Andy Sternberg, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
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Moby at All in for the 99% at 400 S. La Brea, Los Angeles, CA.

In der Welt des Rock ’n‘ Roll können selbst Jahrzehnte alte Klassiker plötzlich wieder für Zündstoff sorgen. Ein aktueller verbaler Schlagabtausch zwischen dem US-Musiker Moby und den Mitgliedern der legendären Kinks zeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven auf die Musikgeschichte sein können.

Kritik an einem Rock-Meilenstein

Der Auslöser für den Konflikt war eine Äußerung von Moby in einem Interview mit dem britischen „Guardian“. In der Rubrik „Honest Playlist“ gab der DJ und Produzent an, den Kinks-Hit „Lola“ aus dem Jahr 1970 nicht mehr hören zu können. Er bezeichnete die Texte des Songs als „ekelhaft“ und warf dem Stück eine transfeindliche sowie „unentwickelte“ Haltung vor. Moby erklärte, er sei schockiert gewesen, als er das Lied nach längerer Zeit wieder in einer Playlist gehört habe. Für ihn passe die Botschaft des Songs nicht mehr in die heutige Zeit.

Dave Davies kontert den Vorwurf

Diese Kritik stieß bei den Schöpfern des Songs auf wenig Gegenliebe. Dave Davies, der Gitarrist der Kinks, reagierte prompt und deutlich in den sozialen Medien. Er bezeichnete Moby in Anspielung auf dessen eigenen Künstlernamen als „kleinen Idioten“ und wies die Vorwürfe entschieden zurück. Davies betonte, dass er sich zutiefst beleidigt fühle, dass sein Bruder Ray Davies – der den Song schrieb – als transphob oder rückständig dargestellt werde. Für die Band war „Lola“ schon immer ein Werk, das Grenzen einriss und sich einer Welt öffnete, die weit über heteronormative Muster hinausging.

Die historische Bedeutung von „Lola“

Unterstützung erhielten die Kinks auch aus der LGBTQ+-Community. Dave Davies zitierte unter anderem die Trans-Ikone Jayne County, die den Song seit jeher als bahnbrechend verteidigt. „Lola“ erzählt die Geschichte einer Begegnung in einem Club in Soho und gilt vielen Fans und Kritikern als eines der ersten Pop-Stücke, das offen und weitgehend vorurteilsfrei mit dem Thema Geschlechtsidentität umging. In einer Ära, in der solche Themen in der Mainstream-Musik kaum existierten, wird das Lied heute von vielen eher als progressiver Vorreiter denn als diskriminierend wahrgenommen.

Ein Generationenkonflikt über Interpretation

Der Streit verdeutlicht eine wachsende Debatte darüber, wie Kunstwerke der Vergangenheit mit heutigen moralischen Maßstäben gemessen werden sollten. Während Moby die Wortwahl als veraltet und verletzend empfindet, sehen die Kinks und ihre Anhänger in dem Song ein mutiges Statement für die Freiheit der Selbstentfaltung. Für die Band bleibt „Lola“ eine Erzählung über eine menschliche Begegnung in einer „durcheinandergeratenen Welt“, die gerade wegen ihrer Unbefangenheit Kultstatus genießt.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: The Guardian, Louder Sound, Clash Magazine, Reddit, MusicRadar

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Von Franz Lemmler

CEO und Gründer von Xenopolias.de, Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex. Webmaster, Redakteur und Autor auf dieser Webpage. Geboren vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiets.

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