The White Stripes performing live at Shinjuku Jam in Shinjuku, Tokyo in 2000.
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The White Stripes performing live at Shinjuku Jam in Shinjuku, Tokyo in 2000.
Masao Nakagami, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons

Eine Explosion in Rot, Weiß und Schwarz: Die Ära der White Stripes

Es ist das Jahr 1997 in der rauen Industriekulisse von Detroit, Michigan. In einer Zeit, in der die Musikwelt von poliertem Pop und überproduzierten Nu-Metal-Klängen dominiert wird, geschieht etwas Unerwartetes in einer kleinen Garage. Ein Mann und eine Frau, beide in striktes Rot, Weiß und Schwarz gekleidet, treten an die Instrumente. Es gibt keinen Bassisten, keine Keyboarder, keine Effekt-Hascherei. Nur eine scheppernde Gitarre und ein minimalistisches Schlagzeug, das wie ein Herzschlag pulsiert. Dies ist die Geburtsstunde der White Stripes, einer Formation, die den Rock ’n’ Roll nicht nur wiederbeleben, sondern ihn bis auf die Knochen entblößen sollte. Von Anfang an umgab das Duo eine Aura des Geheimnisvollen, die durch ihre strikte optische Ästhetik und ihre verwirrenden biografischen Angaben befeuert wurde.

 

Das Mysterium der Geschwisterliebe und die Wahrheit hinter den Kulissen

Lange Zeit hielten die White Stripes die Welt in dem Glauben, sie seien das jüngste Geschwisterpaar einer großen Familie. Jack und Meg White inszenierten diese Unschuld mit einer fast kindlichen Freude an der Täuschung. Doch die Realität sah anders aus und sorgte für einen der ersten großen medialen Wirbel der Bandgeschichte. In Wahrheit waren die beiden ein geschiedenes Ehepaar. Sie hatten am 21. September 1996 geheiratet. Jack, der mit bürgerlichem Namen John Anthony Gillis hieß, nahm bei der Hochzeit entgegen aller Traditionen den Nachnamen seiner Frau an. Die Ehe hielt nicht lange, und am 2. Februar 2000 folgte die Scheidung. Doch statt die Band aufzulösen, entschieden sie sich, ihre künstlerische Verbindung zu vertiefen und das Image der Geschwister aufrechtzuerhalten, um den Fokus auf die Musik und nicht auf ihre private Vergangenheit zu lenken.

 

Jack White: Der rastlose Architekt des analogen Klangs

Jack White wurde am 9. Juli 1975 in Detroit als jüngstes von zehn Kindern geboren. Seine Eltern, Teresa und Gorman Gillis, arbeiteten für die katholische Erzdiözese, was Jacks Kindheit prägte – er war zeitweise sogar Messdiener und zog in Erwägung, Priester zu werden. Doch die Musik war stärker. Seine erste Ehe mit Meg blieb kinderlos. Nach der Trennung und dem Erfolg der Band heiratete er am 1. Juni 2005 das britische Model Karen Elson auf einem Kanu im Amazonas. Mit ihr hat er zwei Kinder: die Tochter Scarlett Teresa White, geboren am 2. Mai 2006, und den Sohn Henry Lee White, der am 7. August 2007 das Licht der Welt erblickte. Diese Ehe endete 2013 offiziell mit einer Scheidung, die für Schlagzeilen sorgte, da es gerichtliche Auseinandersetzungen um das Annäherungsverbot gab. In dritter Ehe ist er seit 2022 mit der Musikerin Olivia Jean verheiratet, der er auf der Bühne während eines Konzerts in Detroit den Antrag machte. Jack gilt als Workaholic, der nicht nur bei den White Stripes, sondern auch mit The Raconteurs und The Dead Weather sowie als Solokünstler Meilensteine setzte.

 

Meg White: Die scheue Seele hinter dem Schlagzeug

Megan Martha White wurde am 10. Dezember 1974 in Grosse Pointe Farms, Michigan, geboren. Sie ist die Tochter von Catherine und Walter White. Im Gegensatz zum extrovertierten Jack blieb Meg stets die rätselhafte, fast schüchterne Komponente des Duos. Ihr Schlagzeugspiel wurde oft als primitiv kritisiert, doch genau dieser minimalistische Stil war das Fundament des White-Stripes-Sounds. Meg war nach der Scheidung von Jack ebenfalls erneut verheiratet. Am 22. Mai 2009 ehelichte sie Jackson Smith, den Sohn der Punk-Legende Patti Smith, in Jacks Hinterhof in Nashville. Diese Ehe wurde im Jahr 2013 geschieden. Meg hat keine Kinder und hat sich nach der Auflösung der Band im Jahr 2011 fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, was immer wieder Spekulationen über ihren Gesundheitszustand und ihre soziale Phobie nährte, die letztlich auch zum Ende der Band beigetragen haben soll.

Mentoren und die Geister des Blues

Die White Stripes entstanden nicht im luftleeren Raum. Jack White hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine Wurzeln tief im Delta-Blues graben. Als seine größten Vorbilder nennt er Legenden wie Son House und Blind Willie McTell. Die Rohheit des frühen Blues, kombiniert mit der Energie von Punk-Bands wie The Stooges oder den Gories aus ihrer Heimatstadt Detroit, bildete das Rückgrat ihrer Musik. Auch Bob Dylan und Led Zeppelin hinterließen deutliche Spuren in Jacks Songwriting. Diese Einflüsse führten dazu, dass die Band eine Brücke schlug zwischen der jahrhundertealten Tradition des Blues und dem modernen Garage-Rock des 21. Jahrhunderts.

