Es ist das Jahr 1991 in Montevideo, Uruguay. Die Luft in den Hinterhöfen der Stadt ist geschwängert von Aufbruchsstimmung und dem unbändigen Drang, laut zu sein. Inmitten dieser Kulisse formiert sich eine Gruppe, die das musikalische Gesicht Südamerikas nachhaltig prägen sollte. Trotsky Vengarán – ein Name, der wie ein Peitschenknall durch die Gassen hallt. Die Gründerväter, allen voran der charismatische Guillermo Peluffo, hatten eine Vision: Sie wollten den harten, ungeschönten Rock der britischen und amerikanischen Schule mit der melancholischen Poesie und der direkten Art des Rio de la Plata verschmelzen. Es war die Geburtsstunde einer Legende, die sich nicht um Konventionen scherte und den Punkrock in Uruguay auf ein völlig neues Level hob.
Die Architekten des Klangs: Wer steckt hinter der Maske?
An der Spitze dieser musikalischen Rebellion steht seit dem ersten Tag Guillermo Peluffo. Als Frontmann und Stimme der Band ist er weit mehr als nur ein Sänger; er ist der Regisseur des Chaos auf der Bühne. Peluffo, der am 23. Januar 1969 geboren wurde, stammt aus einer Familie, in der Kreativität großgeschrieben wird – sein Bruder Gabriel Peluffo ist ebenfalls eine Ikone der uruguayischen Rockmusik. Guillermo ist bekannt für seine energetische Bühnenpräsenz, die oft an den Wahnsinn grenzt, und für seine Fähigkeit, das Publikum in einen kollektiven Rausch zu versetzen. Privat hält er sein Familienleben weitgehend aus dem Rampenlicht, ist jedoch als liebender Vater bekannt, der die Balance zwischen dem harten Rocker-Dasein und dem bürgerlichen Leben meistert.
An der Gitarre finden wir Hugo Díaz, ein Gründungsmitglied, dessen Riffs das Rückgrat der Band bilden. Díaz ist der Mann für die scharfen Töne, der seit 1991 unermüdlich an der Seite von Peluffo steht. Sein Spiel ist geprägt von einer Mischung aus technischer Präzision und roher Gewalt. Ebenfalls seit der ersten Stunde dabei ist Guillermo „Cuico“ Perazzo am Schlagzeug. Geboren in den späten 60ern, ist er der Taktgeber, das rhythmische Gewissen der Gruppe. Perazzo ist dafür bekannt, sein Kit so zu bearbeiten, als gäbe es kein Morgen, was den Sound von Trotsky Vengarán so unverwechselbar macht.
Der vierte im Bunde der aktuellen Besetzung ist Juan Pablo Granito Viré, der 2014 den Bass übernahm. Er trat in die Fußstapfen von Héctor Souto und brachte eine neue, frische Dynamik in die Band. Granito, der bereits zuvor in der lokalen Szene aktiv war, fügte sich nahtlos ein und ist heute fester Bestandteil der Familie. In der Vergangenheit gab es durchaus personelle Wechsel, die die Band jedoch nie aus der Bahn werfen konnten. Ehemalige Mitglieder wie Marcelo Abreu, Ignacio Guasch, Felipe Di Stefani und Nicolás Pequera trugen alle ihren Teil zur DNA der Band bei, bevor sie sich anderen Projekten zuwandten.
Meilensteine und der steinige Weg zum Ruhm
Die Karriere von Trotsky Vengarán ist gepflastert mit Höhepunkten, die in die Geschichtsbücher des uruguayischen Rock eingegangen sind. Ihr Debütalbum „Salud, Dinero y Dinero“ aus dem Jahr 1994 war ein Schlag ins Gesicht der Etablierten. Doch der richtige Durchbruch kam mit Werken wie „Clase B“ und dem legendären Live-Album „Pogo“, das die rohe Energie ihrer Konzerte perfekt einfing. Ein besonderer Meilenstein war ihre Teilnahme am Sampler „Criaturas Del Pantano“, der sie einer breiteren Öffentlichkeit vorstellte.
Die Band hat im Laufe der Jahrzehnte bewiesen, dass sie nicht nur im Studio, sondern vor allem live eine Macht ist. Besondere Vorkommnisse auf Konzerten sind bei Trotsky Vengarán eher die Regel als die Ausnahme. Legendär sind die Auftritte beim „Pilsen Rock“, wo sie vor Zehntausenden spielten und die Menge in ein einziges, hüpfendes Meer aus Menschen verwandelten. Es gab Momente, in denen die Security kapitulierte, weil die Fans die Barrieren einfach überrannten, nur um ihren Idolen näher zu sein. Peluffo selbst ist dafür bekannt, sich ohne Zögern in die Menge zu stürzen – ein echtes Bad in der Menge, das oft im kompletten Chaos endete, aber genau das macht den Charme der Truppe aus.
Mentoren, Vorbilder und die Kunst der Kollaboration
Inspiration fanden die Jungs von Anfang an bei den Größen des Punk und Hardcore. Die Ramones, The Clash und Sex Pistols stehen Pate für den Sound, doch auch lokale Größen des uruguayischen Rocks dienten als Orientierung. Diese Vorbilder halfen ihnen dabei, einen Stil zu entwickeln, der zwar international klingt, aber tief in der Kultur von Montevideo verwurzelt ist.
Kollaborationen waren für Trotsky Vengarán immer ein Mittel, um über den Tellerrand hinauszuschauen. Sie arbeiteten mit zahlreichen Musikern der südamerikanischen Szene zusammen. Besonders hervorzuheben ist die Verbindung zur Band „La Vela Puerca“ oder „No Te Va Gustar“. Diese Freundschaften führten nicht selten zu gemeinsamen Auftritten, bei denen die Grenzen zwischen den Genres verschwammen. Auch Guillermo Peluffo selbst ist ein gefragter Gastmusiker und Regisseur für Musikvideos, was seine tiefe Vernetzung in der Kunstszene unterstreicht.
Die Diskografie: Ein Manifest der Lautstärke
Die Liste ihrer Veröffentlichungen ist lang und zeigt die beeindruckende Kontinuität der Band:
Salud, Dinero y Dinero (1994)
Clase B (1996)
Yo no fui (1999)
Durmiendo afuera (2001)
Todo lo contrario (2002)
Pogo (Live, 2003)
7 veces mal (2005)
No estamos solos (2007)
Volumen 10 (2008)
Todo para ser feliz (2010)
Coleccion Histórica (2012)
Cielo Salvaje (2013)
Relajo pero con orden (2016)
Los Valientes (2018)
Una Noche de Rock en Medallo (Live, 2020)
Auf den Straßen von morgen: Die Tour 2026
Auch nach über drei Jahrzehnten denken Trotsky Vengarán nicht an den Ruhestand. Für das Jahr 2026 sind bereits die ersten Termine fixiert, die zeigen, dass der Hunger auf die Bühne ungebrochen ist. Ein absolutes Highlight wird der Auftritt beim „Cosquín Rock Uruguay 2026“ am 21. März in Montevideo sein. Es wird erwartet, dass dies eine der größten Shows ihrer Karriere wird, bei der sie neue Songs und alte Klassiker in gewohnt brachialer Manier präsentieren werden.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Wikipedia, CMTV.com.ar, Rock.com.ar, Discogs, Setlist.fm, Last.fm, Spirit of Rock
All articles on Xenopolias are available in all common languages.