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Type O Negative: Die Könige des Gothic Doom aus Brooklyn

Lesedauer 5 Minuten

Type O Negative: Die Könige des Gothic Doom aus Brooklyn

In den dunklen Straßen Brooklyns entstand Ende der 1980er Jahre eine Band, die den Heavy Metal mit gothischen Elementen, tiefer Melancholie und einem einzigartigen Sinn für schwarzen Humor verschmelzen sollte. Type O Negative wurden zu Pionieren eines Sounds, der Doom Metal, Gothic Rock und psychedelische Einflüsse vereinte. Ihre Musik war geprägt von langsamen, schweren Riffs, atmosphärischen Keyboards und der unverwechselbaren, tiefen Bassstimme ihres Frontmanns. Die Band erlangte Kultstatus durch Alben, die Themen wie Liebe, Verlust, Tod und Selbstzerstörung behandelten – oft mit einer ironischen Distanz, die sie von reinen Goth-Bands abhob. Sie wurden liebevoll als „Drab Four“ bezeichnet, eine Anspielung auf die Beatles, doch statt fröhlicher Pop-Hymnen boten sie düstere, epische Kompositionen.

Die Wurzeln und die Gründung

Die Geschichte von Type O Negative beginnt mit dem Ende einer anderen Band. Nach der Auflösung von Carnivore, einer aggressiven Crossover-Thrash-Gruppe aus New York, suchte der charismatische Bassist und Sänger Peter Steele nach neuen Wegen. Gemeinsam mit alten Freunden aus der Nachbarschaft – dem Gitarristen Kenny Hickey, dem Keyboarder Josh Silver und dem Schlagzeuger Sal Abruscato – gründete er 1989 eine neue Formation. Zunächst nannten sie sich Repulsion, dann Sub-Zero, bevor sie sich für Type O Negative entschieden – ein Name, der auf Blutgruppen hinwies und perfekt zur morbiden Ästhetik passte.

Steele brachte Einflüsse aus seiner Zeit bei Carnivore mit, doch die neue Band wollte breiter aufgestellt sein. Der Sound mischte harte Riffs mit langsamen, doomigen Passagen und atmosphärischen Keyboards. Vorbilder waren klar: Black Sabbath für die Schwere, die Beatles für melodische Strukturen und Songwriting. Weitere Inspirationen kamen aus dem Psychedelic Rock von Pink Floyd, Hard Rock von Deep Purple oder Led Zeppelin und sogar Goth- und Post-Punk-Bands wie Bauhaus oder Joy Division. Diese Vielfalt machte Type O Negative einzigartig – sie waren nie nur Metal, sondern ein Genre für sich.

Die frühen Jahre und der Durchbruch

Das Debütalbum erschien 1991 und setzte sofort Akzente: Langsame, tiefe und harte Rhythmen prägten den Sound, kombiniert mit provokanten Texten über Frustration und persönliche Abgründe. Das Folgewerk ein Jahr später war ein satirischer Streich – ein Album, das als Live-Mitschnitt getarnt war, aber im Studio entstanden. Es unterstrich den Humor der Band, die oft mit Erwartungen spielte.

Der wahre Meilenstein kam 1993: Ein Album, das den Gothic Metal neu definierte. Es wurde mit orchestralen Elementen, Chören und einer Mischung aus Romantik und Düsternis aufgenommen. Hits wie ein Tribut an die Goth-Szene oder eine provokante Auseinandersetzung mit Religion katapultierten die Band in die Charts. Es war das erste Album ihres Labels, das Platin-Status erreichte, und brachte intensive Tourneen mit sich. Die Band tourte weltweit, erschien auf MTV und in Magazinen – ein plötzlicher Ruhm, der Druck erzeugte, aber auch Türen öffnete.

Höhepunkte und künstlerische Entwicklung

Mitte der 1990er folgte ein Album, das noch melodischer und zugänglicher war. Mit paganistischen Motiven und Liedern über polyamore Beziehungen oder persönliche Trauer (einschließlich des Verlusts eines Familienmitglieds) erreichte es Gold-Status und debütierte hoch in den Charts. Die Band experimentierte mit Covers bekannter Songs, etwa von Neil Young, und integrierte Beatles-Elemente in Medleys.

Ende der 1990er wurde der Sound dunkler: Ein Album verarbeitete reale Verluste in der Familie des Frontmanns und Themen wie Sucht. Es war eines der depressivsten Werke, mit langsamen Tempi und intensiven Texten. Danach kam eine Phase schnellerer, punkiger Einflüsse – ein Album, das Selbstmitleid, Hass und Religion thematisierte. Das letzte Studioalbum 2007 zeigte eine Rückkehr zu thrashigen Wurzeln, gemischt mit doomigen Passagen, und debütierte auf dem höchsten Chartplatz der Bandgeschichte.

Besondere Vorkommnisse prägten die Karriere: Satirische Albumkonzepte, humorvolle Intros auf Platten (wie simulierte CD-Fehler oder Summgeräusche) und Auftritte auf Festivals wie Ozzfest oder Rock am Ring. Konzerte waren intensiv – mit grünen Lichtern, herbstlichen Dekorationen und einer Bühnenpräsenz, die die Zuschauer in eine düstere Welt zog. Die Band coverte Klassiker und kooperierte indirekt, etwa bei einem Song mit Ozzy Osbourne als Gast.

Aktueller Status und Tourdaten

Type O Negative existieren seit 2010 nicht mehr als aktive Band. Nach dem Tod ihres Frontmanns lösten sich die verbleibenden Mitglieder auf und lehnten Reunion-Angebote ab. Es gibt keine aktuellen Tourdaten für 2025 oder darüber hinaus. Stattdessen engagieren sich ehemalige Mitglieder in neuen Projekten, wie Kenny Hickey und Johnny Kelly in einer Formation mit Crowbar-Musikern, deren Debütalbum für 2026 geplant ist.

