German Comic Con, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons
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David Harbour at German Stranger Con at the Crowne Plaza in Neuss in November 2022

Nach acht Monaten des Schweigens hat sich David Harbour erstmals öffentlich zu dem Album geäußert, das seinen Namen durch sämtliche Medien trug, ohne dass er auch nur ein einziges Mal dazu Stellung bezogen hatte. In einem ausführlichen Interview mit dem Branchenmagazin Variety, das am 10. Juni 2026 erschien, bricht der Stranger-Things-Schauspieler sein Schweigen – und tut es mit einer Formulierung, die so knapp wie aussagekräftig ist: Das sei nicht seine Erfahrung gewesen.

Las Vegas, Liebe und ein Ende: Die Ehe mit Lily Allen

David Harbour, Jahrgang 1975, und die britische Pop- und Indie-Sängerin Lily Allen hatten sich im September 2019 kennengelernt. Im Juli 2020 heirateten sie in einem privaten Rahmen in Las Vegas. Die Ehe, die vier Jahre dauerte, endete Anfang 2025 mit der Trennung. Die Scheidung wurde einige Monate später rechtskräftig. Allen bringt aus einer früheren Ehe mit dem Musikmanager Sam Cooper zwei Töchter mit, Ethel Mary, geboren 2011, und Marnie Rose, geboren 2012, die beide im gemeinsamen Haushalt aufwuchsen und zu denen Harbour eine enge Beziehung aufgebaut haben soll.

Im Oktober 2025, einen Monat vor dem Start der letzten Stranger-Things-Staffel, veröffentlichte Allen ihr Album West End Girl – und der Zeitpunkt war für Harbour denkbar ungünstig. Was ein karrieristischer Höhepunkt hätte sein sollen, wurde von einer Medienwelle überlagert, die sich um die Frage drehte, was das Album über die Ehe aussage, was wahr sein könnte und was nicht.

West End Girl: Ein Album zwischen Kunst und Bekenntnis

Allen selbst hat West End Girl stets als ein Werk beschrieben, das eine Mischung aus persönlicher Erfahrung und künstlerischer Ausgestaltung darstellt. Sie räumte ein, dass Dinge, die sie in ihrer Beziehung erlebt habe, Eingang ins Album gefunden hätten, betonte aber auch, dass sie sich künstlerische Freiheiten genommen habe und das Werk nicht als journalistische Dokumentation ihrer Ehe zu verstehen sei. Laut Medienberichten enthält das Album Anspielungen auf eine offene Ehe, Untreue und tiefe emotionale Verletzungen.

Harbour widersprach im Variety-Interview dem Inhalt des Albums nicht im Einzelnen, wollte die angesprochenen Vorwürfe aber auch nicht kommentieren oder öffentlich widerlegen. Er sagte, er glaube grundsätzlich daran, dass Künstlerinnen und Künstler das Recht hätten, ihre eigenen Erfahrungen als Grundlage für ihre Kunst zu nutzen, und er respektiere Allen dafür, dass sie das getan habe. Dann allerdings folgte der zentrale Satz, der in der Folge vielfach zitiert wurde: Es war nicht seine Erfahrung gewesen. Damit machte er deutlich, dass er die im Album beschriebene Version der gemeinsamen Geschichte nicht als seine eigene anerkennt – ohne dabei konkret zu werden. Was er nicht tun werde, erklärte er, sei die öffentliche Auseinandersetzung um seine Privatsphäre und die seiner Familie weiter anzuheizen.

