
Die Geburt einer unmöglichen Allianz
Es gibt Momente in der Rockgeschichte, die sich anfühlen wie das Aufeinandertreffen von tektonischen Platten. Wenn die Nachricht von der Gründung einer neuen Formation die Runde macht, schwingt oft Skepsis mit – zu oft entpuppten sich sogenannte „Supergroups“ als flüchtige Eitelkeitsprojekte. Doch im Fall von Them Crooked Vultures war die Ausgangslage eine völlig andere. Hier trafen sich nicht drei Musiker, um ihren Ruhestand zu finanzieren, sondern drei Urgewalten, die den Drang verspürten, die Grenzen des modernen Rock neu zu definieren. Die Initialzündung für dieses Projekt lag in der tiefen gegenseitigen Wertschätzung und einer fast schon schicksalhaften Fügung. Es war eine Allianz, die im Verborgenen reifte, fernab der gierigen Augen der Musikpresse, bis der erste Schlag auf die Snare-Drum die Welt erschütterte.
Der Architekt des Wüstenrocks: Josh Homme
Im Zentrum dieses Sturms steht Joshua Michael Homme, geboren am 17. Mai 1973 in Joshua Tree, Kalifornien. Homme ist weit mehr als nur ein Gitarrist; er ist ein Klangästhet, der den „Stoner Rock“ mit seiner Band Kyuss miterfand und mit den Queens of the Stone Age zur Perfektion führte. Sein Privatleben war oft von den extremen Anforderungen des Rock-Lifestyles geprägt. Homme war mit der Musikerin Brody Dalle verheiratet (Hochzeit 2005, Scheidung eingereicht 2019), mit der er drei Kinder hat: Camille Harley Joan, Orrin Ryder und Wolf Dillon Reece. Die Trennung und die damit verbundenen juristischen Auseinandersetzungen markierten eine dunkle Phase in seinem Leben, die auch in seiner Musik Spuren hinterließ.
Ein einschneidendes Erlebnis, das fast sein Ende bedeutet hätte, war eine Knieoperation im Jahr 2010. Aufgrund von Komplikationen kam es zu einem Herzstillstand, und Homme war für kurze Zeit klinisch tot. Diese Nahtoderfahrung und die anschließende monatelange Bettlägerigkeit veränderten seine Sicht auf das Leben und die Kunst grundlegend. Bei Them Crooked Vultures übernimmt er die Rolle des Sängers und Lead-Gitarristen, wobei er seinen markanten Falsett-Gesang und seine unverkennbaren, abgehackten Riffs einbringt, die klingen, als kämen sie direkt aus der flirrenden Hitze der kalifornischen Wüste.
Der Donnergott am Schlagzeug: Dave Grohl
Dass David Eric Grohl (geboren am 14. Januar 1969 in Warren, Ohio) hinter das Schlagzeug zurückkehrte, war für viele Fans die Sensation schlechthin. Grohl, der nach dem tragischen Ende von Nirvana im Jahr 1994 mit den Foo Fighters zu einem der größten Rockstars der Welt aufstieg, kehrte hier zu seinen Wurzeln zurück. Grohl ist zweifach verheiratet: Seine erste Ehe mit Jennifer Youngblood hielt von 1994 bis 1997. Im Jahr 2003 heiratete er Jordyn Blum, mit der er drei Töchter hat: Violet Maye, Harper Willow und Ophelia Saint. Grohl erlitt 2022 einen schweren persönlichen Verlust, als sein enger Freund und Foo-Fighters-Schlagzeuger Taylor Hawkins verstarb, was ihn tief erschütterte.
Grohl betrachtet John Bonham von Led Zeppelin als sein absolutes Vorbild – ein Einfluss, der bei Them Crooked Vultures deutlicher denn je zu hören ist. Sein Spiel in dieser Band ist animalisch, präzise und von einer Wucht, die man seit den frühen Neunzigern selten gehört hat. Es ist die pure Freude am physischen Spiel, die ihn in dieser Formation antreibt.
Die Legende am Bass: John Paul Jones
Die wohl spektakulärste Verpflichtung der Band war John Paul Jones (geboren als John Richard Baldwin am 3. Januar 1946 in Sidcup, Kent). Als Gründungsmitglied von Led Zeppelin ist er eine lebende Legende und ein Mentor für Generationen von Musikern. Jones ist seit 1967 mit Maureen Hegarty verheiratet und hat drei Töchter: Tamara, Jacinda und Kiera. Während seine ehemaligen Bandkollegen Jimmy Page und Robert Plant oft im Rampenlicht standen, war Jones stets das musikalische Rückgrat und das Genie im Hintergrund, das Keyboards, Mandolinen und komplexe Bassläufe arrangierte.
Sein Einstieg bei Them Crooked Vultures brachte eine musikalische Tiefe und Komplexität in die Band, die weit über Standard-Rock hinausging. Jones nutzt in der Band nicht nur den Bass, sondern auch die Keytar und das Lap-Steel-Piano, was den Sound der Gruppe um orchestrale und psychedelische Nuancen bereichert. Für Homme und Grohl war die Zusammenarbeit mit ihrem Idol die Erfüllung eines lebenslangen Traums.
