AVRO, CC BY-SA 3.0 NL <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en>, via Wikimedia Commons
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Die Gründung und frühe Jahre

Livin‘ Blues entstand 1967 in Den Haag als eine der prägendsten Bluesrock-Gruppen der Niederlande. Gegründet von dem Gitarristen Ted Oberg, der als zentrale Figur der Band gilt, begann die Formation zunächst mit wechselnden Besetzungen. Die Gruppe orientierte sich stark an der britischen und amerikanischen Blues-Tradition, entwickelte aber schnell einen eigenen, kraftvollen Sound, der Elemente von Rock, Jazz und Psychedelic einfließen ließ. In den späten 1960er Jahren etablierte sich die Band als feste Größe in der niederländischen Szene und wurde oft neben Cuby + the Blizzards als einer der führenden Vertreter des holländischen Blues gesehen. Die frühen Auftritte fanden in lokalen Clubs statt, wo die Musiker ihre Energie und Improvisationsfreude unter Beweis stellten. Ted Oberg, der als kreativer Kopf und Managerin seine Mutter Françoise Oberg an seiner Seite hatte, trieb die Entwicklung voran und sorgte für eine professionelle Ausrichtung.

Der Durchbruch und die klassische Besetzung

Ab 1969 kristallisierte sich eine stabile Kernbesetzung heraus, die den größten Erfolg der Band prägte. Nicko Christiansen übernahm den Gesang und brachte mit seiner markanten Stimme, die von Soul und Blues geprägt war, eine neue Dynamik ein. Geboren 1950 in Den Haag als Dominicus Christiaan Jansen, begann er früh, sich mit Gitarre zu begleiten, bevor er sich voll auf Gesang, Saxophon und Percussion konzentrierte. John Lagrand an der Mundharmonika lieferte die charakteristischen, expressiven Soli, die an Little Walter oder Sonny Boy Williamson erinnerten. Ted Oberg blieb der Leadgitarrist und Songwriter, dessen Spielweise eine Mischung aus Chicago-Blues und rockiger Direktheit darstellte. Die Rhythmus-Sektion komplettierten Bassist Gerard Strötbaum und Schlagzeuger Cesar Zuiderwijk, letzterer bekannt durch seine Arbeit bei Golden Earring. Keyboarder Henk Smitskamp, der auch mit Shocking Blue in Verbindung stand, ergänzte den Sound mit orgelartigen Elementen. Diese Formation schuf den Sound, der Livin‘ Blues in Europa bekannt machte.

Meilensteine und bedeutende Werke

Der erste große Erfolg kam mit Singles wie Murphy McCoy, die 1968 entstand und von George Kooymans mitgeschrieben wurde. Die Alben der frühen 1970er Jahre markierten den Höhepunkt: Hell’s Session von 1969 zeigte rohe Energie und psychodelische Einflüsse. Wang Dang Doodle aus 1970 brachte eine kraftvolle Interpretation klassischer Blues-Nummern. Bamboozle von 1971 gilt als eines der stärksten Werke mit originellen Kompositionen und tightem Zusammenspiel. Rocking at the Tweed Mill aus 1972 und Ram Jam Josey aus 1973 festigten den Ruf als Live-Starke Band. Die Alben zeichneten sich durch eine Balance aus Covers und Eigenkompositionen aus, wobei die Gruppe oft längere Jam-Passagen einbaute. Auf Konzerten erlebte das Publikum intensive Momente, etwa ausgedehnte Improvisationen, bei denen Christiansen am Saxophon und Lagrand an der Harp in Dialog traten. Die Band tourte durch ganz Europa, von England bis Italien, und spielte auf Festivals, wo sie mit ihrer Leidenschaft überzeugte.

Bandmitglieder im Detail

Ted Oberg blieb über Jahrzehnte das Herz der Band. Als Gründer und Gitarrist prägte er den Sound mit seinem expressiven Spiel. Wenig ist über sein Privatleben bekannt, doch seine Hingabe an die Musik war unerschütterlich. Nicko Christiansen, der charismatische Frontmann, brachte nicht nur Gesang, sondern auch Saxophon und Percussion ein. Er wuchs in Den Haag auf und begann in den 1960er Jahren mit der Musik. Seine Stimme verlieh den Songs eine emotionale Tiefe. John Lagrand an der Mundharmonika war ein Meister seines Instruments. Er starb im Juni 2005 im Alter von 55 Jahren an den Folgen eines Herzstillstands – ein schwerer Verlust für die Band. Cesar Zuiderwijk am Schlagzeug brachte Groove und Präzision, beeinflusst durch seine Erfahrung bei Golden Earring. Henk Smitskamp am Keyboard fügte soulige und jazzige Nuancen hinzu. Spätere Mitglieder wie Bassist Ruud van Buuren, Schlagzeuger Herman van Boeyen oder Kenny Lamb erweiterten den Kreis. In den 1980er Jahren gehörten Evert Willemstein am Bass und Boris Wassenbergh am Schlagzeug dazu.

