Peter Green – Die Seele des Blues
In den Annalen der Rock- und Bluesgeschichte gibt es Namen, die wie Leuchtfeuer brennen und deren Einfluss weit über ihre aktive Zeit hinausreicht. Einer dieser Namen ist Peter Green. Geboren als Peter Allen Greenbaum am 29. Oktober 1946 im Londoner Stadtteil Bethnal Green, wuchs er in einer Welt auf, die sich noch von den Narben des Zweiten Weltkriegs erholte. Es war eine Zeit des Umbruchs, in der die Jugend nach neuen Ausdrucksformen suchte. Für den jungen Peter wurde die Musik zu dieser Form – genauer gesagt, der amerikanische Blues. Es war eine Liebe, die sein Leben definieren, ihn zu unsterblichem Ruhm führen und ihn gleichzeitig an den Rand des Abgrunds bringen sollte. Peter Green war nicht nur ein Gitarrist; er war ein Kanal für Emotionen, ein Meister des Tons und der Phrasierung, dessen Spiel eine fast übernatürliche Tiefe besaß. Seine Geschichte ist die eines außergewöhnlichen Talents, eines visionären Bandleaders und eines Mannes, der mit den Dämonen kämpfte, die oft mit genialer Kreativität einhergehen.
Die Wurzeln im Londoner East End
Das London der Nachkriegszeit war ein raues Pflaster, besonders im East End. Inmitten dieses von Arbeiterkultur und einfachen Verhältnissen geprägten Umfelds fand Peter Green seine erste musikalische Inspiration. Sein älterer Bruder Michael brachte ihm die ersten Akkorde auf einer einfachen spanischen Gitarre bei. Doch es war nicht die Folkmusik der britischen Inseln, die ihn fesselte. Es waren die klagenden, rauen und ehrlichen Töne des Blues, die über den Atlantik nach England schwappten. Künstler wie Muddy Waters, B.B. King und John Lee Hooker wurden zu seinen wahren Lehrern. Er hörte ihre Platten unzählige Male, sog jede Note, jede Biegung der Saiten, jedes Vibrato auf und versuchte, die Magie auf seiner eigenen Gitarre nachzubilden. Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent. Er besaß ein angeborenes Gefühl für Melodie und Timing, das man nicht lernen kann. Mit 15 Jahren verließ er die Schule und begann, sich seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Jobs zu verdienen, doch die Musik blieb seine wahre Berufung. Er spielte in verschiedenen lokalen Bands, darunter „Bobby Dennis and the Dominoes“ und „The Tridents“, wo er erste Bühnenerfahrungen sammelte. Es war eine Zeit des Lernens und des Experimentierens. Er verfeinerte seine Technik und entwickelte langsam aber sicher einen eigenen Stil. Seine erste professionelle Station war die Band von Peter Bardens, einem Keyboarder, der später die Progressive-Rock-Band Camel gründen sollte. In „Peter B’s Looners“ spielte Green an der Seite eines Schlagzeugers namens Mick Fleetwood. Es war eine schicksalhafte Begegnung, die den Grundstein für eine der größten Bands der Rockgeschichte legen sollte.
