White House Photo Office, Public domain, via Wikimedia Commons
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President Ronald Reagan, first lady Nancy Reagan and pop singer Michael Jackson at the White House ceremony to launch the campaign against drunk driving.

Mehr als ein Jahrzehnt nach den ersten Klagen ist das zivilrechtliche Verfahren von Wade Robson und James Safechuck gegen das Unternehmen des verstorbenen Popstars Michael Jackson erneut nicht zu seinem Ende gekommen. Ein kalifornischer Richter setzte am 12. Juni 2026 einen neuen Verhandlungstermin fest: Februar 2028. Für die beiden Männer, die im Mittelpunkt der vielbeachteten HBO-Dokumentation Leaving Neverland aus dem Jahr 2019 standen, bedeutet das eine weitere, mittlerweile vielfache Verzögerung in einem Rechtsstreit, der ihr Leben seit Jahren begleitet.

Die Vorwürfe: Zwei Männer, eine gemeinsame Geschichte

Wade Robson, heute als Choreograf und Regisseur tätig, und James Safechuck, Autor, Schauspieler und Regisseur, hatten in der 2019 erschienenen Dokumentation Leaving Neverland erstmals detailliert öffentlich geschildert, was sich nach ihrer Darstellung in ihrer Kindheit auf der kalifornischen Neverland Ranch zugetragen haben soll. Beide schilderten, sie hätten Michael Jackson als Kinder durch dessen Karriere kennengelernt – Robson über einen Tanzwettbewerb in Australien, Safechuck während der Dreharbeiten zu einem Werbespot für ein Erfrischungsgetränk. Aus diesen Begegnungen entwickelten sich nach ihren Angaben über Jahre andauernde Beziehungen, in deren Verlauf es laut den Klägern wiederholt zu sexuellem Missbrauch gekommen sein soll.

Safechuck zufolge habe der Missbrauch begonnen, als er zehn Jahre alt war, und habe sich über die folgenden vier Jahre hunderte Male wiederholt. Beide Männer reichten ihre Klagen ursprünglich getrennt ein – Robson 2013, Safechuck 2014 – gegen die Unternehmen MJJ Productions und MJJ Ventures, mit den Vorwürfen Fahrlässigkeit, Pflichtverletzung und vorsätzliche Zufügung seelischen Leids. Beide Klagen wurden im Verlauf der Jahre zweimal von einem kalifornischen Bezirksgericht abgewiesen und ebenso zweimal von einem Berufungsgericht wieder zugelassen. 2024 wurden die beiden Verfahren zu einem gemeinsamen Fall zusammengelegt.

Jacksons Nachlass: Konsequente Zurückweisung

Während seines Lebens wies Michael Jackson sämtliche Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs konsequent zurück. Bereits in den 1990er Jahren hatten Strafverfolgungsbehörden in Los Angeles und Santa Barbara Ermittlungen im Zusammenhang mit drei Jungen aufgenommen, erhoben jedoch 1994 keine Anklage, nachdem einer der mutmaßlichen Betroffenen sich nach einem außergerichtlichen Vergleich zwischen Jackson und der Familie des Jungen einer Aussage verweigerte. 2003 wurde Jackson in einem separaten Verfahren wegen sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagt und 2005 in einem vielbeachteten Strafprozess in sämtlichen Punkten freigesprochen.

Anders als bei diesem Prozess von 2005 wird Jackson selbst im aktuellen Zivilverfahren nicht angeklagt – er verstarb 2009. Stattdessen richtet sich die Klage gegen die Unternehmen, über die seine Karriere organisiert war. Der Nachlass von Michael Jackson sowie seine Familie haben die Vorwürfe wiederholt und entschieden als haltlos zurückgewiesen und bezeichneten die Klagen öffentlich als finanziell motiviert.

