jomelia, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
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Asia live in Norwalk, CT, 2006

Die Geburt einer Bestie aus den Trümmern der Giganten

Hört zu, ihr Landratten des Pop-Ozeans! Wir schreiben das Jahr 1981, und die Welt des Progressive Rock lag im Sterben, erstickt an ihrem eigenen Ego und zwanzigminütigen Flötensoli. Aber aus der Asche dieser Dinosaurier erhob sich etwas, das so gefährlich glänzte wie ein frisch polierter Cadillac. Man nannte sie Asia. Es war nicht einfach eine Band; es war ein verdammtes chemisches Experiment. John Wetton, der Mann mit der Stimme aus geschmolzenem Gold und der Vergangenheit bei King Crimson, tat sich mit dem Tastenmagier Geoff Downes zusammen, der gerade erst mit den Buggles das Radio-Zeitalter per Video hingerichtet hatte.

Dazu gesellten sich Steve Howe, der Gitarren-Gott von Yes, und Carl Palmer, ein Berserker an den Trommeln, der bei Emerson, Lake & Palmer schon alles kurz und klein geschlagen hatte. Sie waren die Avengers des AOR, eine Supergroup, die so viel Talent in einen Raum presste, dass die Wände schwitzten. Die Plattenbosse witterten das große Geld, und sie sollten recht behalten. Das Debütalbum schlug ein wie eine taktische Atombombe im Vorgarten der Musikindustrie.

Der Rausch des Erfolgs und der Absturz ins Bodenlose

Man kann den Erfolg von 1982 nicht beschreiben, ohne dabei an Exzess und Größenwahn zu denken. Neun Millionen verkaufte Einheiten! „Heat of the Moment“ lief in jeder gottverlassenen Spelunke von London bis Los Angeles. Sie waren die Könige der Welt, aber der Thron war verdammt wackelig. Hinter den Kulissen brodelte es. Wetton, der geniale Kopf, kämpfte mit Dämonen, die flüssig waren und in Flaschen kamen. Sein Alkoholproblem war kein Geheimnis mehr, als er 1983 mitten in der Tournee plötzlich abgesägt wurde.

Man feuerte ihn per Telefon – ein klassischer Dolchstoß im Rock-Business. Greg Lake sprang für die legendären Japan-Konzerte ein, ein Meilenstein, der als erste Satelliten-Übertragung auf MTV Musikgeschichte schrieb. Doch ohne Wetton fehlte das Herz. Er kam zurück, forderte aber den Kopf von Steve Howe. Es war ein absurdes Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, das die Band fast zerriss. Machtkämpfe, Neid und die unbarmherzige Maschinerie von Geffen Records machten aus den einstigen Brüdern Fremde, die sich kaum noch in die Augen schauen konnten.

John Wetton: Die Stimme, die den Sturm überlebte

Reden wir über John Kenneth Wetton. Geboren am 12. Juli 1949 in Derby, ein Kind der Nachkriegszeit, das den Bass so behandelte wie eine Waffe. Er war verheiratet mit Lisa und hatte einen Sohn namens Dylan. Wetton war der Dreh- und Angelpunkt, der Mann, der die komplexen Prog-Strukturen in radiotaugliche Hymnen verwandelte. Doch sein Schicksal war gezeichnet von der Krankheit. Nach Jahren des Kampfes gegen die Sucht und einer schweren Herzoperation im Jahr 2007 ereilte ihn der finale Schlag. Am 31. Januar 2017 verstummte diese gewaltige Stimme für immer – Darmkrebs. Sein Tod war das Ende einer Ära, ein Riss im Gefüge des Rock ’n‘ Roll, der niemals ganz heilen wird.

Geoff Downes: Der unermüdliche Architekt der Synthesizer

Geoffrey Downes, geboren am 25. August 1952 in Stockport, ist der letzte Mohikaner an den Tasten. Ein Mann, der mehr Keyboards auf der Bühne stehen hat als ein NASA-Kontrollzentrum. Er war derjenige, der die Brücke schlug zwischen der alten Schule und dem modernen Pop. Downes war verheiratet mit Wendi Weaver, die Ehe wurde geschieden; er hat zwei Töchter, Christina und Alexandra. Später heiratete er Martine. Er blieb Asia fast immer treu, selbst als die Band in den 90ern durch ein tiefes Tal aus Besetzungswechseln und Bedeutungslosigkeit wanderte. Er ist der Anker, der die Trümmer zusammenhielt, als alle anderen das sinkende Schiff verließen.

