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--- Members of Metallica at the end of the concert in Warsaw Iron.secrets, CC0, via Wikimedia Commons

95.000 Fans, ausverkauftes Haus, perfektes Wetter und ein neuer Konzertrekord für das Berliner Olympiastadion – auf den ersten Blick klingt der Auftritt von Metallica am 30. Mai 2026 nach einem makellos geglückten Abend. Doch hinter der beeindruckenden Kulisse brodelt eine Debatte, die bereits seit Tourstart 2023 schwelt und nach dem Berlin-Konzert erneut Fahrt aufgenommen hat: Die kreisförmige Rundbühne des M72-Konzepts sorgt bei einem Teil des Publikums für handfeste Enttäuschung.

Das Versprechen der 360-Grad-Bühne

Metallica bewarben ihre sogenannte In-the-Round-Stage von Beginn an als revolutionäres Konzepterlebnis. Die Bühne steht nicht an einem Ende des Stadions, sondern mittig im Innenraum. Das Publikum umgibt die Band von allen Seiten, die Bandmitglieder bewegen sich auf Laufstegen rund um den zentralen Snake Pit, der für ausgewählte Fans reserviert ist. Der Grundgedanke: Jeder soll das Gefühl haben, nah an der Band zu sein – egal wo man steht. Gleichzeitig ermöglicht diese Aufstellung eine deutlich höhere Zuschauerzahl als eine klassische Frontbühne, was in Berlin die Rekordzahl von rund 95.000 Besucherinnen und Besuchern erst möglich machte.

Die Realität vieler Innenraum-Besucher

Was auf dem Papier und auf Werbefotos eindrucksvoll wirkt, stieß nach dem Berliner Konzert in den sozialen Netzwerken auf teils harte Gegenkritik. Zahlreiche Fans berichteten übereinstimmend, dass sie im Innenraum über weite Strecken des Konzerts kaum oder gar keinen freien Blick auf die Bandmitglieder hatten. Das Grundproblem: Da die Band sich ständig bewegt und die Laufstege in alle Richtungen führen, steht man als Zuschauer in der Mitte des Innenraums unweigerlich hinter anderen Fans oder blickt auf Bühnentürme und technische Konstruktionen. Wer nicht direkt an der Absperrung zum Snake Pit oder im Golden Circle stand, sah die Musiker laut vielen Berichten häufig nur als kleine Figuren in der Ferne oder gar nicht direkt, sondern lediglich auf den großen Videoleinwänden.

In Kommentarbereichen und Foren kursieren Aussagen, die in eine ähnliche Richtung gehen: von fehlender Dynamik wenn Teile der Technik auf der anderen Seite der Rundbühne neu positioniert werden, bis hin zu dem ernüchternden Fazit, für den Preis des Tickets letztlich eine Videoübertragung auf der Leinwand genossen zu haben.

Ein strukturelles Problem des Bühnenkonzepts

Die Diskussion ist dabei keineswegs neu und beschränkt sich nicht auf Berlin. Bereits seit dem Tourstart im April 2023 gibt es auf YouTube, Reddit und in einschlägigen Metal-Foren Videos und Beiträge, die strukturelle Schwächen des Bühnendesigns thematisieren. Das Grundproblem liegt in der Geometrie: Eine kreisförmige Bühne in der Mitte eines Stadions bedeutet zwangsläufig, dass ein Großteil des Innenraum-Publikums weit von den Musikern entfernt ist – und dass die Sichtlinie durch die massiven Bühnenträger, Lichttürme und die imposante Kuppelkonstruktion je nach Position erheblich eingeschränkt wird. Die hohe Konstruktion, die von außen wie eine spektakuläre Skyline wirkt, wird von innen für manche zum Sichthindernis.

Das Konzept bietet damit eine Art Wette: Wer nah genug an der Bühne steht, erlebt tatsächlich ein intensiveres, intimeres Erlebnis als bei einer Frontbühnenshow. Wer weiter hinten steht, verliert unter Umständen genau den Effekt, den das Konzept versprochen hat.

Positive Stimmen überwiegen – aber die Kritik hallt nach

Es wäre unvollständig, die Stimmung in Berlin auf die kritischen Stimmen zu reduzieren. Viele Fans beschrieben den Abend als außergewöhnlich, als emotionalen Höhepunkt und als eines der beeindruckendsten Konzerterlebnisse ihres Lebens. Die Atmosphäre, das Zusammenspiel aus Musik, Pyrotechnik, Lichtshow und dem Gemeinschaftsgefühl von 95.000 Menschen unter freiem Berliner Abendhimmel wurde vielfach als einmalig empfunden. Das Bühnenbild wurde in zahlreichen Berichten als beeindruckend beschrieben, die Performance der Band als präzise und kraftvoll.

Dennoch: Gerade weil die Erwartungen an diesen Abend so hoch waren und die Ticketpreise entsprechend anspruchsvoll, fühlt sich die Enttäuschung für jene Besucher, die wenig oder nichts gesehen haben, besonders bitter an. Ärger, der sich in sozialen Netzwerken dann besonders laut artikuliert.

Was das Konzept leisten kann – und was nicht

Das M72-Bühnenkonzept ist zweifelsohne ein visuelles und logistisches Meisterwerk. Es ermöglicht Rekordkapazitäten, zwingt die Band zu aktiver Bühnenarbeit und schafft unter idealen Bedingungen tatsächlich ein Rundum-Erlebnis. Doch es hat, wie jede Bühnenlösung, ihren Preis. Für Fans, die darauf angewiesen sind, die Band mit eigenen Augen zu sehen und nicht über Leinwände zu verfolgen, bleibt die Position im Stadion entscheidend. Wer das nächste Mal zu einem Metallica-Konzert mit dieser Bühnenform geht, sollte das bei der Ticketwahl bewusst einkalkulieren: Snake Pit und Golden Circle bieten das intensivste Erlebnis, der weite Innenraum dahinter birgt das Risiko von Enttäuschung.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de (Xenopolias.de)

Quellen: Rolling Stone Deutschland, Musikexpress, Berliner Magazin, Wikipedia, visitBerlin, Berlin.de

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