
Für die kanadischen Sci-Fi-Metal-Pioniere Voivod ist 2026 ein Jahr der Extreme. Auf der einen Seite befindet sich die Band in einer der kreativ produktivsten Phasen ihrer über vier Jahrzehnte langen Geschichte und arbeitet an einer bemerkenswerten Fülle von Projekten. Auf der anderen Seite kämpft Frontmann Denis Bélanger, bekannt unter dem Bandnamen Snake, an einer sehr persönlichen Front: Seine Lebensgefährtin Christine McDonald erhielt bereits im Oktober 2025 die Diagnose Darmkrebs im vierten Stadium. Seither widmet er einen erheblichen Teil seiner Zeit ihrer Unterstützung und Pflege.
Eine Crowdfunding-Kampagne für Christine
Die Erkrankung von Christine McDonald hat nicht nur das Privatleben von Snake, sondern auch dessen berufliche Verfügbarkeit spürbar beeinflusst. Da die Behandlung intensiv und kostspielig ist und in Nordamerika schwere Krankheiten für Künstlerinnen und Künstler stets auch eine finanzielle Dimension haben, startete die Band eine öffentliche Spendeninitiative. Über eine GoFundMe-Kampagne bat Voivod die Fan-Gemeinschaft um Unterstützung, um anfallende Behandlungskosten, Reiseausgaben, medizinische Ausrüstung und Lebenshaltungskosten in dieser Zeit abzudecken. Die Kampagne wurde von der Metal-Gemeinschaft breit wahrgenommen.
Das Symphonique-Album: Klassik trifft Metal
Zuletzt brachte die Band ein Liveprojekt zu einem ersten Abschluss, das ungewöhnlicher kaum hätte sein können: Zusammen mit dem Quebec Symphony Orchestra entstand das Live-Album Symphonique, das am 5. Juni 2026 erschienen ist. Die Aufnahme verbindet Voivods typischen Sci-Fi-Thrash mit orchestraler Begleitung und gibt bekannten Bandstücken eine völlig neue Klangtiefe. Das Ergebnis, so Metal-Hammer-Redakteurin Heidi Skrobanski, erinnere streckenweise an einen Filmsoundtrack – was bei einer Band, deren gesamtes Werk stets einem imaginären Universum aus postapokalyptischen Welten und Science-Fiction-Mythen gefolgt ist, keine überraschende Beschreibung ist.
Das neue Konzeptalbum: Schwerer, vielschichtiger, kinematisch
Parallel läuft die Arbeit an einem neuen Studioalbum, das als klassisches Konzeptalbum nach dem bekannten Voivod-Muster angelegt ist. Gitarrist Daniel Mongrain, der maßgeblich an der Komposition beteiligt ist, hat in Interviews angedeutet, dass das Material deutlich schwerer ausfallen werde als zuletzt und gleichzeitig konzeptionell dichter. Snake beschrieb den Klang als jenen eines früheren Voivod, ergänzt um neue Schichten und einer filmischen Erzählstruktur. Eine genaue Veröffentlichung wurde noch nicht bestätigt, doch die Parallele mit dem Videospiel-Release liegt nahe.
The Nuclear Warrior: Voivods erstes Videospiel
Eines der außergewöhnlichsten Projekte der Bandgeschichte ist das Videospiel Voivod: The Nuclear Warrior, das in Zusammenarbeit mit dem Indie-Entwickler Chaosmonger Studio entstanden ist. Das Spiel ist als retro-inspiriertes Action-Adventure im Pixel-Art-Stil der frühen 1990er Jahre angelegt und versetzt die Spielenden in die Rolle des postapokalyptischen Kriegers Voivod, der von seinem körperlosen Geist Nothingface geleitet wird und sich durch verzerrte Landschaften und biomechanische Mutanten kämpft. Die Handlung ist tief in den Konzeptuniversen der Band verwurzelt.
Alle vier aktuellen Bandmitglieder waren kreativ am Spiel beteiligt: Schlagzeuger Michel Langevin, der unter dem Alias Away seit Jahrzehnten auch als Zeichner und Bildkünstler für Voivod arbeitet, übernahm Teile des visuellen Designs. Mongrain arrangierte gemeinsam mit dem Komponisten Yann Latour Voivod-Songs im typischen Sound von 16-Bit-Konsolen der 90er Jahre neu. Snake sprach Rollentext für das Spiel ein, und Bassist Dominic Laroche, bekannt als Rocky, testete die Spielmechanik. Als bestätigte Plattform gilt bislang der PC. Eine Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung wurde bereits erfolgreich gestartet, und ein erster Prototype-Gameplay-Trailer gab der Fangemeinde einen Vorgeschmack auf das Spielerlebnis.
Biografie und Dokumentarfilm: Das Archiv einer Legende
Damit ist die Projektliste für 2026 noch nicht erschöpft. Musikjournalist Jeff Wagner, bekannt für seine analytischen Werkbetrachtungen des Progressive und Extreme Metal, veröffentlicht in Kürze die Bandbiografie Always Moving – The Strange Multiverse of Voïvod. Zeitgleich arbeitet Filmemacher Felipe Belalcazar an der Dokumentation Voivod: We Are Connected, die Archivmaterial, seltene Konzertaufnahmen und Interviews der Bandgeschichte zusammenführt.
Vier Jahrzehnte Überlebenswille
Voivod, bestehend aus Snake, Mongrain, Langevin und Laroche, haben in ihrer Karriere zahlreiche Brüche und Neuanfänge überstanden – den Tod von Gründungsbassist Denis D’Amour im Jahr 2005, Labelwechsel, Stilexperimente und Lineup-Veränderungen. Was die Band zusammenhält, ist ihr unverwechselbares, dystopisches Universum, das stets zugleich Musik, visuelle Kunst und konzeptionelle Erzählung umfasst. Mit dem aktuellen Projektreigen – Livalbum, Studioalbum, Videospiel, Dokumentarfilm und Biografie – wächst dieses Universum in einem Tempo, das für eine Band jenseits des vierzigsten Bandjubiläums bemerkenswert ist.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Metal Hammer DE, Rock Hard DE, metal.de, Time For Metal, Metal-Rules.com, Metal Injection