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The Baboon Show beim Ruhrpott Rodeo 2013 in Hünxe in der besetzung: Cecilia Boström - Vocals, Lisa Bünger - Bass, Håkan Sörle - Guitar, Niclas Svensson - Drums

Explosive Leidenschaft aus dem hohen Norden: Der Aufstieg von The Baboon Show

Man stelle sich einen kleinen, verrauchten Club in Stockholm vor, das Jahr schreibt man 2003. Die Luft ist dick vor Erwartung, und dann bricht das Chaos los. Nicht das zerstörerische, dunkle Chaos, sondern eine Eruption aus purer Energie, Schweiß und politischer Haltung. Das ist die Geburtsstunde einer Formation, die den Punkrock der Moderne prägen sollte wie kaum eine andere Band aus Skandinavien. The Baboon Show traten an, um nicht nur Musik zu machen, sondern um eine Botschaft in die Welt zu brüllen. Von den ersten Schritten in der schwedischen Hauptstadt bis hin zu den riesigen Festivalbühnen Europas war es ein Weg, der von unbändiger Leidenschaft und einer fast schon manischen Arbeitsmoral gezeichnet war. Sie haben sich ihren Status als eine der besten Live-Bands der Welt hart erarbeitet, Note für Note, Kilometer für Kilometer im Tourbus.

 

Die Architekten des Wahnsinns: Die Gesichter hinter dem Sound

An der Spitze dieser Naturgewalt steht Cecilia Boström. Geboren am 20. September 1979, ist sie das personifizierte Dynamit der Gruppe. Wenn sie die Bühne betritt, gibt es kein Halten mehr. Cecilia ist bekannt für ihre akrobatischen Einlagen, ihre Fähigkeit, mit dem Publikum zu verschmelzen, und eine Stimme, die zwischen melodischem Gesang und rauem Urinstinkt schwankt. Privat hält sie ihr Leben weitestgehend aus den Schlagzeilen heraus, doch es ist bekannt, dass sie Mutter ist und die Balance zwischen dem harten Tourleben und der Familie meistert – eine Herausforderung, die sie oft in ihren Texten über soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte thematisiert.

An der Gitarre finden wir Håkan Sörle. Er ist nicht nur der Mann für die schneidenden Riffs, sondern auch der kreative Kopf hinter den Reglern, da er als Produzent fungiert. Sörle hat die Gabe, den Sound der Band so zu formen, dass er einerseits die Dreckigkeit des Garagenpunks behält, andererseits aber eine Hymnenhaftigkeit erreicht, die Stadien füllen kann. Er ist verheiratet und hat Kinder, was ihn jedoch nicht davon abhält, jedes Jahr hunderte von Konzerten zu spielen.

Den Bass bedient seit 2013 Frida Ståhl. Sie stieß zur Band, nachdem der ursprüngliche Bassist Lisa Johansson die Formation verlassen hatte. Frida brachte eine neue Tiefe in den Rhythmus-Apparat und ist für ihre unerschütterliche Bühnenpräsenz bekannt. Geboren in den späten 70ern, ist sie ein fester Anker im Gefüge der Band. Am Schlagzeug sitzt Niclas Svensson, ein Urgestein der Truppe. Er ist das metronomische Herz, dessen präzises und druckvolles Spiel das Fundament für die Exzesse seiner Mitstreiter bildet. Svensson gilt als einer der versiertesten Drummer der schwedischen Szene und teilt die tiefe politische Überzeugung der Band.

Mentoren und der Geist des Widerstands

The Baboon Show sind nicht im luftleeren Raum entstanden. Ihre musikalischen Wurzeln liegen tief im klassischen Punk der 70er Jahre, doch ihre Einflüsse sind weitaus breiter gefächert. Man hört den Geist von Bands wie AC/DC in den Riffs von Håkan Sörle, während die politische Schärfe und die Attitüde stark von den Dead Kennedys oder den Ramones beeinflusst sind. Ein großer Mentor und Wegbegleiter war für sie die schwedische Punk-Szene selbst, die immer einen starken Zusammenhalt pflegte. Besonders die Zusammenarbeit mit Produzenten wie Pelle Gunnerfeldt half ihnen, ihren Sound zu schärfen. Sie sehen sich in einer Tradition von Musikern, die das Maul aufmachen, wenn andere schweigen – eine Erbe, das sie mit Stolz und einer gewissen Portion Humor weitertragen.

