Luuz Ottazu, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
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AC DC en River Plate.

Es war der 18. Januar 1991, als AC/DC im Rahmen ihrer Razor’s Edge World Tour den Salt Palace in Salt Lake City, Utah, betraten. Über 13.000 Fans hatten sich in der Halle versammelt, um eine der größten Rockbands der Welt live zu erleben. Was als triumphaler Abend enden sollte, wurde zu einer der dunkelsten Stunden der Rockgeschichte. Drei junge Menschen verloren ihr Leben. Brian Johnson, Frontmann der Band, beschrieb den Abend Jahre später als die schrecklichste Nacht seines Lebens, die er niemals vergessen werde, solange er lebe.

Kein zugewiesener Platz, kein geordnetes Chaos

Der Salt Palace hatte das Konzert als sogenannte General-Admission-Veranstaltung angesetzt – keine festen Sitzplätze, keine zugewiesenen Bereiche, freie Platzwahl auf dem Hallenboden. Von den über 13.000 Anwesenden hatten mehr als 4.400 sogenannte Festival-Tickets, die sie zum Stehbereich direkt vor der Bühne berechtigten. Als AC/DC mit ihrem Eröffnungssong Thunderstruck vom gerade erst erschienenen Album The Razor’s Edge einsetzten, setzte sich eine riesige Menschenmasse in Bewegung. Der Ansturm in Richtung Bühne war spontan, unkontrolliert und innerhalb von Sekunden nicht mehr zu stoppen. Wer vorne stand, hatte keine Chance auszuweichen. Menschen fielen zu Boden und wurden von der nachrückenden Masse überrollt.

Drei Tote, ein zerbrochenes Konzert

Die Opfer der Massenpanik waren erschreckend jung. Jimmie L. Boyd, 14 Jahre alt, wurde noch in derselben Nacht für tot erklärt – gestorben an Kompressions-Asphyxie, dem Erstickungstod durch den Druck der Menschenmenge. Der gleichaltrige Curtis White Child verstarb zwei Tage später im Holy Cross Hospital. Die 19-jährige Elizabeth Glausi, Studentin an der Brigham Young University, erlag ihren Verletzungen vier Tage nach dem Konzert, nachdem ihre Familie der Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte zugestimmt hatte. Ein Polizeileutnant beschrieb später, die drei Teenager seien offenbar zu Boden gegangen und dann von anderen Konzertbesuchern unter ihrem Gewicht zerdrückt worden.

Die Band spielte weiter – und wusste es nicht

Einer der bis heute umstrittensten Aspekte des Abends ist die Frage, wie lange AC/DC weiterspielten, während im Publikum Menschen starben. Sicherheitsleute und Besucher versuchten vergeblich, die Band durch Warnrufe zum Stopp zu bewegen. Laut späteren Berichten spielte die Band nach dem ersten Zusammenbruch der Situation noch mehrere Songs weiter – darunter Shoot to Thrill, Back in Black und Fire Your Guns. Die Zeitspanne wird je nach Quelle mit 15 bis 45 Minuten angegeben. Schließlich wurde eine kurze Pause eingelegt, in der die Verletzten und Toten aus der Halle evakuiert wurden. Auf Empfehlung der Sicherheitsbehörden, die bei einem Abbruch des Konzerts einen noch größeren Aufruhr unter den tausenden Fans befürchteten, spielte die Band den Rest des Abends zu Ende.

Brian Johnson: Zerbrochen, wütend, unverstanden

Für Brian Johnson war es nicht die Bühnenperformance, die ihn in den Tagen nach dem Konzert am schwersten traf – es war die Berichterstattung in der Presse. Die Zeitungen erschienen am nächsten Morgen mit Fotos, die ihn lachend auf der Bühne zeigten, während im Text darunter der Tod dreier Konzertbesucher beschrieben wurde. Der Zusammenhang war hergestellt, die Botschaft klar. Johnson empfand das als journalistische Grenzüberschreitung und sprach von tiefer Wut und Verletzung. Das Lächeln auf dem Foto, sagte er, war das Lächeln eines Mannes, der zu diesem Zeitpunkt noch nichts wusste. Als die Nachricht die Band schließlich erreichte, brach die Stimmung vollständig zusammen. Johnson schilderte, wie Angus Young sichtlich mit den Tränen kämpfte, während Malcolm Young versuchte, sich so gut es ging zusammenzureißen. Malcolm Young, Mitgründer und Herzstück der Band, soll die Tragödie von Salt Lake City so tief getroffen haben, dass er es ablehnte, je wieder darüber zu sprechen.

Klage, Vergleich und bleibende Narben

Die Familien der drei getöteten Jugendlichen verklagten sowohl AC/DC als auch Salt Lake County und weitere Beteiligte auf Schadensersatz. Überlebende, die körperliche und seelische Schäden davongetragen hatten, schlossen sich mit eigenen Klagen an. Alle Verfahren wurden letztlich außergerichtlich beigelegt. Salt Lake County bezifferte seinen Anteil an den Vergleichszahlungen auf weniger als zwei Millionen US-Dollar. Die genauen Summen wurden nicht vollständig offengelegt. Als direkte Konsequenz der Tragödie verhängten die Stadtbehörden von Salt Lake City ein vorübergehendes Verbot von Festival-Seating bei Konzertveranstaltungen in städtischen Hallen.

Ein dunkles Kapitel der Konzertgeschichte

Die Ereignisse vom 18. Januar 1991 reihen sich in eine traurige Geschichte von Massenkatastrophen bei Rockkonzerten ein. Bereits 1979 kamen bei einem Konzert der Band The Who in Cincinnati elf Menschen ums Leben, 2000 starben beim Roskilde-Festival in Dänemark neun Pearl-Jam-Fans unter ähnlichen Umständen. Jede dieser Tragödien wirft dieselben Fragen auf: zu wenige Sicherheitskräfte, zu wenig Raum, zu wenig Reaktion in den entscheidenden Minuten. Im Fall von Salt Lake City war die Band nach eigenem Bekunden schlicht nicht informiert worden, was sich vor ihrer Bühne abspielte. Das ändert nichts an dem, was geschah. Es erklärt nur, warum Brian Johnson noch Jahrzehnte später sagt, diese Nacht werde ihn bis an sein Lebensende nicht loslassen.

AC/DC und der lange Weg danach

AC/DC spielten in den folgenden Jahren noch viele hundert Konzerte weltweit. Die Band hat in ihrer Geschichte weitere tief einschneidende Verluste erlitten – den Tod von Gründer und Rhythmusgitarrist Malcolm Young im Jahr 2017, Brian Johnsons erzwungenen Ausstieg 2016 aufgrund eines schweren Hörschadens und seine spätere Rückkehr. Keine dieser Prüfungen hat die Band zerbrochen. Aber der Abend in Salt Lake City gehört zu jenen Momenten, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben – für die Fans der Band, für die Familien der Opfer, und für jeden Einzelnen auf der Bühne des Salt Palace.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Ultimate Classic Rock, Nova.ie, Rolling Stone DE, Society of Rock, Working With Crowds, Wikipedia, Deseret News, ACDCfans.net, Face Off Rock Show

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