
Am 21. Mai 2026 lief im Ed Sullivan Theatre in New York die allerletzte Ausgabe von „The Late Show with Stephen Colbert“ auf CBS. Damit endete nach elf Jahren nicht nur Colberts Amtszeit als Gastgeber, sondern das gesamte Late-Show-Format des Senders, das seit 1993 auf Sendung war. CBS hatte bereits im Juli 2025 angekündigt, die Reihe vollständig einzustellen – ohne Nachfolger, ohne Ersatzformat im gleichen Stil. Als Grund nannte der Sender ausschließlich wirtschaftliche Schwierigkeiten im hart umkämpften Spätabendprogramm.
Colberts Abschied: Prominente Gäste, kaum Politik
Obwohl Colbert jahrelang als einer der schärfsten Satiriker der US-amerikanischen Fernsehlandschaft galt und insbesondere Donald Trump regelmäßig zur Zielscheibe seines Witzes machte, verzichtete er in seiner Abschlusssendung weitgehend auf direkte politische Kommentare. Den Ehrenplatz als letzter Gast erhielt Musiklegende Paul McCartney, der am Ende der Sendung symbolisch die Lichter im historischen Ed Sullivan Theatre löschte – jenem Haus, in dem die Beatles einst ihren legendären US-Auftritt hatten. Hinzu kamen zahlreiche prominente Überraschungsgäste, darunter Bryan Cranston, Paul Rudd, Ryan Reynolds sowie mehrere Late-Night-Kollegen wie Jimmy Kimmel, Seth Meyers, John Oliver, Jimmy Fallon und Jon Stewart. In einem gemeinsamen Sketch standen sie vor einem riesigen Portal, das Colbert symbolisch in eine andere Dimension zu saugen drohte – und scherzten, es könnte sie alle gleich mitreißen. Sowohl Kimmel als auch Fallon setzten ihre eigenen Sendungen an diesem Abend aus und zeigten ältere Folgen als Geste der Solidarität.
Rekordquoten zum Abschied – trotz Abgesang
Wer Colbert schlechte Einschaltquoten nachsagen wollte, sah sich am Finaleabend mit harten Zahlen konfrontiert. Laut vorläufigen Nielsen-Daten verfolgten rund 6,74 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die letzte Ausgabe – mehr als das Zweieinhalbfache des regulären Saisonschnitts von etwa 2,69 Millionen im ersten Quartal 2026. Die Finalsendung übertraf damit sogar den Premierenabend im September 2015, der damals 6,55 Millionen Zuschauer angezogen hatte, und markierte die meistgesehene Wochentags-Ausgabe in der gesamten Geschichte der Sendung. Nur der Sondereinsatz direkt nach dem Super Bowl im Februar 2016 hatte mit über 20 Millionen Zuschauern noch größere Dimensionen erreicht. Zum Vergleich: David Lettermans Abschiedssendung 2015 hatte seinerzeit 13,7 Millionen Menschen vor den Bildschirm gebracht.
Trump feiert – und schießt scharf nach
Kurz nach Ausstrahlung der letzten Folge meldete sich US-Präsident Donald Trump zu Wort – auf seinem eigenen Sozialen Netzwerk Truth Social, in den frühen Morgenstunden. In einem Post kurz vor zwei Uhr nachts feierte er das Ende der Sendung in gewohnt direkter Manier und bezeichnete Colbert dabei als talentlos, quotenschwach und irgendwie leblos. Er sei froh, dass dieser „totale Idiot“ endlich verschwunden sei, und jede beliebige Person von der Straße hätte den Job besser gemacht. In einem weiteren Beitrag deutete Trump an, Colberts Abgang sei erst der Anfang – andere Late-Night-Moderatoren von ähnlich geringem Talent würden bald folgen.
Politische Verstrickungen hinter der Absetzung
Trump hatte sich bereits im Juli 2025, unmittelbar nach Bekanntgabe der Absetzung, triumphierend zu Wort gemeldet und erklärt, er liebe es, dass Colbert gefeuert worden sei. Der Präsident hatte die Sendung seit Jahren offen kritisiert und mehrfach gefordert, CBS solle Colberts Vertrag beenden. Die Entscheidung des Senders fiel in eine politisch brisante Phase: Paramounts Muttergesellschaft, die CBS betreibt, befand sich damals in Verhandlungen über eine milliardenschwere Fusion mit Skydance Media – ein Deal, der der Genehmigung der Trump-Regierung bedurfte. Skydance-Chef David Ellison gilt als Trump-nah. Hinzu kommt, dass CBS kurz zuvor einen Vergleich mit Trump über einen umstrittenen „60 Minutes“-Beitrag über Kamala Harris geschlossen hatte. Kritiker sehen in der Kombination dieser Faktoren mehr als nur einen Zufall. CBS selbst bestand darauf, die Entscheidung sei rein betriebswirtschaftlich begründet und stehe in keinerlei Zusammenhang mit Programminhalten oder politischen Vorgängen.
Colbert kontert – und verabschiedet sich mit Haltung
Colbert selbst ließ sich von der öffentlichen Fehde nicht beirren. In der Sendung wehrte er sich auf seine Art gegen die Behauptung, kein Talent zu besitzen – mit einem selbstironisch-satirischen Gegenzug, der in einem obszönen, aber unmissverständlichen Abschiedsgruß gipfelte, der bewusst auf einem zweiten Kamerawinkel inszeniert wurde. In seinem Abschlussmonolog erinnerte er daran, dass er einst versprochen hatte, die Nachrichten nicht nur zu berichten, sondern gemeinsam mit dem Publikum zu fühlen – ein Moment, der viele Zuschauer sichtlich bewegte. David Letterman, sein Vorgänger, erklärte öffentlich, Colbert sei schlicht weggeräumt worden, weil die Verantwortlichen beim Senderverkauf stillhalten wollten.
Reaktionen aus Politik und Medien
Zahlreiche Demokraten und liberale Kommentatoren würdigten Colberts Arbeit. Mehrere Kongressmitglieder äußerten sich positiv, darunter Parteichef Hakeem Jeffries und Senatorin Amy Klobuchar. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums wurde sein Abgang von konservativen Stimmen teils spöttisch kommentiert. Einige spekulierten augenzwinkernd, Colbert könnte nun in die Politik gehen – was dieser in einem Interview mit einem klaren Nein beantwortete. CBS ersetzt das traditionsreiche Format künftig mit einem Unterhaltungsprogramm ohne politischen Fokus, das bewusst auf zeitlose, wiederholungsfähige Inhalte setzt.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Fox News, The Hill, Newsweek, Variety, The Wrap, Rolling Stone, Hollywood Reporter, CNN, Screen Rant, TV Insider, Salon, The Daily Beast, Euronews, ms-aktuell.de, Wikipedia, Yahoo News, AOL
All articles on Xenopolias are available in all common languages.