
Mehr als ein Jahrzehnt nach dem spektakulären Zerwürfnis zwischen Geoff Tate und seinen ehemaligen Bandkollegen von Queensrÿche ist der Konflikt so lebendig wie eh und je. Anlass für die jüngste Eskalation ist die Veröffentlichung von Operation: Mindcrime III, dem dritten und abschließenden Teil einer Konzeptalbum-Trilogie, mit der Tate ein Werk vollendet, das ursprünglich unter dem Dach der gesamten Band begann. Nun, als Soloprojekt zu Ende gebracht, nutzt Tate die damit verbundene Aufmerksamkeit einmal mehr dazu, gegen seine einstigen Weggefährten auszuteilen – und befeuert damit eine Fehde, die in der Metalwelt längst legendären Status erreicht hat.
Eine Trilogie mit bewegter Geschichte
Alles begann 1988 mit Operation: Mindcrime, dem dritten Studioalbum von Queensrÿche und bis heute einem der anerkanntesten Werke des Progressive Metal. Das Konzeptalbum erzählt die Geschichte von Nikki, einem drogenabhängigen Auftragskiller, der von einer mysteriösen Figur namens Dr. X manipuliert wird, sowie von der Figur Schwester Mary. Die Platte wurde international mit Alben wie dem Tommy der Who oder der Wall von Pink Floyd verglichen und katapultierte die Band aus dem US-Bundesstaat Washington in eine andere Sphäre. 2006 folgte Operation: Mindcrime II, dessen Entstehung bereits von ersten internen Spannungen begleitet wurde.
Nach dem Bruch mit der Band sicherte sich Tate im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs im Jahr 2014 die Rechte, die beiden Mindcrime-Alben dauerhaft live aufführen zu dürfen, während der Name Queensrÿche bei seinen ehemaligen Bandmitgliedern verblieb. Den Gegenwert, den er für die Aufgabe des Bandnamens erhielt, beschrieb Tate damals als erheblich – und schien damit zumindest finanziell zufrieden. Der dritte Teil der Reihe erschien am 3. Mai 2026 nun gänzlich außerhalb des Queensrÿche-Namens, produziert mit seiner Soloband unter anderem gemeinsam mit Gitarrist Kieran Robertson, der große Teile des Materials mitverfasste. Die Idee zum dritten Teil habe ihn um das Jahr 2020 herum zu beschäftigen begonnen, erklärte Tate in Interviews.
Tate über seine ehemaligen Kollegen: Wenig Versöhnliches
Inhaltlich knüpft Operation: Mindcrime III nicht direkt an die Ereignisse des zweiten Teils an, sondern kehrt an den Ausgangspunkt der Geschichte zurück und beleuchtet die Handlung aus einer parallelen Perspektive. Musikalisch beschrieb Tate das Album als das schwerste der drei Teile, mit technisch anspruchsvollen Passagen, aber auch emotionalen Momenten, die dem Abschluss der Trilogie gerecht werden sollen.
Doch abseits der inhaltlichen Ebene ist es Tates Tonfall gegenüber Queensrÿche, der die Metal-Fangemeinde erneut beschäftigt. In Interviews im Umfeld der Veröffentlichung zog er einmal mehr eine klare Trennlinie zwischen sich und der aktuellen Band um Sänger Todd La Torre, der seit 2012 das Mikrofon hält. Tate ließ durchblicken, die gegenwärtige Besetzung habe zwar oberflächlich Erfolg, verfehle dabei aber das, was Queensrÿche in seiner Blütezeit ausmachte. Eine Reunion schloss er wie bereits in der Vergangenheit aus – die Verletzungen seien zu tief, die Atmosphäre zu vergiftet, als dass Musik unter diesen Umständen entstehen könnte.
Der Rauswurf und seine Nachwirkungen
Das Fundament des Dauerstreits liegt im April und Juni 2012. Zunächst feuerten die Bandmitglieder Scott Rockenfield, Michael Wilton und Eddie Jackson Tates Ehefrau Susan, die als Managerin fungierte, bei einem Treffen in Tates Abwesenheit. Wenige Monate später wurde Tate selbst aus der Band entlassen. Es folgten gegenseitige Klagen um den Bandnamen, jahrelange Rechtsunsicherheiten und zwei parallel operierende Bands unter demselben Namen. Den vorläufigen Abschluss fand der juristische Streit 2014 mit einer Einigung, die Tate die Mindcrime-Rechte sicherte und Queensrÿche den Namen behielt.
Seither führen beide Seiten weitgehend getrennte Existenzen, melden sich aber immer wieder gegenseitig zu Wort – selten wohlwollend. Tate hatte in der Vergangenheit wiederholt erklärt, wer jemandem so tiefgreifend schade, dem sei eine echte Versöhnung schlicht nicht möglich zu machen. Eine Reunion, so Tate sinngemäß, wäre allenfalls für ein entsprechendes Honorar denkbar – und selbst dann zweifelhaft.
Queensrÿche ohne Tate: Parallel weiterhin aktiv
Während Tate seine Trilogie zu Ende bringt, ist auch Queensrÿche mit Todd La Torre als Sänger weiterhin aktiv. Anfang 2026 absolvierte die Band eine Europatour, unter anderem mit Auftritten in Deutschland. Der Kontrast ist kaum zu übersehen: zwei Projekte, die dasselbe Erbe für sich beanspruchen, auf parallelen Gleisen unterwegs – und ein Konflikt, der offensichtlich noch nicht bereit ist, Fahrt aus dem Kessel zu lassen.
Aktuelle Tourdaten Geoff Tate – Operation: Mindcrime, The Final Chapter (Auswahl)
Die US-Tour läuft noch bis in den Herbst 2026 mit Stationen in verschiedenen amerikanischen Städten. Europadaten für 2026 wurden bislang nicht offiziell angekündigt.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Metal Hammer DE, Metal1.info, Ultimate Classic Rock, Blabbermouth, Metal Injection, Classic Rock Magazin, Wikipedia DE, MyGlobalMind, Metal-Rules.com