
Am 21. April 2026 veröffentlichte Machine Gun Kelly, bürgerlicher Name Colson Baker, eine neue Single mit dem Titel Fix Ur Face, an der Limp-Bizkit-Frontmann Fred Durst als Feature-Gast beteiligt ist. Der Song ist ein aggressiver, direkt formulierter Rap-Rock-Track, der auf den ersten Blick wie eine generelle Abrechnung mit der Musikbranche wirkt – bis Fans eine bestimmte Zeile aus dem ersten Vers herauslösten und damit eine Debatte auslösten, die wenig später der Rapper selbst bestätigte: Ein Teil des Songs zielt auf seinen langjährigen Weggefährten Yungblud.
Die Zeilen, die alles ins Rollen brachten
Wenige Stunden nach Veröffentlichung des Songs meldete sich Machine Gun Kelly auf der Plattform X zu Wort und schrieb sinngemäß, ein bestimmter Vers im Song gehe offenbar über die Köpfe der Hörerinnen und Hörer hinweg. Die Aussage wirkte wie eine absichtliche Einladung zur Spurensuche, und die Community nahm sie an. Im Fokus stand eine Zeile aus dem ersten Vers, in der vom Aufstieg von Kindern die Rede ist, die zuvor in der Disneywelt tätig waren und private Schulen besucht haben, und die nun versuchen, als Rockstars zu gelten. Die Kombination aus Disney-Bezug und Privatschul-Referenz ließ die Fangemeinde sofort an Yungblud denken: Der britische Sänger Dominic Harrison, bekannt unter seinem Künstlernamen Yungblud, besuchte in seiner Jugend das Privatinternat Ackworth School und anschließend die Arts Educational School in London. Im Jahr 2016 trat er zudem in einer britischen Disney-Channel-Serie auf und steuerte einen Song zum Soundtrack bei.
Altes Duo, neue Risse
Die Freundschaft zwischen Machine Gun Kelly und Yungblud war in der Musikbranche nicht unbekannt. Die beiden hatten mehrfach miteinander gearbeitet: Yungblud war auf Tracks von Machine Gun Kellys Album Hotel Diablo aus dem Jahr 2019 sowie auf Tickets to My Downfall aus dem Jahr 2020 zu hören, umgekehrt war Machine Gun Kelly als Gast auf Yungbluds Platte Weird! vertreten. Beide Kollaborationen entstanden unter Beteiligung des Blink-182-Schlagzeugers Travis Barker, der in jenen Jahren das verbindende kreative Element vieler Pop-Punk- und Alternative-Projekte war. Gerüchten zufolge sollen darüber hinaus weitere, nie veröffentlichte gemeinsame Songs entstanden sein.
Dass sich diese Freundschaft abgekühlt hat, war nach Ansicht vieler Beobachter bereits absehbar. Im Jahr 2024 erschien der britische Sänger im Podcast der Osbourne-Familie und wurde dort mit dem Vorwurf konfrontiert, Machine Gun Kelly habe seinen Stil imitiert – konkret den Einsatz der Farbe Rosa als ästhetisches Markenzeichen. Yungblud reagierte auf diese Frage sichtlich unwohl und versuchte, das Thema zu umlenken, ohne seinen Freund klar in Schutz zu nehmen. Die Osbournes, insbesondere Kelly Osbourne, griffen Machine Gun Kelly in dieser Sendung offen an. Yungblud saß dazwischen – und schwieg an der entscheidenden Stelle.
Machine Gun Kelly bestätigt den Diss im Podcast
Am 5. Mai 2026 schaffte Machine Gun Kelly Klarheit. In einem Gespräch mit Chris Garza, dem Gitarristen der Band Suicide Silence, in dessen gleichnamigem Podcast bestätigte er, dass sich der besagte Vers gezielt auf Yungblud beziehe. Er erläuterte dabei ausführlich, was ihn dazu bewogen hatte. In seiner Erklärung beschrieb er die gesamte Bedeutung des Songs als mehrdimensional – verschiedene Zeilen bezögen sich auf verschiedene Themen und Personen. Die spezifische Zeile über den Disney- und Privatschulhintergrund sei jedoch eine direkte Reaktion auf das, was er als Verrat an einer persönlichen Loyalität empfinde.
