Montclair Film, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
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photo by “Neil Grabowsky / Montclair Film”

Nach dem überwältigenden Erfolg von The Wizard of Oz hat die Sphere at the Venetian Resort in Las Vegas ihre nächste große Ankündigung gemacht: The Rocky Horror Picture Show wird 2027 als immersives Erlebnis auf die riesige Rundleinwand des Veranstaltungsgebäudes kommen. Sphere Entertainment gab die Neuigkeit am 16. Juni 2026 bekannt und setzte damit ein klares Zeichen, dass das Konzept der immersiven Filmkino-Erlebnisse für die Sphere weit mehr als ein einmaliges Experiment ist.

The Wizard of Oz als Blaupause: 400 Millionen Dollar Einnahmen

Den Anstoß für die Rocky-Horror-Ankündigung gab ein Meilenstein der bereits laufenden Wizard-of-Oz-Produktion. Seit ihrer Eröffnung am 28. August 2025 hat The Wizard of Oz at Sphere nach Angaben von Sphere Entertainment mehr als drei Millionen Tickets verkauft und dabei einen Gesamterlös von über 400 Millionen US-Dollar erzielt. Das Budget für diese Produktion hatte laut Branchenberichten bei rund 100 Millionen US-Dollar gelegen, was das finanzielle Ergebnis umso bemerkenswerter macht.

Für das Wizard-of-Oz-Erlebnis wurde das ursprüngliche Filmmaterial von 1939 mit Hilfe von generativer KI-Technologie so aufbereitet, dass es auf der 160.000 Quadratfuß großen, gewölbten LED-Rundleinwand der Sphere optimal zur Geltung kommt. Digitale Restaurierungsverfahren erzeugten eine extrem hochauflösende Version des Films, und fehlende Figuren wurden in bestimmten Szenen durch KI-generierte Komposita ergänzt. Zudem wurde ein vollständig neu eingespielter Soundtrack produziert, und mehrsensorische 4D-Elemente sorgten dafür, dass das Publikum etwa beim berühmten Apfelwurf der Hexe des Westens von weichen Wurfgeschossen begrüßt wurde.

Ein Klassiker trifft auf neue Dimensionen

The Rocky Horror Picture Show aus dem Jahr 1975, basierend auf dem gleichnamigen Bühnenmusical von Richard O’Brien, gehört zu den rätselhaftesten und zugleich langlebigsten Kultobjekten der Filmgeschichte. Der Film erzählt von dem frisch verlobten Pärchen Brad und Janet, deren Auto auf einer regnerischen Nacht eine Panne erleidet. Auf der Suche nach Hilfe geraten sie in das bizarre Schloss des Wissenschaftlers Dr. Frank-N-Furter, gespielt von Tim Curry in seiner wohl ikonischsten Rolle. Der exzentrische Forscher aus Transsylvanien veranstaltet dort ein Treffen seiner außerirdischen Anhänger und zieht die beiden Ankömmlinge nach und nach in eine Welt aus Verkleidung, Selbstfindung und Rock-and-Roll-Exzess.

Zu den weiteren prominenten Darsteller im Film gehörten Susan Sarandon als Janet und Barry Bostwick als Brad. Auch Meat Loaf hatte einen Auftritt in dem Film, der seinen eigenen Karriereweg maßgeblich beeinflusste. Bei seinem Kinostart 1975 floppte Rocky Horror an den Kinokassen – seine Wiedergeburt kam über die Tradition der Mitternachtsvorstellungen, bei denen das Publikum in Verkleidungen erschien, Dialoge laut mitspielte, vorbereitete Requisiten einsetzte und Gesangsnummern mitgrölte. Dieses partizipative Publikumsprinzip war seiner Zeit weit voraus und gilt heute als Vorläufer der immersiven Eventkultur.

Sphere und Rocky Horror: Ein nahezu natürliches Paar

Die Entscheidung, Rocky Horror nach dem Wizard of Oz als zweite große Filmproduktion in die Sphere zu bringen, folgt einer klaren Logik. Jim Dolan, der Hauptaktionär und Geschäftsführer von Sphere Entertainment, erklärte in einer Stellungnahme, Rocky Horror habe seit seiner Premiere 1975 die Publikumspartizipation neu definiert und sei zu einem kulturellen Phänomen geworden. Die Sphere biete nun die Möglichkeit, diesen Geist der Immersion auf eine vollkommen neue Ebene zu heben.

Für die technische Umsetzung werden Sphere Studios erneut die spezifischen Werkzeuge des Hauses einsetzen: die 160.000 Quadratfuß umfassende gewölbte LED-Innenwand mit einer Auflösung im 16K-Bereich sowie das dreidimensionale Raumklangsystem, das jeden Winkel des Saals bespielt. Konkrete technische Details zur Rocky-Horror-Produktion wurden von Sphere Entertainment noch nicht veröffentlicht, doch die partizipativen Elemente des Films – Kostüme, lautes Mitsingen beim Time Warp, Requisiten-Tradition – sollen ausdrücklich Teil des Erlebnisses bleiben und für die Sphere-Umgebung neu ausgestaltet werden. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit Primary Wave Music und dem Studio 20th Century Studios.

Dass die Sphere gleichzeitig ein weiter ausgreifendes Programm aufbaut, machte Dolan in einem Gespräch mit Analysten im Mai 2026 deutlich: Da kein anderer Veranstaltungsort der Welt immersive Erlebnisse dieser Art anbieten könne, liege die Entscheidungshoheit darüber, welche Filmklassiker dieses Format erhalten, allein bei Sphere Entertainment. Der Einfluss beim Verhandeln mit Rechteinhabern sei entsprechend groß.

Rocky Horror auf der Bühne: Broadway-Comeback 2026

Das Sphere-Engagement ist nicht der einzige aktuelle Beweis für die anhaltende Strahlkraft des Rocky-Horror-Universums. Am Broadway feierte 2026 eine neue Bühnenadaption Premiere, die nach starken Besucherzahlen ihre Laufzeit verlängerte. Das beweist, dass der Stoff fünf Jahrzehnte nach seinem Entstehen nichts von seiner Fähigkeit verloren hat, neue Generationen anzusprechen und gleichzeitig den Schulterschluss mit seinem treuen Stammpublikum zu suchen.

Postcard from Earth: Das Fundament des Sphere-Erlebnisprogramms

Rocky Horror wird in der Sphere das dritte Werk des sogenannten The Sphere Experience sein – der Reihe hauseigener immersiver Inhalte. Den Anfang machte Postcard from Earth, eine vom Regisseur Darren Aronofsky entwickelte eigene Produktion, die 2023 als Eröffnungsprogramm des Gebäudes diente. Der Wizard of Oz folgte als zweites Werk und setzte mit seinem kommerziellen Durchbruch den Maßstab, dem Rocky Horror nun nacheifern soll. Ob das Budget ähnlich hoch ausfallen wird wie die rund 100 Millionen Dollar der Oz-Produktion, wollte Sphere Entertainment auf Anfrage nicht kommentieren.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Variety, Billboard, Deadline, Hollywood Reporter, Broadway World, AOL Entertainment, Yahoo Entertainment, The Wrap, Las Vegas Review-Journal

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