Im Schatten des „Gottes“ – Die Zeit bei John Mayall
Mitte der 1960er Jahre war die britische Bluesszene in heller Aufregung. Der Name, der über allen anderen thronte, war Eric Clapton. Sein virtuoses Spiel in der Band von John Mayall, den Bluesbreakers, hatte ihm den Beinamen „God“ eingebracht, der von Fans an die Wände Londons gesprüht wurde. Als Clapton die Bluesbreakers 1965 verließ, um mit Cream neue musikalische Wege zu gehen, stand John Mayall vor einer gewaltigen Herausforderung: Wie sollte er diesen Gitarristen ersetzen? Die Antwort fand er in dem jungen, damals noch weitgehend unbekannten Peter Green. Green hatte bereits einige Male als Ersatz für Clapton ausgeholfen und Mayall von seinem Talent überzeugt. Die Erwartungen der Fans waren immens, und der Druck auf Green war enorm. Doch anstatt zu versuchen, Clapton zu kopieren, ging er seinen eigenen Weg. Während Claptons Spiel feurig, schnell und aggressiv war, zeichnete sich Greens Stil durch Zurückhaltung, Gefühl und einen unverwechselbaren, süßen Ton aus. Er spielte weniger Noten, aber jede einzelne schien eine tiefere Bedeutung zu haben. Sein Vibrato war subtil und voller Seele, seine Phrasierung atemberaubend. Er bewies, dass technisches Können ohne Emotion nur die halbe Miete ist. Das Album A Hard Road aus dem Jahr 1967 wurde zu seinem Meisterstück mit den Bluesbreakers. Es präsentierte einen Gitarristen, der seinem Vorgänger in nichts nachstand, aber eine völlig andere musikalische Sprache sprach. Besonders bemerkenswert waren Greens erste eigene Kompositionen, wie das Instrumentalstück „The Supernatural“. Hier experimentierte er mit Rückkopplungen und einem schwebenden, hallgetränkten Gitarrensound, der seine Innovationsfreude und seine Suche nach neuen Klangwelten unter Beweis stellte. Auch sein Gesang, der auf Stücken wie „You Don’t Love Me“ zu hören ist, offenbarte eine verletzliche, gefühlvolle Stimme, die perfekt zu seinem Gitarrenspiel passte. In den Bluesbreakers spielte er nicht nur an der Seite von John Mayall, sondern auch mit dem Bassisten John McVie. Die musikalische Chemie zwischen Green, McVie und seinem alten Freund Mick Fleetwood, der ebenfalls kurzzeitig bei den Bluesbreakers trommelte, war unverkennbar. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieses Trio seinen eigenen Weg gehen würde.
A Hard Road (1967): Greens einziges Studioalbum mit den Bluesbreakers. Es zeigt die Band in Bestform mit Peter Greens einzigartigem Stil. Das Album enthält einige seiner ersten Kompositionen, darunter „The Supernatural“ und „The Stumble“, die seinen gefühlvollen Ton und seine innovative Spielweise unterstreichen. Die Platte gilt als einer der Höhepunkte des British Blues Boom.
Die Geburt einer Legende: Fleetwood Mac
Im Jahr 1967 entschied sich Peter Green, die sichere Position bei den Bluesbreakers aufzugeben, um seine eigene musikalische Vision zu verwirklichen. Er hatte klare Vorstellungen von dem Sound, den er schaffen wollte: einen authentischen, tief im Chicago-Blues verwurzelten Sound, der aber auch Raum für Experimente lassen sollte. Er überzeugte Mick Fleetwood, sich ihm als Schlagzeuger anzuschließen. Für den Bassistenposten hatte er nur einen Mann im Sinn: John McVie. Doch McVie zögerte zunächst, die gut bezahlte und prestigeträchtige Stelle bei Mayall aufzugeben. Für die ersten Auftritte sprang daher Bob Brunning als Bassist ein. Green war jedoch so überzeugt von McVies musikalischen Fähigkeiten, dass er die Band nach seinen beiden Wunschmitgliedern benannte: „Fleetwood Mac“. Diese Geste und Greens unerschütterliches Vertrauen überzeugten McVie schließlich, sich der neuen Formation anzuschließen. Das Quartett wurde durch den Gitarristen und Sänger Jeremy Spencer komplettiert. Spencer war ein Meister der Slide-Gitarre und ein hingebungsvoller Anhänger des frühen Rock’n’Roll und des Stils von Elmore James. Seine extrovertierte Bühnenpräsenz und seine Fähigkeit, ältere Blues- und Rock’n’Roll-Stile perfekt zu imitieren, bildeten einen faszinierenden Kontrast zu Greens introvertierter und gefühlvoller Spielweise. Diese Dualität wurde zu einem der Markenzeichen der frühen Fleetwood Mac. Ihr Debütalbum, schlicht Fleetwood Mac (oft auch „Peter Green’s Fleetwood Mac“ genannt), erschien 1968 und schlug in der britischen Musikszene ein wie eine Bombe. Es war ein reines Bluesalbum, roh, authentisch und voller Leidenschaft. Es enthielt Coverversionen von Blues-Klassikern sowie starke Eigenkompositionen von Green und Spencer. Songs wie Greens „Long Grey Mare“ und Spencers Hommage an Elmore James, „My Heart Beat Like a Hammer“, zeigten die immense Bandbreite der Band. Das Album erreichte Platz 4 der britischen Charts und etablierte Fleetwood Mac als eine der führenden Kräfte des British Blues Boom. Es folgten weitere erfolgreiche Alben wie „Mr. Wonderful“ und „English Rose“, die den Ruf der Band festigten. Doch Peter Green war bereits dabei, die Grenzen des reinen Blues zu sprengen.
