
Eklat hinter den Kulissen: Labrinth verlässt Euphoria — und sagt laut, warum
Kurz vor dem Start der dritten und finalen Staffel von Euphoria erschüttert ein handfester Streit die HBO-Produktion: Der britische Komponist Labrinth, der den unverwechselbaren Klang der Serie über zwei Staffeln hinweg geprägt hat, ist nicht mehr an Bord. Hans Zimmer übernimmt. Und die Hintergrundgeschichte der Show wird immer düsterer.
Euphoria Staffel 3 — Auf einen Blick
Es hätte ein festlicher Neustart werden sollen: Euphoria, eine der meistdiskutierten Serien der vergangenen Jahre, kehrt nach vier Jahren Pause mit einer dritten Staffel auf HBO zurück. Doch während die Erwartungen an das Serienfinale enorm sind, sorgen die Ereignisse hinter den Kulissen für weit mehr Gesprächsstoff als der eigentliche Inhalt der neuen Folgen. Im Mittelpunkt: der britische Musiker und Komponist Labrinth, bürgerlicher Name Timothy Lee McKenzie, dessen Bruch mit der Produktion die gesamte Entertainment-Branche aufhorchen lässt.
**Vom Herzstück der Serie zum offenen Bruch**
Seit der ersten Episode im Jahr 2019 war Labrinths Musik der akustische Fingerabdruck von Euphoria. Seine schwermütigen, ätherischen Kompositionen trugen genauso zur Atmosphäre der Serie bei wie die Bilder und die Performances der Schauspieler. Der Emmy, den er 2020 für seine Zusammenarbeit mit Hauptdarstellerin Zendaya gewann, war nur der sichtbarste Beweis für diese prägende Rolle. Auch die Grammy-Nominierung für seinen Track, auf dem er mit Billie Eilish kollaborierte, unterstreicht den künstlerischen Stellenwert seiner Arbeit für die Show.
Vor diesem Hintergrund sorgte ein Posting, das Labrinth im März 2026 auf Instagram veröffentlichte und kurz darauf wieder löschte, für enormes Aufsehen. In dem Text rechnete er mit seiner Plattenfirma Columbia Records sowie mit der Serie selbst ab und erklärte, er sei fertig mit der gesamten Musikindustrie. Der Post wurde zwar schnell entfernt, war aber bereits zu weit verbreitet worden, um unter der Decke bleiben zu können.
Menschen in dieser Industrie lügen bequem und nennen sich trotzdem ehrlich. Ich habe deshalb entschieden, meine Musik aus der Produktion zu entfernen.
Labrinth, Instagram Story, 11. April 2026**Ein Tag vor der Premiere — Labrinth legt nach**
Nur einen Tag vor dem Serienstart am 12. April wandte sich Labrinth erneut über seine sozialen Kanäle an die Öffentlichkeit. Diesmal mit einem kontrollierten, aber unmissverständlichen Statement: Er habe eigenständig die Entscheidung getroffen, die Musik, die er möglicherweise noch zu Staffel 3 beigesteuert hatte, vollständig aus der Produktion zu ziehen. Der Grund sei simpel — er lasse sich nicht wie ein Fußabtreter behandeln, auch nicht von prominenten Kollaborationspartnern. Gleichzeitig stellte er klar, dass er mit dem Sender HBO selbst keinen Streit habe und das Verhältnis dort intakt sei. Die Spitze richtete sich erkennbar in eine andere Richtung — ohne jedoch einen Namen explizit zu nennen.
Showrunner Sam Levinson, befragt von Rolling Stone, reagierte bemerkenswert ausweichend. Er bezeichnete Labrinth als außergewöhnlichen Mitarbeiter, der den klanglichen Charakter der Serie entscheidend mitgeprägt habe — konnte oder wollte aber keine Erklärung liefern, warum die Zusammenarbeit geendet hat. Diese Antwortlosigkeit hat das Spekulationsfeuer in der Branche nur weiter angefacht.
**Hans Zimmer übernimmt das Ruder**
An die Stelle von Labrinth tritt niemand Geringeres als Hans Zimmer — einer der erfolgreichsten und vielfach ausgezeichneten Filmkomponisten der Welt. Zimmer, bekannt für seine monumentalen Scores zu Filmen wie Gladiator, Interstellar oder Inception, war ursprünglich als gemeinsamer Komponist neben Labrinth angekündigt worden. Nun trägt er die gesamte musikalische Verantwortung für die achtteilige Abschlussstaffel allein.
