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Blind Guardian auf dem Christmas Bash Festival in Geiselwind 2016

Sie gehören seit fast vier Jahrzehnten zu den verlässlichsten Größen des europäischen Power- und Prog-Metals, und doch stehen Blind Guardian derzeit nicht auf der Bühne – und das mit voller Absicht. Sänger Hansi Kürsch, Lead-Gitarrist André Olbrich, Rhythmusgitarrist Markus Siepen und Schlagzeuger Frederik Ehmke haben eine bewusste Entscheidung getroffen: In den Jahren 2026 und 2027 wird es keine Liveshows der Krefelder geben. Stattdessen konzentriert sich die Band mit voller Energie auf zwei Projekte, die ihrer eigenen Aussage zufolge die Zukunft der Band maßgeblich prägen werden.

Drei Jahre Touren – und nun die Pause

Der Grund für den Rückzug von der Bühne ist schnell erklärt: Blind Guardian waren schlicht zu lange unterwegs. Seit dem Erscheinen ihres letzten Studioalbums The God Machine im September 2022 tourte das Quartett nahezu ununterbrochen, zunächst im Rahmen der Jubiläumstournee für das Album Somewhere Far Beyond, anschließend für das neue Werk. Bereits 2024 hatte Hansi Kürsch angekündigt, dass die Band 2025 ins Studio wolle – doch auch 2025 zog der Konzertkalender die Musiker zu unzähligen Auftritten auf die Bühne, mehr als ursprünglich geplant, wie Kürsch offen einräumte. Das Angebot der Auftritte sei schlicht zu gut gewesen, um es abzulehnen. Nun ist die Reißleine gezogen. Selbst das im Jahr 2027 anstehende 40-jährige Bandjubiläum wird nicht mit Live-Konzerten begangen – die laufenden Projekte haben schlicht Vorrang.

Das dreizehnte Album nimmt Gestalt an

Das erste und für die Fangemeinde wohl wichtigste Projekt ist die Arbeit an einem neuen Studioalbum. Es wäre das dreizehnte der Bandgeschichte – The God Machine aus dem Jahr 2022 war das zwölfte. Das Songwriting ist nach eigenen Angaben der Band bereits angelaufen. Hansi Kürsch bestätigte in einem Videobeitrag, dass die ersten Kompositionen entstehen. Die eigentliche Albumproduktion soll nach aktuellem Stand Anfang 2027 beginnen. Neben der regulären Platte arbeitet die Band außerdem an einem Akustikalbum, das im Idealfall noch im Verlauf des Jahres 2026 abgeschlossen werden soll, spätestens aber zu Beginn des Folgejahres. Beide Vorhaben zusammen erklären, warum Live-Auftritte auf absehbare Zeit schlicht nicht ins Bild passen: Die zur Verfügung stehende kreative Energie soll vollständig der Musik gelten.

Ein eigenes Label – Blind Guardian gründen ihre Plattenfirma

Das zweite Projekt ist geschäftlicher Natur und hat das Potenzial, die strukturelle Zukunft der Band dauerhaft zu verändern. Blind Guardian bauen derzeit ihr eigenes Label auf. In einer Mitteilung an ihre Fans beschreiben die Musiker dieses Vorhaben als riesiges Projekt, das hinter den Kulissen bereits seit längerer Zeit vorangetrieben wurde und nun kurz vor der Enthüllung weiterer Details stehe. Für die Band bedeutet ein eigenes Label vor allem eines: mehr Kontrolle und Unabhängigkeit. Seit dem Jahr 2006 und dem Album A Twist in the Myth erschienen alle Veröffentlichungen der Band beim renommierten deutschen Heavy-Metal-Label Nuclear Blast. Mit dem Aufbau eines eigenen Imprints schlagen Blind Guardian nun einen neuen, selbstbestimmten Weg ein – eine Entscheidung, die in der Branche selten einfach ist, aber denjenigen Künstlern, die sie erfolgreich vollziehen, erhebliche wirtschaftliche und kreative Vorteile bringen kann.

Eine Band in Bestform – der Rückblick als Fundament

Blind Guardian wurden 1984 in Krefeld gegründet, zunächst unter dem Namen Lucifer’s Heritage, bevor sie 1987 ihren heutigen Namen annahmen. Seitdem entwickelten sie sich von einer thrashigen Speed-Metal-Band zu einem der stilprägenden Acts im Power- und Progressive-Metal-Genre weltweit. Alben wie Somewhere Far Beyond, Imaginations from the Other Side, Nightfall in Middle-Earth und A Night at the Opera gelten als Meilensteine des Genres. Ihr ausgefeilter Orchestralrock, die charakteristischen mehrstimmigen Gesangsarrangements und die episch-literarischen Texte – oft inspiriert von Tolkien, Michael Moorcock oder anderen Vertretern der Fantasyliteratur – schufen eine unverwechselbare Klangwelt, die Generationen von Metalfans geprägt hat.

Ungeduld auf hohem Niveau

Für die Fans bedeutet die Ankündigung zweierlei: Einerseits müssen sie sich bis mindestens 2028 auf ein Konzert gedulden. Andererseits dürfen sie sich auf gleich mehrere neue Veröffentlichungen freuen – ein reguläres Studioalbum, ein Akustikwerk und dazu die Spannung, die ein bandeigenes Label mit sich bringt. Blind Guardian, so viel ist sicher, haben die Zeit ihrer Zurückgezogenheit alles andere als verschlafen.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Metal Hammer, Metal1.info, Rocks Magazin, BurnYourEars, Brutal Planet Media, Wikipedia, Encyclopaedia Metallum

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