
Wenn ein Instrument mehr ist als ein Stück Holz und Metall – wenn es Musikgeschichte in sich trägt, auf zahllosen Bühnen geklungen hat und untrennbar mit dem Vermächtnis eines Ausnahmekünstlers verbunden ist – dann spiegelt sich das irgendwann auch im Preis wider. Genau das geschah Ende Mai 2026 in New York, als die berühmteste Gitarre des verstorbenen Kiss-Gitarristen Ace Frehley unter den Hammer kam und für 512.000 US-Dollar den Besitzer wechselte.
Die Auktion – ein Ereignis für Sammler aus aller Welt
Das renommierte Auktionshaus Julien’s Auctions veranstaltete am 29. und 30. Mai 2026 im Hard Rock Café am Times Square seine zweitägige Versteigerungsreihe Music Icons. Bieter aus rund 30 Ländern konkurrierten um nahezu 700 Stücke Musikgeschichte. Das Herzstück der Veranstaltung war Frehleys 1975er Gibson Les Paul Custom in Sunburst-Finish – jenes Instrument, das er unter allen seinen Gitarren mit Abstand am häufigsten auf der Bühne und im Studio einsetzte. Der Schätzpreis lag zwischen 400.000 und 600.000 US-Dollar, das Ergebnis mit 512.000 Dollar traf genau die Mitte dieser Spanne und bewies eindrücklich, welche Strahlkraft Frehleys Erbe noch immer besitzt.
Die Gitarre mit dem Spitznamen – eine Legende der Rockgeschichte
Das Instrument trägt den Beinamen Budokan – benannt nach der legendären Nippon Budokan Arena in Tokio, wo Ace Frehley es im April 1977 während einer viertägigen Kiss-Residency spielte. Aufnahmen dieser Konzerte flossen in das Livealbum Alive II ein. Doch der Budokan war nur einer der Höhepunkte in der langen Geschichte dieses Instruments: Frehley nutzte die Gitarre für alle Konzerte der Rock and Roll Over Tour 1976 bis zur Dynasty Tour 1979, spielte sie bei den Studioaufnahmen zum Album Love Gun 1977 und setzte sie über Jahre hinweg als sein wichtigstes Bühnenwerkzeug ein. Die drei Tonabnehmer in cremefarbener Ausführung und das charakteristische Sunburst-Finish machten das Instrument zu einem visuell wie klanglich unverwechselbaren Bestandteil der Kiss-Ära der späten Siebzigerjahre.
Die kulturelle Bedeutung der Gitarre reicht weit über die Konzertbühne hinaus. Gibson fertigte 1997 auf Basis dieses Instruments eine limitierte Signature-Serie namens The 300 mit charakteristischen Blitzbolzen-Inlays und dem aufwendig eingelegten Gesicht Frehleys auf der Kopfplatte. 2011 folgte mit The Budokan ein weiteres Custom-Shop-Modell, das sich direkt auf diese Gitarre bezog. Damit wurde aus einem Bühnenwerkzeug ein Ursprungsobjekt ganzer Produktlinien und Gitarristengenerationen.
Ace Frehley – der Spaceman von Kiss
Paul Daniel Frehley, geboren am 27. April 1951 in der Bronx, New York City, war Mitgründer und ursprünglicher Leadgitarrist von Kiss. Als er sich 1973 dem späteren Quartett anschloss, brachte er nicht nur sein unverwechselbares Gitarrenspiel mit, sondern auch seine Kunstfigur: den Spaceman, erkennbar an silbernem Make-up und einer Bühnenästhetik, die Science-Fiction mit Hard Rock verband. Über Jahrzehnte zählte er zu den meistgenannten Namen auf Listen der einflussreichsten Rockgitarristen aller Zeiten. Sein 1978 erschienenes Soloalbum war das kommerziell erfolgreichste der vier Kiss-Soloplatten, die damals gleichzeitig veröffentlicht wurden, und enthielt mit New York Groove einen bis heute bekannten Radiohit.
Frehley verließ Kiss 1982, kehrte 1996 für eine gefeierte Reunion-Tour zurück und trennte sich 2002 endgültig von der Band. In den Jahren danach setzte er seine Solokarriere fort, veröffentlichte weitere Studioalben und trat regelmäßig live auf. Am 25. September 2025 stürzte er in seinem Heimstudio, erlitt dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und verstarb am 16. Oktober 2025 in Morristown, New Jersey, im Alter von 74 Jahren. Er hinterließ seine Frau und eine Tochter.
Weitere Memorabilia erzielen Rekordsummen
Neben der Budokan-Gitarre kamen bei der Julien’s-Auktion weitere Stücke aus Frehleys Nachlass unter den Hammer – und übertrafen ihre Schätzpreise teils deutlich. Eine Gibson Signature Les Paul Custom, die Frehley beim Super Bowl XXXIII gespielt hatte, erzielte 57.600 Dollar – fast das Sechsfache des unteren Schätzwerts. Eine Custom-Gitarre, die er bei der Kiss-Reuniontour 1996 einsetzte, kam ebenfalls auf 57.600 Dollar. Ein lebensgroßer Bühnen-Mannequin in Frehleys Destroyer-Kostüm brachte 51.200 Dollar. Auch Kleidungsstücke wie ein lila Samtoverall aus frühen Bühnenjahren und eine Tourjacke von 1977 wurden deutlich über Schätzwert verkauft.
Die gesamte Auktion spiegelte wider, was Julien’s Co-Gründer Martin Nolan treffend zusammenfasste: Musikmemorabilien gewinnen nicht nur bei Sammlern, sondern auch als kulturell bedeutsame Investitionsobjekte zunehmend an Wert – besonders dann, wenn sie mit Künstlern verbunden sind, deren Einfluss auf die Popkultur Generationen überdauert.
Ein Vermächtnis, das klingt
Mit dem Verkauf der Budokan-Gitarre für mehr als eine halbe Million Dollar ist ein Kapitel Rockgeschichte in private Hände übergegangen. Wer auch immer das Instrument erworben hat, besitzt nun ein Stück jener wilden Jahre, in denen Kiss die Bühnen der Welt in Flammen setzte – im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Ace Frehley, der Spaceman, ist seit Oktober 2025 nicht mehr unter uns. Aber seine Musik, seine Gitarren und die Geschichten, die sie tragen, werden noch lange nachhallen.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Blabbermouth, Julien’s Auctions, Guitar.com, Bravewords, AntiMusic, Rolling Stone Deutschland, Wikipedia, Bestatterweblog, Rocks Magazin, Stuttgarter Zeitung