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Nina Hagen, Sängerin, auf dem 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden, Juni 2011

Der Trip der Schamanin: Ein wilder Ritt durch das Universum der Nina Hagen

Die Auferstehung im Morgengrauen: Happy Birthday, Hohepriesterin!

Hört zu, ihr Landratten und Stubenhocker! Wir schreiben den 11. März 2026. Während die Welt draußen im digitalen Sumpf versinkt und sich die Algorithmen gegenseitig die Köpfe einschlagen, gibt es einen Grund, die Champagnerkorken knallen zu lassen, bis das Gebälk zittert. Nina Hagen, die Frau, die den Punk nicht nur erfunden, sondern ihn höchstpersönlich im Hinterhof der Geschichte getauft hat, wird heute 71. Wer hätte das gedacht? Die Frau, die schon mehr Leben gelebt hat als eine ganze Katzenkolonie in Kreuzberg, steht immer noch aufrecht in der Brandung des Wahnsinns. Sie ist die Mutter aller Gören, die außerirdische Botschafterin und die einzige Person, die es schafft, Gott und Ufos in einem Satz zu erwähnen, ohne dass man sie sofort in eine Zwangsjacke steckt.

Geboren wurde dieses bunte Wunder am 11. März 1955 in Berlin-Friedrichshain. Damals ahnte wohl niemand, dass dieses kleine Mädchen mit der Stimme einer Sirene und der Attitüde einer Dampfwalze die deutsche Musiklandschaft erst in Schutt und Asche legen und dann neu aufbauen würde. Heute feiern wir sie, nicht nur als Relikt einer vergangenen Ära, sondern als lebendes, atmendes Mahnmal für die absolute Freiheit.

Das Fundament des Wahnsinns: Von der DDR in den Punk-Himmel

Man darf nicht vergessen, woher diese Urgewalt kam. Nina wuchs im Schatten der Mauer auf, in einem System, das Individualität so sehr schätzte wie eine Fußpilzinfektion. Ihr Vater, Hans Hagen, war ein Drehbuchautor, doch der wahre Funke kam von ihrer Mutter, der legendären Eva-Maria Hagen. Und dann war da noch Wolf Biermann. Ja, der Mann, der die DDR-Oberen so sehr nervte, dass sie ihn kurzerhand vor die Tür setzten. Biermann war mehr als nur ein Stiefvater; er war ein Mentor, ein geistiger Brandstifter, der Nina zeigte, dass Kunst eine Waffe sein kann.

Als Biermann 1976 ausgebürgert wurde, packte Nina ihre Koffer. Sie wollte nicht bleiben, wo der Geist eingesperrt wurde. In London sog sie den Punk auf wie ein Schwamm. Sie sah die Sex Pistols, sie sah das Chaos und sie wusste: Das ist es. Das ist die Musik, die meine Seele braucht. Zurück in West-Berlin suchte sie sich die Jungs, die später als Spliff Musikgeschichte schreiben sollten, und gründete die Nina Hagen Band. Das war der Urknall. 1978 kam das erste Album raus, und Deutschland war schockiert. „TV-Glotzer“, „Auf’m Bahnhof Zoo“ – das waren keine Lieder, das waren Drohgebärden.

Die Architekten des Krachs: Die Nina Hagen Band

Lassen wir uns über die Männer sprechen, die diesen Wahnsinn musikalisch untermauerten. Das war keine bloße Begleitkapelle, das war eine Präzisionsmaschine aus Fleisch und Blut.

Bernhard Potschka an der Gitarre war ein Magier, der Riffs abfeuerte, die wie Granateneinschläge wirkten. Er brachte die nötige Härte in den Sound, die Ninas exaltierten Gesang erst richtig zur Geltung brachte. Dann hatten wir Manfred „Manne“ Praeker am Bass. Ein Mann wie ein Fels, der den Rhythmus so tief in den Boden rammte, dass man ihn in den Knochen spürte. Praeker verstarb leider viel zu früh im Jahr 2012, ein herber Verlust für die deutsche Rockwelt.