Meilensteine und das monumentale Debüt
Die Band operierte anfangs unter extremer Geheimhaltung. Erst im Sommer 2009 verdichteten sich die Hinweise, als erste kleine Clubkonzerte angekündigt wurden. Das selbstbetitelte Debütalbum „Them Crooked Vultures“, das im November 2009 erschien, schlug ein wie eine Bombe. Es war kein Album der schnellen Hits, sondern ein komplexes Werk voller Tempowechsel, ungerader Takte und hypnotischer Melodien.
Bedeutende Werke des Albums sind Songs wie „New Fang“, der der Band prompt einen Grammy für die beste Hard-Rock-Darbietung einbrachte, oder das epische „Warsaw or the First Profession of Many“, das live oft zu einer viertelstündigen Improvisationsorgie ausgebaut wurde. Ein besonderes Vorkommnis während ihrer Konzerte war die schiere Spielfreude: Oft wirkten die drei Musiker wie kleine Jungs in einem Proberaum, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen anstachelten, während das Publikum fassungslos vor der Bühne stand.
Meilensteine und das monumentale Debüt
Die Band operierte anfangs unter extremer Geheimhaltung. Erst im Sommer 2009 verdichteten sich die Hinweise, als erste kleine Clubkonzerte angekündigt wurden. Das selbstbetitelte Debütalbum „Them Crooked Vultures“, das im November 2009 erschien, schlug ein wie eine Bombe. Es war kein Album der schnellen Hits, sondern ein komplexes Werk voller Tempowechsel, ungerader Takte und hypnotischer Melodien.
Bedeutende Werke des Albums sind Songs wie „New Fang“, der der Band prompt einen Grammy für die beste Hard-Rock-Darbietung einbrachte, oder das epische „Warsaw or the First Profession of Many“, das live oft zu einer viertelstündigen Improvisationsorgie ausgebaut wurde. Ein besonderes Vorkommnis während ihrer Konzerte war die schiere Spielfreude: Oft wirkten die drei Musiker wie kleine Jungs in einem Proberaum, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen anstachelten, während das Publikum fassungslos vor der Bühne stand.
Zusammenarbeit und musikalische Netzwerke
Die Vernetzung der Mitglieder innerhalb der Musikwelt ist beispiellos. Josh Homme arbeitete im Rahmen seiner „Desert Sessions“ mit fast jedem namhaften Musiker der Alternative-Szene zusammen, darunter PJ Harvey und Mark Lanegan. Dave Grohl trommelte für Nine Inch Nails, Killing Joke und Queens of the Stone Age. John Paul Jones wiederum produzierte Künstler wie REM oder Butthole Surfers und arrangierte Streicher für die Rolling Stones.
Diese kollektive Erfahrung floss in Them Crooked Vultures ein. Live wurde die Band oft von Alain Johannes unterstützt, einem langjährigen Weggefährten von Homme, der an der Gitarre und den Keyboards für den nötigen Teppich sorgte, über dem die drei Stars solieren konnten. Die Synergie zwischen diesen Musikern basiert auf einem tiefen Verständnis für Dynamik und Struktur, was dazu führte, dass die Band trotz ihrer Komplexität nie den Groove verlor.
Besondere Momente und Live-Ekstase
Ein unvergessener Moment in der kurzen, aber intensiven Geschichte der Band war ihr Auftritt beim Glastonbury Festival oder beim Roskilde Festival. Hier zeigte sich die wahre Natur der „Vultures“. Während viele Supergroups live oft hölzern wirken, entwickelten sie eine fast schon gefährliche Energie. Es gab Berichte von Konzerten, bei denen Dave Grohl so hart trommelte, dass er nach dem Set medizinisch versorgt werden musste, während John Paul Jones mit einer stoischen Ruhe Bassläufe spielte, die technisch an der Grenze des Machbaren lagen.
Obwohl es seit 2010 keine neuen Veröffentlichungen mehr gab, bleibt die Hoffnung der Fans bestehen. Die Musiker betonten in Interviews immer wieder, dass sie tonnenweise Material aufgenommen hätten und eine Rückkehr nie ausgeschlossen sei. Ein kurzes Revival gab es 2022 bei den Taylor Hawkins Tribute Concerten in London und Los Angeles, wo die Band nach über einem Jahrzehnt erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne stand – ein Gänsehautmoment für jeden Rockfan.
Diskografie
Studioalben
2009: Them Crooked Vultures (Erschienen bei Interscope / RCA)
Singles und EPs
2009: New Fang
2009: Mind Eraser, No Chaser
2010: Dead End Friends
Live-Aufnahmen und Bootlegs (Auswahl)
2010: Live at Reading Festival (Offizieller Mitschnitt)
2009: iTunes Live from London
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Wikipedia, Rolling Stone Magazin, Visions, Laut.de, New Musical Express, Rock Hard, Metal Hammer, Biografie Josh Homme, Interview-Archiv Dave Grohl, Official Led Zeppelin Archive
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