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De La Soul: Die Pioniere des alternativen Hip-Hop

Lesedauer 4 Minuten De La Soul: Die Pioniere des alternativen Hip-Hop | Xenopolias.de


De La Soul

In den späten achtziger Jahren, als der Hip-Hop sich noch zwischen der harten Realität der Straße und den bunten Fantasiewelten der Funk-Vergangenheit entscheiden musste, betraten drei junge Männer aus Long Island die Bühne, die alles verändern sollten. Kelvin Mercer, David Jolicoeur und Vincent Mason – besser bekannt als Posdnuos, Trugoy the Dove und Maseo – nannten sich De La Soul und brachten mit ihrem Debütalbum 3 Feet High and Rising eine neue Sprache in die Musik. Sie waren weder Gangster noch Revoluzzer im klassischen Sinne. Sie waren Träumer, Poeten, Sammler von Klängen und Geschichten. Sie schufen einen Hip-Hop, der lachte, reflektierte und tanzte – oft alles gleichzeitig.



Die Anfänge in Amityville

Alles begann in Amityville, einem kleinen Ort auf Long Island, der durch einen Horrorfilm berühmter wurde als durch seine Bewohner. Kelvin Mercer, geboren am 17. August 1969 in der Bronx, wuchs hier auf. Seine Eltern liebten Soulmusik, Funk und Jazz. Schon als Kind hörte er Platten von George Clinton, Sly Stone und James Brown. David Jude Jolicoeur, geboren am 21. September 1968 in Brooklyn, zog ebenfalls früh nach Long Island. Sein Spitzname Trugoy entstand, weil er Joghurt rückwärts aussprach – ein frühes Zeichen seines spielerischen Umgangs mit Sprache. Vincent Lamont Mason Jr., geboren am 24. März 1970, komplettierte das Trio. Er war der DJ, derjenige, der die Platten kannte und wusste, wie man aus einem vergessenen Funk-Break etwas Neues zauberte.

Die drei kannten sich von der Highschool. Sie übten in Kellern, auf Parkplätzen und in Wohnzimmern. Ihr erstes Demotape schickten sie an Prince Paul, den Produzenten von Stetsasonic. Paul war sofort begeistert. Er erkannte, dass hier etwas völlig Neues entstand – ein Hip-Hop, der nicht drohte, sondern einlud, nicht prahlte, sondern erzählte.



3 Feet High and Rising – Die Geburt des D.A.I.S.Y. Age

Am 3. März 1989 erschien 3 Feet High and Rising. Das Album war eine Offenbarung. Über 70 Samples aus den verschiedensten Ecken der Musikgeschichte – von Johnny Cash über Steely Dan bis zu französischen Kinderliedern – wurden zu einem bunten, aber nie chaotischen Klangteppich verwoben. Lieder wie Me Myself and I, The Magic Number und Eye Know wurden sofort Klassiker. Das Album verkaufte sich über eine Million Mal und brachte De La Soul den Beinamen „die Hippies des Hip-Hop“ ein – ein Titel, den sie später bewusst ablegten.

Gemeinsam mit A Tribe Called Quest, Jungle Brothers und Queen Latifah gehörten sie zur Native Tongues-Bewegung, einer lockeren Allianz von Künstlern, die positive Botschaften, afrozentrische Themen und kreative Freiheit über alles stellten. Ihr Stil wurde als D.A.I.S.Y. Age bezeichnet – Da Inner Sound, Y’all.

De La Soul Is Dead – Das Ende der Blumenkinder

Bereits zwei Jahre später, 1991, erschien De La Soul Is Dead. Der Titel war Programm. Mit diesem Album wollten sie sich von dem Hippie-Image befreien, das ihnen angehängt worden war. Die Skits waren düsterer, die Texte reifer. Lieder wie Ring Ring Ring (Ha Ha Hey) und Millie Pulled a Pistol on Santa Claus zeigten eine neue Seite: kritisch, sarkastisch, manchmal bitter. Musikalisch blieb alles auf höchstem Niveau, aber die Leichtigkeit des Debüts war gewichen – bewusst.



Die Mitglieder im Portrait

Kelvin „Posdnuos“ Mercer

Kelvin Mercer ist das nachdenkliche Herz der Gruppe. Seine Texte sind oft die tiefgründigsten, seine Reime die komplexesten. Er ist Vater einer Tochter und lebt zurückgezogen. Musik war für ihn schon immer mehr als Beruf – es war Ausdruck seiner Gedanken über Identität, Familie und Gesellschaft.

David „Trugoy the Dove“ Jolicoeur (1968–2023)

David Jolicoeur war der Humor, die Leichtigkeit, der skurrile Poet. Sein Tod am 12. Februar 2023 an den Folgen einer Herzinsuffizienz erschütterte die gesamte Hip-Hop-Welt. Er kämpfte jahrelang mit gesundheitlichen Problemen, trat aber bis zuletzt auf. Sein Vermächtnis sind nicht nur seine Verse, sondern auch seine unbändige Lebensfreude.

Vincent „Maseo“ Mason

Vincent Mason ist der DJ, der Architekt der Beats. Ohne seine Plattenteller würde De La Soul nur halb so klingen. Er ist Vater zweier Söhne und derjenige, der die Gruppe auch nach Trugoys Tod zusammenhält.

Die weiteren Alben und Meilensteine

Es folgten Buhloone Mindstate (1993), Stakes Is High (1996), die Art Official Intelligence-Trilogie (2000–2004), The Grind Date (2004) und schließlich and the Anonymous Nobody… (2016), das per Kickstarter finanziert wurde.

2023, nur wenige Wochen nach Trugoys Tod, wurde ihr kompletter Backkatalog endlich auf Streaming-Plattformen verfügbar – ein lang erkämpfter Sieg nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten um Samples.



Diskografie (anklickbar)

3 Feet High and Rising (1989)

  • Intro
  • The Magic Number
  • Change in Speak
  • Eye Know
  • Me Myself and I
  • Jenifa Taught Me
  • Potholes in My Lawn
  • Say No Go
  • Plug Tunin‘
  • D.A.I.S.Y. Age

De La Soul Is Dead (1991)

  • Oodles of O’s
  • Ring Ring Ring (Ha Ha Hey)
  • A Roller Skating Jam Named „Saturdays“
  • Millie Pulled a Pistol on Santa
  • Keepin‘ the Faith
  • Pass the Plugs

Buhloone Mindstate (1993)

  • Patti Dooke
  • I Be Blowin‘
  • Ego Trippin‘ (Part Two)
  • I Am I Be

Stakes Is High (1996)

  • Stakes Is High
  • Supa Emcees
  • The Bizness
  • Big Brother Beat

and the Anonymous Nobody… (2016)

  • Genesis
  • Royalty Capes
  • Pain
  • Memory of… (Us)
  • Snoopies

Quellen

Wikipedia (deutsch und englisch), AllMusic, offizielle Bandangaben, Interviews in Rolling Stone, The Source und HipHopDX.

Fotoquelle: Matti Hillig, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

© 2025 Xenopolias.de – Autor: Franz Lemmler

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CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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