
Am 12. Mai 2026 verwandelte sich der Vorplatz des 26 Federal Plaza im Herzen von Lower Manhattan für kurze Zeit in eine Bühne des politischen Widerstands. Inmitten von Transparenten und einer aufgebrachten Menschenmenge erschien Tom Morello, 61-jähriger Gitarrist und Mitbegründer von Rage Against the Machine, um seiner Haltung gegenüber der US-Einwanderungsbehörde ICE und der Trump-Regierung mit aller Deutlichkeit Ausdruck zu verleihen. Es war kein spontaner Auftritt: Morello hatte eigens eigene Soloshowtermine verschoben, um an der vom Bürgerrechtsbündnis Hands Off NYC organisierten Solidaritätskundgebung teilzunehmen.
Ein symbolischer Ort mit belasteter Geschichte
Der 26 Federal Plaza ist kein beliebiger Schauplatz. Das Gebäude beherbergt ein Bundeseinwanderungsgericht und hat sich seit Monaten als Brennpunkt von ICE-Aktionen in New York etabliert. Zahlreiche Berichte dokumentieren, wie Einwanderer, die dort ihren gesetzlich vorgeschriebenen Gerichtsterminen nachkommen wollten, von maskierten Bundesbeamten abgefangen, festgehalten und abgeschoben wurden – ohne Möglichkeit, rechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Präsident und Geschäftsführer der New York Immigration Coalition, Murad Awawdeh, brachte es auf den Punkt: Was dort geschehe, habe nichts mit konsequenter Einwanderungskontrolle zu tun, sondern mit dem gezielten Einsatz von Grausamkeit als Mittel staatlicher Politik.
Morellos Worte – direkt und unverblümt
Morello ergriff das Wort mit persönlichen Erinnerungen. Er verwies auf seine eigene Kindheit im New Yorker Stadtbezirk Manhattan, wo er mit seiner Mutter aufwuchs, um dann eine eindeutige Einschätzung der aktuellen Lage zu liefern. Wer die Merkmale des Faschismus in allen seinen Erscheinungsformen erkenne – im Auftreten, in der Sprache, in den Methoden, in den Lügen und in der Gewalt – der müsse beim Namen nennen, womit er es zu tun habe. Die Formulierung, die er wählte, war unmissverständlich und laut beklatschend: Es sei verdammter Faschismus. Darüber hinaus bezeichnete er die Trump-Regierung als autoritäre Zirkusnummer und rief dazu auf, sich gemeinsam für Demokratie und Gerechtigkeit einzusetzen, denn niemand werde von außen kommen, um die bedrohten Werte zu retten.
Morello berichtete auch von einem konkreten Fall aus seinem persönlichen Umfeld: Eine ältere Frau, eine langjährige Bekannte der Familie, sei auf dem Nachhauseweg vom Einkaufen von ICE-Beamten festgenommen, in ein nicht gekennzeichnetes Fahrzeug gedrängt und ohne jegliches Gerichtsverfahren abgeschoben worden. Dieser Schilderung folgte ein eindringlicher Appell an die Anwesenden, sich für das geplante New York for All Act einzusetzen – ein Gesetzesvorhaben auf Staatsebene, das die Kooperation lokaler Strafverfolgungsbehörden mit ICE einschränken würde.
Woody Guthrie auf der Straße
Nach seiner Rede griff Morello zur Gitarre und spielte eine reduzierte Version von Woody Guthries zeitlosem Protestlied „This Land Is Your Land“. Er wählte dabei bewusst jene Strophen, die in kommerziellen Fassungen häufig ausgelassen werden – Zeilen, die von Armut, Warteschlangen vor Sozialbehörden und dem zweifelnden Blick auf die Verheißungen des amerikanischen Traums handeln. Die Menge stimmte ein. Die Szene – ein Rock-and-Roll-Hall-of-Fame-Mitglied, eine Akustikgitarre und ein Chor aus New Yorkern vor einem Bundesgebäude – hatte eine Unmittelbarkeit, die zahlreich fotografiert und gefilmt wurde.
Politischer Rückenwind und konservativer Gegenwind
Der Auftritt fand nicht im luftleeren Raum statt. Nur eine Woche zuvor hatte sogenannter Grenzbeauftragter Tom Homan öffentlich angekündigt, die Präsenz von ICE-Agenten in sogenannten Sanctuary Cities drastisch zu erhöhen. Morello und die Veranstalter hatten die Kundgebung gezielt als Antwort auf diese Ankündigung geplant. Auf der Veranstaltung sprach auch Allan Dabrio Marrero, ein New Yorker, der selbst fünf Monate lang in ICE-Gewahrsam verbracht und dabei fünf verschiedene Einrichtungen durchlaufen hatte. Seine Worte über die weiterhin inhaftierten Menschen und die zerrissenen Familien gaben dem Protest ein menschliches Gesicht.
Auf konservativer Seite erntete Morello Spott und Ablehnung. Auf sozialen Medien häuften sich abfällige Kommentare, die ihm mangelnde Relevanz und Eigennutz vorwarfen. Auf Instagram hingegen überwog das Lob: Fans und Aktivisten feierten seinen Einsatz, seine Präsenz und die Wahl des Guthrie-Klassikers als politisches Statement.
Ein Aktivist auf Tour – und auf der Straße
Morellos Auftritt am Federal Plaza war kein Ausreißer, sondern Teil einer kontinuierlichen politischen Haltung. Seit Jahresbeginn begleitet er Bruce Springsteen und die E Street Band auf der „Land of Hope and Dreams American Tour“, die am 31. März 2026 in Minneapolis begann und am 27. Mai 2026 in Washington, D.C. enden wird. Die 20-stationen-Tour trägt den Untertitel „No Kings“ und ist explizit als kulturpolitisches Statement konzipiert. Morello sagte eigene Soloshowtermine für Mai ab, um an der gesamten Tour teilnehmen zu können. Am Abend vor der Kundgebung hatte er noch gemeinsam mit Springsteen in der Madison Square Garden gespielt. Für den Sommer 2026 plant er zudem eine eigenständige Europatour, mit einem Soloauftritt in London sowie einem Auftritt beim Download Festival 2026.
Tourdaten Tom Morello / Bruce Springsteen – Land of Hope and Dreams American Tour 2026 (verbleibende Termine)
- Mai 2026 – New York, NY – Madison Square Garden
- Mai 2026 – Philadelphia, PA – Wells Fargo Center
- Mai 2026 – Boston, MA – TD Garden
- Mai 2026 – Boston, MA – TD Garden
- Mai 2026 – Washington, D.C. – Nationals Park
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, amNewYork, Fox News, NME, Pollstar, Consequence, Ultimate Classic Rock, Variety
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