Fleetwood Mac (1968): Das selbstbetitelte Debütalbum, auch bekannt als „Peter Green’s Fleetwood Mac“, markierte den Startpunkt der Band. Mit einem rohen, authentischen Blues-Sound eroberte es die britischen Charts und enthielt frühe Peter Green Kompositionen wie „Long Grey Mare“ und Jeremy Spencers Hommage an Elmore James.
Von „Black Magic Woman“ zu „Albatross“
Peter Greens kreativer Geist war rastlos. Während die Band als Blues-Powerhouse gefeiert wurde, begann er, mit neuen Klängen und Strukturen zu experimentieren. Ein erstes Anzeichen dieser Entwicklung war die Single Black Magic Woman aus dem Jahr 1968. Mit ihrem lateinamerikanischen Rhythmus, den mystischen Lyrics und Greens hypnotischem Gitarrensolo war der Song weit mehr als nur ein weiterer Bluessong. Es war ein Stück, das eine düstere, verführerische Atmosphäre schuf und Greens Fähigkeit als Songwriter auf ein neues Level hob. Obwohl der Song in der Version von Santana später zu einem Welthit wurde, bleibt Greens Original die definitive, atmosphärisch dichte Fassung. Der endgültige Durchbruch und die Abkehr vom reinen Blues kam jedoch Ende 1968 mit der Veröffentlichung der Single Albatross. Dieses verträumte, sanft fließende Instrumentalstück war das genaue Gegenteil von dem, was man von einer Bluesband erwartete. Inspiriert von Santo & Johnny’s „Sleep Walk“ und hawaiianischer Musik, schuf Green eine Klanglandschaft von unvergleichlicher Schönheit und Ruhe. Der Song, mit seinen schwebenden Gitarrenmelodien, wurde zu einem riesigen Erfolg und erreichte Platz 1 der britischen Single-Charts. Er öffnete Fleetwood Mac die Türen zu einem breiteren Publikum und bewies, dass die Band weit mehr war als nur eine weitere Blues-Combo. Um die musikalische Palette der Band noch weiter zu erweitern, wurde 1968 ein dritter Gitarrist in die Band geholt: der erst 18-jährige Danny Kirwan. Kirwan war ein außergewöhnlich talentierter Gitarrist mit einem sehr melodischen und präzisen Stil, der sich stark von Greens gefühlvollem Spiel und Spencers rauer Slide-Gitarre unterschied. Er war zudem ein begabter Songwriter. Die Kombination der drei so unterschiedlichen Gitarristen schuf einen einzigartigen, vielschichtigen Sound, der auf dem 1969er Album Then Play On seine volle Blüte entfaltete. Dieses Album war ein Meilenstein und markierte den Höhepunkt von Peter Greens kreativer Vision. Es war ein komplexes, progressives Werk, das Blues, Rock, Folk und psychedelische Elemente zu einem faszinierenden Ganzen verband. Songs wie das epische „Oh Well“, das mit einem brachialen Rock-Riff beginnt und in einem ruhigen, klassischen Instrumentalteil endet, oder das schmerzlich schöne „Closing My Eyes“ zeigten die unglaubliche künstlerische Reife, die die Band unter Greens Führung erreicht hatte.
