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Voivod – Die Anfänge einer kosmischen Reise

Lesedauer 7 Minuten

Die Anfänge einer kosmischen Reise

In den kalten Wintern Québecs, genauer gesagt in der kleinen Stadt Jonquière, die heute Teil von Saguenay ist, entstand Anfang der 1980er Jahre eine Band, die die Grenzen des Heavy Metals sprengen sollte. Voivod, benannt nach einem fiktiven vampirähnlichen Wesen aus der Fantasie ihres Schlagzeugers, begann als ein Quartett junger Musiker, die von der rauen Energie des Punks und der epischen Weite des Progressive Rocks fasziniert waren. Die Gründer, allesamt frankophone Kanadier, die Englisch erst für ihre Texte lernen mussten, schufen einen Sound, der von apokalyptischen Visionen und science-fictionartigen Geschichten durchdrungen war. Ihre Musik mischte die Aggression des Thrash Metals mit experimentellen Elementen, die sie zu Pionieren eines Genres machten, das später als progressiver Thrash bekannt werden sollte. Von den ersten Demos an zeigten sie eine Vorliebe für Themen wie Atomkriege, Nanotechnologie und virtuelle Realitäten, inspiriert von der politischen Spannung der Reagan-Ära und literarischen Werken aus der Post-Apokalypse. Diese Band war nicht nur ein musikalisches Projekt, sondern eine Weltanschauung, die sich in Artwork, Lyrics und Klang widerspiegelte, und die bis heute Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann zieht.

Die Gründungsjahre und erste Schritte

Die Geschichte von Voivod nahm ihren Lauf im November 1982, als drei Schulfreunde – Michel Langevin am Schlagzeug, Denis D’Amour an der Gitarre und Jean-Yves Thériault am Bass – beschlossen, ihre Leidenschaft für laute, schnelle Musik in eine Band zu kanalisieren. Bald darauf stieß Denis Bélanger als Sänger hinzu, und das Line-up war komplett. Langevin, geboren am 30. Mai 1963, war der kreative Motor: Als autodidaktischer Künstler und Computergrafiker entwarf er nicht nur die ikonischen Artworks der Band, die oft futuristische, dystopische Szenen zeigten, sondern brachte auch Einflüsse aus der Schwarzen Romantik ein, wie die Werke von Lord Byron. Seine Faszination für Schlagzeuger wie Phil Taylor von Motörhead formte den rhythmischen Kern. D’Amour, geboren am 24. September 1959, entwickelte einen einzigartigen Gitarrensound mit dissonanten Akkorden, die später als „Piggy Chords“ bekannt wurden – eine Mischung aus Tritonen und unkonventionellen Harmonien, die der Band ihren experimentellen Edge gaben. Thériault, der Bassist, sorgte für die erdige Fundament, während Bélanger mit seiner rauen, aggressiven Stimme die Texte zum Leben erweckte.

In den frühen Tagen probten sie in Garagen und Kellern, beeinflusst von Bands wie Motörhead, Venom und Iron Maiden, aber auch von progressiven Giganten wie Pink Floyd und King Crimson. Ihre ersten Demos, aufgenommen in primitiven Bedingungen, verbreiteten sich über die Tape-Trading-Szene der 1980er. Eines der frühesten, ein Mix aus Covers und Originalen, zeigte bereits ihre rohe Energie. Bald folgten Auftritte in lokalen Clubs, wo sie mit ihrer intensiven Bühnenpräsenz auffielen. Ein Meilenstein war ihre Beteiligung an einem Sampler-Track, der ihnen einen Vertrag bei einem unabhängigen Label einbrachte. Diese Phase war geprägt von purer Leidenschaft: Die Musiker lebten in beengten Apartments in Montreal, wo alltägliche Plagen wie Schaben zu Song-Ideen wurden, die Themen wie Überleben in einer zerstörten Welt aufgriffen. Voivod war keine Band, die auf kommerziellen Erfolg aus war; sie wollten die Welt durch ihre Musik verändern, und das taten sie, indem sie Grenzen überschritten.

