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Die Giganten des Progressive Rock: Emerson, Lake & Palmer
Die Anfänge der Supergroup
Die Geschichte von Emerson, Lake & Palmer, oft als ELP abgekürzt, ist die Erzählung eines musikalischen Phänomens, das die Landschaft des Progressive Rock in den 1970er Jahren entscheidend prägte. Gegründet 1970, entstand die Band aus der Fusion dreier einzigartiger Talente, die bereits in der britischen Musikszene einen Namen hatten: Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer. Die Formation wurde nicht organisch über Jahre geformt, sondern als sogenannte Supergroup bewusst zusammengestellt, was von Anfang an eine hohe Erwartungshaltung mit sich brachte und die drei Musiker vor die Herausforderung stellte, ihre individuellen Visionen zu einem kohärenten Ganzen zu verschmelzen. Die Idee für eine neue Band entstand, als Keith Emerson, der zuvor mit seiner Gruppe The Nice Erfolg hatte, und Greg Lake, Bassist und Sänger von King Crimson, sich bei einem Auftritt trafen und beschlossen, etwas gemeinsam zu starten. Ihre Suche nach einem Schlagzeuger gestaltete sich zunächst schwierig. Es gab Gerüchte um eine Zusammenarbeit mit Jimi Hendrix und Mitch Mitchell, die zu der fiktiven Supergruppe „HELP“ (Hendrix, Emerson, Lake, Palmer) führten, eine Idee, die jedoch nie realisiert wurde. Stattdessen fanden sie in dem jungen und hochtalentierten Carl Palmer, der gerade seine Band Atomic Rooster verlassen hatte, das fehlende Puzzlestück. Carl Palmer, mit nur 19 Jahren das jüngste Mitglied, brachte eine explosive Schlagzeugtechnik und eine beeindruckende Präzision mit, die perfekt zur musikalischen Vision von Emerson und Lake passte.
Karriere und Meilensteine
Mit der Besetzung komplettiert, begannen die Arbeiten am ersten Album. Die Band wurde fast sofort zu einem der meistdiskutierten Acts der Szene. Ihr Debüt fand 1970 auf dem Isle of Wight Festival statt, wo sie vor einem Publikum von rund 600.000 Menschen auftraten und mit einer energiegeladenen, theatralischen Show einen bleibenden Eindruck hinterließen. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum **Emerson, Lake & Palmer** folgte noch im selben Jahr und war ein großer kommerzieller Erfolg. Es präsentierte die Bandbreite ihres musikalischen Spektrums, das von der rockigen Hymne „The Barbarian“ bis zur sanften, von Greg Lake geschriebenen Ballade „Lucky Man“ reichte, die durch Keith Emersons Moog-Synthesizer-Solo zu einem unerwarteten Hit wurde. Die frühe Karriere der Band war geprägt von der Synthese aus klassischer Musik, Jazz und Rock, ein Ansatz, der damals neu und aufregend war. Emerson, der ein begnadeter Pianist war, brachte Stücke von Komponisten wie Bach und Mussorgsky in das Repertoire der Band ein und adaptierte sie auf eine Weise, die das Publikum überraschte und begeisterte.
Trotz des schnellen Erfolgs waren die ersten Jahre der Band nicht ohne interne Konflikte. Schon während der Aufnahmen zu ihrem zweiten Album, **Tarkus** (1971), kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Emerson und Lake. Lake zeigte sich zunächst skeptisch gegenüber Emersons Idee eines durchgängigen Konzeptalbums über ein mythisches Wesen, den Tarkus. Diese kreativen Spannungen drohten die junge Band auseinanderzubrechen. Dennoch überwanden sie die Differenzen und schufen ein Werk, das heute als einer der Meilensteine des Progressive Rock gilt. Das Titelstück, eine Suite von über 20 Minuten Länge, demonstriert eindrucksvoll die musikalische Komplexität und den virtuosen Anspruch der Band. Es folgten weitere Erfolge, darunter das Album **Trilogy** (1972), das mit Stücken wie „From the Beginning“ und „Hoedown“ die Vielseitigkeit der Gruppe unterstrich. Ein weiterer künstlerischer Höhepunkt war das Album **Brain Salad Surgery** (1973), das nicht nur musikalisch anspruchsvoll war, sondern auch mit seinem futuristischen Artwork und den komplexen Texten von Peter Sinfield (ehemals King Crimson) eine neue Ebene des Konzepts erreichte. Der Titelsong „Karn Evil 9“ wurde zu einem festen Bestandteil ihrer Live-Shows und ist ein Paradebeispiel für die Fusion von Rock, klassischer Musik und Science-Fiction-Elementen.
