
Die Hip-Hop-Welt hat eine ihrer am meisten herbeigesehnten Kollaborationen seit Jahrzehnten endlich bestätigt bekommen. Jay-Z und Eminem werden auf dem kommenden Kollaborationsalbum von Rakim, Kurupt und Masta Killa gemeinsam auf einem Track zu hören sein – zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert. Die letzte gemeinsame Studioaufnahme beider Künstler datiert auf das Jahr 2001: Renegade, ein Stück auf Jay-Zs Album The Blueprint, das bis heute zu den meistzitierten Kollaborationen der Rap-Geschichte zählt.
Der Instagram-Post, der alles ins Rollen brachte
Die Nachricht brach am 7. Juni 2026 über die Hip-Hop-Gemeinschaft herein. Matthew Markoff, bekannt unter seinem Spitznamen M80, A&R und ausführender Produzent des geplanten Albums, veröffentlichte auf Instagram ein handgeschriebenes Bild der vorläufigen Tracklist. Auf diesem handschriftlichen Dokument sind die Songs noch ohne Titel aufgeführt und lediglich durch Nummern und die jeweiligen Gastkünstler unterschieden. Neben der sechsten Nummer des Albums tauchen unmissverständlich die Namen Eminem und Jay-Z auf. In seiner Bildunterschrift ließ Markoff, Präsident von Holy Toledo Productions, keinen Zweifel an seiner Einschätzung: Er bezeichnete das Projekt als Album des Jahres 2026 und ergänzte einen kämpferischen Appell, den Namen Rakim gebührend zu respektieren.
Hommage statt Wettkampf: Ein Interlude als Ehrerbietung
Gegenüber Rolling Stone lieferte Markoff exklusiv weitere Details. Das gemeinsame Stück von Jay-Z und Eminem ist kein vollwertiger Song mit eigenen Verses, sondern ein Interlude – ein verbindendes Zwischenstück auf dem Album. Darin huldigen beide Rapper dem Vermächtnis und dem Einfluss von Rakim. Das Interlude ist unmittelbar vor Rakims erstem Solotrack mit eigener Produktion seit über 15 Jahren platziert – eine dramaturgische Entscheidung, die dem Interlude die Funktion einer feierlichen Einleitung verleiht. Das gesamte Albummaterial, so Markoff, sei in den vergangenen zwei Jahren frisch eingespielt worden.
Rakim, Kurupt und Masta Killa: Ein Gipfeltreffen der Veteranen
Das Projekt vereint drei Schwergewichte der Rap-Geschichte, die sich bereits in der Vergangenheit zusammengefunden hatten. Rakim, Kurupt und Masta Killa hatten bereits den Lead-Single BE ILL zu Rakims 2024er Album G.O.D.’s NETWORK – REB7RTH gemeinsam aufgenommen. Das neue Kollaborationsalbum führt diese Zusammenarbeit fort und erweitert sie um ein beeindruckendes Gästeaufgebot: Neben Jay-Z und Eminem sind Snoop Dogg, KRS-One, Raekwon, Ghostface Killah, Buckshot und Daz Dillinger als Features angekündigt. Das Album trägt außerdem einen posthumen Executive-Producer-Credit von Oliver Grant, besser bekannt als Power aus dem Wu-Tang Clan, der 2023 verstorben ist. Die Veröffentlichung ist für den 28. August 2026 geplant, Vorbestellungen sollen ab Juli möglich sein.
Rakim: Der Urvater des lyrischen Rap
William Michael Griffin Jr., geboren am 28. Januar 1968 auf Long Island, New York, unter seinem Künstlernamen Rakim schlicht als der Gott des Rap bekannt, gilt als einer der einflussreichsten Lyriker in der Geschichte des Hip-Hop. Gemeinsam mit seinem Partner DJ Eric B veröffentlichte er ab 1986 eine Reihe von Alben, die das Fundament des modernen Rap legten. Paid in Full von 1987 und Follow the Leader von 1988 gelten als Meilensteine: Rakims Technik, seine Silbenstruktur, sein Timing und seine metaphernreiche Sprache definierten neu, was ein Rapper auf einem Mikrofon leisten konnte. Praktisch jeder bedeutende Rapper der Generationen nach ihm, von Nas über Jay-Z bis zu Eminem selbst, hat Rakim als entscheidende Inspiration genannt.
Eric B. & Rakim: Die Trennung und das späte Comeback
Das Duo Eric B. & Rakim trennte sich 1992 nach vier gemeinsamen Alben. Rakim verfolgte danach eine Solokarriere, die ihn 1997 zu Universal Records führte, wo das Solo-Debütalbum The 18th Letter erschien. 1999 folgte The Master. In den 2000er Jahren wurde es ruhiger um ihn, bevor er mit vereinzelten Features und dem 2024er Albumkollaborationsprojekt seine Rückkehr in die erste Reihe signalisierte. 2017 hatte er zusammen mit Eric B. eine Reunion-Tour absolviert, die die gemeinsame Nostalgie der Fans in ausverkauften Hallen bestätigte.
Jay-Z: Aktiv und ungebremst im Jahr 2026
Shawn Corey Carter, bekannt als Jay-Z, geboren am 4. Dezember 1969 in Brooklyn, New York, steht 2026 erneut im Mittelpunkt der Rap-Welt. Beim Roots Picnic 2026 lieferte er einen vielbeachteten Headliner-Auftritt ab, bei dem er in einem viralen Freestyle prominent Bezug auf mehrere Branchenrivalen nahm, darunter Drake, Ye, Nicki Minaj und weitere. Für Juli 2026 sind drei ausverkaufte Konzerte in New York City angekündigt, bei denen er die 30- und 25-jährigen Jubiläen seiner Alben Reasonable Doubt und The Blueprint feiern wird – zwei Werke, die den Maßstab für lyrischen Mainstream-Rap neu gesetzt haben. Auf The Blueprint, das 2001 erschien, findet sich auch der Track Renegade – die bislang letzte Studioverbindung zu Eminem.
Eminem und Jay-Z: Gegenseitiger Respekt, seltene Begegnungen
Marshall Bruce Mathers III, geboren am 17. Oktober 1972 in St. Joseph, Missouri, hat in seiner Karriere stets ein besonderes Verhältnis zu Jay-Z gepflegt. Er beschrieb den New Yorker als eine Figur, an der er sich orientiere – sowohl in Bezug auf künstlerische Haltung als auch auf die Fähigkeit, Texte mit Treffsicherheit zu verfassen. Direkte musikalische Kollaborationen waren dennoch selten: Renegade von 2001 ist die einzige offizielle gemeinsame Studioaufnahme in einem Vierteljahrhundert. Dass dieses Schweigen ausgerechnet auf einem Album gebrochen wird, das einem der Männer gewidmet ist, der beiden ihren Weg gewiesen hat, ist eine Pointe, die in der Rap-Welt als vollkommen stimmig wahrgenommen wird.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone DE, Rolling Stone US, Rolling Stone Canada, Rolling Stone India, AceShowbiz, Vibe, Vice, Yahoo Style Canada