Der Durchbruch und die Evolution des Sounds

Mitte der 1980er Jahre katapultierte Voivod sich in die internationale Szene. Ihr Debütalbum aus dem Jahr 1984 markierte den Einstieg in den Speed Metal, mit Tracks, die von Krieg und Zerstörung handelten. Es war roh, ungeschliffen und spiegelte die Einflüsse des New Wave of British Heavy Metal wider. Bald darauf folgte ein zweites Werk 1986, das ihre Aggression steigerte und erste progressive Elemente einführte. Die Band tourte mit Gruppen wie Celtic Frost und Destruction, was zu legendären Auftritten führte, darunter ein Festival in Montreal 1985, wo sie neben Possessed und Nasty Savage spielten. Diese Shows waren chaotisch und energiegeladen; Berichte sprechen von Bühnenstürmen und technischen Pannen, die die Band nur noch enger zusammenschweißten.

1987 erschien ein Album, das ihren Stil revolutionierte: Es integrierte Raumschiff-Imagery und härtere Punk-Elemente, mit unerwarteten Taktwechseln und dissonanten Riffs. Eine Single daraus thematisierte überlebende Insekten in einem nuklearen Inferno – eine Metapher für Resilienz. Touren durch Nordamerika folgten, inklusive Vorgruppen für Rush, was ihre progressive Seite unterstrich. 1988 kam ein Konzeptalbum, das ihre experimentelle Phase einleitete, mit Geschichten über dimensionale Reisen. In dieser Zeit erkrankte D’Amour an einem Tumor, unterzog sich einer Chemotherapie und kehrte stärker zurück. Die Band plante Europa-Touren, die jedoch aus finanziellen Gründen scheiterten, was zu internen Spannungen führte.

Der große Durchbruch kam 1989 mit einem Album, das auf den Billboard-Charts landete und eine Cover-Version eines Pink-Floyd-Klassikers enthielt. Es markierte den Übergang zu komplexeren Strukturen, mit Themen aus der Astronomie und Psychologie. Voivod wurde als Teil der „Big Four“ des kanadischen Thrash Metals gesehen, neben Sacrifice, Razor und Annihilator. Diese Periode war geprägt von Kreativität, aber auch Herausforderungen: Thériault verließ die Band 1991 nach Differenzen, und Bélanger folgte 1994 aufgrund persönlicher Probleme. Die Band setzte als Trio fort, mit Eric Forrest, der Gesang und Bass übernahm.

Die dunkleren Jahre und Neuanfänge

Die 1990er brachten Veränderungen. Ein Album aus 1991 experimentierte mit akustischen Elementen, gefolgt von einem 1993, das eine Hommage an eine Sci-Fi-Serie war und ein Cover eines weiteren Pink-Floyd-Songs enthielt. Mit Forrest entstanden härtere, industrial-geprägte Werke 1995 und 1997, die elektronische Einflüsse einbrachten. Kollaborationen mit Gastmusikern wie Jim Thirlwell und Ivan Doroschuk von Men Without Hats bereicherten den Sound. Doch 1998 ereignete sich ein schwerer Unfall: Auf Tour in Deutschland überschlug sich ihr Van, und Forrest fiel ins Koma, erlitt multiple Verletzungen und benötigte Monate der Rehabilitation. Die Band wurde von seiner Versicherung verklagt, was finanzielle Belastungen brachte.