Machine Gun Kelly sprach im Interview von der tiefen Bedeutung, die Freundschaft und Verlässlichkeit für ihn persönlich hätten. Er habe beobachtet, wie andere Weggefährten in schwierigen Momenten zu ihm gestanden hätten, ohne Neid oder Hintergedanken. Die entsprechende Situation mit Yungblud habe ihn dagegen verletzt. Er betonte, er erkenne dessen Talent vollständig an – aber jenseits der Musik zähle für ihn vor allem die Frage, wofür jemand einsteht und auf welchen Prinzipien er steht. Dass jemand, dem er sein Vertrauen geschenkt habe, die Möglichkeit nicht genutzt habe, ihn in einer öffentlichen Situation zu verteidigen, habe ihn emotional getroffen. Gleichzeitig deutete er im selben Gespräch an, dass er Vergebung grundsätzlich nicht ausschließe.
Die Osbournes im Kreuzfeuer der Spekulation
Neben dem direkten Yungblud-Bezug identifizierten Fans im Song noch eine zweite mögliche Stoßrichtung. Eine weitere Zeile über ältere Köpfe, die versuchen, die Energie zu töten, während der Rock noch lebendig sei, solange der Sänger selbst auf der Bühne stehe, wurde von vielen als Seitenhieb gegen die Osbourne-Familie gelesen. Die Fangemeinde verwies darauf, dass die Osbournes in den vergangenen Jahren wiederholt öffentlich negativ über Machine Gun Kelly gesprochen hatten, zuletzt im besagten Podcast-Auftritt mit Yungblud im Jahr 2024. Kelly Osbourne, deren Verlobung mit dem Slipknot-Schlagzeuger Sid Wilson im März 2026 endete, hatte dabei besonders direkte Kritik geäußert. Ob diese Zeile tatsächlich auf die Osbournes zielt, ließ Machine Gun Kelly offen.
Fred Durst als Bündnispartner
Die Wahl von Fred Durst als Feature-Partner für Fix Ur Face ist kein Zufall und kein rein musikalisches Statement. Machine Gun Kelly hatte bereits im April 2026 gemeinsam mit Durst die Bühne geteilt, als er beim Konzert von Limp Bizkit in Perth, Australien, als Überraschungsgast auftrat und einen gemeinsamen Track performte. Die Zusammenarbeit zwischen dem früheren Nu-Metal-Frontmann und dem Rap-Rock-Künstler war seit einiger Zeit in der Entstehung – Kelly selbst beschrieb das Duo sinngemäß als eine längst überfällige Kombination. Durst steht für eine Generation von Musikern, die Ende der Neunziger- und Anfang der Zweitausenderjahre den Rock mit Hip-Hop-Elementen aufgeladen haben – eine Genealogie, in der sich Machine Gun Kelly selbst gerne verortet.
Yungblud schweigt
Einer blieb bis zum Zeitpunkt dieser Berichterstattung auffallend still: Yungblud selbst hat sich öffentlich weder zu Fix Ur Face noch zu Machine Gun Kellys Klarstellung geäußert. Die Frage, ob aus einer abgekühlten Freundschaft ein offener Konflikt wird, oder ob hinter den Kulissen bereits Gespräche laufen, blieb unbeantwortet. Im Musikgeschäft sind Schweigen und Song-Antworten oft zwei Seiten derselben Medaille – und die Metal- und Alternative-Community verfolgt die Entwicklung mit entsprechender Aufmerksamkeit.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Metal Hammer DE, Chaoszine, Loudwire, Vice, Stereogum, Alternative Nation, Blunt Magazine, asatunews
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