
Er ist einer der erfolgreichsten Singer-Songwriter der Rockgeschichte, sein Spitzname Piano Man ist Programm — und nun steht Billy Joel im Mittelpunkt einer handfesten Auseinandersetzung, die nicht auf der Bühne, sondern vor den Kulissen Hollywoods ausgetragen wird. Ein in Entwicklung befindlicher Spielfilm über seine frühen Jahre trägt den Titel „Billy & Me“ und wird vom Regisseur und Cutter John Ottman verantwortet. Joels Lager hat das Projekt jedoch öffentlich und unmissverständlich abgelehnt.
Was hinter dem Film steckt
„Billy & Me“ soll Joels Leben vor seinem großen Durchbruch beleuchten — die Jahre, in denen er noch weit entfernt war vom Ruhm des Piano Man. Der Film wird nicht aus Joels eigener Perspektive erzählt, sondern aus der Sicht seines ersten Managers Irwin Mazur, der ihn 1966 entdeckte, 1970 unter Vertrag nahm und seinen Weg bis zum Plattenvertrag mit Columbia Records im Jahr 1972 begleitete. Daneben ist Jon Small als Mitproduzent, Berater und Regisseur der zweiten Einheit an dem Projekt beteiligt — ein enger Jugendfreund Joels, der mit ihm in der frühen Band The Hassles spielte und später für seine Musikvideos verantwortlich war. Sowohl Mazur als auch Small haben dem Film ihre Lebensrechte übertragen.
Joels klare Absage
Ein Sprecher des Musikers machte in einer Stellungnahme gegenüber Medien deutlich, dass die beteiligten Parteien seit 2021 offiziell darüber informiert worden seien, dass sie weder über Joels Lebensrechte verfügen noch die für das Projekt notwendigen Musikrechte erlangen werden. Joel habe das Vorhaben in keinerlei Hinsicht genehmigt oder unterstützt. Ein weiteres Vorgehen ohne seine Zustimmung sei sowohl in rechtlicher als auch in professioneller Hinsicht verfehlt — so die unmissverständliche Botschaft aus seinem Umfeld.
Die Gegenseite hält dagegen
Regisseur John Ottman wies die Vorwürfe zurück. Er erklärte, die Charakterisierung als rechtlich und professionell verfehlt spiegele nicht zutreffend wider, worum es bei dem Film tatsächlich gehe. Das Projekt basiere auf den persönlichen Erinnerungen und dem legitimen Recht von Irwin Mazur, seine eigene Geschichte zu erzählen. Ottman argumentiert zudem, dass der Film keine von Joels bekannten Hits benötige — da die Handlung sich ausschließlich in der Zeit vor seinem Durchbruch abspiele, habe Joel in jener Ära vorwiegend Coverversionen anderer Künstler gespielt. Drehbuchautor und Produzent Adam Ripp schloss sich dieser Einschätzung an und betonte, der Film sei ausdrücklich aus der Warte von Mazur und Small konstruiert, nicht als autorisiertes Porträt des Musikers selbst.
Joels Jugendfreund auf der Gegenseite
Besonders pikant ist Jon Smalls Rolle in diesem Konflikt. Er war nicht nur ein enger Vertrauter und früher Mitmusiker Joels, sondern auch Teil einer persönlich belasteten Geschichte: Seine damalige Ehefrau Elizabeth Weber verließ ihn für Joel, was zu einem tiefen Bruch zwischen den beiden Männern führte. Joel heiratete Weber später, und die Beziehung inspirierte einige seiner bekanntesten Songs. Für seinen Film äußerte sich Small zustimmend: Er sieht das Projekt als ehrliche, herzliche und authentische Darstellung von Joels frühem Leben — geschaffen von Menschen, die ihn wirklich kennen und schätzen.
Kein Einzelfall: Eine lange Vorgeschichte
Der aktuelle Konflikt ist nicht der erste seiner Art. Bereits zuvor gab es Planungen für ein Biopic unter dem Titel „Piano Man“, das ebenfalls auf den Lebensrechten Mazurs basierte und bei dem Joel gleichfalls jede Beteiligung und Unterstützung verweigerte. Joels Widerstand gegen Filmprojekte ohne seine Kontrolle hat damit eine mehrjährige Geschichte.
Ottmans Renommee und der Kontext
John Ottman ist in der Filmbranche kein Unbekannter. Er war als leitender Cutter am Michael-Jackson-Biopic „Michael“ beteiligt, das Anfang 2026 in die Kinos kam und an den Kinokassen große Erfolge verzeichnete. Für seine Arbeit am Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ gewann er einen Oscar. Der Produktionsstart für „Billy & Me“ ist für Herbst 2026 geplant, als Drehorte sind Kanada und New York vorgesehen. Das Casting laufe derzeit.
Ein Grundsatzstreit über Kontrolle und Würde
Der Fall Billy Joel reiht sich ein in eine wachsende Debatte über den Umgang mit dem Leben noch lebender Künstlerinnen und Künstler im Filmgeschäft. Während Studios und Produzenten zunehmend auf Biopics setzen, bestehen viele Betroffene auf dem Recht, die Deutungshoheit über ihre eigene Geschichte zu behalten. Joel macht deutlich: Wer seinen Namen, seine Musik und seine Biografie nutzen will, braucht seine Zustimmung — und die wird es nicht geben.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, Rolling Stone Deutschland, Variety, The Hollywood Reporter, The Wrap, TMZ, Ultimate Classic Rock, The Circle, AV Club, Parade
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