
Eine Band aus dem amerikanischen Bundesstaat Ohio hat es bis in das dortige Parlament geschafft – nicht mit einem Skandal, sondern mit einem Antrag zu ihren Ehren. Die Rede ist von Devo, der New-Wave-Formation aus Akron, die in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren mit ihrem unverwechselbaren Stil die Musikwelt aufmischte und bis heute eine treue Fangemeinde besitzt. Nun liegt im Repräsentantenhaus von Ohio ein Gesetzentwurf vor, der den 18. April eines jeden Jahres zum offiziellen Devo-Tag erklären soll.
Vom Kunstkurs zur Kultband
Die Keimzelle der Band entstand unter tragischen Umständen: Die Gründer Gerald Casale und Mark Mothersbaugh lernten sich an der Kent State University kennen, wo sie 1970 Zeugen wurden, als die Nationalgarde vier unbewaffnete Studenten bei einem Antikriegsprotest erschoss. Dieses einschneidende Erlebnis prägte ihr Weltbild nachhaltig und wurde zur ideologischen Grundlage der Band.
Devo benannte sich nach dem Begriff der Devolution – der Theorie eines gesellschaftlichen Rückschritts der Menschheit, die sich durch das gesamte musikalische und visuelle Werk der Band zieht. Gegründet von den Kunststudenten Mark Mothersbaugh und Jerry Casale, stießen später auch deren Brüder zur Besetzung hinzu. Die Band entwickelte eine Mensch-als-Maschine-Ästhetik mit charakteristischen Blumentopf-Kopfbedeckungen, einheitlichen Overalls und mechanisierten Bühnenbewegungen.
Der Durchbruch und das missverstandene Erbe
Das Debütalbum erschien 1978 und verhalf der Band zu kritischem Ansehen, bevor sie 1980 mit dem Album Freedom of Choice den kommerziellen Durchbruch erzielte – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als das Plattenlabel bereits mit einer Trennung geliebäugelt hatte. Der darauf enthaltene Song Whip It wurde zum einzigen Top-40-Hit der Band in den Billboard Hot 100 und hielt sich dort knapp ein halbes Jahr.
Hinter dem scheinbar harmlosen Äußeren der Band steckten jedoch politisch aufgeladene Botschaften. Das Musikvideo zu Beautiful World kombinierte fröhliche Melodien mit Aufnahmen von Polizeigewalt und anderen verstörenden gesellschaftlichen Szenen. Whip It wiederum war ursprünglich als eine Parodie auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan konzipiert. Casale betonte stets, dass Musik nur ein Element innerhalb eines größeren Gesamtkunstwerks war, das auf einer grundlegenden gesellschaftskritischen Weltanschauung beruhte.
Ein Gesetzentwurf zu Ehren einer Legende
Die demokratische Abgeordnete Veronica Sims aus Akron brachte gemeinsam mit ihrer Kollegin Michele Grim aus Toledo im Mai 2026 den House Bill 866 in das Repräsentantenhaus von Ohio ein. Der Antrag sieht vor, den 18. April gesetzlich als Devo-Tag zu verankern.
Das Datum ist nicht zufällig gewählt: Am 18. April 1973 gab die Band ihr erstes großes Konzert an der Kent State University. Abgeordnete Grim erklärte, mit dem Ehrentag solle eine der beliebtesten New-Wave-Bands gewürdigt werden, die in Ohio groß geworden sei. Sie berichtete zudem, ein Bandmitglied habe signalisiert, bei einem erfolgreichen Gesetzgebungsverfahren ein besonderes Konzert zu geben und persönlich bei einer Feier im Kapitol zu erscheinen.
Mitgründer Gerald Casale äußerte sich positiv zu dem Vorhaben und ließ ausrichten, er spreche sich klar für die Verabschiedung des Gesetzes aus – und werde dann persönlich zur Zeremonie erscheinen.
Der lange Weg durch die Instanzen
Der Gesetzentwurf hat bislang noch keine erste Anhörung erhalten. Um in Kraft zu treten, müsste er noch in diesem Jahr beide Kammern des Parlaments passieren. Die politische Zukunft des Devo-Tags bleibt also offen – doch allein die Tatsache, dass eine New-Wave-Band aus den 1970er Jahren im Jahr 2026 noch Gesprächsthema im Staatsparlament ist, spricht für sich.
Mehr als ein Hit – eine Haltung
Devo war stets mehr als eine Kuriosität der Popgeschichte. Die Band verband Kunsttheorie, gesellschaftliche Kritik und Humor zu einem einzigartigen Gesamtkonzept, das weit über den Erfolg eines einzelnen Songs hinausging. Eine Netflix-Dokumentation aus dem Jahr 2025 widmete sich dem oft missverstandenen Erbe der Band und gab den Gründern die Möglichkeit, ihre ursprünglichen Absichten und ihr Denken einem breiten Publikum näherzubringen. Vier Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch zeigt das Interesse aus der Politik, dass Devo im kollektiven Gedächtnis von Ohio längst einen festen Platz eingenommen hat.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Ideastream Public Media, WOUB Public Media, Statehouse News Bureau, AOL, Britannica, WKYC, Wikipedia DE, Signal Akron