Emerson, Lake & Palmer waren nicht nur im Studio erfolgreich, sondern auch für ihre aufwendigen und theatralischen Live-Shows berühmt. Keith Emerson war eine Naturgewalt auf der Bühne, der seine Keyboards mit Messern attackierte, auf ihnen ritt oder sie in die Luft hob, um sie zu drehen. Diese visuellen Elemente, gepaart mit komplexen Lichtshows und Pyrotechnik, machten jedes Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Band war bekannt für ihre kompromisslose Herangehensweise an die Musik und ihre Bereitschaft, Risiken einzugehen. Dies zeigte sich auch in ihrem 1977er Album **Works Volume I**, einem ehrgeizigen Doppelalbum, das jeweils eine Soloseite für jedes Mitglied sowie eine gemeinsame Seite mit orchestralen Arrangements enthielt. Der Höhepunkt dieses Projekts war eine US-Tournee mit einem 70-köpfigen Orchester, ein Unterfangen, das logistisch und finanziell katastrophal endete und die Band an den Rand des Ruins brachte. Sie mussten die Tour nach nur zwölf Konzerten abbrechen, da die immensen Kosten nicht zu decken waren. Dieses Ereignis markierte den Anfang vom Ende der ersten Ära der Band und führte schließlich zu ihrer Auflösung im Jahr 1979.
Die Bandmitglieder im Detail
Jedes Mitglied von ELP war eine eigenständige Persönlichkeit mit einer beeindruckenden Karriere und einem bewegten Privatleben. **Keith Emerson**, am 2. November 1944 in Todmorden, Yorkshire, geboren, war das musikalische Herz der Band. Er begann seine musikalische Laufbahn als junger Pianist und entwickelte schnell eine Affinität zum Jazz und zur Rockmusik, wobei er eine einzigartige Technik schuf. Seine Vorbilder waren Klassik-Komponisten wie Béla Bartók, dessen unkonventionelle Rhythmen und Dissonanzen er in seine eigenen Werke übertrug, sowie Jazz-Größen. Er heiratete um 1969 seine dänische Freundin Elinor Lund, mit der er die beiden Söhne Aaron und Damon hatte. Die Ehe endete 1994, als Emerson eine neue Beziehung einging. In seinen späteren Jahren kämpfte er mit gesundheitlichen Problemen, darunter eine schwere Nervenschädigung in seiner rechten Hand, die seine Spieltechnik beeinträchtigte und ihn in tiefe Depressionen stürzte. Die Angst, seine Fans zu enttäuschen und nicht mehr die gewohnte Perfektion erreichen zu können, war eine unerträgliche Last für ihn. Am 11. März 2016 verstarb er in seinem Zuhause in Santa Monica durch Suizid, eine tragische Konsequenz seiner inneren Qualen und körperlichen Leiden.
Der Sänger, Bassist und Gitarrist **Greg Lake**, geboren am 10. November 1947 in Poole, Dorset, war die Stimme und oft der Texter der Band. Er war bereits eine angesehene Figur im Progressive Rock als Mitglied von King Crimson, bevor er zu ELP kam. Lake war ein virtuoser Musiker und ein begnadeter Songwriter, der die gefühlvollen Balladen lieferte, die einen wichtigen Kontrast zu Emersons komplexen Kompositionen darstellten. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Weihnachts-Single „I Believe in Father Christmas“, die er 1975 als Soloprojekt veröffentlichte. Sein Privatleben hielt er weitgehend aus der Öffentlichkeit, gab aber in seiner posthumen Autobiografie „Lucky Man“ Einblicke in seine Karriere und sein Leben. Er litt in seinen letzten Jahren an Krebs, dem er am 7. Dezember 2016, nur wenige Monate nach dem Tod seines Bandkollegen Keith Emerson, erlag.
Das Fundament der Band war Schlagzeuger **Carl Palmer**, geboren am 20. März 1950 in Birmingham. Aus einer musikalischen Familie stammend, wurde er schon früh an die Jazz- und Klassikwelt herangeführt, was seine spätere Spielweise stark beeinflusste. Seine Jugend-Mentoren waren die Jazz-Legenden Buddy Rich und Gene Krupa. Er war nicht nur ein kraftvoller, sondern auch ein technisch präziser Schlagzeuger, der in der Lage war, komplexe Rhythmen und Takte mühelos umzusetzen. Vor seiner Zeit bei ELP hatte Palmer bereits mit Bands wie The Crazy World of Arthur Brown und Atomic Rooster Erfolg. In den 1980er Jahren war er auch Gründungsmitglied der Supergroup Asia. Was sein Privatleben betrifft, war er von 1985 bis 1989 mit seiner ersten Frau Maureen Fraser verheiratet und hat eine Tochter, Carissa. Seit 2004 ist er mit Katie liiert. Im Jahr 2010 stellte er seine Ernährung auf vegan um. Palmer ist das einzige überlebende Mitglied der ursprünglichen Besetzung und hat die Musik von ELP weiterhin durch seine eigenen Projekte am Leben erhalten.
