Es war ein Moment für die Geschichtsbücher – allerdings nicht ganz in der Form, wie das Weiße Haus ihn wohl geplant hatte. König Charles III. und Königin Camilla waren zu Besuch in Washington, Staatsempfang, Südrasen, Fotografen in Stellung, Würde und Protokoll in der Luft. Und mittendrin: ein kurzes, stilles Drama zwischen zwei Händen, die einander finden sollten und es irgendwie nicht so recht schafften. Donald Trump versuchte, Melanias Hand zu ergreifen. Melania trug weiße Handschuhe. Was folgte, war ein kurzes Antippen, ein Loslassen, ein leises Nebeneinanderstehen – dokumentiert von jedem anwesenden Kameraobjektiv und anschließend von Jimmy Kimmel für ein Millionenpublikum seziert.
Kimmel greift zu – Kimmel lässt nicht los
Der Moderator von Jimmy Kimmel Live! ließ sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Er spielte die Videoaufnahme für sein Publikum ab und kommentierte das kurze Handgerangel mit der süffisanten Bemerkung, das sei eine völlig normale Art der Interaktion für zwei Menschen, die sich tief und innig liebten. Er schob nach, möglicherweise erkläre die Szene auch Trumps angeblich blaue Flecken an der Hand – als Folge von Melanias unermüdlichem Abwehrkampf gegen unerwünschte Handfassungsversuche. Das Publikum lachte. Trump lachte nicht.
Truth Social brodelt, die Forderung ist bekannt
Was folgte, war so vorhersehbar wie der nächste Sonnenaufgang: Trump griff zu seinem bevorzugten Kommunikationsinstrument und verfasste auf Truth Social einen weiteren Eintrag, in dem er von ABC verlangte, Kimmel unverzüglich zu entlassen. Der Moderator sei unlustig, seine Quoten seien miserabel, die Menschen seien wütend, und das müsse dringend und sehr bald ein Ende haben. Es war, in leicht abgewandelter Formulierung, dieselbe Forderung, die Trump bereits in den Wochen zuvor mehrfach gestellt hatte – ohne erkennbare Wirkung. ABC schwieg. Kimmels Sendung lief wie gewohnt.
Ein Witz, der die ganze Sache in Gang brachte
Der eigentliche Auslöser der jüngsten Eskalation lag einige Tage früher. Bei einer Parodie auf das Korrespondentendinner hatte Kimmel einen Witz über Melania gemacht, in dem er ihr einen gewissen Glanz attestierte, wie ihn Frauen ausstrahlen, die auf eine baldige Witwenschaft hoffen. Der Witz zielte offensichtlich auf das Alter des Präsidenten ab, der im Juni seinen achtzigsten Geburtstag feiert. Trump und Melania empfanden ihn jedoch als Aufruf zur Gewalt, insbesondere weil wenige Tage nach der Sendung tatsächlich ein Anschlagsversuch auf das Dinner stattfand. Das Weiße Haus forderte Kimmels sofortige Entlassung. Melania meldete sich schriftlich zu Wort, verzichtete aber auffallenderweise darauf, die Forderung ausdrücklich zu wiederholen – was die Lage nur noch rätselhafter machte.
Der Präsident, der Witz und der König dahinter
Und dann passierte etwas, das selbst erfahrene Satiriker kaum hätten besser erfinden können. Während Trump auf der Bühne des Staatsempfangs stand, König Charles und Königin Camilla im Hintergrund, erzählte er die Geschichte seiner Eltern, die nach 63 Ehejahren ein leuchtendes Beispiel ehelicher Treue gewesen seien. Er wandte sich zu Melania um und bemerkte mit einem Lachen, diesen Rekord würden sie beide wohl kaum brechen. Der Saal schmunzelte. Die Kameras liefen. Und irgendwo in einem Schnitttraum eines Fernsehteams blinkte ein Signal: Das ist exakt dasselbe Thema, für das Trump gerade die Entlassung eines Comedians gefordert hatte. Witze über die Qualität der eigenen Ehe – für Kimmel: Entlassungsgrund. Für Trump selbst, live, vor dem König von England: charmantes Understatement.
Die FCC betritt die Bühne
Bemerkenswert ist auch, was sich parallel abspielte. Die Bundesbehörde FCC forderte Disney und ABC dazu auf, ihre Sendelizenzen früher als planmäßig zur Erneuerung einzureichen – ein ungewöhnlicher Schritt, der im Kontext der lautstarken Forderungen des Präsidenten eine gewisse atmosphärische Dichte entfaltete. Kimmel erwähnte all das in seiner Sendung mit keinem Wort. Er sprach stattdessen über Hände und Handschuhe. Das Publikum lachte erneut.
Ein Duell, das vor allem einem nützt
Die Ironie dieser anhaltenden Fehde ist schwer zu übersehen. Jedes Mal, wenn Trump auf Truth Social einen neuen Anlauf nimmt, Kimmel aus dem Programm zu schreiben, landet das Posting in den Schlagzeilen, Kimmels Sendung wird zitiert, geklippt und millionenfach geteilt, und der Moderator bekommt Material für seinen nächsten Monolog frei Haus geliefert. Trump, der sich selbst gern als Meister der öffentlichen Inszenierung versteht, befeuert damit im Wochentakt die Aufmerksamkeit eines Mannes, dessen Entlassung er fordert. Kimmel muss dabei kaum etwas tun. Er zeigt ein Video. Er wartet. Der Rest erledigt sich von selbst.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, TMZ, CNN, Reality Tea, Irish Star, Wealth of Geeks
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