Model by Huuxloc, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons
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Screenshot of a 3D representation of the Backrooms creepypasta.

Horrorfilme haben 2026 Hochkonjunktur. Nach einer Reihe kritisch wie kommerziell erfolgreicher Produktionen in den vergangenen Monaten ist ein neues Werk ins Rampenlicht gerückt, das das Genre auf ebenso unerwartete wie konsequente Weise erweitert: Backrooms, das Regiedebüt von Kane Parsons, gilt nach seinem Kinostart Ende Mai als einer der stärksten Horrorfilme des laufenden Jahres. Und wer genauer hinschaut, entdeckt in diesem modernen Albtraum aus endlosen Fluren und flackernden Neonlichtern eine Verwandtschaft zu einem Klassiker des Genres, der 45 Jahre zuvor an der Berliner Mauer entstand: Andrzej Żuławskis Possession von 1981.

Kane Parsons: Vom Teenager-YouTuber zum A24-Regisseur

Die Geschichte hinter Backrooms ist so unwahrscheinlich wie der Film selbst. Kane Parsons war gerade 16 Jahre alt, als er Anfang 2022 mit seinen CGI-animierten Kurzclips rund um das Backrooms-Universum auf YouTube innerhalb kürzester Zeit Hunderte Millionen Aufrufe generierte. Die Videos zeigten niemanden, der durch gelb getünchte, endlose Büroflure lief, leere Räume durchquerte, Kreaturen auswich – und das auf eine Art, die etwas in der Psyche der Zuschauenden ansprach, das schwer in Worte zu fassen ist. Hollywood wurde aufmerksam, A24 wurde aktiv, und Parsons wurde als jüngster Regisseur in der Geschichte des Arthouse-Horror-Labels verpflichtet.

Das Ergebnis ist seit dem 29. Mai 2026 in amerikanischen Kinos zu sehen, seit dem 18. Juni 2026 läuft es im deutschen Verleih durch Constantin Film. Die Weltpremiere fand am 7. Mai 2026 im Aero Theatre in Santa Monica statt.

Die Handlung: Ein Mann verschwindet zwischen den Wänden der Wirklichkeit

Im Mittelpunkt von Backrooms steht Clark, gespielt von Chiwetel Ejiofor, Besitzer eines in die Krise geratenen Möbelgeschäfts, den seine Frau verlassen hat und der sich mehr und mehr in die eigene Misere einmauert. Eines Tages entdeckt er hinter einer unscheinbaren Tür – abgeklebt mit blauem Malerklebeband – einen Übergang in ein Raumsystem, das nicht hätte existieren dürfen: endlose, gelblich beleuchtete Flure, kahle Büroräume ohne erkennbaren Ursprung oder Ausgang, Möbel, die jemand aufgestellt hat, der die reale Welt nur aus Beschreibungen kennt. Und darin: etwas, das wartet.

Renate Reinsve spielt Clarks Therapeutin Dr. Mary Kline, an die er sich mit seiner Geschichte wendet, ohne dass sie ihm glaubt. Mark Duplass ist als weiterer Charakter besetzt, und der 2,31 Meter große Basketballer und Schauspieler Robert Bobroczkyi verleiht dem Creature-Design eine körperliche Bedrohlichkeit, die auf der Leinwand schwer zu vergessen ist. Finn Bennett und Lukita Maxwell als Clarks Mitarbeitende vervollständigen ein Ensemble, das dem Film seine menschliche Verankerung gibt.

Liminal Spaces: Die Ästhetik des Unheimlichen

Was Backrooms zu mehr als einem handwerklich soliden Horrorfilm macht, ist seine Verankerung in einem kulturellen Phänomen, das die Online-Generation der 2010er und 2020er Jahre tief geprägt hat: dem Konzept der Liminal Spaces. Als liminale Räume werden Orte bezeichnet, die zwischen zwei Zuständen existieren – Transiträume ohne Anfang und Ende, deren Funktion in der Abwesenheit von Menschen liegt: leere Flughafenkorridore um vier Uhr morgens, verwaiste Einkaufszentren kurz vor der Schließung, Treppenaufgänge in Schulgebäuden an Ferientagen, Unterführungen ohne Fußgänger. Diese Orte sind objektiv banal. Subjektiv lösen sie ein Unbehagen aus, das schwer zu benennen ist – ein Gefühl von Verschiebung, von fehl am Platz, von Zeit, die außer Kraft gesetzt ist.

Parsons versteht, dass die eigentliche Bedrohung in Backrooms nicht in dem liegt, was in den Schatten lauert, sondern in der unendlichen, beunruhigenden Leere selbst. Negatives Raumgefühl als Waffe: Das ist die handwerkliche Entscheidung, die den Film von vergleichbaren Werken abhebt. Die flimmernden Neonröhren, das gleichförmige Gelb der Wandfarbe, die Abwesenheit von Fenstern und damit von Zeit – all das erzeugt eine Atmosphäre, die den Filmkritikern zu Recht an die Apple-TV-Serie Severance erinnert, ebenfalls ein Werk, das die klinische Schreckhaftigkeit der Arbeitswelt als Ausgangspunkt für existenzielles Grauen nutzt.

