Jimmy Baikovicius from Montevideo, Uruguay, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
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David Gilmour's 70,000 fans gather for his first ever concert in Buenos Aires Hipódormo de San Isidrio, Argentina.

David Gilmour, Gitarrist und Mitbegründer der Rocklegende Pink Floyd, hat in den vergangenen Jahren unmissverständlich klargestellt, wie er zum Thema Greatest Hits und Bandklassiker steht: nämlich mit einer deutlichen Skepsis. Wer bei einem Gilmour-Konzert eine bunte Sammlung der bekanntesten Pink-Floyd-Hits erwartet, könnte enttäuscht werden – und das ist durchaus gewollt.

Ein Künstler zieht Grenzen

In einem vielbeachteten Interview mit dem britischen Musikmagazin Mojo äußerte sich Gilmour offen darüber, welche Songs er künftig nicht mehr auf die Bühne bringen möchte. So machte er deutlich, dass ihm bestimmte Stücke aus der Bandvergangenheit schlicht nicht mehr behagen. Run Like Hell etwa, ein Klassiker aus dem 1979er-Album The Wall, empfindet er nach eigenen Angaben mittlerweile als zu aufwühlend und aggressiv im Ton. Auch Another Brick in the Wall will er als Soloartist nicht aufführen – ein Titel, den er in der Roger-Waters-losen Phase von Pink Floyd zwar gespielt hat, jedoch nach eigenem Bekunden gegen seine innere Überzeugung. Gleiches gilt für Money, den bekannten Song vom Meilensteinalbum The Dark Side of the Moon.

Eigentümerschaft als künstlerisches Prinzip

Gilmour macht dabei einen entscheidenden Unterschied: Er möchte sich auf Stücke konzentrieren, bei denen er sich als eigentlicher musikalischer Urheber sieht. Titel wie Comfortably Numb, Wish You Were Here und Shine On You Crazy Diamond nennt er als Werke, zu denen er echte Verbindung und Eigenverantwortung empfindet. Diese Haltung ist nicht zuletzt auch eine implizite Reaktion auf den seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt mit Roger Waters, der in der klassischen Floyd-Ära als Hauptautor fungierte und dessen Kompositionen Gilmour nun bewusst auslässt.

Keine Greatest-Hits-Mentalität

Diese künstlerische Positionierung bedeutet de facto, dass Gilmour kein Interesse an einer Greatest-Hits-Revue hat. Wer sich eine Zusammenstellung der beliebtesten Bandtitel erhofft, bekommt stattdessen einen Gilmour, der sein Schaffen selektiv und auf persönliche Relevanz hin durchforstet. In einem Interview mit dem Magazin Uncut betonte er bereits vor seiner Luck-and-Strange-Tour 2024 seine Abneigung gegenüber einer Rückkehr zum klassischen Floyd-Sound der Siebziger. Lieber greife er auf Materialien aus anderen Phasen der Bandgeschichte zurück, etwa den späteren Alben A Momentary Lapse of Reason und The Division Bell, an denen er stärkeren kreativen Anteil hatte.

Sony übernimmt den Katalog – Gilmour atmet auf

Ein weiterer Aspekt dieser Distanzierung betrifft die geschäftliche Seite: Im Oktober 2024 verkaufte Pink Floyd die Rechte an ihrem aufgenommenen Gesamtwerk für einen kolportierten Betrag von rund 400 Millionen Dollar an Sony Music. Gilmour äußerte sich dazu erleichtert. Er schilderte, dass er jahrzehntelang darum gekämpft habe, das musikalische Erbe der Band so gut wie möglich zu verwalten – gegen interne Widerstände, Streitereien und bürokratische Hindernisse. Nun, da Sony das Ruder übernommen habe, fühle er sich befreit von einer Last, die er schon lange mit sich getragen habe. Seine Verlagsrechte hat er dabei behalten.

Pink Floyd veröffentlicht neue Kompilation – ohne Gilmours Segen

Während Gilmour persönlich auf Greatest-Hits-Konzepte verzichtet, hat Sony Music als neuer Rechteinhaber des Katalogs im April 2026 eine neue Zusammenstellung angekündigt. Unter dem Titel 8-Tracks erscheint am 5. Juni 2026 eine auf acht Songs beschränkte Auswahl aus den Jahren 1971 bis 1979, kuratiert und abgemischt vom Produzenten und Pink-Floyd-Kenner Steven Wilson. Die Tracklist umfasst unter anderem Klassiker wie Money, Wish You Were Here, Another Brick in the Wall Part 2, Time und Comfortably Numb. Als Besonderheit enthält die Veröffentlichung eine vollständige Version von Pigs on the Wing, die ursprünglich nur auf der 1977er-Kassetten-Cartridge-Version des Albums Animals erschienen war und ein Gitarrensolo von Snowy White beinhaltet. Gilmour selbst ist an dieser Veröffentlichung nicht federführend beteiligt – ein deutliches Zeichen dafür, dass er die Kontrolle über sein Erbe bewusst abgegeben hat.

Ein Gitarrist, der nach vorne schaut

Gilmour arbeitet derweil an neuem Soloalbum-Material und hat für 2026 weitere Konzertaktivitäten angedeutet. Sein Soloalbum Luck and Strange aus dem Jahr 2024 war sein drittes Nummer-eins-Album in Großbritannien, die zugehörige Konzerttournee führte ihn unter anderem in den Circus Maximus in Rom, wo drei Abende mitgeschnitten wurden und 2025 als Kinofilm sowie Heimvideoformat erschienen. Für Gilmour zählt offenbar die Gegenwart und die Zukunft mehr als das Pflegen eines Best-of-Images. Er ist, wie er selbst sagt, im Kern ein Songwriter, der in kleinen Clubs begonnen hat – und diese Wurzeln lässt er sich von keiner Hits-Kompilation nehmen.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Mojo, Rolling Stone, Rolling Stone DE, Uncut, NME, Billboard, Far Out Magazine, Cult Following, Ultimate Classic Rock, Neptune Pink Floyd, SuperDeluxeEdition, Pink Floyd Official

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