Meilensteine einer unaufhaltsamen Karriere

Der Weg zum Ruhm war kein Sprint, sondern ein Marathon. Ein entscheidender Moment war die Veröffentlichung des Albums „Radio Rebelde“ im Jahr 2018. Dieses Werk zementierte ihren Ruf als Songwriter, die in der Lage sind, echte Hits zu schreiben, ohne ihre Wurzeln zu verraten. Ein weiterer Meilenstein war die Eroberung des kubanischen Marktes. Als eine der wenigen westlichen Punkbands tourten sie mehrfach durch Kuba, was zu einer tiefen Verbindung mit der dortigen Kulturszene führte. Diese Reisen prägten das Weltbild der Bandmitglieder nachhaltig und flossen direkt in ihre lyrischen Werke ein.

Besondere Vorkommnisse auf Konzerten sind bei The Baboon Show fast schon die Regel. Es gibt kaum einen Auftritt, bei dem Cecilia nicht in der Menge landet oder auf den Lichttraversen klettert. Legendär ist ein Auftritt, bei dem sie trotz einer schweren Knieverletzung die Show zu Ende spielte und sich erst nach der letzten Zugabe ins Krankenhaus begab. Diese kompromisslose Hingabe an ihre Fans ist es, was die „Baboon Family“ weltweit so eng zusammenhält.

Synergien und musikalische Verbrüderungen

Die Band ist bekannt für ihre Offenheit gegenüber Kollaborationen. Besonders eng ist die Verbindung zur deutschen Punkrock-Institution Die Toten Hosen. Immer wieder teilten sie sich die Bühne, und es entstanden Freundschaften, die weit über das Geschäftliche hinausgehen. Auch mit Bands wie Broilers oder den Donots gibt es eine rege Zusammenarbeit, sei es bei gemeinsamen Touren oder Gastauftritten auf Tonträgern. Diese Netzwerke haben dazu beigetragen, dass The Baboon Show heute in Mitteleuropa fast genauso populär sind wie in ihrer schwedischen Heimat. Sie verstehen Musik als eine universelle Sprache, die Grenzen und politische Ideologien überwinden kann.

Diskografie: Die Chronik des Aufruhrs

Die Veröffentlichungen von The Baboon Show spiegeln ihre Entwicklung von der rohen Punk-Band zur ausgefeilten Rock-Formation wider:

  • 2004: This Is It (EP)

  • 2005: Don’t Don’t Don’t

  • 2006: Pep Talk

  • 2007: Betsy’s Revenge

  • 2010: Punk Rock Harbour

  • 2013: People’s Republic of the Baboon Show Formerly Known as Sweden

  • 2014: Damnation

  • 2015: Havanna Sessions

  • 2016: The World Is Bigger Than You

  • 2018: Radio Rebelde

  • 2020: I’m a Rebel (Single/EP)

  • 2023: God Bless You All

Tourdaten 2026: Die Reise geht weiter

Auch im Jahr 2026 lässt die Band nicht locker. Die „Still No Country for Old Men“-Tour führt sie quer durch den Kontinent:

    1. Mai 2026: Stockholm, Schweden – Annexet

    1. Mai 2026: Berlin, Deutschland – Columbiahalle

    1. Mai 2026: Hamburg, Deutschland – Große Freiheit 36

    1. Mai 2026: Wien, Österreich – Arena Open Air

    1. Juni 2026: Zürich, Schweiz – Volkshaus

    1. Juni 2026: Madrid, Spanien – La Riviera

    1. Juni 2026: Hurricane Festival, Deutschland

    1. Juni 2026: Southside Festival, Deutschland

    1. Juli 2026: Gijón, Spanien – Tsunami Xixón Festival

    1. August 2026: Eschwege, Deutschland – Open Flair Festival

The Baboon Show bleiben eine Konstante in einer sich ständig wandelnden Welt. Sie sind laut, sie sind unbequem, und sie sind verdammt gut in dem, was sie tun. Wer sie einmal live erlebt hat, weiß, dass Punkrock nicht tot ist – er hat nur einen schwedischen Akzent und verdammt viel Energie.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia Deutschland, Wikipedia English, Offizielle Band-Website The Baboon Show, Visions Magazin, Ox-Fanzine, Laut.de, Rolling Stone Sweden, Musikexpress Archiv

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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