

Phil Manzanera – nicht nur der visionäre Gitarrist hinter Roxy Music
Frühe Jahre und multikulturelle Wurzeln
Phil Manzanera, geboren als Phillip Geoffrey Targett-Adams am 31. Januar 1951 in London, verbrachte seine Kindheit in verschiedenen Ländern aufgrund der beruflichen Tätigkeit seines Vaters bei einer britischen Fluggesellschaft. Seine Mutter stammte aus Kolumbien, was zu Aufenthalten in Kuba, Venezuela und Hawaii führte. Diese internationalen Einflüsse prägten ihn frühzeitig. In Kuba kam er mit traditioneller kubanischer Musik in Kontakt, während er in Venezuela im Alter von acht Jahren seine erste Gitarre in die Hände bekam und begann, elektrische Modelle zu spielen. Die Kombination aus britischem Rock der 1960er Jahre und lateinamerikanischen Rhythmen wie Cumbia, Merengue und Bolero formte seinen späteren, unverwechselbaren Gitarrensound.
Zurück in England besuchte er das Dulwich College, wo er erste musikalische Schritte unternahm. Zusammen mit Freunden wie Bill MacCormick und Charles Hayward gründete er eine Band mit psychedelischen Einflüssen, die sich später zu Quiet Sun entwickelte. Diese Phase legte den Grundstein für seine experimentelle Herangehensweise an die Gitarre, die Rock mit Weltmusik und avantgardistischen Elementen verband. Manzanera lernte, dass Musik Grenzen überschreiten kann, und diese Erkenntnis begleitete ihn durch seine gesamte Karriere.
Seine Jugend war geprägt von ständigen Umzügen, die ihm eine breite kulturelle Perspektive verschafften. In Hawaii hörte er Surf-Rock, in Venezuela lokale Folklore. Diese Vielfalt machte ihn zu einem Musiker, der nie in einem Genre stecken blieb. Stattdessen suchte er immer nach neuen Klängen und Fusionen, was ihn später zu einem Pionier des Art Rock machte.
Der Durchbruch mit Roxy Music
1972 wurde Manzanera Mitglied bei Roxy Music, einer Band, die von Bryan Ferry ins Leben gerufen worden war. Ursprünglich als Techniker engagiert, ersetzte er schnell den vorherigen Gitarristen und wurde zum festen Bestandteil der Formation. Roxy Music bestand aus Bryan Ferry als Sänger und Keyboarder, Andy Mackay an Saxophon und Oboe, Paul Thompson am Schlagzeug sowie anfangs Brian Eno an Synthesizern und Effekten. Die Band revolutionierte die Musikszene der 1970er mit einer Mischung aus Glamour, Art Rock und experimentellen Sounds.
Das erste Album Roxy Music von 1972 setzte neue Maßstäbe mit seiner eleganten Ästhetik und innovativen Arrangements. For Your Pleasure (1973) vertiefte diesen Ansatz, und Manzaneras Gitarrenspiel wurde zunehmend zentral. Alben wie Stranded (1973), Country Life (1974) und Siren (1975) brachten kommerziellen Erfolg, insbesondere mit Hits wie Love Is the Drug aus Siren.
Interaktive Diskografie: Siren (1975)
- Love Is the Drug
- Both Ends Burning
- Send Me No Flowers
- Whirlwind
- She Sells
- Could It Happen to Me?
- Out of the Blue
- Just Another High
Nach einer Pause kehrte die Band 1978 zurück und veröffentlichte Manifesto (1979), Flesh + Blood (1980) und schließlich Avalon (1982), das als ihr künstlerischer Höhepunkt gilt. Avalon mit Tracks wie More Than This und dem Titelstück schuf eine atmosphärische, sophistizierte Klangwelt, in der Manzaneras Gitarre subtil und doch entscheidend wirkte.
Interaktive Diskografie: Avalon (1982)
- More Than This
- The Space Between
- Avalon
- India
- While My Heart Is Still Beating
- The Main Thing
- Take a Chance with Me
- To Turn You On
- True to Life
- Tara
Die Mitglieder von Roxy Music im Porträt
Bryan Ferry war der kreative Kopf und charismatische Frontmann. Seine Songtexte und seine elegante Präsenz definierten den Stil der Band. Andy Mackay bereicherte den Sound mit seinen Blasinstrumenten und blieb über Jahrzehnte loyal. Paul Thompson lieferte den kraftvollen Rhythmus und kehrte für spätere Reunions zurück. Brian Eno brachte in den frühen Jahren experimentelle Elektronik ein, verließ die Band aber 1973 für eine Solokarriere. Temporäre Mitglieder wie Eddie Jobson oder Bassisten wie John Graham ergänzten die Gruppe in verschiedenen Phasen.
Manzanera selbst steuerte nicht nur Gitarrenparts bei, sondern auch Kompositionen. Sein Spiel war geprägt von Präzision, Effekten und lateinamerikanischen Akzenten, die Roxy Music von zeitgenössischen Bands abhoben. Er nutzte oft seine rote Gibson Firebird, die zu seinem Signature-Instrument wurde.
Soloprojekte und experimentelle Phase
Neben Roxy Music baute Manzanera eine umfangreiche Solokarriere auf. Sein erstes Soloalbum Diamond Head (1975) entstand parallel zur Bandarbeit und zeigte seine Vielseitigkeit. Es featured Gäste wie Eno und Robert Wyatt und mischte Rock mit progressiven Elementen.
