
Es war kein gewöhnlicher Eröffnungstag. Als das Barack Obama Presidential Center and Library am 18. Juni 2026 auf der South Side von Chicago seine Türen öffnete, tat es das mit einer Gästeliste, die jeden großen Musikfestivalveranstalter neidisch machen dürfte: Bruce Springsteen, U2s Bono und The Edge, Stevie Wonder, Pearl Jams Eddie Vedder, John Legend, Christina Aguilera, Jennifer Hudson, Common, Marc Anthony und The Roots – eine Aufstellung, die nicht nur ein Museum eröffnete, sondern eine Ära feierte, ein Statement abgab und dem Publikum einen Nachmittag bescherte, den die Anwesenden noch lange nicht vergessen werden.
Ein Campus auf der South Side: Was das Zentrum ist
Das Obama Presidential Center ist das Ergebnis von mehr als einem Jahrzehnt Planung und Bauzeit und kostete rund 850 Millionen US-Dollar, finanziert aus privaten Mitteln. Der 19,3 Hektar große Campus liegt im historischen Jackson Park im Stadtteil Woodlawn auf Chicagos South Side – dort, wo Barack Obama einst als Community Organizer arbeitete und seine politische Karriere begann. Das Herzstück ist ein großes Museum, das die politische und persönliche Geschichte des ersten schwarzen US-Präsidenten der Vereinigten Staaten und der ehemaligen First Lady Michelle Obama dokumentiert. Daneben enthält das Gelände eine Zweigstelle der Chicago Public Library, Basketballplätze, einen Spielplatz, ein Sportzentrum, einen Gemüsegarten und Picknickflächen. Eine Nachbildung des Oval Office ist ebenfalls zu besichtigen.
Die Eröffnungsfeier war als geschlossene Veranstaltung für geladene Gäste geplant, wurde aber weltweit per Livestream über die Website der Obama Foundation übertragen. Tausende Menschen verfolgten die Zeremonie außerdem bei einer öffentlichen Übertragungsveranstaltung im nahegelegenen Midway Plaisance Park.
Vier Präsidenten auf einer Bühne
Barack Obama eröffnete die Zeremonie mit einer Rede, in der er das Zentrum als Ort der Demokratie beschrieb – als Zeugnis dafür, wie wertvoll und kostbar demokratische Strukturen seien und als Erinnerung daran, was Menschen gemeinsam erreichen können, wenn sie ihre geteilte Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger annehmen. Michelle Obama hielt ebenfalls eine bewegende Ansprache, bei der Barack Obama sichtlich gerührt war. Neben den Obamas erschienen drei weitere ehemalige US-Präsidenten auf der Bühne: Joe Biden, George W. Bush und Bill Clinton. Donald Trump war weder eingeladen noch wurde er von einem der Redner oder Musikerinnen und Musiker des Nachmittags auch nur erwähnt.
Zu den weiteren prominenten Gästen der Feier zählten Oprah Winfrey, Bürgerrechtsikone Andrew Young, Al Sharpton, Schauspieler Tom Hanks, Tennislegende Billie Jean King sowie die Komödianten David Letterman, Conan O’Brien und Stephen Colbert. Unter den Anwesenden waren auch mehrere mögliche Präsidentschaftsbewerber der Demokraten für die Wahl 2028.
Das Konzertprogramm: Von U2 bis Higher Ground
Den musikalischen Auftakt machten The Roots als Hausband, die das gesamte Programm begleiteten. Bono und The Edge von U2 eröffneten ihren Auftritt mit der Erklärung, sie stünden stellvertretend für alle Iren in Chicago und auf der ganzen Welt, und spielten anschließend den 2004 erschienenen Titel City of Blinding Lights – ein Song, den Barack Obama während beider Präsidentschaftskampagnen 2008 und 2012 eingesetzt hatte und der für ihn eine besondere symbolische Bedeutung trägt. Bono passte die Textzeilen eigenen Angaben zufolge für die Feier des Nachmittags an.
John Legend interpretierte eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung und trat anschließend gemeinsam mit Common und dem Chicagoer Chor Uniting Voices Chicago auf, um deren gemeinsamen Oscar-prämierten Song aus dem Film Selma zu singen. Christina Aguilera, Marc Anthony, Eddie Vedder und Jennifer Hudson folgten.
Bruce Springsteen betrat die Bühne und sang Land of Hope and Dreams – jenes Stück, das er auch beim zweiten Bruce Springsteen Center for American Music-Konzert einige Tage zuvor als einzigen eigenen Song des Abends gespielt hatte. Am Ende seiner Performance wandte er sich direkt an Barack und Michelle Obama und erklärte ihnen seine Zuneigung auf die direkte, unverblümte Art, die sein Auftreten seit Jahrzehnten kennzeichnet.
Den Abschluss bestimmte Stevie Wonder, der zunächst All I Do und anschließend seinen Klassiker Signed, Sealed, Delivered spielte – während die Obamas mitlächelten, mitsangen und mitschaukelten. Als Finale holte Wonder alle Musikerinnen und Musiker des Abends zurück auf die Bühne für eine gemeinsame Version von Higher Ground aus dem Jahr 1973. Das Bild dieser Runde – Springsteen, Legend, Vedder, Hudson, Aguilera und alle anderen gemeinsam auf der Bühne, während das Publikum aufsprang – war der emotionale Höhepunkt eines außergewöhnlichen Nachmittags.
Ein Zentrum als Appell
Obama beschrieb das Zentrum bei der Eröffnung als mehr als ein Museum oder eine Bibliothek. Es solle als Ort dienen, an dem Gemeinschaft entsteht, an dem junge Menschen Zugang zu Bildung und Ressourcen erhalten und an dem die Geschichte der Obamas nicht nur bewahrt, sondern lebendig gehalten wird. Die Wahl des Standorts auf der South Side, einem der einkommensschwächsten und historisch marginalisierten Stadtteile Chicagos, ist dabei kein Zufall, sondern Programm.
Dass die Eröffnungsfeier weltweit live übertragen wurde und Millionen Menschen verfolgten, wie drei frühere Präsidenten Seite an Seite standen, während Stevie Wonder Higher Ground sang, war in Zeiten politischer Spaltung selbst eine Botschaft – eine bewusst gesetzte, unübersehbare und klangvolle.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Euronews DE, Rolling Stone US, PBS NewsHour, Chicago Sun-Times, Loudwire, CBS News Chicago, Philadelphia Inquirer, Ultimate Classic Rock