Sven Mandel, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
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Sisters of Mercy during Wacken Open Air at The Holy Wacken Land, Wacken, Schleswig-Holstein, Germany on 2019-07-31, Photo: Sven Mandel

The Sisters of Mercy sind eine einflussreiche englische Rockband, die 1980 in Leeds gegründet wurde und aus der Post-Punk-Szene hervorging. Sie gelten als Pioniere des Gothic Rock, haben ihren Sound jedoch kontinuierlich weiterentwickelt, indem sie Elemente von Industrial, Dance und Hard Rock einflossen ließen. Der charismatische Sänger und einzige verbliebene Gründungsmitglied Andrew Eldritch prägt die Band bis heute maßgeblich, unterstützt von seiner ikonischen Drum Machine namens Doktor Avalanche.

Die Gründung und die frühen Jahre

Die Band entstand aus dem Wunsch von Andrew Eldritch und Gary Marx, ihre eigene Musik im Radio zu hören. Beide waren Teil der lebendigen Underground-Szene in Leeds. Eldritch, geboren als Andrew William Harvey Taylor am 15. Mai 1959 in Ely, Cambridgeshire, hatte zuvor chinesische Studien begonnen, brach diese jedoch ab. Er brachte eine intellektuelle Tiefe und eine Vorliebe für düstere, theatralische Texte ein. Marx, geboren als Mark Pearman, übernahm die Gitarre. Frühe Besetzungen waren wechselhaft, mit kurzzeitigen Mitgliedern wie Keith Fuller am Gesang und Claire Shearsby an den Keyboards. Bald etablierte sich Doktor Avalanche als zentrales Element – eine programmierbare Drum Machine, die den markanten, maschinellen Rhythmus lieferte und bis heute ein Markenzeichen bleibt.

In den Anfangsjahren veröffentlichten sie über ihr eigenes Label Merciful Release Singles und EPs wie „The Damage Done“, „Alice“ und „The Reptile House“. Diese Stücke bauten eine treue Fangemeinde auf und zeigten bereits den charakteristischen Mix aus hypnotischen Grooves, tiefen Bässen und Eldritchs markanter Baritonstimme.

Der Durchbruch mit dem Debütalbum

1985 erschien das erste Studioalbum First and Last and Always, das als Meilenstein des Gothic Rock gilt. Es kombinierte melancholische Melodien mit treibenden Rhythmen und erreichte Chart-Erfolge sowie Gold-Status in mehreren Ländern. Zu dieser Zeit gehörten Craig Adams am Bass und Wayne Hussey an der Gitarre zur Band, wobei Hussey später eigene Wege ging und The Mission gründete. Das Album enthielt Hymnen wie „This Corrosion“ – warte, nein, das kam später – aber Tracks wie „Marian“ und „No Time to Cry“ prägten die Ära. Nach der Veröffentlichung kam es zu Spannungen: Gary Marx verließ die Band, gefolgt von anderen Mitgliedern, was zu einer vorübergehenden Auflösung führte.

Floodland – Die Neuerfindung und kommerzieller Höhepunkt

1987 kehrte Eldritch mit einem neuen Line-up zurück. Patricia Morrison, ehemals bei den Bags und später den Bags, kam als Bassistin hinzu, obwohl ihre Beiträge hauptsächlich visuell und konzeptionell waren. Das Album Floodland markierte einen Wendepunkt: Es war opulenter, mit orchestralen Elementen, Dance-Einflüssen und epischen Arrangements. Stücke wie „This Corrosion“, „Dominion/Mother Russia“ und „Lucretia My Reflection“ wurden zu Klassikern und brachten die Band in die Charts. „This Corrosion“ mit seinem bombastischen Refrain und dem markanten Chor wurde zu einem der bekanntesten Songs der Band und symbolisierte Macht und Drama. Das Album festigte ihren Status als innovative Kraft im Rock.

Vision Thing und der Übergang in die 90er

1990 folgte Vision Thing, das härtere Rock-Elemente einbrachte und Einflüsse aus Metal und Industrial zeigte. Mit Gästen wie Andreas Bruhn an der Gitarre und Tony James am Bass wurde der Sound aggressiver. Tracks wie „More“, „Doctor Jeep“ und „Temple of Love“ (in einer neuen Version) unterstrichen die Vielseitigkeit. Die Band tourte intensiv und spielte vor großen Publikums. Es gab besondere Momente auf Konzerten, bei denen die Energie der Menge und die maschinelle Präzision von Doktor Avalanche eine fast rituelle Atmosphäre schufen.