Black Magic Woman (1968): Eine von Peter Green geschriebene Single, die seine Songwriting-Fähigkeiten jenseits des reinen Blues zeigte. Das Stück zeichnet sich durch seinen lateinamerikanischen Rhythmus und ein hypnotisches Gitarrensolo aus. Es wurde später von Santana in eine Rock-Hymne verwandelt, aber Greens Original ist eine düstere, stimmungsvolle Meisterleistung.
Albatross (1968): Dieses Instrumentalstück ist der größte kommerzielle Erfolg der frühen Fleetwood Mac. Mit seinen sanften, schwebenden Gitarrenmelodien, inspiriert von hawaiianischer Musik, brach es mit den Konventionen des Blues und erreichte Platz 1 der britischen Charts. Es gilt als eines der ikonischsten Werke von Peter Green.
Then Play On (1969): Dieses Album, das dritte Studioalbum der Band, ist der Höhepunkt der Peter Green-Ära von Fleetwood Mac. Mit der Integration von Danny Kirwan erweiterte die Band ihren Sound über den Blues hinaus und schuf ein komplexes, stilistisch vielfältiges Werk. Es enthält Klassiker wie „Oh Well“ und „Searching for a Man of the World“.
Die Schatten werden länger: Der Weg in die Dunkelheit
Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges begannen für Peter Green die Probleme. Der Ruhm, der kommerzielle Druck und sein zunehmender Konsum von LSD forderten ihren Tribut. Green war ein sensibler und spiritueller Mensch, der sich zunehmend unwohl mit dem materialistischen Aspekt des Musikgeschäfts fühlte. Er begann, die Mechanismen des Ruhms und Reichtums in Frage zu stellen und entwickelte den Wunsch, das gesamte Geld der Band für wohltätige Zwecke zu spenden. Diese Haltung stieß bei seinen Bandkollegen, die ihre hart erarbeiteten Erfolge genießen wollten, naturgemäß auf Unverständnis und führte zu erheblichen Spannungen innerhalb der Gruppe. Seine psychische Verfassung wurde immer instabiler. Seine Songtexte wurden düsterer und introspektiver. Das Lied „Man of the World“, eine weitere Hitsingle aus dem Jahr 1969, ist ein erschütterndes Zeugnis seines inneren Zustands. Trotz des wunderschönen, melancholischen Melodierahmens ist der Text ein Hilferuf eines Mannes, der alles hat, was er sich je gewünscht hat, und doch unglücklich ist und sich nach dem sehnt, was er nicht haben kann: inneren Frieden. Ein einschneidendes Erlebnis, das oft als Wendepunkt in Greens Leben angesehen wird, ereignete sich im März 1970 in München. Nach einem Konzert wurde die Band in eine Kommune in einem Vorort eingeladen. Was genau in dieser Nacht geschah, ist bis heute Gegenstand von Spekulationen. Berichten zufolge nahm Green dort eine große Dosis minderwertiges LSD zu sich, was zu einem schweren Horrortrip führte, von dem er sich nie wieder vollständig erholen sollte. Mick Fleetwood beschrieb diesen Vorfall später als den Moment, in dem „Peter die Band verließ, aber nie wieder ganz zurückkam“. Kurz nach dem München-Erlebnis schrieb Green seinen letzten Song für Fleetwood Mac: The Green Manalishi (With the Two Prong Crown). Das Stück ist eine furchterregende, paranoide Vision, in der der „grüne Manalishi“ eine Metapher für das Geld und den Teufel ist, der ihn quält. Der Song ist musikalisch und textlich ein Abgesang, ein letztes Aufbäumen seiner kreativen Kraft, bevor er in die Stille abtauchte. Im Mai 1970 spielte Peter Green sein letztes Konzert mit der Band, die er gegründet und zu Weltruhm geführt hatte. Sein Abschied hinterließ eine Lücke, die Fleetwood Mac nie wieder ganz füllen konnte. Die Band würde zwar später in einer anderen Besetzung noch weitaus größeren kommerziellen Erfolg haben, aber die Magie und die Seele, die Peter Green ihr verliehen hatte, waren für immer verloren.
