Am 13. Mai 2026, genau zwei Monate nach seinem Tod am 13. März, wurde Phil Campbell an einem nicht öffentlich bekannt gegebenen Ort in Wales beigesetzt. Seine Witwe Gaynor sowie seine drei Söhne Todd, Dane und Tyla teilten die Nachricht über die sozialen Medien mit – begleitet von einem Foto, das das mit einem blumengeschmückten Sechssaiter versehene Grab des Gitarristen zeigt. Ein letztes Bild voller Symbolkraft für einen Mann, dessen Leben der Gitarre gehörte.
Ein Waliser, der den Heavy Metal prägte
Philip Anthony Campbell wurde am 7. Mai 1961 in Pontypridd im Süden von Wales geboren und blieb seiner Heimat zeitlebens verbunden. Dort wuchs er auf, dort lebte er mit seiner Familie – und dort fand er nun auch seine letzte Ruhestätte. Bereits mit zehn Jahren griff er erstmals zur Gitarre, mit zwölf begegnete er einem noch unbekannten Ian Fraser Kilmister, der damals noch bei Hawkwind spielte und dem jungen Fan ein Autogramm gab. Kaum jemand hätte damals geahnt, dass aus diesem kurzen Moment eine jahrzehntelange musikalische Verbindung erwachsen sollte.
In seinen frühen Jahren spielte Campbell in verschiedenen Bands und gründete 1979 die Heavy-Metal-Formation Persian Risk. Der entscheidende Wendepunkt kam im Februar 1984: Nach dem Ausscheiden von Brian Robertson suchte Motörhead per Vorsprechen einen neuen Gitarristen. Campbell überzeugte – und begann damit eine 31-jährige Laufbahn als Leadgitarrist einer der einflussreichsten Rockbands der Geschichte.
31 Jahre Motörhead – ein Monument aus Riffs und Verzerrung
Gemeinsam mit Lemmy Kilmister und wechselnden Schlagzeugern formte Phil Campbell den unverwechselbaren Sound von Motörhead: roh, kompromisslos, laut. Sein Gitarrenspiel trug maßgeblich zu Klassikern wie „Ace of Spades“, „Overkill“ oder „Bomber“ bei und machte die Band zum Inbegriff des Heavy Metal. Campbell spielte auf einer Vielzahl von Gitarren, darunter Gibson-Modelle und nach eigenen Spezifikationen gefertigte Instrumente der Marken Lag und Framus. Sein Spitzname „Wizzö“ wurde in der Metalszene zu einer eigenen Legende.
Als Lemmy Kilmister am 28. Dezember 2015 verstarb, löste sich Motörhead auf. Von der letzten klassischen Besetzung lebt heute noch Schlagzeuger Mikkey Dee, der inzwischen bei den Scorpions tätig ist. Dee meldete sich nach Campbells Beisetzung öffentlich zu Wort und gedachte seines langjährigen Mitstreiters mit bewegenden Worten, in denen er ihn als Waffenbruder nach vielen gemeinsamen Jahren bezeichnete und der Familie sein Mitgefühl aussprach.
Die letzten Monate und das Lebensende
Bereits im Februar 2026 musste Campbells Band Phil Campbell And The Bastard Sons bekanntgeben, dass alle geplanten Konzerte in Australien sowie in Europa für den Zeitraum März bis Mai abgesagt werden müssten. Gesundheitliche Gründe wurden genannt, ohne dass Details mitgeteilt wurden. Wenige Wochen später, in der Nacht zum 13. März 2026, verstarb er nach einem langen Kampf auf der Intensivstation infolge einer schwerwiegenden und aufwendigen Operation. Er wurde 64 Jahre alt. Die Nachricht wurde von seiner Familie über die sozialen Medien der Band verbreitet. In der Mitteilung hieß es, er habe alle, die ihn kannten, zutiefst bewegt – als hingebungsvoller Ehemann, liebevoller Vater und stolzer Großvater, den seine Enkelkinder den Kosenamen „Bampi“ gegeben hatten.
Phil Campbell And The Bastard Sons: Das Erbe lebt weiter
2016 hatte Campbell zusammen mit seinen drei Söhnen die Band Phil Campbell And The Bastard Sons gegründet, mit Julian Jenkins als Frontmann. Das Projekt war von Beginn an mehr als nur ein musikalisches Nebenprojekt – es war Familienarbeit im besten Sinne. Nach dem Tod ihres Vaters haben Todd, Dane und Tyla nun bekannt gegeben, die Band weiterzuführen. Zwei besondere Gedenkkonzerte wurden angekündigt, die Campbells Leben und Schaffen feiern sollen.
Tourdaten Phil Campbell And The Bastard Sons 2026
- August 2026 – Chepstow Castle, Wales (Gedenkshow)
- September 2026 – Hella Rock Festival (Headliner, Gedenkshow)
Ein Vermächtnis, das nicht verstummt
Mit Phil Campbell verliert die Rockwelt einen der prägendsten Gitarristen seiner Generation. Wer 31 Jahre lang den Sound einer Band wie Motörhead mitgeformt hat, hinterlässt keine Lücke, die sich füllen lässt. Sein Name steht für eine Ära des Heavy Metal, in der Kompromisslosigkeit kein Makel, sondern Programm war. Dass seine Söhne sein Werk fortführen und seine Musik lebendig halten wollen, ist das vielleicht stärkste Zeichen der Ehrerbietung, das einer Familie möglich ist.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Metal Hammer, Wikipedia, Laut.de, ORF, Rock Antenne, Morecore
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