Schicksal und Tragödien
Ein besonders bemerkenswerter Vorfall ereignete sich 1973 in San Francisco, als Emerson während einer Show seine Hände durch eine verfrühte Pyrotechnik-Explosion verletzte. Glücklicherweise erholte er sich vollständig. Mit den tragischen Toden von Keith Emerson und Greg Lake im Jahr 2016 endete die Ära der Band unwiderruflich. Ihr Vermächtnis als eine der einflussreichsten Progressive-Rock-Bands bleibt jedoch bestehen. Sie erweiterten die Grenzen der Rockmusik, experimentierten mit neuen Instrumenten wie dem Moog-Synthesizer und brachten klassische Musik einem breiteren Publikum näher. Die Band verkaufte Millionen von Alben und beeinflusste unzählige Musiker weltweit. Ihre Musik ist ein Beispiel für kreative Kühnheit und künstlerischen Anspruch in einer Zeit, in der Musik noch als Kunstform und nicht nur als Unterhaltung gesehen wurde. Emerson, Lake & Palmer waren Pioniere, deren Einfluss bis heute spürbar ist.
Abseits ihrer Kernband-Arbeit waren die Mitglieder von Emerson, Lake & Palmer an einer Vielzahl von Kooperationen und Projekten beteiligt. Keith Emerson arbeitete mit verschiedenen Orchestern und Künstlern zusammen, schrieb Filmmusik und war als Gastmusiker gefragt. Greg Lake veröffentlichte erfolgreiche Soloalben und tourte mit Ringo Starrs All-Starr Band. Carl Palmer war nicht nur mit Asia erfolgreich, sondern auch mit seiner eigenen Carl Palmer Band. Diese Projekte zeigten, dass die musikalische Kreativität jedes Einzelnen weit über die Grenzen von ELP hinausging. Die Musik von ELP war tief in der europäischen klassischen Tradition verwurzelt, insbesondere in der Arbeit von Komponisten wie Bartók, dessen Einflüsse in den komplexen Strukturen und der Polytonalität ihrer Musik deutlich zu hören sind. Auch der Jazz-Einfluss ist unverkennbar, was vor allem durch Emersons Improvisationskunst und Palmers rhythmische Finesse zum Ausdruck kam. Greg Lake brachte mit seinen Kompositionen Elemente des Folk und Rock ein, die der Musik eine zugänglichere, melodische Seite verliehen. Die Band war bekannt dafür, Rockmusik mit klassischer Literatur zu verschmelzen, wie es in ihrem Live-Album **Pictures at an Exhibition** (1971) deutlich wurde, einer Rock-Adaption von Mussorgskys gleichnamigem Werk, die zu einem ihrer berühmtesten Live-Alben wurde.
Diskografie
Studioalben
- Emerson, Lake & Palmer (1970)
- The Barbarian
- Take a Pebble
- Knife-Edge
- The Three Fates
- Tank
- Lucky Man
- Tarkus (1971)
- Tarkus (Eruption, Stones of Years, Iconoclast, Mass, Manticore, The Battlefield, Aquatarkus)
- Jeremy Bender
- Bitches Crystal
- The Only Way (Hymn)
- Infinite Space (Conclusion)
- A Time and a Place
- Are You Ready Eddy?
- Trilogy (1972)
- The Endless Enigma Part 1
- From the Beginning
- The Endless Enigma Part 2
- Fugue
- The Sheriff
- Hoedown
- Trilogy
- Living Sin
- Abaddon’s Bolero
- Brain Salad Surgery (1973)
- Jerusalem
- Toccata
- Still…You Turn Me On
- Benny the Bouncer
- Karn Evil 9 (1st Impression – Part 1)
- Karn Evil 9 (1st Impression – Part 2)
- Karn Evil 9 (2nd Impression)
- Karn Evil 9 (3rd Impression)
- Works Volume I (1977)
- Fanfare for the Common Man
- Tank (Live)
- Lucky Man (Live)
- Pirates
- Take a Pebble (Live)
- Nutrocker (Live)
- Black Moon (1992)
- Black Moon
- Paper Blood
- Romeo and Juliet
- Farewell to Arms
- Changing States
- Burning Bridges
- Close to Home
- Better Days
- Footprints in the Snow
- Lover to Lover
Live-Alben
- Pictures at an Exhibition (1971)
- Promenade
- The Gnome
- Promenade
- The Sage
- The Old Castle
- Blues Variation
- Promenade
- The Hut of Baba Yaga
- The Curse of the Witch
- The Hut of Baba Yaga
- The Great Gates of Kiev
- Nutrocker
- Welcome Back My Friends to the Show That Never Ends… (1974)
- Hoedown
- Jerusalem
- Toccata
- Tarkus
- Still… You Turn Me On
- Lucky Man
- Piano Improvisations
- Take a Pebble
- Karn Evil 9
- …und viele weitere Veröffentlichungen und Bootlegs.
Quellenangaben
Die Informationen für diesen Text wurden aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, darunter die Wikipedia-Seiten zu Emerson, Lake & Palmer und den einzelnen Bandmitgliedern, Artikel von Musikmagazinen wie The Independent und Louder Sound sowie Fan-Websites.