
Die Metal- und Rocksängerin Elli Berlin, bürgerlich Elisa Nürnberger, steht seit Frühjahr 2026 im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte, die weit über die übliche Musikszenen-Diskussion hinausgeht. Ausgelöst durch anonym versandte Nachrichten an Veranstalter, Geschäftspartner und Medien, sieht sich die Künstlerin mit dem Vorwurf konfrontiert, sich nicht hinreichend von rechtsoffenen und homophoben Künstlern zu distanzieren. Die Konsequenzen waren unmittelbar und spürbar: Mehrere Konzertabsagen folgten. Die Polizei ermittelt.
Das Debütalbum und eine Tour unter schwierigen Bedingungen
Anfang 2026 erschien Elli Berlins selbstbetiteltes Soloalbum über das Label Metalville – ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere, die sie zuvor vor allem mit der Deutschrock-Band Null Positiv geprägt hatte. Dazu war eine Tour geplant, gemeinsam mit der Vorband Brunhilde. Doch die Tournee verlief alles andere als reibungslos. Noch während die Konzerte liefen, sahen sich einzelne Clubs gezwungen, die geplanten Auftritte abzusagen. Brunhilde fiel nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen aus. Elli Berlin führte die Tour dennoch fort, so gut es unter den Umständen möglich war.
SO36, Backstage, Vaudeville – eine Welle von Absagen
Besonders öffentlichkeitswirksam war die Absage des legendären Berliner Clubs SO36 in Kreuzberg, der kurz vor dem geplanten Auftritt am 28. April 2026 erklärte, die Haltung der Künstlerin beziehungsweise ihres Managements sei nicht mit den eigenen Grundsätzen vereinbar. Als einen Auslöser nannte der Club unter anderem Elli Berlins geplante Teilnahme am Festival Rock dein Leben, auf dem auch Philipp Burger, der Frontsänger der umstrittenen Südtiroler Band Frei.Wild, auftreten sollte. Das SO36 räumte dabei selbstkritisch ein, im Vorfeld nicht gründlich genug recherchiert zu haben. Neben dem SO36 sagten auch das Backstage in München und der Club Vaudeville in Lindau ihre Veranstaltungen mit Elli Berlin ab. Die Welle der Stornierungen zog sich durch mehrere Städte und hinterließ der Künstlerin einen erheblichen wirtschaftlichen und reputativen Schaden.
Anonyme Kampagne mit konkreten Forderungen
In einem ausführlichen öffentlichen Statement, das Elli Berlin nach dem Ende der Tour auf ihren Social-Media-Kanälen veröffentlichte, legten die Beteiligten die Hintergründe aus ihrer Perspektive dar. Demnach würden seit geraumer Zeit anonyme E-Mails an Veranstalter, Sponsoren und Medien verschickt, in denen gezielt Vorwürfe gegen die Band erhoben würden. Laut Aussage der Band sowie nach Einschätzung der Polizei handelt es sich dabei um das Werk einer einzelnen Person, die absichtlich falsche oder verzerrte Behauptungen in Umlauf gebracht und damit die Absagen provoziert habe. Die anonymen Nachrichten richteten sich konkret gegen zwei Musiker der Band, denen aufgrund früherer Tätigkeiten als bezahlte Live-Musiker beim Künstler mit dem Pseudonym „Krähe“ eine Nähe zur rechten Szene unterstellt wird. In den Schreiben wurde unter anderem gefordert, die Band solle sich öffentlich und umfassend von Krähe distanzieren und ihn ausdrücklich als Nationalsozialist bezeichnen.
Die Rolle von „Krähe“ – und der Punkt, an dem die Zusammenarbeit endete
Der Künstler, der unter dem Namen „Krähe“ bekannt ist und bürgerlich Stefan Krähe heißt, ist eine umstrittene Figur. Das SO36 warf Elli Berlins Musikern vor, sich bis dato weder von seiner Zusammenarbeit mit ihm geäußert noch sich von Positionen distanziert zu haben, die auf seinen öffentlichen Auftritten und in sozialen Netzwerken geäußert wurden – darunter Inhalte, die als Reichsbürger-nah, verschwörungsideologisch, transphob und homophob eingestuft wurden. Elli Berlin bestreitet das Narrativ der angeblichen Nähe. In ihrem Statement erklärt die Band, die betroffenen Musiker seien lediglich als gebuchte, bezahlte Aushilfskräfte tätig gewesen, ohne feste Mitglieder oder in irgendeiner Form in politische Äußerungen von Krähe eingebunden zu sein. Als sich Krähe nach der Corona-Pandemie erkennbar in eine politisch problematische Richtung entwickelt habe, sei die Zusammenarbeit beendet worden. Die Band betont, keiner der Beteiligten teile rechte, homophobe oder transfeindliche Überzeugungen.
Polizei ermittelt – und die Band bittet um Mäßigung
Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Aus Sicht der Behörden gibt es nach aktuellem Stand Hinweise darauf, dass eine einzelne Person hinter der anonymen Briefkampagne steckt und dabei wissentlich unwahre oder verzerrte Informationen verbreitet hat, um der Band zu schaden. Elli Berlin appelliert in ihrem Statement ausdrücklich daran, dass Fans die betroffenen Clubs nicht ihrerseits boykottieren sollen. Dieser Hinweis zeigt, dass die Band trotz allem um eine Deeskalation bemüht ist und keine weiteren Schäden in der Veranstaltungslandschaft provozieren möchte. Gleichzeitig macht die Künstlerin deutlich, dass sie die Vorwürfe für haltlos hält und sich von Extremismus in jeder Form distanziert.
Vertrauensfrage der Szene
Der Fall wirft grundsätzlichere Fragen auf, die die gesamte Musikbranche betreffen: Wie viel Gewicht sollten anonym erhobene Vorwürfe haben? Welche Sorgfaltspflicht tragen Clubs und Veranstalter, bevor sie auf Basis ungeprüfter Behauptungen Verträge stornieren? Das SO36 hat seinen eigenen Fehler eingeräumt – zu spät recherchiert zu haben. Der Schaden für die betroffene Künstlerin ist dadurch nicht kleiner geworden. Die Debatte darüber, wo die Grenze zwischen berechtigter politischer Haltungsprüfung und der unkritischen Übernahme anonymer Kampagnen liegt, dürfte die Szene noch länger beschäftigen.
Kommende Auftritte
Trotz der Turbulenzen ist Elli Berlin weiterhin auf der Bühne zu sehen. Für den 3. und 4. Juli 2026 ist ein Auftritt beim Castle Rock in Mühlheim an der Ruhr geplant, das von der Stadt Mühlheim veranstaltet wird. Anfragen von Bürgerseite über das Portal FragDenStaat zeigen, dass auch dort die Vorwürfe mittlerweile öffentlich thematisiert werden und die Veranstalter zu einer Stellungnahme aufgefordert wurden.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Metal Hammer, Mindbreed, T-Online Berlin, SO36, Berliner Zeitung, FragDenStaat, Wikipedia
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