The Green Manalishi (With the Two Prong Crown) (1970): Eine von Peter Greens letzten Aufnahmen mit Fleetwood Mac. Das Lied ist eine furchteinflößende Reflexion über Gier und psychische Qualen, die oft als Greens Abschiedsbotschaft an die kommerzielle Musikwelt interpretiert wird. Musikalisch ist es ein harter, roher Blues-Rock, der von seinem manischen Gesang und seiner verzerrten Gitarre angetrieben wird.
Die Jahre der Stille
Nach seinem Ausstieg bei Fleetwood Mac zog sich Peter Green fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Er verschenkte seine Gitarren und sein Geld und nahm verschiedene einfache Arbeiten an, unter anderem als Gärtner und sogar als Totengräber. Er wollte nichts mehr mit dem Musikgeschäft zu tun haben. In den folgenden Jahren kämpfte er mit schweren psychischen Problemen, die als Schizophrenie diagnostiziert wurden. Er verbrachte Zeit in psychiatrischen Kliniken und wurde mit Elektroschocktherapie behandelt. Sein Verhalten wurde zunehmend unberechenbar. Ein trauriger Tiefpunkt war ein Vorfall im Jahr 1977, als er seinen ehemaligen Manager mit einem Gewehr bedrohte, weil dieser ihm Tantiemen schickte, die er nicht haben wollte. Dies führte zu seiner Einweisung in eine geschlossene Anstalt. Während dieser „Wilderness Years“, wie sie oft genannt werden, war die Musikwelt um eine ihrer brillantesten Stimmen beraubt. Es schien, als ob das Feuer, das so hell gebrannt hatte, endgültig erloschen sei. Die Legende von Peter Green lebte zwar in seiner Musik und in den Erzählungen seiner Zeitgenossen weiter, aber der Mann selbst war zu einem Phantom geworden, zu einer tragischen Figur, die an ihrem eigenen Genie und der Last des Ruhms zerbrochen war. Im Jahr 1978 heiratete er Jane Samuels. Die Ehe war jedoch von seinen anhaltenden psychischen Problemen überschattet und wurde ein Jahr später geschieden. Aus der kurzen Verbindung ging seine Tochter Rosebud Samuels-Greenbaum hervor, die er jedoch erst viele Jahre später in seinem Leben akzeptieren konnte.
Die langsame Wiederkehr zum Licht
Ende der 1970er Jahre, nach Jahren der Behandlung und mit der Hilfe seiner Familie, begann Peter Green langsam, sich zu stabilisieren. Sein Bruder Michael ermutigte ihn, wieder zur Gitarre zu greifen. Der Prozess war lang und mühsam. Die Medikamente, die er einnehmen musste, hatten seine Kreativität und seine motorischen Fähigkeiten beeinträchtigt. Doch die Liebe zur Musik war tief in ihm verwurzelt und bahnte sich langsam wieder ihren Weg an die Oberfläche. 1979 überraschte er die Musikwelt mit einem neuen Soloalbum, In the Skies. Das Album war eine Offenbarung. Obwohl sein Spiel nicht mehr die gleiche Intensität und Virtuosität wie in seinen frühen Jahren hatte, war der unverkennbare Ton, das Gefühl und die Seele wieder da. Es war ein ruhiges, entspanntes Album, das von Hoffnung und einer neu gefundenen Gelassenheit zeugte. Es wurde von Kritikern und Fans gleichermaßen positiv aufgenommen und markierte den Beginn seiner zweiten Karriere. Es folgten in den frühen 1980er Jahren weitere Alben wie „Little Dreamer“, „Whatcha Gonna Do?“ und „White Sky“. Auf diesen Platten arbeitete er oft mit seinem Bruder Michael zusammen. Seine Musik war nun weniger blues-orientiert und enthielt mehr Pop- und Rock-Elemente. Obwohl diese Alben nicht an den kommerziellen Erfolg von Fleetwood Mac anknüpfen konnten, waren sie wichtige Schritte auf seinem Weg der Genesung und zeigten, dass er immer noch ein relevanter Künstler war. Dennoch blieben die Dämonen seine ständigen Begleiter, und Mitte der 80er Jahre zog er sich erneut für fast ein Jahrzehnt aus der Musikszene zurück.
