Ivan Bessedin, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
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Nastassja Kinski (a German-born American-based actress)

Die Debatte um eine Nacktszene aus dem Jahr 1975 hat eine neue Dimension erreicht. Nachdem Regisseur Wim Wenders seinen Film Falsche Bewegung vorerst zurückgezogen und sich öffentlich bei der Schauspielerin Nastassja Kinski entschuldigt hat, meldete sich nun die 65-Jährige selbst zu Wort – mit einem persönlichen Statement auf Instagram, das schwere Vorwürfe enthält und deutlich macht, wie tief die Verletzung sitzt.

Der Film und die umstrittene Szene

Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 gilt als Teil der sogenannten Straßen-Trilogie des deutschen Regisseurs Wim Wenders und zählt zum anerkannten Kanon des Neuen Deutschen Films. In dem Werk spielte die damals 13-jährige Nastassja Kinski die stumme Figur Mignon – und war in einer etwa zweiminütigen Szene mit nacktem Oberkörper zu sehen. Es war ihr erster Spielfilm überhaupt. Kinski, Tochter des berühmten Schauspielers Klaus Kinski, hatte die Rolle über Kontakte im Filmumfeld erhalten und stand zu jenem Zeitpunkt am Beginn einer Karriere, die sie später zu einem internationalen Star machen sollte.

Jahrelange Bitten – ohne Reaktion

In ihrem öffentlichen Statement schilderte Kinski, dass sie Wenders bereits seit vielen Jahren darum gebeten habe, die besagte Szene aus dem Film zu entfernen oder zumindest unkenntlich zu machen. Ihre Versuche seien jedoch über mehr als ein Jahrzehnt erfolglos geblieben. Wenders habe ihre Bitte nicht ernst genommen, so Kinski – und sie stellte die klare Frage, ob das daran gelegen habe, dass sie damals erst 13 Jahre alt war. Genau dieses Alter, betonte sie, hätte den Regisseur erst recht zum Handeln verpflichtet.

Kinski erklärte, sie sei lange ruhig und geduldig geblieben und habe auf einen fairen Dialog mit Wenders gesetzt. Dieser Dialog sei jedoch nie zustande gekommen. Wenders habe eine persönliche Begegnung mit ihr seit Jahren verweigert, was auch ihr Anwalt Christian Schertz bestätigte. Schertz hatte zuvor Wenders‘ öffentliche Äußerung beim Deutschen Filmpreis in Berlin scharf kritisiert und sie als Versuch gewertet, sich der persönlichen Verantwortung zu entziehen.

Wenders beim Deutschen Filmpreis – und danach

Den Auftakt der jüngsten Debatte bildete ein Auftritt von Wenders bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises. Dort äußerte er sich erstmals öffentlich zu der Szene, erklärte, er würde sie heute nicht mehr so drehen, und warf gleichzeitig die grundsätzliche Frage auf, wie die Filmbranche generell mit problematischen Aspekten historischer Werke umgehen solle. Die Reaktion darauf war geteilt: Während manche den Schritt als überfällige Auseinandersetzung begrüßten, werteten Kinskis Vertreter ihn als unzureichend, da eine direkte Aussprache mit der Betroffenen weiterhin ausblieb.

Fünf Tage nach der Preisverleihung folgte dann die konkrete Maßnahme: Die Wim Wenders Stiftung als Rechteinhaberin des Films gab bekannt, Falsche Bewegung bis auf Weiteres aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückzuziehen. Sämtliche Streaming-, Fernseh- und Vertriebspartner wurden angewiesen, den Film nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Wenders entschuldigte sich in derselben Mitteilung ausdrücklich bei Kinski und erklärte, als einziger noch lebender Verantwortlicher von damals sehe er, dass sie seinerzeit besser hätte geschützt werden müssen. Die Entschuldigung wurde ohne jede Einschränkung formuliert.

Kinskis Reaktion: Dankbarkeit und Enttäuschung zugleich

In ihrem Instagram-Beitrag, den sie mit einem Standbild aus dem Film verband, bezeichnete Kinski den Moment als längst überfällig, aber nicht leicht. Sie bedankte sich bei allen, die sich öffentlich für sie eingesetzt hätten. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die öffentliche Entschuldigung von Wenders nicht das war, was sie sich erhofft hatte. Sie kritisierte, dass Wenders die Bühne des Deutschen Filmpreises gewählt habe, anstatt das Gespräch zunächst privat mit ihr zu suchen. Auf die Entschuldigung selbst ging sie in ihrem Statement kaum ein.

Die Wim Wenders Stiftung erklärte unterdessen, man wolle einen breiten gesellschaftlichen Austausch über den Umgang mit strittigen Filmwerken des 20. Jahrhunderts führen und erst nach einer einvernehmlichen Lösung – ausdrücklich in Absprache mit Kinski – den Film wieder freigeben. Wann oder in welcher Form das geschehen soll, blieb offen.

Eine Karriere jenseits des Konflikts

Nastassja Kinski gehört zu den bedeutendsten deutschen Schauspielerinnen ihrer Generation. Nach ihrem Debüt in Falsche Bewegung erlangte sie mit Rollen in dem Tatort-Film Reifezeugnis sowie später in Roman Polanskis Tess internationale Bekanntheit. Ironischerweise war es erneut Wim Wenders, der ihr 1984 mit Paris, Texas eine ihrer bekanntesten und gefeiertsten Rollen verschaffte. Dieses scheinbare Paradox – die enge Zusammenarbeit mit einem Regisseur, dem gegenüber sie gleichzeitig seit Jahren Gerechtigkeit einforderte – spricht für die Komplexität der Situation und das lange Schweigen, das ihr Statement nun beendet hat.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Berliner Zeitung, ZDF heute, t-online, GMX, Der Filmjournalist, Wikipedia

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