Nach einer Pause kehrte Bélanger 2001 zurück, und Jason Newsted, ehemals von Metallica, übernahm den Bass. Ihr selbstbetiteltes Album 2003 war ein Comeback, mit Newsteds energischem Input. Doch das Schicksal schlug zu: D’Amour starb am 26. August 2005 im Alter von 45 Jahren an Komplikationen von Darmkrebs. Vor seinem Tod hatte er Riffs auf seinem Laptop hinterlassen, mit der Anweisung, sie zu nutzen. Das resultierende Album 2006 war eine emotionale Hommage, gefolgt von einem weiteren 2009, das Thériaults Rückkehr und den Einstieg von Daniel Mongrain an der Gitarre markierte. Mongrain, geboren 1976, brachte frische Ideen ein, inspiriert von D’Amours Stil.

Thériault verließ 2014 erneut, diesmal unter Vorwürfen von Ungerechtigkeiten bei Royalties, was zu rechtlichen Auseinandersetzungen führte. Dominic Laroche trat als Bassist bei, und die Band stabilisierte sich. Alben wie eines aus 2013 kehrten zu klassischen Wurzeln zurück, während 2018 ein doppeltes Konzeptwerk erschien, das einen Juno Award gewann. 2022 folgte ein weiteres preisgekröntes Werk, und 2023 eine Sammlung neu aufgenommener alter Songs.

Die Bandmitglieder im Detail

Michel „Away“ Langevin, der ewige Schlagzeuger und Gründer, ist der einzige, der seit 1982 durchgehend dabei ist. Geboren am 30. Mai 1963 in Québec, wuchs er in einer frankophonen Familie auf und entdeckte früh die Musik durch Übersetzungen von Beatles- und Rolling-Stones-Texten. Seine Einflüsse reichen von Motörhead bis zu klassischen Komponisten wie Béla Bartók. Als Künstler schuf er unzählige Artworks nicht nur für Voivod, sondern auch für Bands wie Danko Jones und The Haunted. Langevin ist verheiratet, hat Kinder, die er selten öffentlich erwähnt, und lebt ein zurückgezogenes Leben, fokussiert auf Musik und Grafikdesign. Er experimentiert mit Technik, integriert Effekte in Aufnahmen und ist bekannt für seine stabile Präsenz, die die Band durch Krisen trug. Keine Scheidungen oder familiäre Tragödien sind bekannt; sein Leben dreht sich um Kreativität und die Band.

Denis „Snake“ Bélanger, der charismatische Sänger, geboren am 9. August 1960, trat 1983 bei und prägte die Vocals mit seiner rauen, erzählerischen Art, beeinflusst von Lemmy von Motörhead. Er verließ die Band 1994 aufgrund von Depressionen, gründete eine eigene Gruppe und isolierte sich, bevor er 2001 zurückkehrte. Bélanger ist Vater von Kindern und war in einer langjährigen Beziehung, die stabil blieb; keine öffentlichen Scheidungen. Seine Texte handeln von Sci-Fi und Politik, und er ist für seine Bühnenenergie bekannt. In jüngeren Jahren litt er unter gesundheitlichen Problemen, einschließlich einer Operation an Divertikulitis, die Touren verzögerte, aber er erholte sich vollständig.

Denis „Piggy“ D’Amour, der geniale Gitarrist, geboren am 24. September 1959, war das musikalische Herz von Voivod bis zu seinem Tod am 26. August 2005. Er entwickelte dissonante Riffs, die Bands wie Meshuggah und Fear Factory beeinflussten. 1988 diagnostiziert mit einem Tumor, überstand er eine Chemotherapie, doch 2005 traf ihn Krebs erneut. D’Amour war nie verheiratet, hatte keine Kinder, und sein Vermächtnis lebt in den Riffs fort, die postum verwendet wurden. Seine Familie erlitt den Verlust schwer; Geschwister und Eltern blieben privat.

Jean-Yves „Blacky“ Thériault, Bassist und Gründer, geboren 1962, verließ 1991 und kehrte 2008 zurück, nur um 2014 endgültig zu gehen. Er gründete eine Avantgarde-Tanzkompanie und experimentierte mit Elektronik. Thériault ist verheiratet, hat Kinder, und es gab keine bekannten Scheidungen. Kontroversen um Royalties belasteten seine Beziehung zur Band, was zu Klagen führte.

