President Donald J. Trump hosts a Rose Garden Club dinner in honor of Police Week in the White House Rose Garden, Monday, May 11, 2026. (Official White House Photo by Molly Riley)
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President Donald J. Trump hosts a Rose Garden Club dinner in honor of Police Week in the White House Rose Garden, Monday, May 11, 2026. (Official White House Photo by Molly Riley)

Am 11. Juni 2026 beginnt im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt die Fußball-Weltmeisterschaft. Zum ersten Mal seit 32 Jahren findet das wichtigste Sportereignis des Planeten wieder in Nordamerika statt – diesmal als Gemeinschaftsprojekt der USA, Kanadas und Mexikos, mit 78 Partien in 16 Städten auf drei Länder verteilt. Drei Viertel aller Spiele finden dabei auf US-amerikanischem Boden statt. Das Versprechen war ein Fest der Völkerverständigung, ein Turnier, das Grenzen überbrückt. Die Realität sieht im Mai 2026 grundlegend anders aus.

Einreiseverbote als Staatspolitik: Wer kommt, wer bleibt draußen

Noch vor wenigen Monaten stand die gesamte Planung der WM unter dem Schatten einer beispiellosen Einreisepolitik. Die Trump-Regierung verhängte im Januar 2026 vollständige Reisesperren für Staatsangehörige aus 19 Ländern, darunter Iran, Haiti, Somalia, Syrien, Libyen und weitere Staaten mit überwiegend schwarzer oder muslimischer Bevölkerung. Für weitere 20 Länder wurden eingeschränkte Reisebeschränkungen eingeführt, die auch mehrere WM-Teilnehmerländer wie die Elfenbeinküste und Senegal betrafen. Haiti und der Iran – beide für die WM qualifiziert – waren von einem vollständigen Einreiseverbot betroffen. Das bedeutete in der Konsequenz: Die Spieler dieser Nationen konnten zwar durch Sondergenehmigungen einreisen, ihre Fans jedoch nicht.

Erst Mitte Mai 2026, wenige Wochen vor Turnierbeginn, ruderte die US-Regierung in Teilen zurück: Die zunächst eingeführte Pflichtkaution von bis zu 15.000 Dollar für Visa-Antragsteller aus betroffenen Ländern wurde für Inhaber offizieller FIFA-Tickets aufgehoben. Ein sogenanntes FIFA-Pass-System soll beschleunigte Visa-Termine ermöglichen. Menschenrechtsorganisationen bezeichneten diese Korrekturen als unzureichend. Denn das grundlegende Problem – dass bestimmten Nationalitäten die Einreise zum weltweit offensten Sportereignis strukturell erschwert oder unmöglich gemacht wird – bleibt bestehen. Staatsangehörige aus dem Iran und Haiti fallen unter ein generelles Einreiseverbot in die USA, das auch während des Turniers Gültigkeit behält.

Der Iran: Ein Kriegsgegner im WM-Kader

Nichts illustriert die Absurdität der WM 2026 drastischer als die Situation des Iran. Am 28. Februar 2026 begannen die USA gemeinsam mit israelischen Streitkräften mit Luftangriffen auf den Iran. Der Iran antwortete mit Gegenschlägen auf US-Militäreinrichtungen in der gesamten Golfregion. Der oberste iranische Führer Ali Chamenei kam ums Leben. Inmitten dieser Eskalation soll die iranische Fußballnationalmannschaft im Sommer in Los Angeles und Seattle gegen Neuseeland, Belgien und Ägypten antreten – auf dem Boden des Landes, das ihren Staat gerade militärisch angreift.

Der Iran bat die FIFA, seine Vorrundenspiele aus Sicherheitsgründen nach Mexiko zu verlegen. Die FIFA lehnte ab mit dem Verweis auf den damit verbundenen enormen logistischen Aufwand. Ein Trump-Sondergesandter brachte zwischenzeitlich den Vorschlag ins Spiel, das nicht qualifizierte Italien solle den Iran bei der WM ersetzen – offenbar mit dem politischen Hintergedanken, damit das belastete Verhältnis zwischen Trump und der italienischen Regierungschefin zu kitten. FIFA-Präsident Infantino hielt daran fest, dass der Iran teilnehmen solle. US-Außenminister Rubio erklärte, die Spieler selbst seien willkommen – ob jedoch Offizielle, Trainer oder Journalisten aus dem Iran einreisen dürften, ließ er demonstrativ offen. Trump selbst äußerte sich gleichgültig: Es sei ihm wirklich egal, ob die Mannschaft komme oder nicht.

Überwachungsstaat als Stadionordner: ICE und die digitale Grenzkontrolle

Die US-Einwanderungsbehörden ICE und CBP wurden zu paramilitärisch agierenden Einheiten umgebaut. Maskierte, bewaffnete Bundesagenten stürmen ohne Haftbefehl Wohnungen und verhaften willkürlich Menschen auf offener Straße – selbst in der Nähe von Schulen oder religiösen Einrichtungen. Genau diese Behörde soll bei der WM 2026 eine zentrale Sicherheitsrolle übernehmen. Human Rights Watch forderte eine formelle Zusicherung, dass die Behörde rund um Spielorte keine aktiven Einsätze gegen die Zivilbevölkerung durchführt. Eine entsprechende Garantie haben weder die US-Regierung noch die FIFA bislang erteilt.