Der Streit um die Dokumentation selbst

Die Veröffentlichung von Leaving Neverland 2019 hatte erhebliche Konsequenzen. Mehrere Radiosender in Neuseeland und Kanada nahmen Jacksons Musik vorübergehend aus ihren Programmen, eine Episode der Zeichentrickserie Die Simpsons, in der Jackson eine Sprechrolle hatte, wurde aus dem Verkehr gezogen. Der Jackson-Nachlass wiederum reichte eine Klage gegen den Sender HBO über einen Betrag von rund 100 Millionen US-Dollar ein, mit der Begründung, die Ausstrahlung der Dokumentation habe gegen eine bestehende Vereinbarung verstoßen.

Verzögerung um Verzögerung: Der lange Weg zum Prozess

Der jetzt verkündete neue Termin ist nicht die erste Verschiebung in diesem Verfahren. Ursprünglich hatten Robson, Safechuck und ihr Anwalt John Carpenter darauf gedrängt, den Fall noch vor dem Kinostart des Jackson-Biopics Michael unter der Regie von Antoine Fuqua zur Verhandlung zu bringen. Frühere Zeitpläne sahen einen Prozessbeginn für November 2026 vor, später wurde der Termin auf Oktober 2027 verschoben. Am 12. Juni 2026 einigten sich beide Parteien nun darauf, weitere Fristen auszusetzen, die andernfalls eine frühere Verhandlung erzwungen hätten. Als Gründe wurden organisatorische Probleme genannt: Die Zeugenaussage von Safechuck habe sich wegen des vollen Terminkalenders seines Anwalts verzögert, zudem sei der für mehrere Zeugenvernehmungen zuständige Vermittler des Gerichts nur eingeschränkt verfügbar gewesen. Der zuständige Richter Michael E. Whitaker setzte den neuen Verhandlungstermin auf den 14. Februar 2028 fest, ordnete aber eine weitere Anhörung im September 2026 an, um den Fortgang des Verfahrens zu überwachen.

Eine Fortsetzung der Dokumentation und Safechucks Botschaft an Betroffene

Parallel zum juristischen Geschehen arbeitet Regisseur Dan Reed, der bereits Leaving Neverland 2019 inszeniert hatte, an einer Fortsetzung mit dem Titel Leaving Neverland 2: Surviving Michael Jackson. Diese Fortsetzung konzentriert sich auf den jahrelangen Kampf von Robson und Safechuck um einen Gerichtstermin und die emotionalen Belastungen, die damit verbunden sind. In einem veröffentlichten Ausschnitt beschreibt Safechuck, wie er sich innerlich auf den Moment vorbereite, in dem er endlich vor Gericht aussagen könne. Robson äußerte sich ähnlich entschlossen zu seiner bevorstehenden Aussage.

Im April 2026, zeitgleich mit dem verstärkten Medienrummel um den Kinostart des Biopics Michael, veröffentlichte Safechuck über seinen Anwalt eine Videobotschaft an andere Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch. Er beschrieb darin, wie belastend es für Überlebende sein könne, wenn ein mutmaßlicher Täter in der Öffentlichkeit gefeiert werde – sei es ein Geistlicher, ein Sporttrainer oder eine andere Vertrauensperson. Sein Anwalt John Carpenter erklärte gegenüber dem Hollywood Reporter, Safechuck habe damit zu kämpfen gehabt, mitanzusehen, wie sein angeblicher Missbraucher gefeiert werde, und habe deshalb diese Botschaft formuliert.

Ein Verfahren mit weitreichender Bedeutung

Sollte der Fall tatsächlich im Februar 2028 vor ein Gericht gehen, wäre dies eine der bedeutendsten juristischen Auseinandersetzungen rund um das Erbe von Michael Jackson seit dem Strafprozess von 2005. Bis dahin bleibt die Geschichte von Wade Robson und James Safechuck eine, die zwischen öffentlicher Aufmerksamkeit, juristischen Verzögerungen und persönlicher Aufarbeitung ihren Platz sucht – und vorerst weiterhin ohne den ersehnten Tag vor Gericht.

Dieser Artikel behandelt ein sensibles Thema. Wer selbst von sexuellem Missbrauch betroffen ist oder Unterstützung benötigt, kann sich an entsprechende Beratungsstellen wenden.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Rolling Stone DE, Rolling Stone US, Rolling Stone AU, The Tab, Musikexpress, Filmpluskritik, Hollywood Reporter, Time

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