Frank Schwichtenberg, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
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Nazareth beim Wacken Open Air 2018

Schottischer Stahl und die Geburtsstunde einer Legende

Es ist das Jahr 1968 in Dunfermline, einer geschäftigen Stadt in Schottland, in der die Luft oft so rau ist wie die Stimmen der Männer in den lokalen Pubs. Inmitten dieser Kulisse finden sich vier Musiker zusammen, die zuvor unter dem Namen „The Shadettes“ durch die Lande gezogen waren. Pete Agnew, Dan McCafferty, Darrell Sweet und Manny Charlton spüren, dass die Zeit des Coverns vorbei ist. Sie wollen etwas Eigenes schaffen, etwas Lauteres, Dreckigeres. Die Legende besagt, dass die Namensänderung zu Nazareth in einer Hotelbar beschlossen wurde, als der Song „The Weight“ von The Band lief und die Zeile über Nazareth, Pennsylvania, durch den Raum schallte. Es war ein Moment des Aufbruchs. Die vier Schotten ließen ihre Heimat hinter sich und zogen nach London, bewaffnet mit wenig Geld, aber einem unerschütterlichen Glauben an ihren Sound. Dieser Mut sollte belohnt werden, denn sie trafen auf Mentoren wie Roger Glover von Deep Purple, der ihr Potenzial erkannte und als Produzent den rohen Diamanten Nazareth den nötigen Schliff gab, ohne ihm die Ecken und Kanten zu nehmen.

Der raue Charme des Durchbruchs und der Weg in den Rock-Olymp

Der internationale Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mit dem Album „Razamanaz“ im Jahr 1973 katapultierte sich die Band in die vorderste Reihe des Hard Rock. Dan McCaffertys unverkennbare, Reibeisen-artige Stimme wurde zum Markenzeichen einer ganzen Generation. Ein besonderer Meilenstein war die Veröffentlichung von „Hair of the Dog“ im Jahr 1975. Der Titelsong wurde zu einer Hymne, während ihre Interpretation der Ballade „Love Hurts“ bewies, dass diese harten Kerle auch die zartesten Saiten der menschlichen Seele zum Schwingen bringen konnten. Auf den Bühnen der Welt waren sie bekannt für ihre unbändige Energie. Legendär sind die Momente, in denen McCafferty, oft mit einem Glas Whiskey in der Hand, die Menge in Ekstase versetzte. Es gab jedoch auch kuriose Zwischenfälle: Einmal lehnten sie die Einladung von Axl Rose ab, auf seiner Hochzeit zu spielen, was dem Respekt der Rock-Community keinen Abbruch tat – im Gegenteil, Guns N‘ Roses coverten später ehrfürchtig ihre Songs.

Tragödien hinter den Kulissen und der Wille zum Weitermachen

Doch wo viel Licht ist, fallen auch tiefe Schatten. Das Schicksal schlug 1999 erbarmungslos zu, als der Gründungs-Schlagzeuger Darrell Sweet kurz vor einem Konzert in den USA an einem Herzinfarkt verstarb. Dieser Verlust riss ein tiefes Loch in das Gefüge der Band, doch sie entschieden sich, sein Erbe fortzuführen. Lee Agnew, der Sohn des Bassisten Pete Agnew, übernahm die Stöcke – ein familiärer Schulterschluss in schwerster Stunde. Die Jahre forderten weiteren Tribut: 2013 musste Dan McCafferty aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklären, da eine chronische Lungenerkrankung ihm das Atmen auf der Bühne unmöglich machte. Sein Tod im Jahr 2022 markierte das Ende einer Ära, kurz nachdem auch der einstige Weggefährte Manny Charlton verstorben war. Diese Schicksalsschläge hätten jede andere Band zerbrechen lassen, doch Pete Agnew, das letzte verbliebene Gründungsmitglied, hielt das Banner von Nazareth hoch, getragen von der tiefen Verbundenheit zu seinen verstorbenen Freunden und der Liebe zur Musik.