Steve Howe: Der asketische Saiten-Philosoph

Steve Howe, das drahtige Genie an der Gitarre, geboren am 8. April 1947 in Holloway, London. Er ist der Mann der tausend Gitarren, verheiratet mit Janet, Vater von Dylan, Virgil, Georgia und Stephanie. Ein Schicksalsschlag traf ihn hart, als sein Sohn Virgil 2017 völlig unerwartet verstarb. Howe war bei Asia immer der Fremdkörper, der Purist, dem der kommerzielle Hochglanz-Sound oft ein Dorn im Auge war. Er wollte keine dreiminütigen Popsongs, er wollte Kunst. Dieser interne Konflikt war es, der die ersten Alben so spannend machte, aber letztlich auch zu seinem zeitweiligen Abschied führte.

Carl Palmer: Der Mann, der die Zeit zerschmettert

Und dann ist da Carl Frederick Kendall Palmer, geboren am 20. März 1950 in Birmingham. Ein Schlagzeuger, der keine Stöcke benutzt, sondern Blitze schleudert. Verheiratet war er mit Maureen, hat eine Tochter namens Carina. Später fand er sein Glück mit Katie. Palmer ist pure Energie. Er war der Motor von Asia, der Typ, der selbst die seichtesten Balladen mit einem Double-Bass-Gewitter in den Hintern trat. Er ist eine lebende Legende, ein Mentor für Generationen von Drummern, der zeigt, dass man auch mit über 70 noch so klingen kann, als wolle man das Schlagzeug eigenhändig hinrichten.

Die Payne-Ära und die Auferstehung der Totgeglaubten

Man darf John Payne nicht vergessen. Als Wetton Anfang der 90er endgültig die Segel strich, übernahm dieser bärtige Rocker das Ruder. Über 15 Jahre lang hielt er den Namen Asia am Leben, veröffentlichte Alben wie „Aqua“ oder „Aura“ und arbeitete mit Größen wie Guthrie Govan oder Chris Slade zusammen. Es war eine andere Band, härter, weniger glitzernd. 2006 kam es dann zur Sensation: Die vier Gründerväter versöhnten sich. Ein Wunder! Sie tourten wieder um die Welt, bewiesen, dass die Chemie noch immer stimmte, und brachten Alben wie „Phoenix“ heraus, die klangen, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Besondere Vorkommnisse und die Magie der Bühne

Asia-Konzerte waren immer mehr als nur Musik. Es waren Gottesdienste für Leute, die an die Macht der Melodie glaubten. Unvergessen bleibt die Show in Moskau 1990 – kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Die Band spielte vor zehntausenden Russen, die „Heat of the Moment“ mitsangen, als wäre es ihre Nationalhymne. Oder die Auftritte mit Roger Dean, dem Künstler, dessen surreale Coverbilder die Identität der Band prägten. Dean war oft dabei, projizierte seine Welten im Hintergrund, während Howe seine Gitarren zum Weinen brachte. Es gab Pannen, ja – Wetton, der manchmal Texte vergaß oder Howe, der genervt von der Bühne stürmte –, aber das war echtes Fleisch und Blut, kein Playback-Dreck.

Asia im Jahr 2026: Die Fackel brennt weiter

Heute, im Jahr 2026, ist Asia eine Institution. Nach Wettons Tod übernahm Billy Sherwood kurzzeitig, doch das aktuelle Line-up um Geoff Downes hat sich erneut neu erfunden. Mit Musikern wie John Mitchell und Harry Whitley bringen sie den klassischen Sound zurück auf die Straße. Sie ehren das Erbe von Wetton, ohne in Nostalgie zu ersticken. Die Zusammenarbeit mit Mentoren und Vorbildern aus dem Yes-Umfeld oder Projekten wie GTR (Howe & Hackett) zeigt die tiefe Vernetzung dieser Musiker-Elite. Sie sind die Dinosaurier, die den Kometen überlebt haben.


Diskografie (Studioalben)

  • Asia (1982)

  • Alpha (1983)

  • Astra (1985)

  • Then & Now (1990) – Halb Compilation, halb neue Songs

  • Aqua (1992)

  • Aria (1994)

  • Arena (1996)

  • Rare (2000)

  • Aura (2001)

  • Silent Nation (2004)

  • Phoenix (2008)

  • Omega (2010)

  • XXX (2012)

  • Gravitas (2014)

Live-Highlights und Compilations

  • Live in Moscow (1991)

  • Archiva Vol. 1 & 2 (1996)

  • Fantasia: Live in Tokyo (2007)

  • Resonance: Live in Basel (2012)

  • Symfonia – Live in Bulgaria (2017)

  • Live in England (2026) – Aufgenommen 2025


Aktuelle Tourdaten 2026

    1. Februar 2026: Billboard Live, Yokohama, Japan

    1. Februar 2026: Billboard Live, Tokio, Japan

    1. Februar 2026: Billboard Live, Tokio, Japan

    1. März 2026: Meyer Theatre, Green Bay, WI, USA

    1. April – 02. Mai 2026: Barcelona (Festival Auftritte), Spanien


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia, OriginalAsia.com, Louder Sound, Rock Hard Magazin, Billboard Archives, ConcertArchives, Ryookumoto.com, Bondegezou.co.uk

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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