Interaktive Diskografie: Diamond Head (1975)
- Frontera
- Diamond Head
- Big Day
- Same Time Next Week
- Miss Shapiro
- East of Echo
- Lagrima
- Alma
Weitere Werke wie K-Scope (1978) oder Primitive Guitars (1982) betonten instrumentale Gitarrenkompositionen. Projekte wie 801 mit Eno oder die Wiederbelebung von Quiet Sun unterstrichen seine Neigung zu Kollaborationen. Das Live-Album 801 Live (1976) wurde zu einem Klassiker.
In späteren Jahren erschienen Alben wie Vozero (2001) oder Firebird V11 (2008), die seine Entwicklung als Gitarrist dokumentierten. 2024 kam das Begleitalbum zu seinen Memoiren Revolución to Roxy heraus.
Umfangreiche Zusammenarbeiten
Manzanera produzierte und spielte mit zahlreichen Künstlern. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit David Gilmour von Pink Floyd, für den er Alben wie On an Island co-produzierte und tourte. Mit Brian Eno entstanden frühe Werke, und er arbeitete mit John Wetton, Tim Finn oder Heroes del Silencio. Seine Produktionen umfassten Genres von Progressive Rock bis Latin Rock und zeigten seine globale Ausrichtung.
Er co-schrieb Songs mit Eno, Ferry und Gilmour und produzierte für Split Enz, Nina Hagen oder Enrique Bunbury. Diese Kooperationen erweiterten seinen Horizont und brachten neue Einflüsse in seine Musik.
Einflüsse, Vorbilder und Stil
Vorbilder wie Jimi Hendrix, The Beatles oder lateinamerikanische Musiker formten Manzanera. Er schätzte Mentoren wie Robert Wyatt für experimentelle Ansätze. Sein Stil verbindet technische Finesse mit emotionaler Ausdruckskraft und weltmusikalischen Elementen.
Aktuelle Aktivitäten und Tourdaten
Im Jahr 2025 erschien das Live-Album AM PM Soho Live mit Andy Mackay und Paul Thompson. Manzanera promotet weiter seine Memoiren Revolución to Roxy. Für 2026 sind US-Auftritte im Format An Evening of Words and Music geplant, beginnend im Februar in Los Angeles, mit weiteren Terminen im Mai, inklusive eines Events in der Rock & Roll Hall of Fame in Cleveland.
Persönliches Leben
Manzanera ist verheiratet und hat Kinder. Er lebt eher zurückgezogen und widmet sich der Musik und seiner Familie. Seine multikulturellen Wurzeln prägen eine weltoffene Haltung.
Phil Manzaneras Beitrag zur Musik ist enorm. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat er Genres verbunden, innoviert und inspiriert. Von den glamourösen Tagen mit Roxy Music bis zu solistischen Experimenten bleibt er eine Schlüsselfigur des Rock.
Seine Karriere begann in einer Zeit des Umbruchs und er trug dazu bei, dass Art Rock mainstreamfähig wurde. Die Alben von Roxy Music beeinflussten Generationen, und seine Solowerke zeigten Tiefe jenseits des Bandkontexts. Produktionen für andere Künstler unterstrichen sein Talent als Arrangeur und Visionär.
In den 1980er Jahren experimentierte er mit neuen Technologien, in den 1990er mit Ambient-Sounds. Die 2000er brachten Reunions und neue Kollaborationen. Bis heute bleibt er aktiv, remastert alte Werke und veröffentlicht Neues.
Seine Gitarrenarbeit ist erkennbar an klaren Linien, Effekten und rhythmischen Akzenten. Er vermeidet übermäßige Virtuosität zugunsten von Atmosphäre und Emotion. Das macht ihn zeitlos.
Roxy Musics Einfluss reicht von New Wave bis Electronica. Manzanera war dabei der ruhende Pol, der Stabilität und Kreativität vereinte.
Interaktive Diskografie von Phil Manzanera
Diamond Head (1975)
- Frontera
- Diamond Head
- Big Day
- Same Time Next Week
- Miss Shapiro
- East of Echo
- Lagrima
- Alma
K-Scope (1978)
- K-Scope
- Remote Control
- Cuban Crisis
- Hot Spot
- Numbers
- City of Light
- Gone Flying
- Walking Through Heaven’s Door
Primitive Guitars (1982)
- Impossible Guitars
- Big Dome
- Europe 70-1
- Criollo
- Tropical
- Latin America
- Big Iron
- Sounds of the 70s
801 Live (1976)
- Lagrima
- TNK (Tomorrow Never Knows)
- East of Asteroid
- Rongwrong
- Sombre Reptiles
- Baby’s on Fire
- Diamond Head
- Miss Shapiro
- You Really Got Me
- Third Uncle
Firebird V11 (2008)
- Firebird V11
- Red River Valley
- Que?
- Waiting for the Sun
- One Slip (Demo)
Roxy Music Alben (Auswahl)
- Roxy Music (1972)
- For Your Pleasure (1973)
- Stranded (1973)
- Country Life (1974)
- Siren (1975)
- Manifesto (1979)
- Flesh + Blood (1980)
- Avalon (1982)
Author: Franz Lemmler
Webseite: Xenopolias.de
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Quellen: Wikipedia-Artikel zu Phil Manzanera und Roxy Music, offizielle Website manzanera.com, Interviews, Memoiren Revolución to Roxy, Musikdatenbanken und Rezensionen.