Foto: Stefan Brending
Lesedauer 4 Minuten
ARGO-Konzerte,Beck's Park Stage,Konzert,Liam Gallagher,Livekonzert,Livemusik,Musik,RiP,Rock im Park 2017

Es war eine der spektakulärsten Wendungen der jüngeren Rockgeschichte: Liam Gallagher, der 2024 noch öffentlich erklärte, die Welt habe genug über Oasis gehört und es sei an der Zeit, Musik zu machen statt zu reden und zu streiten, hat nicht nur die Reunion seiner Band mitgemacht – er hat auch einem gemeinsamen Interview mit Bruder Noel zugestimmt. Dem ersten seit über 25 Jahren. Und das alles für eine Dokumentation, über die er zuvor sinngemäß gesagt hatte, sie werde nicht entstehen. Am 8. Mai 2026 bestätigten Disney, IMAX, Hulu und die Gallagher-Brüder gemeinsam das Vorhaben: Ein bis dato noch titelloser Oasis-Dokumentarfilm kommt am 11. September 2026 für eine limitierte Laufzeit in IMAX-Kinos und ausgewählte Lichtspielhäuser weltweit. Später im Jahr folgt die Veröffentlichung auf Disney+ und in den USA zusätzlich auf Hulu.

Steven Knight, Dylan Southern, Will Lovelace – ein ungewöhnliches Trio

Hinter dem Film steckt eine Kombination aus Erfahrungen, die auf den ersten Blick überraschend wirkt. Konzipiert und produziert wurde die Dokumentation von Steven Knight, dem Oscar- und BAFTA-nominierten Schöpfer der Fernsehserie Peaky Blinders, der derzeit auch an einem neuen James-Bond-Film schreibt. Knight übernimmt damit die inhaltliche und strukturelle Verantwortung für das Projekt. Die Regisseure des Films sind Dylan Southern und Will Lovelace, die für ihre Musikdokumentarfilme bekannt sind: Shut Up and Play the Hits, ein Film über den letzten Auftritt der LCD Soundsystem, sowie Meet Me in the Bathroom, eine Dokumentation über die New Yorker Indie-Rock-Ära der frühen 2000er-Jahre, gelten als Referenzen für das Genre. Knight beschrieb sein persönliches Interesse an dem Projekt als aufrichtige Leidenschaft: Er habe zeigen wollen, wie die Geschichte der Brüder und der Band auf das Leben der Fans gewirkt habe – und inwiefern Musik in einer von Spaltung geprägten Zeit noch in der Lage sei, Generationen, Kulturen und Länder miteinander zu verbinden.

Oasis Live ’25: Das Konzert, das niemand für möglich hielt

Die Grundlage des Films ist die Oasis-Reunion-Tour des Jahres 2025, die am 4. Juli 2025 startete und eine der kommerziell erfolgreichsten Konzertreihen der Rockgeschichte wurde. Oasis hatten sich 2009 nach einem berüchtigten Streit zwischen Liam und Noel Gallagher beim Backstage eines Festivalauftritts in Paris getrennt. Noel hatte damals die Band verlassen und war – zunächst – nie zurückgekehrt. Liam gründete Beady Eye, Noel spielte mit den High Flying Birds. Beide führten erfolgreiche, wenn auch unterschiedlich bewertete Solokarrieren. Die Ankündigung der Wiedervereinigung im Sommer 2024 schlug wie eine Bombe in der Musikwelt ein: Tickets für die britischen Konzerte wurden innerhalb von Minuten vergriffen, Server brachen unter dem Andrang zusammen, und aus einem einzigen geplanten Wembley-Wochenende wurde eine ausgedehnte Stadionrundreise rund um den Globus.

Kulissen, Proben, Geständnisse – was der Film zeigen wird

Knight hat in einem Interview angedeutet, dass das erste finale Schnittmuster des Films bereits eine Länge von vier Stunden erreichte – ein Zeichen für die Fülle des Materials. Was ins Kino kommen wird, ist naturgemäß kürzer, aber nach Angaben der Verantwortlichen nicht weniger dicht. Die Dokumentation soll Probenaufnahmen, Backstage-Momente und Auftrittsmitschnitte aus verschiedenen Stationen der Tour zeigen. Hinzu kommt das erste gemeinsame Interview der Brüder in über 25 Jahren. Knight beschrieb die Erfahrung, die beiden Gallaghers zu interviewen, als schier unerschöpfliche Quelle: Sie seien schlicht von Anfang bis Ende komisch. Das erste Bild, das im Rahmen der Ankündigung veröffentlicht wurde, zeigt Liam und Noel backstage, lachend, einander zugeneigt – ein Foto, das für sich allein schon Geschichte schreibt, wenn man bedenkt, wie die beiden zuletzt öffentlich übereinander gesprochen hatten.

Produziert von magna studios und Sony Music Vision

Das Projekt ist eine Produktion von magna studios in Zusammenarbeit mit Sony Music Vision und Sony Music Entertainment UK, präsentiert von Disney. Dass ein so breit aufgestelltes Konsortium hinter dem Film steht, unterstreicht das kommerzielle Gewicht der Oasis-Marke im Jahr 2026. Zum Vergleich: Der Taylor-Swift-Eras-Konzertfilm aus dem Jahr 2023 setzte die Messlatte für das Genre neu und spielte weltweit mehr als 260 Millionen US-Dollar ein. Ob das Oasis-Projekt diesen Standard herausfordert, ist offen – die Fanbase der Band ist älter, loyaler und deutlich weniger sozialmedial getrieben als Swifties. Aber sie ist weltweit verbreitet und hat beim Ticketkauf für die Reunion-Shows gezeigt, dass sie bereit ist, tief in die Tasche zu greifen.

Abbey Road und Gerüchte um neues Album

Als würde die Ankündigung der Dokumentation allein nicht reichen, wurde wenige Tage vor der offiziellen Bestätigung bekannt, dass Liam Gallagher am 6. Mai 2026 das berühmte Abbey Road Studio in London verlassen hatte. Beobachter und Fans spekulierten sofort über ein mögliches neues Oasis-Album. Bislang haben weder Liam noch Noel diesen Spekulationen Substanz gegeben. Liam hatte zuvor erklärt, eine weitere Tour werde frühestens 2027 stattfinden. Ob das Studio-Besuch eine Aufnahmesession ankündigt, eine Vorbereitung für den Dokumentarfilm oder schlicht ein privater Besuch war, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt. Die Oasis-Gerüchteküche kocht damit auf mehreren Flammen gleichzeitig weiter.

Rock and Roll Hall of Fame – Klasse 2026

Parallel zur Doku-Ankündigung ist eine weitere Auszeichnung für Oasis offiziell: Die Band wurde in die Klasse 2026 der Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, gemeinsam mit Phil Collins, Billy Idol, Sade, Iron Maiden und Luther Vandross. Die Aufnahme gilt als überfällig und rundet das Oasis-Kapitel 2026 zu einem beispiellosen Jahr für die Gallagher-Brüder ab – Reunion, Hall of Fame und Kinofilm binnen zwölf Monaten.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: The Circle, Rock Cellar Magazine, Rolling Stone, IndieWire, RTE Entertainment, AOL Entertainment, ClutchPoints, 95 The Drive, Wikipedia

All articles on Xenopolias are available in all common languages.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2026 Xenopolias.de – Unabhängiger Musik‑ und Kulturjournalismus