
Die österreichische Extreme-Metal-Szene trauert um einen ihrer engagiertesten und prägendsten Vertreter. Bartholomäus Resch, bekannt unter dem Spitznamen Barth, ist in der Nacht zum 9. Mai 2026 infolge eines schweren Verkehrsunfalls verstorben. Er wurde 49 Jahre alt. Erst am 18. Juni 2026 meldete sich seine ehemalige Band Belphegor öffentlich zu Wort und trauerte mit einem bewegenden Statement um einen Weggefährten, den sie seit fast drei Jahrzehnten kannte.
Eine Karriere tief verwurzelt im Underground
Bartholomäus Resch war eine feste Größe in der internationalen Underground-Metal-Szene Österreichs. Sein musikalisches Wirken umspannte mehrere Bands und Dekaden. Am bekanntesten ist er als ehemaliger Bassist und Backing-Vocalist von Belphegor, jener aus Salzburg stammenden Blackened-Death-Metal-Formation, die seit den frühen 1990er Jahren zur Speerspitze des österreichischen Extreme Metal zählt. Von 2002 bis 2006 war er festes Mitglied der Band, prägte deren Klang in einer für die Gruppe besonders produktiven Phase und spielte auf drei Studioalben mit. Darüber hinaus kehrte er 2012 unter einem Pseudonym als Live-Gastsänger zur Band zurück.
Neben Belphegor war Resch Teil der Black-Metal-Formation Arsgoatia aus Salzburg, für die er als Bassist und Sänger tätig war und mit der er zuletzt aktiv Musik machte. Weitere Stationen seiner Karriere waren die Bands Our Survival Depends on Us, der er bis 2021 angehörte, sowie Tabula Rasa. In all diesen Projekten verkörperte er eine Haltung zur Musik, die über reine Unterhaltung hinausging: konsequent, unangepasst, mit einer tiefen Überzeugung für die Werte des Underground.
Lucifer Incestus, Goatreich und Pestapokalypse: Die Belphegor-Ära
Die Jahre mit Belphegor gehören zum sichtbarsten Teil von Reschels Biografie als Musiker. Auf Lucifer Incestus aus dem Jahr 2003, Goatreich – Fleshcult aus dem Jahr 2005 und Pestapokalypse VI aus dem Jahr 2006 ist er als Bassist zu hören. Damit war er Teil einer Bandphase, die von Kritikern und Fans gleichermaßen als stilprägend für den österreichischen Blackened Death Metal bewertet wird. Sein Beitrag reichte dabei über die aktive Mitgliedschaft hinaus: Texte, die er verfasst hatte, fanden noch auf den nachfolgenden Alben Bondage Goat Zombie von 2008 und Walpurgis Rites – Hexenwahn von 2009 Verwendung – Alben, für die er selbst nicht mehr im Studio stand.
House of the Holy: Ein Festival als Lebenswerk
Neben seiner Rolle als Musiker war Barth Resch in der österreichischen Szene vor allem als Veranstalter bekannt und geschätzt. Das Festival House of the Holy, das er auf der Neudegg-Alm bei Abtenau im Salzkammergut ins Leben rief und über Jahre hinweg organisierte, war ein Treffpunkt für Menschen aus dem europäischen Underground-Metal- und Extremmusik-Kosmos. Was Resch dort schuf, war nach Einschätzung aller, die ihn kannten, weit mehr als ein Konzertformat. Er schuf einen Ort für Gemeinschaft, künstlerischen Austausch und musikalischen Ausdruck jenseits des Mainstreams. Das Festival verband nicht nur Bands und Publikum, sondern gab vielen Menschen das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das echten Charakter hatte.
Helmuth Lehner: 29 Jahre Bruderschaft
Belphegor-Gründer und Frontmann Helmuth Lehner wartete rund sechs Wochen nach dem Tod seines früheren Bandkollegen, bevor er ein öffentliches Statement veröffentlichte und damit die Nachricht für viele internationale Fans offiziell machte. In einem emotionalen Beitrag auf den sozialen Netzwerken beschrieb er fast drei Jahrzehnte gemeinsamer Weggefährtschaft als prachtvolles und chaotisches Miteinandermarschieren. Er bekundete tiefe Erschütterung über den Verlust und erinnerte daran, dass Resch ihm im Jahr 2011 in einer persönlich schwierigen Situation das Leben gerettet habe – eine Aussage, die die Tiefe ihrer Freundschaft über die Musik hinaus verdeutlicht. Reschels Tod hinterlasse ein riesiges Loch, das in Worten kaum zu fassen sei.
Eine Szene trauert
Die Reaktionen aus der deutschen und österreichischen Metal-Szene auf den Tod von Barth Resch waren unmittelbar und zahlreich. Zahlreiche Bands, Veranstalter und Wegbegleiter aus dem europäischen Underground meldeten sich mit Kondolenzbekundungen zu Wort. Das Fachmagazin Rock Hard beschrieb ihn als eine der leidenschaftlichsten, engagiertesten und prägendsten Persönlichkeiten der internationalen Underground- und Extremmusikszene der vergangenen Jahre. Er habe Menschen zusammengebracht, Ideen verwirklicht und mit radikaler Ehrlichkeit für das eingestanden, was ihm wichtig war.
Bartholomäus Resch hinterlässt seine Familie, seine Freunde und eine Szene, die durch ihn bereichert wurde.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: metal.de, Rock Hard DE, Metal Injection, Lambgoat, Metal Addicts, Next Mosh, The PRP, Metal Archives, Promiflash