Herwig Mitteregger saß am Schlagzeug. Er war der Motor, der Takte vorgab, die gleichzeitig peitschend und verspielt waren. Und last but not least: Reinhold Heil an den Keyboards. Er webte diese atmosphärischen Teppiche, auf denen Nina ihre stimmlichen Eskapaden vollführen konnte. Diese vier Jungs waren so gut, dass sie sich nach dem Bruch mit Nina als Spliff selbst in den Olymp spielten. Aber in diesen zwei Jahren von 1978 bis 1979 waren sie die perfekte Ergänzung zu Ninas unberechenbarem Genie. Es war eine Liaison aus Feuer und Dynamit, die zwangsläufig explodieren musste.

Skandale, Sperma und der heilige Geist

Wenn man über Nina Hagen schreibt, kann man die Skandale nicht einfach unter den Teppich kehren. Das wäre so, als würde man versuchen, die Sonne mit einer Sonnenbrille zu löschen. Wer erinnert sich nicht an den legendären Auftritt im österreichischen Fernsehen in der Sendung „Club 2“ im Jahr 1979? Nina saß da, diskutierte über Masturbation und demonstrierte verschiedene Stellungen – wohlgemerkt voll bekleidet, aber mit einer Intensität, die die bürgerliche Gesellschaft an den Rand des Nervenzusammenbruchs trieb. Es war eine Sternstunde des Fernsehens, eine Demonstration weiblicher Selbstbestimmung, die heute noch ihresgleichen sucht.

Oder ihre Wandlung zur UFO-Gläubigen und später zur wiedergeborenen Christin. Viele lachten, nannten sie verrückt. Aber für Nina war das kein PR-Gag. Es war ihre Suche nach der Wahrheit, nach etwas Größerem als dem grauen Alltag. Sie hat nie eine Maske getragen, sie hat ihre innersten Überzeugungen immer nach außen gekehrt, egal wie bizarr sie wirkten. Das ist echter Punk – sich nicht darum zu scheren, was die anderen denken, auch wenn man gerade von Außerirdischen erzählt, die den Weltfrieden bringen wollen.

Meilensteine einer rastlosen Seele

In den 80ern zog es sie in die USA. Alben wie „NunSexMonkRock“ zeigten eine Nina, die alle Grenzen sprengte. Operngesang vermischte sich mit Hardrock, Reggae mit Punk. Sie arbeitete mit Größen wie Giorgio Moroder zusammen, experimentierte mit Synthesizern und blieb dabei immer unverkennbar Nina. Ein bedeutendes Werk dieser Zeit ist sicherlich „Angstlos“, das die Tanzflächen von New York bis Berlin eroberte.

Ein besonderes Vorkommnis, das ihre Unberechenbarkeit unterstreicht, war ihre Weigerung, sich den Regeln der Musikindustrie zu beugen. Sie kündigte Verträge, stritt sich mit Managern und blieb sich dabei immer treu. Ihre Konzerte waren keine simplen Shows, es waren rituelle Messen. Ich erinnere mich an Berichte, in denen sie mitten im Song stoppte, um das Publikum über die Gefahren der Atomkraft aufzuklären oder spontan ein Gebet für den Weltfrieden anzustimmen. Man wusste nie, was man bekommt, aber man wusste, dass es echt war.

Männer, Kinder und die Stürme des Lebens

Ninas Privatleben liest sich wie ein Roman von Dostojewski, nur mit mehr Glitzer und weniger Wodka – obwohl, wer weiß das schon so genau? Ihre erste große Liebe war der Musiker Ferdinand Karmelk, mit dem sie ihre Tochter Cosma Shiva Hagen bekam, die heute selbst eine gefeierte Schauspielerin ist. Cosma wurde am 17. Mai 1981 geboren und ist vielleicht das stabilste Element in Ninas turbulentem Kosmos.

