The Come Up Show from Canada, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
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The High Road Summer Tour 2016 at the Molson Canadian Amphitheatre featuring Snoop Dogg, Wiz Khalifa, Jhené Aiko, Casey Veggies and Dj Drama. Photography by Charito Yap

Die Woche hätte für Wiz Khalifa kaum kontrastreicher verlaufen können. Während der Rapper aus Pittsburgh gemeinsam mit Machine Gun Kelly sein Kollaborations-Mixtape „Blog Era Boyz“ veröffentlichte und die nordamerikanische Bühne nicht scheute, tauchte sein Foto mit bürgerlichem Namen auf der offiziellen Fahndungsliste der rumänischen Polizei auf. Dort steht sein vollständiger Name Cameron Jibril Thomaz – versehen mit einem Vollstreckungshaftbefehl für eine neunmonatige Freiheitsstrafe. Was wie eine Realsatire klingt, ist bittere juristische Realität.

Der Ursprung: Cannabis am Schwarzen Meer

Alles begann im Juli 2024 beim Beach, Please! Festival im rumänischen Küstenort Costinești. Wiz Khalifa trat dort auf und rauchte nach Angaben der Behörden während seiner Bühnenshow eine selbst gedrehte Cannabiszigarette – angeblich während er seinen bekannten Snoop-Dogg-Kollaborationstrack „Young, Wild & Free“ zum Besten gab. Für die anwesenden Ermittler der Antikorruptions- und Drogenbehörde war der Vorfall offenbar zu offensichtlich. Nach dem Auftritt kontrollierten Beamte den Rapper und stellten dabei mehr als 18 Gramm Cannabis sicher. Wiz Khalifa wurde zunächst freigelassen und entschuldigte sich kurz darauf öffentlich, er habe dem Land keinen Respekt entziehen wollen und werde wiederkehren.

Von der Geldstrafe zur Haftstrafe

Ein rumänisches Untergericht in der Grafschaft Constanța befand ihn schuldig des unerlaubten Besitzes gefährlicher Substanzen für den Eigenkonsum und verhängte zunächst eine Geldstrafe von umgerechnet rund 800 US-Dollar. Die Staatsanwaltschaft hielt das für unzureichend und legte Berufung ein – mit Erfolg. Im Dezember 2025 wurde Khalifa zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Rechtsteam versuchte das Urteil im Anschluss anzufechten. Im Februar 2026 wies der Berufungsgerichtshof in Constanța den Einspruch zurück und verweigerte zugleich die Aussetzung der Strafe zur Bewährung. Ein letzter Versuch vor Rumäniens oberstem Kassationsgericht scheiterte ebenfalls – am 7. Mai 2026 wurde das Urteil rechtskräftig.

Fahndung statt Haftantritt

Nachdem das Urteil bindend wurde, hätte Khalifa die Strafe antreten müssen. Stattdessen erschien er nicht bei den Behörden. Am 20. Mai 2026 veröffentlichte die rumänische Polizei seinen Eintrag auf der nationalen Fahndungsliste – inklusive Passfoto und Haftbefehl. Die Behörden klassifizierten ihn als gesuchte Person wegen Drogendelikten, genauer: wegen Besitzes von Substanzen der Risikokategorie ohne behördliche Genehmigung für den Eigenkonsum. Die Konsequenzen dieses Status gehen über Rumänien hinaus: Sollte Khalifa irgendeinen Mitgliedsstaat der Europäischen Union betreten, könnten rumänische Behörden über einen Europäischen Haftbefehl seine Überstellung beantragen. Für Länder außerhalb der EU wären Interpol-Mechanismen oder reguläre Auslieferungsverfahren denkbar.

Gleichzeitig: Mixtape-Release und Nordamerika-Tour

Während in Bukarest und Bukarest Fahndungsplakate mit seinem Konterfei veröffentlicht wurden, befand sich Wiz Khalifa in Nordamerika auf Tour. Als Support-Act und Mitstreiter von Machine Gun Kelly tourt er seit dem 15. Mai 2026 durch die USA und Kanada im Rahmen von MGKs „Lost Americana Tour“. Pünktlich dazu erschien am 22. Mai 2026 das gemeinsame Mixtape „Blog Era Boyz“ – neun Tracks, die die Energie der frühen Blog-Ära des Hip-Hop zurückbringen sollen, jene Zeit um 2010, als beide Künstler durch Musikblogs und Viralclips zu Bekanntheit gelangten. Wiz und MGK hatten erstmals 2013 gemeinsam an „Mind of a Stoner“ gearbeitet; die Wiedervereinigung mehr als ein Jahrzehnt später wirkte wie eine natürliche Fortsetzung einer alten Freundschaft.