Eric „E-Force“ Forrest, Sänger und Bassist von 1994 bis 2001, geboren 1970, brachte Härte in die Band. Nach dem Unfall 1998, der ihn fast das Leben kostete, gründete er seine eigene Band. Er ist verheiratet, hat Kinder, und überwand multiple Operationen ohne familiäre Tragödien.

Jason „Jasonic“ Newsted, Bassist von 2002 bis 2008, geboren am 4. März 1963, kam von Metallica und brachte Erfahrung ein. Er ist verheiratet mit Nicole Leigh Smith seit 2012, hat keine Kinder, und verließ Voivod friedlich.

Daniel „Chewy“ Mongrain, Gitarrist seit 2008, geboren 1976, ersetzte D’Amour und komponiert aktiv. Er gründete Martyr, ist verheiratet, hat Kinder, und es gab keine Scheidungen.

Dominic „Rocky“ Laroche, Bassist seit 2014, geboren 1980, debütierte mit frischem Input. Er ist in einer Beziehung, hat Kinder, und fokussiert sich auf die Band ohne bekannte Kontroversen.

Zusammenarbeiten und Einflüsse

Voivod arbeitete mit Newsted an Alben, der seinen Bass-Stil einbrachte. Kollaborationen umfassten Thirlwell für Texte und Doroschuk für Effekte. Sie coverten Hawkwind und teilten eine Single mit At the Gates. Touren mit Judas Priest, Testament und Ozzy Osbourne schufen Verbindungen. Einflüsse kamen von Mentoren wie Terry Brown, Produzent von Rush, und Bands wie Einstürzende Neubauten. Voivod inspirierte wiederum Pantera, Dave Grohl und Mastodon.

Besondere Konzerte und Touren

Auftritte wie 1985 in Montreal waren legendär. 2008 spielten sie in Japan, was zu einer DVD führte. Ein Unfall 1988 verhinderte Touren. Aktuelle Tourdaten für 2026: 20. März Houston (Hell’s Heroes), 21. März Little Rock, 22. März St. Louis, 23. März Columbus, 24. März Chicago, 25. März Madison, 26. März Kansas City, 27. März Tulsa. Juni: UK und Irland-Tour, Festivals in Europa.

Aktuelle Entwicklungen und Vermächtnis

2025 erhielt Voivod eine Ehrendoktorwürde. Ein Buch und ein Videospiel feiern ihr Erbe. Ihr Sound bleibt innovativ, mit Themen wie Klimawandel.

Diskografie

Studioalben:

  • War and Pain (1984)
  • Rrröööaaarrr (1986)
  • Killing Technology (1987)
  • Dimension Hatröss (1988)
  • Nothingface (1989)
  • Angel Rat (1991)
  • The Outer Limits (1993)
  • Negatron (1995)
  • Phobos (1997)
  • Voivod (2003)
  • Katorz (2006)
  • Infini (2009)
  • Target Earth (2013)
  • The Wake (2018)
  • Synchro Anarchy (2022)
  • Morgöth Tales (2023)

EPs:

  • Thrashing Rage (1986)
  • Cockroaches (1987)
  • Angel Rat Sampler (1991)
  • Live @ Musiqueplus (2000)
  • Post Society (2016)
  • The End of Dormancy (2020)

Live-Alben:

  • Voivod Lives (2000)
  • Warriors of Ice (2011)
  • Live at Roadburn (2011)
  • Lost Machine – Live (2020)

Kompilationen:

  • The Best of Voivod (1992)
  • Kronik (1998)
  • To the Death 84 (2011)
  • Build Your Weapons: The Very Best of the Noise Years 1986-1988 (2017)

Author: Franz Lemmler Webseite: Xenopolias.de Copyright 2025

Quellangaben

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CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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