Die Akteure auf und abseits der Bühne

Pete Agnew, geboren am 14. September 1946 in Dunfermline, ist der ruhende Pol der Band. Seit Jahrzehnten hält er den Bass und das Rückgrat der Gruppe zusammen. Er ist verheiratet und stolzer Vater, wobei die Zusammenarbeit mit seinem Sohn Lee bei Nazareth für ihn eine besondere emotionale Bedeutung hat. Dan McCafferty, der am 14. Oktober 1946 zur Welt kam und am 8. November 2022 verstarb, hinterließ seine Ehefrau Maryann und zwei Kinder. Er war die Stimme, die Nazareth unsterblich machte. Darrell Sweet, geboren am 16. Mai 1947 und verstorben am 30. April 1999, war nicht nur der Taktgeber, sondern auch ein enger Vertrauter der Bandmitglieder. Manny Charlton, der am 25. Juli 1941 geboren wurde und am 5. Juli 2022 von uns ging, prägte mit seinem Gitarrenspiel den klassischen Sound der 70er Jahre. In der aktuellen Besetzung von 2026 finden wir neben Pete und Lee Agnew den langjährigen Gitarristen Jimmy Murrison, der bereits seit 1994 dabei ist, sowie den neuen Frontmann Gianni Pontillo, der 2026 die Nachfolge von Carl Sentance antrat und mit seiner gewaltigen Stimme ein neues Kapitel aufschlägt.

Netzwerke und musikalische Verbrüderungen

Nazareth waren nie eine isolierte Insel. Ihre Geschichte ist eng mit anderen Giganten verknüpft. Neben der tiefen Freundschaft zu Deep Purple, die sich in gemeinsamen Tourneen und Glovers Produktionsarbeit äußerte, gab es zahlreiche Kollaborationen. In den frühen Jahren arbeiteten sie mit Musikern wie Dave Stewart oder B.J. Cole zusammen. Auch mit Bands wie Foghat oder Molly Hatchet verbinden sie jahrzehntelange Freundschaften und gemeinsame Tour-Erlebnisse. Diese Verbindungen waren oft mehr als nur geschäftlich; sie waren geprägt von gegenseitigem Respekt und der geteilten Leidenschaft für den ehrlichen Rock ’n‘ Roll. Selbst moderne Rockstars wie Slash zählten zu ihren Bewunderern, was die zeitlose Relevanz ihres Schaffens unterstreicht.

Die Diskografie der schottischen Rock-Instanz

Studioalben: Nazareth (1971) Exercises (1972) Razamanaz (1973) Loud ’n‘ Proud (1973) Rampant (1974) Hair of the Dog (1975) Close Enough for Rock ’n‘ Roll (1976) Play ’n‘ the Game (1976) Expect No Mercy (1977) No Mean City (1979) Malice in Wonderland (1980) The Fool Circle (1981) 2XS (1982) Sound Elixir (1983) The Catch (1984) Cinema (1986) Snakes ’n‘ Ladders (1989) No Jive (1991) Move Me (1994) Boogaloo (1998) The Newz (2008) Big Dogz (2011) Rock ’n‘ Roll Telephone (2014) Tattooed on My Brain (2018) Surviving the Law (2022)

 

Live-Alben (Auswahl): ‚Snaz (1981) BBC Radio 1 Live in Concert (1991) Live at the Beeb (1998) Homecoming (2002) Alive & Kicking (2003) Live in Brazil (2007)

Wichtige Kompilationen: Greatest Hits (1975) Hot Tracks (1976) The Ballad Album (1985) The Singles Collection (1990) The Anthology (2009)

Still Rockin‘ Hard – Die Tourdaten 2026

21.03.2026 – Hallstadt, Vamos 22.03.2026 – Reutlingen, Stadthalle 24.03.2026 – Unna, Kühlschiff 25.03.2026 – Zwickau, Club Seilerstraße 27.03.2026 – Kiel, Räucherei 28.03.2026 – Neubrandenburg, HKB 30.03.2026 – Gießen, Kongresshalle 01.04.2026 – Augsburg, Spectrum 03.04.2026 – Heidelberg, Karlstorbahnhof 05.04.2026 – Heidelberg, Karlstorbahnhof (Zusatztermin) 06.04.2026 – Saarbrücken, Garage 08.04.2026 – Konstanz, Kulturladen 20.06.2026 – Graz (AT), Kasematten 10.12.2026 – Trier, Forum Club 11.12.2026 – Essen, Turock 13.12.2026 – Erfurt, Messe 14.12.2026 – Böhlen, Kulturhaus 16.12.2026 – Frankfurt, Zoom 17.12.2026 – Berlin, Uber Eats Music Hall

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia, Eventim, Loudersound, Ultimate Classic Rock, Last.fm, WikiTree, Recordsale, JazzRockSoul

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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