„Blog Era Boyz“: Nostalgie als Konzept

Das Mixtape umfasst neun Tracks, darunter die vorab veröffentlichten Singles „Girl Next Door“ und „Everything Tatted“, Letztere eine halb selbstironische Hommage an den gemeinsamen Hang zu ausgeprägter Körperbetätigung in Tintensachen. Das Musikvideo dazu versammelte neben den beiden Hauptakteuren auch Gastauftritte von Bam Margera, Ty Dolla ignundBooJohnson.DieTracklistliestsichwieeinintimesInventar:„family“,„stoned“,„grindeveryday“,„passport“,„fillmypockets“,„untitled“und„fiberglass“vervollsta¨ndigendasProgramm.VomArtworkbiszurProduktionistdasProjektbewusstalsZeitkapselgestaltet,diedieA¨sthetikundEnergieeinerA¨raeinfa¨ngt,inderHip−HopnochimNetzentdeckt,diskutiertundgeteiltwurde,bevorAlgorithmendasEntdeckenu¨bernahmen.Fu¨rWizKhalifaistesbereitsdassechsteProjektdesJahres2026–zuvorhatteeran„Khaotic“,demSoundtrackzu„MosestheBlack“,„GirlsLoveHorses“undeinemgemeinsamenDoppelalbummitCurrenign und Boo Johnson. Die Tracklist liest sich wie ein intimes Inventar: „family“, „stoned“, „grind everyday“, „passport“, „fill my pockets“, „untitled“ und „fiberglass“ vervollständigen das Programm. Vom Artwork bis zur Produktion ist das Projekt bewusst als Zeitkapsel gestaltet, die die Ästhetik und Energie einer Ära einfängt, in der Hip-Hop noch im Netz entdeckt, diskutiert und geteilt wurde, bevor Algorithmen das Entdecken übernahmen. Für Wiz Khalifa ist es bereits das sechste Projekt des Jahres 2026 – zuvor hatte er an „Khaotic“, dem Soundtrack zu „Moses the Black“, „Girls Love Horses“ und einem gemeinsamen Doppelalbum mit Curren y mitgewirkt.

Tourdaten: Lost Americana Tour mit Wiz Khalifa

Die nordamerikanische Etappe der „Lost Americana Tour“, auf der Wiz Khalifa als Co-Headliner zu erleben ist, läuft noch bis zum 1. Juli 2026. Zu den verbleibenden Stationen gehören unter anderem The Woodlands/TX, Dallas/TX, West Palm Beach/FL, Atlanta/GA, Charleston/SC, Charlotte/NC, Raleigh/NC, Bristow/VA, Bangor/ME, Hartford/CT, Holmdel/NJ, Pittsburgh/PA, Scranton/PA, Toronto sowie Kansas City und Vancouver, bevor die Tour am 1. Juli 2026 in Ridgefield im Bundesstaat Washington endet.

Wiz Khalifas Lage: Kein Kommentar, keine Kurskorrektur

Weder Khalifa selbst noch sein Management haben sich bis zum Zeitpunkt der Berichterstattung öffentlich zu den rumänischen Vorgängen geäußert. Die Stille wirkt angesichts der Umstände fast noch lauter als jede Stellungnahme. Ob und wie die Situation juristisch gelöst werden könnte – durch Verhandlungen, eine nachträgliche Zahlung oder eine andere Einigung – bleibt offen. Fest steht: Solange kein europäischer Boden betreten wird, läuft der Tourbus weiter. Und das Mixtape läuft auf Spotify.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Billboard, Variety, Rolling Out, AllHipHop, Romania Insider, Mediafax, The Express Tribune, Yahoo Entertainment, HotNewHipHop, HipHop-N-More, Blunt Mag, DK Network, The360Mag, Wikipedia, Ticketmaster, CBS News Pittsburgh

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