Der Streit mit der Plattenfirma und das Ende der Studioaufnahmen

Anfang der 90er geriet die Band in Konflikt mit ihrem Label WEA (später East West). Eldritch fühlte sich künstlerisch eingeschränkt und stoppte die Veröffentlichung neuer Alben als Protest. Dies führte dazu, dass seit Vision Thing kein neues Studioalbum erschien. Die Band existiert seither primär als Live-Act. Eldritch behielt die Kontrolle und spielte weiterhin unveröffentlichte Songs live, die Fans seit Jahren faszinieren.

Aktuelle Besetzung und langjährige Mitglieder

Heute besteht die Band aus Andrew Eldritch (Gesang, Programmierung, Gitarre, Keyboards) als einzigem konstanten Mitglied. Seit den 2000er Jahren gehören Ben Christo (Gitarre, Backing Vocals, seit etwa 2006) und Chris Catalyst (Gitarre, Backing Vocals, seit etwa 2005) zur festen Besetzung. Beide bringen frische Energie und haben die Band über Jahre stabilisiert. Doktor Avalanche bleibt das Herzstück des Sounds. Frühere Mitglieder wie Patricia Morrison (die die Band Ende der 80er verließ), Wayne Hussey (später The Mission), Craig Adams (Ghost Dance) oder Tim Bricheno prägten Phasen, gingen aber eigene Wege.

Andrew Eldritch selbst lebt zurückgezogen, hat keine bekannten Kinder, Ehen oder dramatischen persönlichen Schicksalsschläge in der Öffentlichkeit. Er widmet sich voll der Band und vermeidet Privates. Andere Mitglieder hatten Nebenprojekte: Ben Christo mit Diamond Black, Chris Catalyst mit eigenen Aktivitäten.

Zusammenarbeiten und Einflüsse

Die Band hatte begrenzte direkte Kollaborationen, aber Eldritch arbeitete an Side-Projekten wie The Sisterhood (als Reaktion auf frühere Mitglieder) und SSV. Einflüsse kommen aus Post-Punk, Psychedelia, Metal und Dance. Sie inspirierten Generationen von Gothic- und Rock-Bands. Coverversionen ihrer Songs durch Künstler wie Black Veil Brides und Ville Valo zeigen anhaltende Relevanz.

Die letzten 15 Jahre – Fokus auf Live-Auftritte

In den letzten 15 Jahren (seit etwa 2011) hat die Band keine neuen Studioalben veröffentlicht, konzentriert sich aber auf weltweite Tourneen. Sie spielen regelmäßig Festivals und Hallen, oft mit neuen Arrangements alter Klassiker und unveröffentlichtem Material. Die Shows sind bekannt für ihre Intensität, Eldritchs charismatische Präsenz und die perfekte Integration von Doktor Avalanche. Die Band tourte durch Europa, Amerika und Asien, mit Höhepunkten wie Auftritten bei großen Rock-Festivals. Eldritch hat in Interviews betont, dass neue Songs geschrieben werden und live getestet, aber keine Studio-Veröffentlichungen geplant sind. Die treue Fangemeinde schätzt diese Kontinuität und die Weigerung, Kompromisse einzugehen.

Die Band bleibt ein lebendiges Phänomen: intellektuell, dramatisch und unabhängig. Ihre Musik verbindet Dunkelheit mit Groove und beeinflusst bis heute die Rock- und Alternative-Szene.

Diskografie

Studioalben:

  • First and Last and Always (1985)
  • Floodland (1987)
  • Vision Thing (1990)

EPs:

  • Alice (1983)
  • The Reptile House (1983)
  • Body and Soul (1984)

Kompilationen (Auswahl):

  • Some Girls Wander by Mistake (1992)
  • A Slight Case of Overbombing (1993)

Singles (Auswahl):

  • This Corrosion (1987)
  • Dominion/Mother Russia (1988)
  • Lucretia My Reflection (1988)
  • More (1990)
  • Temple of Love (1992 Version)

Aktuelle Tourdaten 2026

Die Band hat für 2026 bestätigte Auftritte, darunter einen Slot beim Brutal Assault Festival in Jaroměř, Tschechien, vom 5. bis 8. August 2026.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia, The Sisters of Mercy official website, AllMusic, Last.fm, Songkick, Bandsintown, SistersWiki.org

 

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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