Mehrere Fronten gleichzeitig: Der Millie-Bobby-Brown-Konflikt

Die Veröffentlichung von West End Girl fiel zusammen mit einem weiteren öffentlichen Sturm: Berichten zufolge hatte Harbours Stranger-Things-Kollegin Millie Bobby Brown, die in der Serie seit der ersten Staffel als seine Filmtochter Eleven an seiner Seite steht, noch vor den Dreharbeiten zur finalen fünften Staffel eine formelle Beschwerde wegen Mobbing und Belästigung gegen ihn bei den Produzenten eingereicht. Eine anwaltliche Vertreterin Browns war daraufhin während der Dreharbeiten zur fünften Staffel am Set präsent. Die Berichterstattung – insbesondere durch die britische Daily Mail – sorgte für erhebliches öffentliches Aufsehen und reicherte die bereits durch das Allen-Album aufgeheizte Stimmung weiter an.

Harbour äußerte sich nun auch dazu erstmals direkt. Er beschrieb die Situation als eine einfache Unterbrechung und anschließende Wiederannäherung, wie sie in jeder engen menschlichen Beziehung vorkommen kann. Zehn Jahre gemeinsamer Arbeit, dazu die prägenden Teenagerjahre von Brown in der Rolle der Eleven an seiner Seite als Hopper – das sei zwangsläufig intensiv und nicht ohne gelegentliche Reibungen. Das Problem sei, dass bei einer Produktion dieser Größenordnung Dutzende von Menschen das Gefühl hätten, sich einschalten zu müssen. Sobald man aber den ganzen äußeren Lärm beiseite geschoben und miteinander geredet habe, sei alles wieder in Ordnung gewesen. Brown selbst hatte bereits bei der Los-Angeles-Premiere der fünften Staffel im November 2025 gesagt, sie habe sich am Set stets sicher gefühlt, und beide hatten sich gegenseitig herzlich lobend erwähnt. Harbour nutzte das Interview, um explizit zu erklären, er liebe Brown, sie liebe ihn, und man werde noch mehr voneinander zu sehen bekommen – zehn Jahre seien nicht genug gewesen.

Stranger Things: Abschied von Hopper und ein neues Kapitel

Die fünfte und letzte Staffel von Stranger Things, die im November 2025 anlief und am 31. Dezember 2025 mit dem Finale endete, ist für Harbour sowohl ein persönlicher als auch ein professioneller Einschnitt. Seine Rolle als Jim Hopper, der raubeinige, väterliche Polizeichef von Hawkins, hatte ihn ab 2016 schlagartig weltberühmt gemacht – eine Art von Ruhm, die er nach eigenem Bekunden zunächst nicht vollständig verarbeiten konnte und die seinen Blick auf seine eigene Arbeit zeitweise veränderte. Im Serienfinale stirbt Eleven, gespielt von Brown, um die Welt zu retten. Harbour sagte im Interview, er halte dieses Ende für richtig und schön.

Das neue Filmprojekt, auf das sich das Variety-Gespräch ebenfalls bezieht, trägt den Arbeitstitel DTF St. Louis und soll Harbour – nach Jahren als Ensemble-Figur in Blockbuster-Produktionen wie Black Widow und Thunderbolts – zu der Art von tiefem, individuell gestalteten Charakterspiel zurückführen, mit dem er vor dem Durchbruch seine Karriere aufgebaut hatte.

Eine turbulente Phase: Öffentliche Auseinandersetzung mit privatem Schmerz

Was das Variety-Gespräch mit Harbour besonders macht, ist sein Umgang mit der Grundsatzfrage, die hinter allem steht: Wie geht man damit um, wenn das eigene Leben zur Vorlage für die Kunst eines anderen wird – ungefiltert, öffentlich, von Millionen diskutiert? Harbour beantwortet die Frage, ohne Groll zu zeigen und ohne zu kapitulieren. Er wahrt seine Würde, ohne die der anderen zu beschädigen. Dass die Geschichte komplex sei, sagte er, sei genau der Grund, weshalb er dem Album seinen Respekt zolle. Aber seine eigene Version dieser Geschichte gehöre ihm.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Variety, Rolling Stone US, Rolling Stone DE, Marie Claire Australia, Yahoo Entertainment, Irish Times, Pakistan Today, Pedestrian.tv

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