
Seit April 2023 bewegt sich die M72 World Tour von Metallica wie ein gut geöltes Getriebe durch die Kontinente. Benannt nach dem zwölften Studioalbum 72 Seasons, das im April jenes Jahres erschien, hat die Tour in weniger als vier Jahren rund vier Millionen Zuschauer in Stadien auf der ganzen Welt geführt. Australien, Neuseeland, die Golfregion – und nun kehrt das Großprojekt für eine 16-Show-Etappe nach Europa zurück. Wer glaubt, das habe er oder sie schon alles gesehen: falsch gedacht. Denn das Kernversprechen der M72 Tour lautet ausdrücklich, dass nichts sich wiederholt.
Was steckt hinter dem No Repeat Weekend?
Das Konzept ist so simpel wie aufwendig. In ausgewählten Städten spielt Metallica an zwei aufeinanderfolgenden Abenden – und dabei wird kein einziger Song zweimal gespielt. Jede der beiden Nächte hat ihre eigene Setlist, ihre eigene Auswahl an Vorgruppen, ihre eigene Dramaturgie. Fans, die beide Abende besuchen, erleben zwei vollständig voneinander verschiedene Konzerte. Das zwingt die Band, tief in ihren Katalog zu greifen, und es beflügelt Fanforen und Setlist-Tracker-Seiten zu einer Art kollektivem Ratespiel vor jedem Konzert. In Deutschland wird dieses Format in Frankfurt praktiziert: zwei Shows, zwei Nächte, keine Überschneidung.
Für Einzelshows ohne zweiten Abend – wie etwa in Berlin, Athen oder Bologna – gilt das Prinzip in abgewandelter Form: Metallica spielen hier ohne die strukturelle Einschränkung des Zweitabends und können freier aus ihrem gesamten Backkatalog schöpfen. Das macht auch diese Einzelauftritte zu einem eigenen Erlebnis, ohne jedoch das klassische No Repeat Weekend-Format zu aktivieren.
Die Bühne als Instrument: 360 Grad, mitten im Stadion
Zur musikalischen Konzeption gesellt sich ein bühnentechnisches Statement. Metallica spielen auf der M72 Tour auf einer kreisrunden Konstruktion, die in der Mitte des Stadionfeldes aufgebaut wird – das sogenannte In the Round-Format. Keine Trennung mehr zwischen Bühne und Hinterreihen, kein privilegierter Blick von vorne und kein blinder Fleck hinten. Das Konzept macht die Zuschauer rundum zu einem Teil der Show und ist mit einem erheblichen Aufwand an Produktionstechnik verbunden. Licht, Video, Sound – alles muss aus der Mitte heraus in alle Richtungen gleichzeitig funktionieren. Dass Metallica dies in Stadien der Größenordnung eines Olympiastadions oder Deutsche Bank Parks realisieren, zeigt, dass die Tour ihrem Ruf gerecht werden will.
Gojira, Knocked Loose, Pantera, Avatar – warum genau diese vier?
Die Auswahl der Vorgruppen ist kein Zufall und Teil des No Repeat Weekend-Konzepts. An Abend eins der Doppelshows steht die Kombination Gojira und Knocked Loose auf dem Programm. Die Franzosen Gojira gelten als eine der einflussreichsten Metal-Bands der vergangenen zwei Jahrzehnte, mit einem Sound, der progressiven Death Metal und Umweltthemen auf eine Weise verknüpft, die kritische Anerkennung weit über die Metal-Szene hinaus gefunden hat. Knocked Loose aus dem amerikanischen Bundesstaat Kentucky stehen für modernen Hardcore mit einer Energie, die auch in großen Arenen keine Abstriche macht.
Abend zwei gehört Pantera und Avatar. Pantera, die Thrash-und-Groove-Metal-Legenden aus Texas, gehen als Reunion-Tour seit dem Tod von Gitarrist Dimebag Darrell erstmals wieder auf die großen Bühnen und lösen damit in der Metal-Community starke Reaktionen aus – Begeisterung, Nostalgie und gelegentlich auch Skepsis über den Sinn solcher posthumen Fortführungen. Die schwedische Band Avatar bringt theatralischen Show-Metal mit einer optischen Konsequenz, die in der modernen Metal-Landschaft vergleichslos ist.
Vier Millionen Zuschauer und ein Stiftungsmodell
Seit dem Tourstart in Amsterdam im April 2023 haben Metallica die Welt mehrfach umrundet. Allein aus den ersten 19 nordamerikanischen Konzerten gingen nach Angaben der Pollstar-Erhebung 1,2 Millionen Tickets über die Theke, was einem Umsatz von über 125 Millionen US-Dollar entsprach. Die M72 World Tour wurde im Februar 2024 von Pollstar als Rock Tour of the Year 2023 ausgezeichnet. Parallel zum kommerziellen Betrieb läuft ein festes Wohltätigkeitsprogramm: Ein Teil aus jedem verkauften Ticket fließt an die 2017 gegründete Stiftung All Within My Hands, die Bildungsprogramme, Lebensmittelhilfen und Katastrophenschutz unterstützt. Seit der Gründung hat die Stiftung rund 13 Millionen US-Dollar aufgebracht. Lokal verankert zeigte sich die Initiative etwa nach dem ersten Hamburg-Konzert der Tour, als Metallica je 40.000 Euro an zwei Hamburger Sozialorganisationen spendeten.
Europa 2026: Alle Konzerttermine im Überblick
Die Europa-Etappe der M72 World Tour 2026 umfasst 16 Shows in neun Ländern, verteilt von Mai bis Juli 2026. Zusätzlich ist ab Oktober 2026 eine Residency im Sphere Las Vegas geplant. Die bestätigten europäischen Termine lauten:
- Mai 2026 – Athen, Griechenland, Olympiastadion Athen
- Mai 2026 – Bukarest, Rumänien, Arena Națională
- Mai 2026 – Chorzów, Polen, Stadion Śląski
- Mai 2026 – Frankfurt, Deutschland, Deutsche Bank Park (mit Gojira und Knocked Loose)
- Mai 2026 – Frankfurt, Deutschland, Deutsche Bank Park (mit Pantera und Avatar)
- Mai 2026 – Zürich, Schweiz, Stadion Letzigrund
- Mai 2026 – Berlin, Deutschland, Olympiastadion (mit Gojira und Knocked Loose)
- Juni 2026 – Bologna, Italien, Stadio Renato Dall’Ara
- Juni 2026 – Budapest, Ungarn, Puskás Aréna
- Juni 2026 – Budapest, Ungarn, Puskás Aréna
- Juni 2026 – Dublin, Irland, Aviva Stadium
- Juni 2026 – Dublin, Irland, Aviva Stadium
- Juni 2026 – Glasgow, Großbritannien
- Juni 2026 – Cardiff, Großbritannien
- Juli 2026 – London, Großbritannien
- Juli 2026 – London, Großbritannien, London Stadium
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Wikipedia, Metal Hammer DE, metal.de, Hardline Magazin, Live Nation DE, Ticketmaster DE, Setlist Guy, Happy Mag, M72 World Tour Dates, ad-hoc-news.de, hn-insider.de
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