystic Moody
- Shine On
- In My Mind
- Southern Line
- One More Time
- The Shootist
- Way To Paradise
Livealbum: Live 2002 (2002)
- Intro
- All My Friends
- Back Again
- Fire, Water, Earth & Air
- Way To Paradise
- Daytime
- Medley (Try To Find/Wind/Water)
- Windows/Spain
- Out In The Rain
- Hangman
- So So Long
Studioalbum: Genuine (2002) (als Jane/Pano’s Jane)
- Genuine
- One Love – One Soul
- The Crow
- To My Heart
- Every Day
- No-one’s Home
- Master of the Universe
- A Little Big More
- No More
Studioalbum: Shine On (2003)
- Shine On
- Honestly
- A Little More of You
- The End
- Sad Song
- Look at Me
- Water
- In the Night
- A moment
Studioalbum: Voices (2006)
- Voices
- On My Way
- New Man in Town
- Stay With Me
- Stop the Clock
- Rockin‘ Around
- Dynamite
- Cadillac Rider
- Out on the Street
Studioalbum: Traces (2009)
- Hurricane Approching
- Love Me Tomorrow
- Nature
- Fly Away
- For The Better
- Two Dots Of Luck
- Back On The Ground
- Chittagong Blues
- Before Long
- Reflections
- To A Hero And Friend
- Northern Lights
Mother Jane (Klaus Hess)
Livealbum: Comes Alive (2000)
- Intro
- Out Of Control
- Spain
- Redskin
- Together We Stand
- Emotion
- So So Long
- Take It
- Hangman
- Daytime
- Way To Paradise
- Silence
- Nightmare
- Windows II
Studioalbum: In Dreams (2009)
- In Dreams
- Why
- The Sun Is Up
- For You
- The Last Time
- Don’t You Know
- Carry On
- Someone
- I Believe
Studioalbum: Turn the Page (2012)
- Turn the Page
- Why Are You Cruel
- Special Girl
- Love Ain’t Easy
- Nightmare
- Hightime
- Expectation
- Take It
- Another Way
- Together We Stand
Werner Nadolny’s Jane
Studioalbum: Proceed with Memories (2009)
- Proceed With Memories
- Morg’n
- Borrowed Time
- Little Closer
- Be to See
- She’s a Star
- Everyone
- Dangerous Games
- Someone to Love
Studioalbum: The Journey (2011)
- The Journey
- …And the Wind Cries Jane
- Merlin
- Galadriel
- The Last Farewell
- Return to Forever
Studioalbum: Eternity (2011)
- Eternity
- Time Goes By
- Beautiful Lady
- I Need You
- Back Again
- Into the Harmony