Absage-Welle im Trump-Kennedy-Center: Künstler ziehen Konsequenzen
In der US-amerikanischen Hauptstadt Washington sorgt die Umbenennung des renommierten Kennedy Centers für erhebliche Unruhe in der Kulturszene. Nachdem das Kuratorium der Institution, das mehrheitlich mit Unterstützern von Donald Trump besetzt ist, den Namen in „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ änderte, haben zahlreiche namhafte Künstler ihre geplanten Auftritte kurzfristig abgesagt.
Besonders prominent ist die Absage der Jazz-Formation „The Cookers“. Das Septett strich am 29. Dezember 2025 seine zwei für Silvester geplanten Konzerte. Die Musiker begründeten diesen Schritt mit ihrem Verständnis von Jazz als Ausdruck von Freiheit und Unabhängigkeit, was sie mit der aktuellen Ausrichtung des Hauses als unvereinbar ansehen. Bereits am Heiligabend war das traditionelle „Jazz Jam“-Konzert entfallen, nachdem der langjährige Leiter und Schlagzeuger Chuck Redd seinen Rückzug erklärt hatte. Redd, der seit 2006 Teil des Programms war, protestierte damit direkt gegen die namentliche Vereinnahmung des Gebäudes durch den amtierenden Präsidenten.
Die Leitung des Kulturzentrums reagierte mit scharfer Kritik auf die Boykotte. Richard Grenell, der von Trump eingesetzte Präsident des Centers, bezeichnete die Absagen als politisch motivierte Inszenierungen. Im Fall von Chuck Redd wurde sogar angekündigt, Schadensersatzforderungen in Höhe von einer Million US-Dollar geltend zu machen, da der Rückzug extrem kurzfristig erfolgt sei und der gemeinnützigen Einrichtung finanziell geschadet habe.
Neben den Jazz-Größen haben sich auch andere Sparten angeschlossen. Die Tanzgruppe „Doug Varone and Dancers“ sagte ihre für April 2026 geplanten Jubiläumsauftritte ab, was das Ensemble laut eigenen Angaben rund 40.000 Dollar kostet. Auch die Folk-Musikerin Kristy Lee strich ein für Mitte Januar 2025 vorgesehenes Konzert. Zuvor hatten bereits Produktionen wie das Musical „Hamilton“ und Künstler wie Ben Folds oder Renée Fleming ihre Zusammenarbeit mit dem Haus beendet.
Während die Verwaltung des Centers betont, man wolle ein Programm für alle politischen Lager bieten, wird die Rechtmäßigkeit der Umbenennung inzwischen vor Gericht angefochten. Eine Abgeordnete der Demokraten reichte Klage ein, da das ursprüngliche Gesetz zur Errichtung der Gedenkstätte keine Namensergänzungen durch das Kuratorium vorsehe.
Author: Franz Lemmler © 2025 Xenopolias.de
Quellen: Associated Press, Reuters, Variety, Rolling Stone, New York Times, Washington Examiner, Deutschlandfunk
Foto: Daniel Torok, Public domain, via Wikimedia Commons
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