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Birlikte - Kundgebung - Zeltinger

Am 25. Mai 2026 feiert Jürgen Zeltinger, bürgerlich Hans Jürgen Maria Zeltinger, seinen 77. Geburtstag. Pünktlich zu diesem Ehrentag hat der Musikjournalist und Betreiber des Rockmagazins rockfrank.com, Reinhard Franke, ein ausführliches Gespräch mit der Kölner Rocklegende veröffentlicht. Das Interview gibt einen tiefen und ehrlichen Einblick in das Leben eines Mannes, der die Kölner Musikszene wie kaum ein anderer geprägt hat – und der trotz schwerer gesundheitlicher Rückschläge nicht daran denkt, die Bühne zu räumen.

Ein Leben zwischen Bühne, Knast und Krebsdiagnose

Wer Zeltingers Biografie kennt, weiß, dass sie weit mehr enthält als Musik. Geboren 1949 in Altenkirchen und aufgewachsen in Köln, hatte er keine einfache Kindheit. Das Verhältnis zu seinem Vater beschreibt er als schwierig und belastet durch körperliche Gewalt. Schule und Ausbildung brach er ab, finanzierte sich zeitweise durch den Handel mit Betäubungsmitteln, wurde mehrfach verurteilt und saß bereits mit 16 Jahren im Gefängnis. In den 1970er Jahren gehörten Heiner Lauterbach und Wolfgang Niedecken zu seinem engen Umfeld – ein Köln, das so nicht mehr existiert. Aus einem Mann, der in seiner Jugend Homosexuelle ablehnte und sich sogar an Übergriffen beteiligte, wurde einer, der seit Jahrzehnten offen schwul lebt und sich später als bisexuell bezeichnete. Dieser Wandel ist ein zentrales Kapitel seiner Lebensgeschichte, das er nie verleugnet hat.

Anfang 2024 kam dann die Krebsdiagnose: Leberkrebs. Geplante Tourneen wurden abgesagt, Zeltinger unterzog sich einer Operation. Heute sagt er, er kämpfe weiter. Im Interview mit Reinhard Franke beschreibt er seine aktuelle Verfassung nüchtern und ohne Selbstmitleid: Den Umständen entsprechend gehe es ihm wieder besser. Vodka gehöre der Vergangenheit an, ab und zu noch ein Glas Wein. Mit fast 60 Kilogramm weniger auf den Rippen und 77 Jahren auf dem Buckel steht er heute anders auf der Bühne als in den wilden Jahrzehnten zuvor – aber er steht.

Der Erfinder des Kölschrock – und sein Verhältnis zu BAP

Im Gespräch mit Reinhard Franke lässt Zeltinger keinen Zweifel daran, wen er als Urheber des Kölschrock betrachtet: sich selbst. BAP sei nach ihm gekommen, stellt er trocken fest. Wolfgang Niedecken habe ihn in der öffentlichen Wahrnehmung zwar schnell überholt, doch von Neid will Zeltinger nichts wissen. Er beschreibt Niedecken als jemanden, der sauberer, anständiger und textlich anspruchsvoller sei – und fügt an, dass die beiden seit Jahrzehnten befreundet sind. Für das kommende Jahr ist sogar ein gemeinsamer Auftritt geplant: Zeltinger soll als Gast auf der Bühne der Lanxess-Arena in Köln erscheinen, wenn Niedecken dort mit BAP spielt. Dass zwei so unterschiedliche Charaktere eine echte Freundschaft verbindet, gehört zu den schöneren Aspekten der Kölner Musikgeschichte.

1979 gründete Zeltinger seine Band, die bei ihrem ersten Auftritt an Weiberfastnacht im Nachtclub Roxy in Köln sofort so gut ankam, dass in den verbleibenden Karnevalstagen 19 weitere Konzerte folgten. Zum Gründungskader gehörte unter anderem Jaki Liebezeit, der spätere Schlagzeuger der Krautrock-Legende Can. Der Kultstatus der Zeltinger Band wuchs schnell, angetrieben von Songs wie dem Ramones-inspirierten Müngersdorfer Stadion, Stüverhoff und Asi mit Niwoh – Hymnen des kölschen Proleten-Rocks, die bis heute funktionieren.

Köln, die Stadt und das Gefühl

Im Gespräch mit Reinhard Franke spricht Zeltinger auch über seine Beziehung zu Köln. Die Stadt bedeute ihm sehr viel, sagt er, auch wenn sich sein Leben durch Alter und Krankheit grundlegend verändert habe. Früher habe er Angst gehabt, fünf Minuten zu verpassen – heute sei er froh, wenn er in seinem Garten seine Ruhe habe. Kölsch trinke er übrigens grundsätzlich nicht und habe er noch nie getrunken, räumt er mit einem Augenzwinkern ein – trotz eines Albums namens Kölsch Jeföhl.

Politisch hat Zeltinger stets klar Stellung bezogen. 1992 war er Teil der Kölner Musikerkampagne Arsch huh, Zäng ussenander gegen Rechtsextremismus, die als eine der bedeutendsten Bürgerrechtsaktionen der Stadt gilt. Dieses Engagement lebt weiter: Die Initiative ist nach wie vor aktiv, und auch Gitarrist Dennis Kleimann aus der aktuellen Bandbesetzung ist darin eingebunden.

Was er bereut – und was nicht

Auf die Frage, was er an seiner Karriere bereue, gibt Zeltinger im Interview keine ausweichende Antwort. Er ist für Direktheit bekannt, und auch hier bleibt er seiner Art treu. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er im Grundsatz für sich alles erlaubt hält, was er in seinen Songs behandelt – die kölsche Gosse, das Scheitern, die Sexualität, die Abgründe des Alltags. Diese Haltung hat ihn von Beginn an von den meisten seiner Zeitgenossen unterschieden.

Wacken als Krönung einer Karriere

Der wohl größte Auftritt seiner Laufbahn steht unmittelbar bevor: Am 1. August 2026 wird die Zeltinger Band beim Wacken Open Air auftreten – von 16:45 bis 17:45 Uhr auf der Wackinger Stage, gemeinsam mit Acts wie Judas Priest und Sepultura vor bis zu 85.000 Besuchern. Mit fast 77 Jahren dürfte Zeltinger der älteste Künstler auf der Bühne sein. Es ist nach BAP und den Höhnern erst der dritte kölsche Act überhaupt, der beim weltberühmten Heavy-Metal-Festival auftritt. Den Anstoß gab Musikmanager Manfred Rolef, der Festivalgründer Holger Hübner von Zeltingers langem Wunsch erzählte. Das Ergebnis ist ein Auftritt, der in der Kölner Musikgeschichte einen besonderen Platz einnehmen wird.

Kommende Auftritte

Wacken Open Air, 1. August 2026, Wackinger Stage, 16:45–17:45 Uhr, Wacken, Schleswig-Holstein.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: rockfrank.com, T-Online Köln, Kölner Stadt-Anzeiger, Express Köln, bands.koeln, Wikipedia, Gemeinde Rommerskirchen

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