Veränderungen und Tragische Momente

Im Laufe der Jahre kam es zu zahlreichen Besetzungswechseln. Nach dem Höhepunkt Mitte der 1970er zerfiel die klassische Formation 1974 teilweise. John Lagrand schloss sich Water an, Nicko Christiansen gründete Himalaya, während andere zu Bands wie Long Tall Ernie & the Shakers wechselten. Der Tod von John Lagrand 2005 war ein einschneidender Moment. Die Band löste sich nicht auf, sondern wandelte sich unter Nicko Christiansen in Livin‘ Blues Xperience um. Diese Formation mit Loek van der Knaap an der Gitarre, Jeroen van Niele am Bass, Kees van Krugten am Schlagzeug und Francois Spannenburg an der Harp führte das Erbe fort. Keine großen Skandale überschatteten die Karriere, doch der Verlust von Lagrand und die ständigen Line-up-Wechsel stellten Herausforderungen dar.

Einflüsse und Mentoren

Livin‘ Blues ließ sich von amerikanischen Blues-Größen wie Muddy Waters, Howlin‘ Wolf und John Lee Hooker inspirieren. Die Mundharmonika-Arbeit von John Lagrand zeigte Einflüsse von Sonny Boy Williamson und Little Walter. Ted Oberg schätzte britische Blues-Rock wie Cream oder John Mayall. In den Niederlanden stand die Band in der Tradition von Cuby + the Blizzards, mit denen sie stilistisch verglichen wurde. Direkte Mentoren sind nicht prominent dokumentiert, doch die Szene um Den Haag bot ein Umfeld, in dem Musiker sich gegenseitig beeinflussten. Kollaborationen mit George Kooymans (Golden Earring) bei Songwriting zeigten Vernetzung in der holländischen Rockszene.

Zusammenarbeiten mit anderen Musikern

Die Band arbeitete eng mit der niederländischen Rock- und Blues-Szene zusammen. Cesar Zuiderwijk und Henk Smitskamp brachten Erfahrung aus anderen Gruppen ein. Produzenten wie Jaap Eggermont halfen bei Aufnahmen. Ex-Mitglieder gründeten Spin-offs wie Nitehawk oder die J&T Band. Nicko Christiansen pflegte Kontakte zu vielen holländischen Bluesmusikern. In den späteren Jahren gab es Verbindungen zu Acts wie Water oder Himalaya. Die Gruppe teilte Bühnen mit internationalen Blues-Acts auf Festivals, was zu lockeren Jam-Sessions führte.

Die Wiedergeburt als Livin‘ Blues Xperience

Nach den Veränderungen in den 1980er und dem Tod Lagrands führte Nicko Christiansen die Band als Livin‘ Blues Xperience weiter. Mit neuer Energie und frischen Mitgliedern blieb der Bluesrock-Spirit erhalten. Die Gruppe spielte weiter Konzerte und hielt das Vermächtnis lebendig. Der Sound blieb authentisch, mit Fokus auf Live-Performances und Improvisation.

Aktuelle Tourdaten 2026

Die Band ist als Livin‘ Blues Xperience weiter aktiv. Geplante Auftritte umfassen Blues-Nachmittage und Festivals, darunter Veranstaltungen in Culemborg, Den Haag und anderen Orten in den Niederlanden im Verlauf des Jahres 2026.

Diskografie

Hell’s Session (1969)

Wang Dang Doodle (1970)

Bamboozle (1971)

Rocking at the Tweed Mill (1972)

Ram Jam Josey (1973)

Livin‘ Blues (1975, Live-Album)

Out of the Blue (spätere Phase)

Zusätzlich zahlreiche Singles wie Murphy McCoy (1968), Hitch Hikin‘ und diverse Kompilationen. Die Alben der 1970er Jahre bilden den Kern des Schaffens, ergänzt durch Live-Mitschnitte und Neuauflagen.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia (niederländisch), Discogs, AllMusic, Last.fm, Spirit of Metal, Bandsintown, Livin‘ Blues Official Website, Songkick

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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