Possession, 1981: Das Vorbild, das sich jeder Einordnung entzieht

Um Backrooms vollständig zu verstehen, lohnt ein Blick zurück auf einen Film, der thematisch und atmosphärisch wie ein ferner Verwandter wirkt: Possession, 1981 in West-Berlin gedreht von dem polnischen Regisseur Andrzej Żuławski. Der Film beginnt als Ehedrama: Mark, gespielt von Sam Neill, kehrt von einem Geheimeinsatz zurück und findet seine Frau Anna, gespielt von Isabelle Adjani, in einem Zustand tiefgreifender Zerrüttung. Sie will die Scheidung, hat einen Liebhaber und entwickelt zunehmend ein Verhalten, das weit jenseits nachvollziehbarer menschlicher Reaktion liegt.

Was Possession zu einem Sonderfall der Filmgeschichte macht, ist die Art, wie Żuławski die emotionale Erosion einer Ehe in etwas buchstäblich Monströses überführt. Die Kreatur, der Anna in einem verlassenen Berliner Hinterhof begegnet – ein schleimiges, tentakelbewehrtes Wesen, das von dem italienischen Maskenbildner Carlo Rambaldi erschaffen wurde, der ein Jahr später für E.T. den Oscar erhalten sollte – ist keine Metapher, die man wegdiskutieren kann. Sie ist da, körperlich, real, und gleichzeitig eindeutig Ausdruck des inneren Zustands der Figuren.

Die Dreharbeiten fanden 1980 in West-Berlin statt, und die Mauer ist in mehrfacher Hinsicht präsent: buchstäblich in frühen Aufnahmen patrouillierender Soldaten an der Grenze, und als ideelles Bild eines Systems, das Menschen zwischen zwei Welten einsperrt, ohne Ausweg und ohne Erklärung. Die Straße, in der die Kreaturenszenen gedreht wurden, die Sebastianstraße 87 in Berlin-Kreuzberg, lag direkt an der Mauer.

Adjani gewann für ihre Darbietung die Auszeichnung als beste Schauspielerin bei den Filmfestspielen von Cannes 1981 sowie ein Jahr später den César. Żuławski wurde für die Goldene Palme nominiert. Dennoch lief der Film in vielen Ländern nur in gekürzten Fassungen – in den USA war die Schnittfassung um 45 Minuten kürzer als die Originalversion, in Großbritannien wurde der Film für fast zwei Jahrzehnte auf die Liste der Video Nasties gesetzt und war praktisch verboten.

Possession ist kein angenehmer Film, er ist kein verständlicher Film im herkömmlichen Sinne, und er lässt sich in kein Genre einordnen, das bereits existierte. Er ist Body-Horror, Trennungsdrama, politische Parabel und metaphysischer Schrecken zugleich. Was er mit Backrooms verbindet, ist weniger der Plot als der Impuls: beide Filme interessieren sich für Räume, die eigentlich nicht sein dürften, für eine Wirklichkeit, die unter einer vertrauten Oberfläche aufgebrochen ist, und für Protagonisten, die nicht mehr unterscheiden können, was real ist.

Der Erfolg: Horror boomt

Backrooms feierte nach seinem US-Start eine starke kommerzielle und kritische Resonanz. Kritiken lobten insbesondere die atmosphärische Dichte, die visuelle Konsequenz und die Fähigkeit des Regisseurs, Spannung durch Abwesenheit statt Anwesenheit zu erzeugen. Die Tatsache, dass Parsons keinerlei Spielfilmerfahrung hatte und trotzdem mit einem A24-Budget und einem hochkarätigen Cast arbeitete, wurde vielfach als außergewöhnliches Ergebnis gewürdigt. Ob Backrooms am Ende des Jahres als kommerziell erfolgreichster Horrorfilm 2026 dasteht, bleibt abzuwarten – die Vorzeichen sind gut.

In Deutschland startete der Film, nach einer Verschiebung vom ursprünglich geplanten 4. Juni, am 18. Juni 2026 durch Constantin Film. Possession ist in Deutschland auf verschiedenen Streamingplattformen verfügbar und wird in Arthouse-Kinos regelmäßig als Klassikerprogramm gezeigt – ein zeitloser Einblick in eine Art des Horrors, die nicht Angst machen will, sondern Verstörung hinterlässt.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Kinofans.com, SlashFilm, Hollywood Reporter India, Daily Maverick, IT Boltwise, Wikipedia DE, Wikipedia EN, Slant Magazine, MUBI Notebook, Culture.pl, IMDB, Jungle World

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