Dann kam die Ehe mit dem 15 Jahre jüngeren David Lynn im Jahr 1996, eine Verbindung, die das Jahr 2000 nicht überlebte. 2004 folgte der dänische Sänger Lucas Alexander Breinholm, doch auch diese Ehe hielt nur kurze Zeit. Zwischenzeitlich gab es die Affäre mit dem Franzosen Franck Chevalier, aus der ihr Sohn Otis hervorging. Ein schwerer Schicksalsschlag traf sie im Jahr 2000, als Otis von seinem Vater nach Frankreich entzogen wurde. Nina kämpfte wie eine Löwin um ihr Kind und bekam ihn schließlich zurück. Es sind diese Momente, in denen die Kunstikone zur verletzlichen, aber kämpferischen Mutter wird.

Und natürlich der Tod ihrer Mutter Eva-Maria Hagen im Jahr 2022. Das war das Ende einer Ära. Die beiden waren wie zwei Pole einer Batterie, die sich gegenseitig Energie gaben. Ihr Tod hat tiefe Spuren hinterlassen, aber Nina, die Schamanin, weiß, dass der Tod nur ein Übergang ist.

Die Collaborations: Ein Who-is-Who des Wahnsinns

Nina hat sich nie gescheut, mit anderen Künstlern in die Kiste zu steigen – musikalisch gesehen natürlich. Wer könnte das Cover von Rammsteins „Seemann“ vergessen, das sie zusammen mit Apocalyptica aufnahm? Ihre tiefe, rauchige Stimme gab dem Song eine düstere Gravitas, die Gänsehaut verursachte. Oder die Zusammenarbeit mit den Toten Hosen für „Hand in Hand“. Sie war immer bereit, ihre Stimme für Dinge zu leihen, die sie für wichtig hielt, sei es für den Tierschutz oder soziale Gerechtigkeit. Sie arbeitete mit Adamski, mit Udo Lindenberg und sogar mit Thomas D zusammen. Sie ist eine musikalische Nomadin, die in jedem Genre ihre Zelte aufschlagen kann, ohne jemals ihre Identität zu verlieren.

Der Ausblick: Tourdaten 2026

Ihr wollt die Hohepriesterin live erleben? Ihr wollt spüren, wie die Luft brennt, wenn sie die Bühne betritt? Dann spitzt die Ohren! Für das Jahr 2026 sind einige ausgewählte Termine im Gespräch, auch wenn die offizielle Bestätigung für eine große Welttournee noch aussteht. Man munkelt, sie wolle im Sommer einige exklusive Open-Air-Gottesdienste der besonderen Art abhalten. Haltet die Augen offen in Berlin, Hamburg und München – dort, wo der Asphalt glüht, wird sie auftauchen.


Diskografie: Die akustische Spur der Verwüstung

Alben mit der Nina Hagen Band:

  • 1978: Nina Hagen Band

  • 1979: Unbehagen

Solo-Alben:

  • 1982: NunSexMonkRock

  • 1983: Angstlos (Englisch: Fearless)

  • 1985: In Ekstase (Englisch: In Ekstasy)

  • 1989: Nina Hagen

  • 1991: Street

  • 1993: Revolution Ballroom

  • 1995: Freud Euch

  • 1996: BeeHappy

  • 1999: Om Namah Shivay

  • 2000: Return of the Mother

  • 2003: Big Band Explosion

  • 2006: Irgendwo auf der Welt

  • 2010: Personal Jesus

  • 2011: Volksbeat

  • 2022: Unity

Bedeutende Singles & EPs:

  • 1974: Du hast den Farbfilm vergessen (mit Automobil)

  • 1975: Heiß (mit Automobil)

  • 1978: TV-Glotzer

  • 1979: African Reggae

  • 1982: Smack Jack

  • 1983: New York / N.Y.

  • 1991: In My World

  • 1998: Solo (mit Thomas D)

  • 2003: Seemann (mit Apocalyptica)


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia, Rolling Stone Magazin, Der Spiegel, Nina Hagen Archiv, ByteFM, Musikexpress, Berliner Zeitung.

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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