In the Skies (1979): Dieses Album markierte Peter Greens überraschende Rückkehr zur Musik. Nach fast einem Jahrzehnt der Stille zeigte er sich mit einem entspannteren, melodischen Stil, der von seinem unverkennbaren Gitarrenton getragen wurde. Es war ein leises Statement der Hoffnung und der Genesung, das bei Kritikern und Fans großen Anklang fand.
Die Splinter Group und das Vermächtnis
Mitte der 1990er Jahre kam es zu einer weiteren, diesmal nachhaltigeren Wiedergeburt. Mit der Unterstützung von Musikern wie Nigel Watson und Cozy Powell gründete er die „Peter Green Splinter Group“. Diese Band konzentrierte sich wieder voll und ganz auf den Blues, die Musik, mit der für Green alles begonnen hatte. Sie tourten ausgiebig und veröffentlichten eine Reihe von Alben, die hauptsächlich Coverversionen von alten Blues-Klassikern enthielten, insbesondere von den Werken Robert Johnsons. Die Splinter Group gab Peter Green die Möglichkeit, wieder regelmäßig auf der Bühne zu stehen, ohne den immensen Druck, den er in seiner Jugend empfunden hatte. Er war nicht mehr der alleinige Frontmann und Superstar, sondern Teil einer funktionierenden Band. Sein Gitarrenspiel war einfacher geworden, aber der magische Ton und die emotionale Tiefe waren immer noch präsent. Für viele Fans war es ein Geschenk, diesen legendären Musiker wieder live erleben zu können. 1998 wurde Peter Green zusammen mit den anderen Mitgliedern der Originalbesetzung von Fleetwood Mac in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Bei der Zeremonie spielte er „Black Magic Woman“ zusammen mit Carlos Santana – ein bewegender Moment, der die Generationen und die verschiedenen Inkarnationen seiner Musik verband. Anfang der 2000er Jahre verließ Green die Splinter Group und zog sich langsam wieder ins Privatleben zurück. Er lebte ein ruhiges Leben, fernab des Rampenlichts. Am 25. Juli 2020 verstarb Peter Green im Alter von 73 Jahren friedlich im Schlaf. Sein Tod löste weltweit Trauer aus, aber auch eine Welle der Anerkennung für sein Lebenswerk. Musiker von B.B. King über Eric Clapton bis hin zu Kirk Hammett von Metallica zollten ihm Tribut und würdigten ihn als einen der größten und einflussreichsten Gitarristen aller Zeiten. Peter Greens Vermächtnis ist unermesslich. Er war mehr als nur ein Gitarrenheld. Er war ein Komponist von Welthits, ein visionärer Bandleader und vor allem ein Künstler, der seine Seele durch sechs Saiten sprechen ließ. Seine Musik, geprägt von Schönheit, Schmerz und unendlicher Tiefe, wird weiterleben und zukünftige Generationen von Musikern und Musikliebhabern inspirieren. Er war der „Man of the World“, der die Welt mit seiner Musik veränderte und dabei beinahe sich selbst verlor.
Diskografie
Mit John Mayall & the Bluesbreakers
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A Hard Road (1967)
Produzent: Mike Vernon
Bemerkungen: Dieses Album, Greens einzige Studioarbeit mit den Bluesbreakers, gilt als eines der wichtigsten Werke des British Blues. Es präsentierte seinen einzigartigen Ton und seine emotionale Spielweise als Nachfolger von Eric Clapton und enthielt seine ersten Kompositionen wie „The Supernatural“.