 

Der steinige Weg zum Ruhm und die ersten Meilensteine

Nach ihrem selbstbetitelten Debüt im Jahr 1999 und dem Nachfolger „De Stijl“ (2000), der dem niederländischen Kunststil gewidmet war, gelang ihnen 2001 mit „White Blood Cells“ der internationale Durchbruch. Songs wie „Fell in Love with a Girl“ katapultierten sie ins Rampenlicht. Doch der wahre Gigant folgte 2003 mit dem Album „Elephant“. Es wurde in einem Londoner Studio mit Equipment aufgenommen, das ausschließlich älter als aus dem Jahr 1963 war. Hierauf befindet sich der Song, den heute jedes Kind kennt: „Seven Nation Army“. Das markante Riff, das Jack auf einer halbakustischen Kay Hollowbody Gitarre spielte, entwickelte sich zu einer globalen Hymne, die heute in Fußballstadien auf der ganzen Welt gesungen wird.

Skandale, Handgreiflichkeiten und psychische Belastungen

Wo Erfolg ist, ist Reibung oft nicht weit. Im Jahr 2003 geriet Jack White in die Schlagzeilen, als er sich in einem Detroiter Club eine heftige körperliche Auseinandersetzung mit Jason Stollsteimer, dem Sänger der Band The Von Bondies, lieferte. Die Bilder von Stollsteimers verletztem Gesicht gingen durch die Presse, und Jack musste sich wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Ein weiterer Schatten legte sich 2007 auf die Band, als sie eine geplante Tournee aufgrund von Megs massiven Angstzuständen absagen mussten. Dieser Vorfall markierte den Anfang vom Ende der Band, da Meg sich zunehmend unwohl unter dem Druck der Weltöffentlichkeit fühlte.

 

Besondere Momente und kuriose Rekorde

Die White Stripes waren bekannt für ihre unvorhersehbaren Live-Shows. Ein denkwürdiges Ereignis war ihre Tour durch Kanada im Jahr 2007, bei der sie an jedem Ort spielten – von Bowlingbahnen bis hin zu Fischerbooten. In Neufundland gaben sie das „kürzeste Konzert der Welt“: Sie betraten die Bühne, spielten eine einzige Note auf der Gitarre und ein Beckenschlag am Schlagzeug und verließen die Bühne wieder mit den Worten „Wir haben jetzt jede Provinz in Kanada bespielt“. Solche Aktionen zementierten ihren Ruf als exzentrische Künstler, denen Konventionen völlig gleichgültig waren.

Kooperationen und musikalische Verflechtungen

Obwohl die White Stripes als Duo agierten, war Jack White ein Meister der Vernetzung. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Country-Legende Loretta Lynn. Jack produzierte 2004 ihr preisgekröntes Album „Van Lear Rose“, was zu einer tiefen Freundschaft zwischen dem ungleichen Paar führte. Auch mit den Rolling Stones stand er gemeinsam auf der Bühne, wie im Konzertfilm „Shine a Light“ von Martin Scorsese zu sehen ist. Darüber hinaus arbeitete er mit Künstlern wie Beck, Alicia Keys (für den James-Bond-Song „Another Way to Die“) und Jimmy Page zusammen, mit dem er gemeinsam im Dokumentarfilm „It Might Get Loud“ auftrat.

Das Ende einer Ära und das Erbe

Am 2. Februar 2011 gaben die White Stripes offiziell ihre Auflösung bekannt. Sie erklärten, dass es keine künstlerischen Differenzen oder gesundheitliche Probleme gegeben habe, sondern sie die Band in ihrer Schönheit und Einzigartigkeit bewahren wollten. Seitdem gab es keine Reunion. Jack White führt sein Label Third Man Records und veröffentlicht regelmäßig Archivmaterial der Band, um das Erbe zu pflegen. Im Jahr 2026 brodeln zwar wie jedes Jahr Gerüchte über ein Comeback zum 25-jährigen Jubiläum wichtiger Meilensteine, doch offizielle Pläne für eine Rückkehr auf die Bühne oder gar Tourdaten existieren zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die Stille von Meg White bleibt das letzte große Rätsel dieser außergewöhnlichen Band.

 

Diskografie der White Stripes

Studioalben

  • 1999: The White Stripes

  • 2000: De Stijl

  • 2001: White Blood Cells

  • 2003: Elephant

  • 2005: Get Behind Me Satan

  • 2007: Icky Thump

Live-Alben und Kompilationen

  • 2010: Under Great White Northern Lights

  • 2011: Live in Mississippi

  • 2012: Live at the Gold Dollar

  • 2013: Nine Miles from the White City

  • 2015: Under Amazonian Lights

  • 2020: The White Stripes Greatest Hits

Wichtige Singles und EPs

  • 1998: Let’s Shake Hands

  • 1998: Lafayette Blues

  • 1999: The Big Three Killed My Baby

  • 2000: Hello Operator

  • 2001: Hotel Yorba

  • 2002: Fell in Love with a Girl

  • 2002: Dead Leaves and the Dirty Ground

  • 2002: Red Death at 6:14

  • 2003: Seven Nation Army

  • 2003: I Just Don’t Know What to Do with Myself

  • 2003: The Hardest Button to Button

  • 2004: There’s No Home for You Here

  • 2004: Jolene (Live)

  • 2005: Blue Orchid

  • 2005: My Doorbell

  • 2005: The Denial Twist

  • 2007: Icky Thump

  • 2007: Rag and Bone

  • 2007: You Don’t Know What Love Is (You Just Do as You’re Told)

  • 2008: Conquest

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia, Laut.de, Rolling Stone Magazine, Third Man Records Archive, ByteFM, Musikexpress, Last.fm, The Guardian, Spiegel Kultur.

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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