Peter Steele: Der charismatische Riese im Zentrum

Der Mann, der Type O Negative prägte, war Peter Steele – geboren am 4. Januar 1962 als Petrus Thomas Ratajczyk in Brooklyn. Mit einer Körpergröße von über zwei Metern, langen schwarzen Haaren und einer tiefen Baritonstimme wurde er zur Ikone. Steele wuchs in einer katholischen Familie mit polnischen und irisch-schottischen Wurzeln auf, als Jüngster von sechs Kindern mit fünf älteren Schwestern. Sein Vater hatte im Zweiten Weltkrieg gekämpft.

Vor Type O Negative spielte Steele in Bands wie Fallout und Carnivore, wo er aggressive Thrash-Elemente entwickelte. Bei Type O Negative war er nicht nur Sänger und Bassist, sondern auch Haupt-Songwriter. Seine Texte waren hochpersönlich: Sie handelten von Liebe, Depression, Sucht und Tod. Steele litt unter Bipolarität, haderte mit Depressionen und hatte Phasen von Alkohol- und Drogenmissbrauch. In den 2000er Jahren suchte er Hilfe, wurde clean und kehrte zum katholischen Glauben zurück.

Persönlich war Steele ein Kontrast zu seinem Bühnenimage: Freundlich, großzügig, tierlieb (er hatte mehrere Katzen) und interessiert an Wissenschaft, Architektur und Autos. Er arbeitete lange beim New Yorker Parks Department, wo er Müllwagen fuhr und Parks pflegte – eine Zeit, die er als glücklich beschrieb. Bekannt wurde er auch durch ein kontroverses Fotoshooting in den 1990ern und Auftritte in Talkshows.

Steele starb am 14. April 2010 im Alter von 48 Jahren an den Folgen einer Darmerkrankung, kombiniert mit Herzproblemen. Er hinterließ keine Kinder oder bekannte Ehe. Sein Tod beendete die Band endgültig.

Kenny Hickey: Der Gitarrist mit der scharfen Klinge

Kenneth Shaun Hickey, geboren am 22. Mai 1966 in New York, war von Anfang an dabei. Als Gitarrist lieferte er die razor-scharfen Riffs und übernahm oft Co-Gesangsparts. Hickey wuchs in Brooklyn auf, besuchte die Xaverian High School und teilte mit Steele die Liebe zu Black Sabbath und Beatles.

Seine Gitarrenarbeit definierte den Sound: Von doomigen Harmonien bis zu thrashigen Breaks. Nach 2010 gründete er Bands wie Seventh Void und Silvertomb, oft mit Johnny Kelly. Er tourt gelegentlich mit Danzig und ist offen für Tribute-Shows zu Ehren Steeles. Hickey ist bekannt für seine grünen Gitarren und einen Rig, der Mesa/Boogie-Amps nutzt.

Josh Silver: Der Atmosphären-Schöpfer am Keyboard

Josh Silver, ebenfalls aus Brooklyn, brachte die keyboardschweren, psychedelischen Elemente ein. Geboren in den 1960er Jahren, produzierte er früh Alben und formte den orchestralen Klang der Band. Silver war für Backing Vocals und Effekte verantwortlich.

Nach dem Ende von Type O Negative zog er sich aus der Musikszene zurück und wurde Paramedic – ein Beruf, den er bis heute ausübt. Er lehnt Reunion-Ideen ab und lebt privat.

Johnny Kelly: Der Rhythmusgeber der späteren Jahre

Johnny Kelly, geboren am 9. März 1968, kam 1993 als Drum-Tech und wurde nach Abruscatos Ausstieg fester Schlagzeuger. Sein Spiel – mal langsam und schwer, mal punkig schnell – stabilisierte die Band in den erfolgreichen Phasen.

Kelly ist der aktivste Ex-Mitglied: Er spielte bei Danzig, Black Label Society und gründete Projekte wie Seventh Void oder die neue Band mit Hickey. Er betont, dass Type O Negative mit Steele starb, feiert aber das Erbe.

Sal Abruscato: Der Gründungsschlagzeuger

Sal Abruscato war bei den ersten Alben dabei und brachte thrashige Energie ein. Er verließ die Band 1993, um bei Life of Agony zu spielen – eine Entscheidung, die den Sound weicher machte, als Kelly übernahm.

Abruscato blieb in der Szene aktiv und arbeitete später wieder mit Hickey und Kelly.

Zusammenarbeiten und Einflüsse

Type O Negative coverten viel: Von Seals & Crofts über Jimi Hendrix bis Black Sabbath. Eine besondere Kooperation war ein Song mit Ozzy Osbourne. Steele gastierte bei Iommi, Biohazard oder Doro. Die Band beeinflusste spätere Acts in Gothic und Doom Metal.

Diskografie

Studioalben:

  • Slow, Deep and Hard (1991)
  • The Origin of the Feces (1992)
  • Bloody Kisses (1993)
  • October Rust (1996)
  • World Coming Down (1999)
  • Life Is Killing Me (2003)
  • Dead Again (2007)

Kompilationen und Live:

  • The Least Worst Of (2000)
  • The Best of Type O Negative (2006)
  • Symphony for the Devil (Live-DVD, 2008)

Die Alben verkauften sich millionenfach, mit Höhepunkten bei Bloody Kisses (Platin) und October Rust (Gold).

Von Franz Lemmler Xenopolias.de

© 2025 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia (englisch und deutsch), AllMusic, Metal Storm, Blabbermouth.net, Loudwire, Discogs, diverse Interviews und Bandbiografien.

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CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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