Mit Fleetwood Mac
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Fleetwood Mac (1968)
Produzent: Mike Vernon
Bemerkungen: Das selbstbetitelte Debütalbum, auch bekannt als „Peter Green’s Fleetwood Mac“, stieg auf Platz 4 der britischen Charts ein. Es war ein kraftvolles Blues-Album, das die Band als eine der besten in Großbritannien etablierte.
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Mr. Wonderful (1968)
Produzent: Mike Vernon
Bemerkungen: Dieses zweite Album setzte den Fokus auf den Blues fort und wurde in London aufgenommen. Es festigte den Ruf der Band, aber zeigte auch, dass Green über den traditionellen Blues hinauswachsen wollte.
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Then Play On (1969)
Produzent: Fleetwood Mac
Bemerkungen: Oft als das Meisterwerk der frühen Bandgeschichte angesehen. Es war das erste Album mit Danny Kirwan und zeigte eine musikalische Entwicklung in Richtung komplexerer, progressiver Rock-Strukturen, die den Höhepunkt von Greens kreativer Vision markierte.
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Fleetwood Mac in Chicago (1969)
Produzent: Marshall Chess
Bemerkungen: Eine Live-Aufnahme in den Chess Records Studios in Chicago mit echten Blues-Legenden wie Willie Dixon und Otis Spann. Es ist ein Tribut an die amerikanischen Blues-Helden, die die Band inspirierten.
Soloalben
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The End of the Game (1970)
Produzent: Peter Green
Bemerkungen: Greens erstes Soloalbum nach seinem Ausstieg bei Fleetwood Mac ist ein experimentelles, fast rein instrumentales Werk, das seinen mentalen Zustand der damaligen Zeit widerspiegelt. Es ist eine unstrukturierte, frei fließende Jam-Session, die bei Fans gemischte Reaktionen hervorrief.
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In the Skies (1979)
Produzent: Peter Green, Peter Vernon-Kell
Bemerkungen: Dieses Album markierte Greens überraschende Rückkehr nach Jahren der Stille. Obwohl sein Spiel entspannter und weniger intensiv war, bewies er mit diesem ruhigen und gefühlvollen Album, dass er seine Magie nicht verloren hatte.
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Little Dreamer (1980)
Produzent: Peter Green
Bemerkungen: Dieses Album setzte den musikalischen Weg von „In the Skies“ fort und enthielt sanften Rock und Pop-Elemente. Obwohl es nicht den Erfolg früherer Werke erreichte, wurde es von Fans als weitere Bestätigung seiner Genesung geschätzt.
Mit der Peter Green Splinter Group
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Peter Green Splinter Group (1997)
Produzent: Peter Green, Nigel Watson
Bemerkungen: Das Debütalbum der Splinter Group, das seine endgültige Rückkehr zur Bluesmusik signalisierte. Es konzentrierte sich auf akustischen Blues und zeigte einen Peter Green, der wieder mit Leidenschaft spielte.
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The Robert Johnson Songbook (1998)
Produzent: Peter Green, Nigel Watson
Bemerkungen: Dieses Grammy-nominierte Album ist eine Hommage an den legendären Bluesmusiker Robert Johnson. Es wurde von Kritikern gefeiert und bewies Greens Meisterschaft im Blues.
Quellenangaben
Die Informationen in dieser Biografie wurden aus einer Vielzahl von öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen, um ein umfassendes und genaues Bild des Lebens und der Karriere von Peter Green zu zeichnen. Dazu gehören anerkannte Musiklexika, journalistische Artikel und Kritiken aus renommierten Publikationen, historische Chartdaten sowie biografische Darstellungen und Dokumentationen. Insbesondere wurden Inhalte von Wikipedia, AllMusic, Discogs, der offiziellen Webseite der Rock and Roll Hall of Fame und verschiedenen autoritativen Biografien über Peter Green und die Geschichte von Fleetwood Mac herangezogen und in eigenen Worten neu formuliert.