Levinson selbst hat erklärt, warum Zimmer für ihn die richtige Wahl für diesen neuen Abschnitt der Serie war: Der fünfjährige Zeitsprung, den die Handlung vollzieht, führe die Figuren heraus aus der Welt der Teenager und in ein erwachsenes, komplexeres Leben. Die poppigen, atmosphärischen Klänge früherer Staffeln wichen bewusst einem breiteren, an Western-Scores erinnernden Filmklang. Jede Figurengeschichte solle sich anfühlen wie ein eigenständiger Film — und genau dafür sei Zimmers cineastisches Handwerk die ideale Grundlage.
**Eine Produktion, die von Verlusten und Brüchen geprägt ist**
Der Konflikt mit Labrinth ist jedoch nur das jüngste Kapitel in einer langen Geschichte von Turbulenzen, die diese Produktion begleiten. Euphoria war nie eine einfache Serie — weder inhaltlich noch in der Entstehung. Die dritte Staffel musste gleich mehrere tiefe Einschnitte verkraften, die weit über kreative Meinungsverschiedenheiten hinausgehen.
Barbie Ferreira, die in den ersten beiden Staffeln die Figur Kat Hernandez verkörpert hatte, verließ die Serie bereits 2022 infolge anhaltender Differenzen mit Levinson. In einem späteren Interview sprach sie offen darüber, dass sie nicht länger bereit war, eine Rolle zu spielen, die sie als die Freundin mit Gewichtsproblemen reduzierte — ein Statement, das sowohl persönliche Würde als auch tiefere strukturelle Probleme am Set andeutete. Storm Reid, die als Rues kleine Schwester Gia ein wichtiger Bestandteil der Serienatmosphäre war, schied wegen Terminkonflikten aus.
Besonders schwer wiegt der Verlust zweier Schauspieler, die nicht aus eigenem Willen, sondern durch den Tod aus der Serie schieden. Angus Cloud, der mit der Figur des Drogendealers Fezco zu einem der beliebtesten Charaktere der Serie geworden war, starb im Juli 2023 im Alter von nur 25 Jahren. Sein Tod hinterließ eine Lücke, die sich weder schreiben noch drehen ließ — die Produktion entschied sich bewusst dafür, die Abwesenheit seiner Figur im Skript zu spüren zu lassen, als eine Form stiller Hommage.
Eric Dane, der Nates Vater Cal Jacobs über zwei Staffeln mit beunruhigender Eindringlichkeit gespielt hatte, erhielt im April 2025 die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung des motorischen Nervensystems. Dennoch kehrte er nur wenige Tage später an das Set zurück und drehte alle seine Szenen für Staffel 3, bevor die Produktion im November 2025 abgeschlossen wurde. Im Februar 2026, wenige Wochen vor der Premiere, verstarb er. Sein Auftritt in der dritten Staffel wird damit zu einer posthumen, mit persönlichem Gewicht beladenen Vorstellung.
**Was von Euphoria bleibt — und was sie jetzt ist**
Euphoria ist mit Staffel 3 eine andere Serie als die, die 2019 begann. Die Figuren sind fünf Jahre älter, die Handlung hat die Schule längst verlassen. Rue ist in Mexico und kämpft mit den Konsequenzen ihrer Suchtgeschichte, Jules studiert Kunst, Maddy arbeitet für eine Hollywood-Agentur, Cassie und Nate leben verheiratet in den Suburbs. Levinson hat nach eigener Aussage weniger Interesse an einzelnen Musiktracks denn an einem durchgehenden Klangteppich, der die neue Welt der Figuren trägt. Das klingt nach einer Produktionsentscheidung — doch für Labrinth war es offenbar mehr als das.
Dass ausgerechnet Labrinth — der Mann, der das klanglich-emotionale Fundament dieser Serie gelegt hat — nun nicht mehr dabei ist und öffentlich über schlechte Behandlung spricht, wirft ein Schlaglicht auf eine Produktionsgeschichte, die schon lange über die eigentliche Serie hinausgewachsen ist. Euphoria war immer auch ein Spiegel — der Gesellschaft, der Jugend, der Branche. In Staffel 3 scheint dieser Spiegel auch auf sich selbst gerichtet zu sein.