Gleichzeitig plant die Trump-Regierung eine umfassende Durchleuchtung aller Einreisenden: Geschäftliche und private Telefonnummern der letzten fünf Jahre, Social-Media-Konten sowie E-Mail-Adressen der vergangenen zehn Jahre sollen bei der Grenzkontrolle offengelegt werden. Auch persönliche Daten von Familienmitgliedern sollen angegeben werden müssen. Was das für einen Fußballfan aus Senegal oder Marokko bedeutet, lässt sich unschwer ausmalen. Amnesty International warnte ausdrücklich, dass auch Reisende aus EU-Ländern wie Deutschland bei der Einreise auf kritische Äußerungen gegenüber der US-Regierung in sozialen Netzwerken überprüft werden könnten. Für trans Personen gelten gesonderte Risiken, da Transidentitäten von der US-Bundesregierung offiziell nicht anerkannt werden.

120 Organisationen schlagen Alarm: Die Reisewarnung

Mehr als 120 zivilgesellschaftliche Organisationen haben eine formelle Reisewarnung für die USA herausgegeben. Sie weisen darauf hin, dass Fans, Spieler, Journalisten und andere Besucher der WM dem Risiko schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sein könnten. Die Warnung verweist auf willkürliche Einreiseverweigerungen, gewaltsame Übergriffe auf Demonstrierende, Verhaftungen von Journalisten bei der Berichterstattung über Proteste sowie auf tödliche Gewalt durch Bundesbeamte gegen Zivilpersonen. Allein in den elf WM-Gastgeberstädten wurden zwischen Januar 2025 und März 2026 mehr als 167.000 Menschen verhaftet. Reporter ohne Grenzen äußerte Sorgen über die Sicherheit ausländischer Journalisten und forderte von der FIFA eine explizite Zusicherung zur Pressefreiheit.

Die FIFA und ihr Schweigen: Profit über Prinzip

Die WM 2026 sollte die erste sein, bei der Menschenrechtskriterien in den Vergabeprozess eingeflossen sind. Doch keine der 16 Austragungsstädte hat einen konkreten Maßnahmenplan ausgearbeitet, um Fans, Spieler, Journalisten und die lokale Bevölkerung vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich seit 2023 nicht mehr öffentlich Pressefragen gestellt. Stattdessen präsentierte er Trump im Weißen Haus den WM-Pokal und ließ sich als Mitarchitekt des historischen Turniers feiern. Die FIFA soll für die WM 2026 Rekordeinnahmen von rund 11 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Die günstigsten Finaltickets kosteten zeitweise mehr als 4.000 Dollar – mehr als siebenmal so viel wie noch beim Turnier in Katar 2022. Dass Football Supporters Europe daraufhin eine formelle Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die FIFA einreichte, ist ein Zeichen dafür, wie weit sich der Weltverband von den Menschen entfernt hat, für die der Fußball eigentlich gespielt wird.

Mexiko: Das vergessene Gastgeberland

Auch abseits der USA ist die Lage alles andere als festlich. Mexiko mobilisiert für das Turnier 100.000 Sicherheitskräfte, darunter 20.000 Soldaten. Im Umkreis von nur zehn Meilen rund um das Estadio Akron in Guadalajara wurden Massengräber mit mindestens 500 Leichen entdeckt. Mexiko verzeichnet zudem mehr als 133.500 verschwundene Personen. Dass ausgerechnet dort Fußball als verbindendes Fest der Menschlichkeit zelebriert werden soll, ist eine Zumutung für die betroffenen Familien.

Ein Turnier als Spiegel der Zeit

Die WM 2026 ist kein Ausreißer. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger FIFA-Politik, die Menschenrechte als Verhandlungsmasse behandelt und Gastgeberländer nach wirtschaftlichem Kalkül auswählt. Russland 2018, Katar 2022, Saudi-Arabien 2034 – die Vergabeliste ist eine Chronik struktureller Verantwortungslosigkeit. 2026 kommt eine neue Dimension hinzu: Das Gastgeberland führt aktiv Krieg gegen eines der teilnehmenden Länder, schließt die Fans zahlreicher qualifizierter Nationen aus und baut seine Sicherheitsbehörden zu Instrumenten politischer Einschüchterung aus. Die FIFA schaut weg, kassiert – und nennt es den schönsten Sport der Welt.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Berliner Zeitung, Sportschau, Euronews, Amnesty International, Stuttgarter Zeitung, Tagesspiegel, TAZ, ZDF heute, Wikipedia, T-Online, Human Rights Watch, Reporter ohne Grenzen, Fussballnationalmannschaft.net

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